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Quo Vadis, Deutschland?

Erstellt von bubu, 22.12.2004, 18:20 Uhr · 293 Antworten · 19.125 Aufrufe

  1. #21
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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    In vielen Betrieben arbeiten hierzulande sehr viele ehrliche, fleissige aber einfache Angehörige dieser sog. Unterschicht. Sie geben unser Kantinenessen aus, sie entsorgen den Müll, sie putzen, sie führen Botengänge aus, putzen Fenster und manche von ihnen haben zwei oder mehrere dieser Jobs. Sie versuchen ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen und machen sich deshalb krummer, als sie es zum reinen Überleben bräuchten.

    Das sind gute, anständige Leute. Ihnen muss man nicht drohen, ihnen muss man keine Kinder entziehen um sie zu anständigen Menschen umzuerziehen und ihnen muss man nichts darüber erzählen, warum es besser ist einen vernünftigen Job zu haben. Irgendwas (was eigentlich?) ist bei diesem Menschen im Kopf also irgendwann verdammt richtig gelaufen und das ohne Drangsalation. Das dies nicht zum Sonderfall wird, sondern zur Regel ist ein Schlüssel zur Lösung.

    PM
    Du vermengst außerdem zwei Dinge - sog. "Unterschichtler mit Migrationshintergrund" wie man es etwas gestelzt ausdrückt. Diese Menschen sind in der Tat meist - und da hast du völlig Recht - redliche Leute, sehr arbeitswillig und mit hoher Motivation, weiterzukommen. Und sie sind sich meist auch nicht zu fein, die Jobs zu machen, die jene anderen, die ich eigentlich meinte, nicht machen möchten.

    Die meinte ich allerdings nicht. Ich meinte den - man verzeihe mir den Begriff, aber er bezeichnet nunmal genau das, was in dem Spiegel-Artikel als "neuer Prolet" so treffend beschrieben wurde - sogenannten "white trash". Eine - zumindest gefühlt - stetig wachsende Gruppe, antriebsarm, bildungsarm und zunehmend verwahrlost an Körper, Seele und Geist. Glaubst du nicht auch, dass solche Leute, die meist leider auch noch meinen viele Kinder kriegen zu müssen, mit der Erziehung überfordert sind, wenn sie es noch nicht mal schaffen, für sich selbst anständig zu sorgen? (Übrigens glaube ich auch nicht, dass die Häufung der Schreckensmeldungen von fast verhungerten oder zu Tode geprügelten Kindern Zufall ist - das sind die extremen und gottseidank noch (!) seltenen Ausbrüche dieser allgemeinen Entwicklung).

    Für diese Kinder wären Ganztagesschulen ein Segen, denn sie würden ihnen Perspektiven eröffnen- geistig und womöglich später auch beruflich -, die ihnen ihre Eltern einfach, ob aus eigenem Verschulden, aufgrund widriger Umstände oder wahrscheinlich einfach aus (finanziellem oder geistigem) Unvermögen, nicht bieten können.

  2.  
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  3. #22
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    Zitat Zitat von bubu Beitrag anzeigen
    Du vermengst außerdem zwei Dinge - sog. "Unterschichtler mit Migrationshintergrund" wie man es etwas gestelzt ausdrückt.
    Für mich ist das eben ein großer Teil des Problems, da die bisherige Einwanderungspolitik dazu geführt hat, dass die meisten hier lebenden Ausländer zur Unterschicht gehören. Das hat viele Effekte, u. a. einen überproportinal hohen Anteil an der Kriminalitätsrate, überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit und Bezug von Sozialleistungen, schlechte Integration etc. Ich bin deshalb sowieso der Meinung, dass vieles, was hierzulande unter "Ausländerfeindlichkeit" gebrandmarkt und tabuisiert (im Grunde den Rechtsradikalen zur freien Verfügung und Deutungshoheit überlassen) wird, eigentlich viel mehr eine Weigerung der braven Mittelschicht ist, den Rand der Gesellschaft jederzeit herzlich willkommen zu heissen. Wenn da einer kommt, der schon von weitem ziemlich schlecht "situiert" aussieht, dann halten viele Leute lieber Abstand, egal ob es ein Deutscher, ein Türke oder ein Albaner ist.

    Die meinte ich allerdings nicht. Ich meinte den - man verzeihe mir den Begriff, aber er bezeichnet nunmal genau das, was in dem Spiegel-Artikel als "neuer Prolet" so treffend beschrieben wurde - sogenannten "white trash". Eine - zumindest gefühlt - stetig wachsende Gruppe, antriebsarm, bildungsarm und zunehmend verwahrlost an Körper, Seele und Geist. Glaubst du nicht auch, dass solche Leute, die meist leider auch noch meinen viele Kinder kriegen zu müssen, mit der Erziehung überfordert sind, wenn sie es noch nicht mal schaffen, für sich selbst anständig zu sorgen?
    OK, das ist ebenfalls ein separat zu behandelnder Bereich. Da vermischen sich allerdings m. E. durchaus die Probleme. Früher hatte ich auch Leute aus ärmlichen Sozialhilfeverhältnissen in der Klasse. Sie wurden wegen ihrer Klamotten gehänselt und hatten es nicht leicht. Allerdings entwickelten die meisten daraus den Antrieb zu lernen, damit es ihnen später einmal besser geht. Manche hatten wegen ihrer Situation auch recht wenige soziale Kontakte, was natürlich ziemlich gemein war, ihnen aber oft eine Menge Zeit zum Lernen verschaffte. Heute ist das anders. Durch die schief gelaufene Integration kam es zu einer Ghettoisierung, die Subkulturen geschaffen hat, die nicht auf unseren Werten basieren. Die in solchen Ghettos lebenden Deutschen sind in der Minderheit, können aus finanziellen Gründen diese verlorenen Stadtteile aber auch nicht verlassen. Ihre Kinder haben nur ein Freizeitangebot und eine Chance: Integration! Sie integrieren sich in diese Subkultur, wo es um Gangs und Ehre geht, um Respekt, um Gangstertum. Es ist auch viel cooler den jugendlichen Kleinkriminellen zu geben, der bis zur 14 den "Bullen" sowieso auf der Nase rumtanzen kann. Und nach der 14 kann er es einfach nicht mehr lassen ("sie" übrigens auch nicht, die Gewaltbereitschaft und Kriminalität von Mädchen in solchen Bezirken soll erstaunliche Ausmaße angenommen haben). Ich kann das auch verstehen, denn diese Pseudo-Gangsterwelt, die so sehr an die spannenden Filme und Gangster-Rapper-Videos aus dem Fernsehen erinnern, ist ungleich spannender und verlockender, als die düstere öde Realität, in der man arbeitslos oder mit sehr viel Glück ein von früh morgens bis spät abends für wenig Geld ackernder Fußabtreter der reichen Säcke werden kann - so dürfte die Perspektive sich jedenfalls darstellen. Da hängt sich niemand "uncool" über die Bücher und "verschwendet" Zeit, die er mit den anderen "abhängen" kann.

    Kann man diesen Kreislauf brechen, indem man diese Kinder einfach in Ganztagsschulen reinzwingt? Verbringen sie nicht immer noch genug Zeit auf der Straße? Kann man ihnen überhaupt etwas in den Kopf zwingen, dem ihre Realität zu Hause und auf der Straße wollkommen widerspricht? Würde man nicht mehr Erfolg haben, die Leute freiwillig dazu zu bekommen Bildung nachzufragen und einzufordern? Geht das nicht eher über das Angebot einer Perspektive, über Jobaussichten für die meisten, über Erwerbseinkommen von dem man besser leben kann als von Hartz IV etc.?

    (Übrigens glaube ich auch nicht, dass die Häufung der Schreckensmeldungen von fast verhungerten oder zu Tode geprügelten Kindern Zufall ist - das sind die extremen und gottseidank noch (!) seltenen Ausbrüche dieser allgemeinen Entwicklung).
    Klar, das passt ins Bild. Aber ich glaube nicht, dass man das als "Beweis" heranziehen kann. Soweit ich weiss geben die Kriminalitätsstatistiken jedenfalls keinen Anlass dazu zu sagen, dass Kindesmisshandlungen - oder missbrauch heute besonders auf dem Vormarsch sind. Wir leben nur in einer Zeit, in der sowas medial überall präsent ist und sehr viel stärker ausgebreitet wird als früher.

    Für diese Kinder wären Ganztagesschulen ein Segen, denn sie würden ihnen Perspektiven eröffnen- geistig und womöglich später auch beruflich -, die ihnen ihre Eltern einfach, ob aus eigenem Verschulden, aufgrund widriger Umstände oder wahrscheinlich einfach aus (finanziellem oder geistigem) Unvermögen, nicht bieten können.
    OK! Ich frage mich bei diesem Lösungsansatz eben nur:

    - Woher nimmt man die Zuversicht, dass diese Kinder mit ihren 6 Jahren und ihrem ausgeprägten Ungehorsam eine solche Schule nicht derart stören, dass sie weiterhin (wie heute) rausfliegen oder beim Schwänzen so wenig vermisst werden, dass keine Maßnahmen eingeleitet werden, um sie wieder zur Störung des Schulbetriebs zu zwingen? Ob Ganz- oder Halbtagsschule, die Kinder bleiben die gleichen und wehren sich auch den halben oder den ganzen Tag gegen einen Zwang in dem sie keinen Sinn und keine Perspektive sehen. Wie löst man das? Ich denke man kann das nicht entkoppeln. Man muss dafür sorgen, dass die Verhältnisse zu Hause sich bessern und die Leute selbst drauf achten, dass ihre Kinder was lernen.

    - Wohin mit den vielen besser gebildeten Kindern wenn sie aus der Schule kommen? Die Zahl der Jobs schrumpft tendenziell seit Jahren. Junge Leute kamen in den vergangenen Jahren nur wegen riesiger Frühverrentungswellen an freie Jobs. Nun sollen alle bis 67 arbeiten und die Renntenkasse verträgt keine Frührentner mehr. Wo sollen die Jobs herkommen, für die vielen Gebildeten, wenn man einfach nur an der Bildungsschraube dreht? Züchtet man mit diesem reinen Bildungsansatz, der das Problem über stures Einprügeln von Bildung lösen will, nicht am Ende eine ganz neue Klasse von Bildungsverlierern, die hoch gebildet auf der Straße sitzen? Die Jobs wachsen in Europa nicht mehr von den Bäumen, am Ende würde nur der Kampf um die Jobs härter. In vielen Städten kommen heute schon auf einen Ausbildungsplatz als Bankkaufmann 500 Bewerber. Die 50 mit Abiturnote <1,4 schaut man sich dann an. Demnächst schaut man sich dann eben die 50 mit Abiturnote <1,2 an. Was änderts?

    - Wann wird man einsehen, dass es nicht jedem gegeben ist, sich auf hohem Niveau zu bilden? Wohin mit denen, die nur einfache Tätigkeiten ausüben können (und das sind Millionen!)? Die heutigen Arbeitslosen haben nicht alle unausgenutzte Riesen-IQs, sie sind biologisch vielleicht nicht ganz grundlos nur niedrig qualifiziert. Sie sind ab einem gewissen Level bildungsresistent und wenn man nicht ganz üble Szenarien mit pränataler Selektion usw. andenken will, dann wird man damit rechnen müssen, dass weiterhin Millionen natürlich geborene Geringqualifizierte in diesem Land nachwachsen werden. Was machen wir mit denen? Klar kann man versuchen denen durch ganz spezielle Förderung noch ein Quentchen mehr Wissen einzuflößen, als dies im heutigen Frontalunterricht möglich ist. Aber am Ende werden sie trotzdem keine hellen Lichter, die Europas nächsten Airbus entwickeln, sondern einfache Leute die Teile zusammen stecken, in Kartons packen und mit einem Gabelstapler durch die Gegend fahren können. Was machen wir mit denen? Ist Bildung wirklich deren größtes Problem oder nicht doch eher fehlende Arbeit für ihre Qualifikation?

    PM

  4. #23
    Mumie
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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen


    ?

    - Wann wird man einsehen, dass es nicht jedem gegeben ist, sich auf hohem Niveau zu bilden? Wohin mit denen, die nur einfache Tätigkeiten ausüben können (und das sind Millionen!)? Die heutigen Arbeitslosen haben nicht alle unausgenutzte Riesen-IQs, sie sind biologisch vielleicht nicht ganz grundlos nur niedrig qualifiziert. Sie sind ab einem gewissen Level bildungsresistent und wenn man nicht ganz üble Szenarien mit pränataler Selektion usw. andenken will, dann wird man damit rechnen müssen, dass weiterhin Millionen natürlich geborene Geringqualifizierte in diesem Land nachwachsen werden. Was machen wir mit denen? Klar kann man versuchen denen durch ganz spezielle Förderung noch ein Quentchen mehr Wissen einzuflößen, als dies im heutigen Frontalunterricht möglich ist. Aber am Ende werden sie trotzdem keine hellen Lichter, die Europas nächsten Airbus entwickeln, sondern einfache Leute die Teile zusammen stecken, in Kartons packen und mit einem Gabelstapler durch die Gegend fahren können. Was machen wir mit denen? Ist Bildung wirklich deren größtes Problem oder nicht doch eher fehlende Arbeit für ihre Qualifikation?

    PM
    Tja,aber wo her sollen die Arbeiter-Jobs kommen(nachdem ja schon so viel in den letzten 30 Jahre weg rationalisiert worden ist)?

  5. #24
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    Zitat Zitat von Mumie Beitrag anzeigen
    Tja,aber wo her sollen die Arbeiter-Jobs kommen(nachdem ja schon so viel in den letzten 30 Jahre weg rationalisiert worden ist)?
    *DAS* ist für mich die entscheidende Frage. Aber sie wird von den politischen Handelnden und Verantwortlichen seit Jahren konsequent umschifft und durch Schlagworte verdrängt. Da blubbern alle Minister von "Qualitätssicherung", "Hochqualifizierung" und "Bildung", als sein diese Dinge ein Selbstzweck und eine Lösung aus sich heraus.

    Warum? Die Wirtschaft will es nunmal so und die heutige Politik, ist nur noch Erfüllungsgehilfe der Wirtschaft. Dementsprechend überrascht es mich wenig, dass der gestrige, durch die miesen Wahlergebnisse motivierte Ausspruch von Frau Merkel, dass die Politik die Menschen wieder mehr in den Mittelpunkt stellen müsse, kein bisschen für Empörung oder gar Rücktrittsforderungen gesorgt hat. Dabei hat die Frau ein Lippenbekenntnis zu einer Selbstverständlichkeit abgelegt und dabei nicht weniger als die Bankrotterklärung abgegeben, dass die Politik der letzten Jahre nicht zum Wohl der Menschen betrieben wurde.

    In der Vergangenheit wäre die Flucht nach vorn in Bildung richtig gewesen. Denn da wo viele qualifizierte Menschen leben, da siedeln sich gerne Unternehmen an. Heute gibt es diesen Automatismus aber nicht mehr. 1.) Gibt es heute in den Hochlohnländern nur noch ganz selten Ansiedlungen die viele Arbeitsplätze auf einen Schlag bringen und 2.) gelten heute als Hauptkriterien erstmal Kosten, Kosten und Kosten, dann Steuervorteile, dann sonstige Subventionen und Förderung, dann Infrastruktur und erst irgendwann danach gehts an die Bildung, denn das heutzutage weltweit ausgebildete Fachkräfte für alles mögliche zu haben sind oder man sich diejenigen die man braucht, angesichts der steigenden Akademikerarbeitslosigkeit und Auswanderungsbereitschaft einfach zum Produktionsstandort holen kann, setzt jeder Unternehmer als selbstverständlich voraus. Genau deshalb ist es ja in meinen Augen auch so anmaßen, dass der weltweit verfügbare Faktor Bildung uns plötzlich retten und zu etwas besonderem machen soll (was nicht heisst, dass man unser Schulsystem nicht schleunigst auf einen modernen Stand bringen sollte).

    Zufällig ist heute ein passender Auszug aus dem Buch "Weltkrieg um Wohlstand: Wie Macht und Reichtum neu verteilt werden" auf Spiegel Online erschienen. Er spricht mir aus der Seele.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,437159,00.html

    Nur wenn wir es schaffen, dass es nicht solange selbstverständlich bleibt, dass die Industrie sich hier zurückzieht und Leute freisetzt und in Fernost auf Basis eines ungerechten Wettbewerbs alles boomt, lassen sich die düsteren Wolken vor der Zukunftsperspektive vertreiben, die hierzulande viele Leute mutlos und antriebslos macht.

    Auszüge, die diesbezüglich eigentlich zum Nachdenken anregen sollten:

    "China wird von einem Bankensystem bewässert, das nach anderen als nach Rentabilitätskriterien funktioniert. Die Zölle umgeben ganze Industrien wie einen Schutzwall. So will der Schuhexporteur China auf keinen Fall ein Schuhimporteur sein. Der Inlandsmarkt wird mit einem 27-prozentigen Preisaufschlag regelrecht abgesperrt."

    "Zu einem Wechsel vom Handel zur Handelspolitik konnte sich Europa bisher nicht entschließen. Wer das Wort Protektion nur ausspricht, riskiert Verdächtigungen aller Art. Den Männern der Wirtschaft schwillt der Kamm, Politiker rollen mit den Augen. So ist es seit jeher. Aber: So wird es nicht bleiben. Die neue Zeit dürfte schon bald eine Kurskorrektur erzwingen. Es geht nicht darum, mit leichter Hand die Festungsmauern hochzuziehen."

    "Die Frage lautet ja heute nicht: Sollte weltweit der Freihandel beendet werden? Auch Helmut Schmidt hat nicht die Entspannungspolitik beendet und ist gegen die Sowjets ausgerückt. Die Frage lautet vielmehr: Wann nimmt der Kontinent zur Kenntnis, dass es einen lupenreinen Freihandel nur im Denken europäischer Wirtschaftspolitiker gibt, nicht aber im wahren Leben der Staaten? Die Handelskonditionen sind für China eine Frage der Nützlichkeit, nicht des Glaubens. Europa täte gut daran, für Waffengleichheit zu sorgen."

    "Amerika ist unter dem Druck der Ereignisse längst vom einst propagierten Ideal abgerückt. Der Staat schützt und fördert seine Wirtschaft wo er nur kann. Die Stahlindustrie und die Farmer stehen unter seinem besonderen Schutz. Bei Medienunternehmen dürfen Ausländer keinen beherrschenden Einfluss gewinnen. Die Betreiber von Hafenanlagen konnten sich erst kürzlich dank einer Intervention des US-Kongresses einem ausländischen Aufkäufer entledigen. Die Verletzung von Markenrechten und Softwareklau wird den Asiaten von höchster Stelle vorgehalten. Für die chinesische Textilindustrie wurden Einfuhrquoten festgelegt, deren Überschreitung die Zollbehörden auf den Plan ruft."

    "Die Kritiker einer Handelspolitik führen vor allem das Preisargument ins Feld. Eine derartige Politik schade am Ende nur den Verbrauchern, weil die günstigsten Anbieter nicht mehr zum Zuge kommen. Wer so spricht, der unterschlägt, dass die Verbraucher nicht nur nach billigen T-Shirts und günstiger Elektronik verlangen, sondern auch nach einem eigenen Arbeitsplatz. Hinzu kommt: Selbst die Verbilligung im Laden ist womöglich nicht von Dauer."

    Wann wachen wir auf, bevor uns der letzte Krümel Butter vom Brot genommen wurde? Bevor wir das nicht verhindern, bilden wir nur zukünftige hochqualifiziertere Arbeitslose aus.

    Und alle die nicht Bildung, sondern reine Mittelstandsförderung als Lösung propagieren, übersehen das auch der Mittelstand mittlerweile in weltweiter Konkurrenz agiert und das vor allem der kleine Mittelständler und Handwerksbetrieb zu einem Großteil von Aufträgen großer Betriebe abhängt, die immer mehr verschwinden, weil man im o. g. ungerechten Kampf um die Jobs des 21. Jahrhunderts nicht für Waffengleichheit sorgt.

    Es geht nicht darum China Wohlstand und wirtschaftlichen Erfolg zu verwehren. Aber es ist die Frage, ob Umweltzerstörungen unvorstellbaren Ausmaßes, Ausbeutung von Arbeitern auf übelstem Niveau und gleichzeitiger Abbau von umweltschonenden Anlagen und sozialverträglichen Arbeitsplätzen in den bereits hochentwickelten Ländern, der richtige Weg sind, um die Lebensverhältnisse anzugleichen. Ich glaube nicht und das nicht nur, weil wir derzeit diejenigen sind die die Verlierer sind.

    PM

  6. #25
    Benutzerbild von DeeTee

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    Zitat Zitat von P.M.
    Kann man diesen Kreislauf brechen, indem man diese Kinder einfach in Ganztagsschulen reinzwingt? Verbringen sie nicht immer noch genug Zeit auf der Straße? Kann man ihnen überhaupt etwas in den Kopf zwingen, dem ihre Realität zu Hause und auf der Straße wollkommen widerspricht? Würde man nicht mehr Erfolg haben, die Leute freiwillig dazu zu bekommen Bildung nachzufragen und einzufordern? Geht das nicht eher über das Angebot einer Perspektive, über Jobaussichten für die meisten, über Erwerbseinkommen von dem man besser leben kann als von Hartz IV etc.?
    Das sind eine Reihe kluger Fragen.

    Muss man nicht insbesondere jene Kinder, deren sozialer und kultureller Hintergrund den Kreislauf von Nicht-lernen-können und Nicht-lernen-wollen befördert, in Ganztagsschulen "reinzwingen"? Mir erscheint das allein schon deshalb sinnvoll, damit endlich die gefühlte Wirklichkeit von Schule als Unterbrechung der ganztägigen Freizeit zerstört wird. Und ich meine nicht nur (aber auch) eine Schule als Aufbewahranstalt für Problemkinder, sondern eine Schule die die Kinder zwingt, bestimmte Regeln einzuhalten, bestimmte soziale Verhaltensweisen zu erlernen, bestimmte kognitive Mindestleistungen zu vollbringen. Ich halte es für nötig, dass das ggf. auch gegen den Willen der Eltern durchzusetzen ist (v. a. Sprachunterricht und Sozialtraining) oder aber womöglich unter verpflichtendem konkretem Einbezug der Eltern. Ein entsprechendes Netz hat engmaschig zu sein und hat mit entsprechenden anderen Gesetzesbereichen verknüpft zu sein (u. a. Ausländerrecht und StGB).
    Wodurch lernen Kinder in erster Linie? Infolge von Vorbildern (Abgucken und Nachmachen) und durch Konsequenzen (Belohnung und Strafe)! Sicherlich richtig, aber der stärkste Lernimpuls ist die Anerkennung in der Peergroup, also bei den in etwa Gleichaltrigen. Und wenn auf der Straße Gangsta, Gewalt und Hiphop das ist, was cool ist, dann müssen wir eben auch diese Umwelt als Erziehungsfaktor mitberücksichtigen. Da wir aber idR die Kids auf der Straße nicht nennenswert beeinflussen können, müssen wir sie letztlich da wegholen. Somit sind wir wieder bei verpflichtenden Angeboten.

    Vielleicht sollte man mit einem verpflichtendem ganztägigem (Vor-)Schulunterricht beginnen und dann den Umfang, den der einzelne Schüler besuchen muss, in Relation zum Unterrichtserfolg setzen. Je besser die schulischen Leistungen, desto geringer der verpflichtende Teil z. B. am Nachmittag. (Natürlich muss man das auch nach dem Leistungsvermögen staffeln). Imho erhöht das den Reiz sich anzustrengen ganz erheblich. Um im Kontext zu bleiben: Auf der Straße sind dann diejenigen, die bereits (Lern-)Erfolg haben und eben nicht die Verlierer der Gesellschaft.

    Kann man so etwas überhaupt machen? Ja, ich denke schon. Es bedarf dazu zweier Grundsatzdiskussionen: eine über Erziehungsziele und eine über Erziehungshoheit (die dann vor allem auch juristischer Natur ist). Zu letzterer möchte ich anmerken, dass wir uns (die Deutschen Bürger ihren Staat) als soziale Gemeinschaft begreifen. Und wir sind auch bereit, diese soziale Gemeinschaft gegen Feinde zu verteidigen. Bisher stand der "Feind" außen, folglich haben wir einen Verteidigungsauftrag ins Grundgesetz geschrieben. Um diesen Auftrag konkret durchzuführen, haben wir in den 50er Jahren die Wehrpflicht geschaffen und dazu einen (heißdiskutierten aber wohlbegründeten) Eingriff in die Grundrechte des Menschen zugelassen. Die Nichtbefolgung der Wehrpflicht ist hochsanktioniert (bis 5 Jahre Gefängnis). Vielleicht sollte man allmählich anfangen, zu überlegen, wie ein sinnvolles Pendant dazu aussehen könnte, dass nach innen gerichtet ist. Mir schwebt hier weder Indoktrination im Sinne der HJ oder ein verpflichteter Arbeitsdienst für alle vor, sondern ein auf den Werten des Grundgesetzes und Menschenrechte aufbauendes Konstrukt, dass den jungen Menschen mindestens bis zu Volljährigkeit begleitet.
    Die Ziele unterscheiden sich imho nicht allzusehr von dem, was heute schon in den Schulgesetzen steht. Ein je nach Leistungsvermögen ausgerichtetes Mindestmaß an sozialen und kognitiven Fähigkeiten, die ein erfolgreiches Leben und Zusammenleben prinzipiell ermöglichen. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass der Staat hier mehr Verantwortung übernimmt und dass das Mittel der Konsequenz erheblich stringenter eingesetzt wird. Meines Erachtens ist das nötig und muss sehr viel frühzeitiger eingesetzt werden, nicht erst mit dem Strafgesetzbuch bei >18jährigen. Dann ist es nämlich zu spät.
    Und praktisch ändert sich hier für die Kinder und Jugendlichen, die aus einen fürsorglichen Elternhaus stammen, relativ wenig (zumindestens wenn sie sich anstrengen). Den anderen werden aber dafür erheblich mehr Chancen eingeräumt.

    (Und sicherer sozialer Frieden bei hinreichender Anzahl hochqualifizierter Arbeitskräfte dürfte auch zunehmend ein wirtschaftlicher Standortfaktor sein. Aber das ist eine andere Baustelle ...)

    DeeTee

  7. #26
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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen

    OK! Ich frage mich bei diesem Lösungsansatz eben nur:

    - Woher nimmt man die Zuversicht, dass diese Kinder mit ihren 6 Jahren und ihrem ausgeprägten Ungehorsam eine solche Schule nicht derart stören, dass sie weiterhin (wie heute) rausfliegen oder beim Schwänzen so wenig vermisst werden, dass keine Maßnahmen eingeleitet werden, um sie wieder zur Störung des Schulbetriebs zu zwingen? Ob Ganz- oder Halbtagsschule, die Kinder bleiben die gleichen und wehren sich auch den halben oder den ganzen Tag gegen einen Zwang in dem sie keinen Sinn und keine Perspektive sehen. Wie löst man das? Ich denke man kann das nicht entkoppeln. Man muss dafür sorgen, dass die Verhältnisse zu Hause sich bessern und die Leute selbst drauf achten, dass ihre Kinder was lernen.
    Berechtigter Einwand - kurze Antwort und da schließe ich mich DeeTee an: Man muss früher ansetzen und die entsprechenden Strukturen bei den Kindern schaffen VOR Beginn der Schule schaffen, wofür eigentlich die Eltern zuständig werden. Das hieße eine Umstrukturierung und nahtlose Verzahnung von Kindergarten, Vorschule und Schule.

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    - Wohin mit den vielen besser gebildeten Kindern wenn sie aus der Schule kommen? Die Zahl der Jobs schrumpft tendenziell seit Jahren. Junge Leute kamen in den vergangenen Jahren nur wegen riesiger Frühverrentungswellen an freie Jobs. Nun sollen alle bis 67 arbeiten und die Renntenkasse verträgt keine Frührentner mehr. Wo sollen die Jobs herkommen, für die vielen Gebildeten, wenn man einfach nur an der Bildungsschraube dreht? Züchtet man mit diesem reinen Bildungsansatz, der das Problem über stures Einprügeln von Bildung lösen will, nicht am Ende eine ganz neue Klasse von Bildungsverlierern, die hoch gebildet auf der Straße sitzen? Die Jobs wachsen in Europa nicht mehr von den Bäumen, am Ende würde nur der Kampf um die Jobs härter. In vielen Städten kommen heute schon auf einen Ausbildungsplatz als Bankkaufmann 500 Bewerber. Die 50 mit Abiturnote <1,4 schaut man sich dann an. Demnächst schaut man sich dann eben die 50 mit Abiturnote <1,2 an. Was änderts?
    Es ist nun mal wie bei Alice im Wunderland - wer nicht mehr mitrennt oder langsamer, der fällt zurück. Bildung ist die Vorraussetzung für Innovation. Und Innovationen schaffen neue Märkte und damit auch Arbeitsplätze. Wenn du ein allgemein höheres Bildungsniveau schaffst, wirst du immer einige wenige Bill Gates darunter haben. Deutschland ist kein besonders großes Land - verglichen mit den USA ist unser durchschnittlicher Bildungsstandard fürstlich, die jedoch züchten mit einigen Elite-Unis ihre Bills und die anderen Nobelpreisträger heran. Das könnten wir hier natürlich auch machen. Aber was wäre dir lieber: schlechter Durchschnitt und eine einsame Bildungselite, die neue Jobs schafft. Oder guter Durschnitt und nach der Schrotschusswahrscheinlichkeit die Bill Gates darunter?

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    - Wann wird man einsehen, dass es nicht jedem gegeben ist, sich auf hohem Niveau zu bilden? Wohin mit denen, die nur einfache Tätigkeiten ausüben können (und das sind Millionen!)? Die heutigen Arbeitslosen haben nicht alle unausgenutzte Riesen-IQs, sie sind biologisch vielleicht nicht ganz grundlos nur niedrig qualifiziert. Sie sind ab einem gewissen Level bildungsresistent und wenn man nicht ganz üble Szenarien mit pränataler Selektion usw. andenken will, dann wird man damit rechnen müssen, dass weiterhin Millionen natürlich geborene Geringqualifizierte in diesem Land nachwachsen werden. Was machen wir mit denen? Klar kann man versuchen denen durch ganz spezielle Förderung noch ein Quentchen mehr Wissen einzuflößen, als dies im heutigen Frontalunterricht möglich ist. Aber am Ende werden sie trotzdem keine hellen Lichter, die Europas nächsten Airbus entwickeln, sondern einfache Leute die Teile zusammen stecken, in Kartons packen und mit einem Gabelstapler durch die Gegend fahren können. Was machen wir mit denen? Ist Bildung wirklich deren größtes Problem oder nicht doch eher fehlende Arbeit für ihre Qualifikation?

    PM
    Es geht ja nicht nur um die sture Vermittlung von Inhalten - es geht auch darum zu vermitteln, dass es diese überhaupt gibt und vor allem: dass sie sich ständig ändern. Daher ist die Fähigkeit unabdingbar, sich selbst strukturiert Wissen anzueignen und sich in einer immer schneller verändernden Welt flexibel weiter zu bilden, sofern das nötig wird. Ohne zu wissen, wie man lernt, hat man schon verloren. Und immer weniger wissen das tatsächlich, weil sie einfach keine Strukturen kennengelernt haben. Außerdem geht's auch nicht nur um natur- und geisteswissenschaftliche Inhalte, sondern auch um Verhaltensregeln, Fähigkeit zur Kooperation, Disziplin und Ordnung.

    Natürlich hast du recht - es kann nicht nur Genies geben. Doch auch wenn neue Technologien, neue Märkte und neue Arbeitsplätze entstehen, erfordert das von den "minderen Arbeitern" zumindestens Anpassungsfähigkeit und nicht selten auch ein höheres Niveau an kognitiver Leistung, da du davon ausgehen musst, dass auch die Gerätschaften immer komplizierter werden. Gutes Beispiel ist die Biotech-Branche. Natürlich müssen da auch simple Arbeiten - Zentrifugieren, Pipettieren, PCR, etc. - gemacht werden. Doch eine TA (technische Assistentin) muss all diese Techniken erst einmal lernen. Das ist nicht ohne.
    Auch hier gilt das Alice-Prinzip: wer einfach nur stehen bleibt, hat schon verloren.

  8. #27
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    Zitat Zitat von DeeTee Beitrag anzeigen
    Das sind eine Reihe kluger Fragen.

    Muss man nicht insbesondere jene Kinder, deren sozialer und kultureller Hintergrund den Kreislauf von Nicht-lernen-können und Nicht-lernen-wollen befördert, in Ganztagsschulen "reinzwingen"?
    Wenn es so wäre, dass sie dadurch zu normal-vorbildlichen Mitgliedern der Gesellschaft würden und ihrerseits ihre Kinder später vernünftig und im im Fall von "Migrationshintergründen" im Zweifelsfall nach den Spielregeln ihres Wohnsitzes erziehen, könnte man damit den Kreis durchbrechen den ich meine. Das gleiche wird ja auch an den medienwirksam ausgeschlachteten Familien praktiziert, die ihre Kinder aus religiösen Gründen nicht zur Schule schicken. Natürlich kann man nicht zusehen, wenn Kinder in irgendeiner Parallelwelt groß werden, die ihnen ihre Zukunft in der Realität verbaut.

    Allerdings ist es ja nicht so, dass wir in Deutschland nicht schon zahlreiche Ganztagsschulen hätten. Die Erfahrungen sind gut und es gibt einige Vorteile:

    - Mehr Zeit Wissen zu vermitteln
    - Hausaufgaben werden gemacht, da sie noch in der Schule zu erledigen sind
    - Eltern brauchen sich keine Sorgen um Kinderbetreuung machen und können arbeiten gehen

    usw.

    Aber ich gehe davon aus, dass die Hoffnung verfehlt ist, dass die heutigen Halbtagsproblemkinder in der Ganztagsschule plötzlich zu Bildungsgewinnern werden und die späteren Arbeitsplätze für sie auf einmal vom Himmel fallen, nur weil es in Deutschland plötzlich die Ganztagsschule gibt. Denn an der Ökonomie ändert das nichts.

    Man kann auch nach Einführung der Ganztagsschule nicht jedes schwänzende Kind jeden Tag mit der Polizei zur Schule bringen, nicht in jedem Kinderzimmer einen Polizisten hinstellen der aufpasst, dass das tagsüber mühsam anerzogene Sozialverhalten direkt wieder zum Teufel geht und in jeder Straßenecke der Problemviertel einen Sozialarbeiter hinstellen, der verhindert, dass diesen Kindern ihre Zukunftsperspektive bewusst ist. Das müsste man allerdings tun, wenn man einfach nur an der Bildungsschraube drehen will und dann hofft, dass sich das schon von selbst erledigt.

    Sind unsere modernen Nazis nicht auffallend gebildet im Vergleich zu früheren Vertretern? Sind die islamistischen Redelsführer nicht auffallend gut gebildet und international bewandert? Nutzen sie nicht neueste Technik, um uns zu zeigen, dass sie keine minderbemittelten Wilden sind?

    Wie kommen wir dann ausgerechnet darauf, dass Bildung aus jedem, der einen schwierigen kulturellen Hintergergrund hat, automatisch einen braven intelligenten Menschen macht?

    Woher sollten die Kinder auch die Zuversicht nehmen, deren Fehlen heute oft zu ihrem abdriften führt? Heute haben doch selbst die meisten Bildungsgewinner bzw. "priviligierten" Normalarbeitnehmer nur noch Angst um ihre Jobs, gehen davon aus das sie keine Rente mehr bekommen, dass sie nur zweitklassige medizinische Versorgung erhalten und im Fall von Abreitslosigkeit mit Hartz IV so in den Hintern gekniffen sind, dass sie vorsorglich schonmal den Formularsatz zur Privatinsolvenz anfordern...

    Mir erscheint das allein schon deshalb sinnvoll, damit endlich die gefühlte Wirklichkeit von Schule als Unterbrechung der ganztägigen Freizeit zerstört wird. Und ich meine nicht nur (aber auch) eine Schule als Aufbewahranstalt für Problemkinder, sondern eine Schule die die Kinder zwingt, bestimmte Regeln einzuhalten, bestimmte soziale Verhaltensweisen zu erlernen, bestimmte kognitive Mindestleistungen zu vollbringen. Ich halte es für nötig, dass das ggf. auch gegen den Willen der Eltern durchzusetzen ist
    Klar, auf jeden Fall. Diese jahrelange Verteidigungshaltung, dass Schule nicht für die Erziehung von Kindern verantwortlich sein kann, war für die Katz. Natürlich muss sie das übernehmen. Wer soll es denn sonst machen? Versoffene asozialen Eltern machens nicht und die Eltern die pendler, karriere- oder malocherjob-bedingt kaum zu Hause sind schon gar nicht. Die sind nach Erfüllung der von ihnen so selbstverständlich geforderten Flexibilität nämlich fertig und sind froh, dass sie mit der sauer verdienten Kohle wenigstens für materielle Stabilität sorgen und ihre Kinder was zu beissen und was zum Anziehen haben.

    Deshalb hast Du da vollkommen Recht. Das sich darum gekümmert wird Kindern auch ein vernünftiges Sozialverhalten anzuerziehen, kann nicht nur Elite-Internaten vorbehalten sein, wenn man schon eine Ganztagsschule einführt. Dann gehören natürlich nicht nur Lehrer in eine solche Schule, sondern auch ganz andere Betreuer.

    Da wir aber idR die Kids auf der Straße nicht nennenswert beeinflussen können, müssen wir sie letztlich da wegholen.
    Das habe ich wohl begriffen. Aber wer gibt mir die entscheidende Antwort darauf, wo hin die Kids nach der Schule wieder entlassen werden, wenn die Lösung des Problems isoliert an erster Stelle in der Bildung gesehen wird?

    Selbst normal gebildete Schüler, die früher schneller Ausbildungsplätze bekommen hätten, drehen heute viele freiwillige Ehrenrunden in Sozialjahren, höheren Handelsschule, Berufsvorbereitungsjahren etc. und viele Akademiker rotieren im fliegenden Wechseln in Dauerpraktikas, verdienen kaum eine müde Mark, wohnen bis ins hohe Erwachsenenalter bei Mutti und verlieren zunehmend den Mut. Diese Leute haben Bildung und sehen keine Zukunft. Wenn wir noch mehr Menschen besser Bildung vermitteln, haben wir dann nicht einfach nur noch mehr Angehörige der "Generation Dauerpraktikant"? Ist das nicht die Konsequenz einer Lösung "Bildung"?

    Für mich bleibt diese Bildungsinitiative die Behandlung eines Symptoms in einer perspektivloser werdenden Gesellschaft, die es sich leisten derzeit leisten kann Menschen massenhaft abzuschreiben. Es kommt kein Protest und es gibt kaum mehr sichtbare Armut, da sie sich zurückzieht und in relativem Reichtum stattfindet.

    Wohin kommen die gut ausgebildeten, sich zu sozial einwandfrei verhaltenden erzogenen Kids nach der Schule? Wer sorgt dafür, dass es Arbeitsplätze gibt, die sie ausfüllen können ohne einfach nur andere zu verdrängen und damit eine neue Unterschicht zu erzeugen (z. B. alle ohne Abitur oder mit Abitur schlechter als 2,0 oder alle die für anständige Arbeit auch anständiges Geld haben wollen oder alle die es wagen in einer Gewerkschaft zu sein etc.), deren Problem bisher nicht die fehlende Bildung war.

    (Und sicherer sozialer Frieden bei hinreichender Anzahl hochqualifizierter Arbeitskräfte dürfte auch zunehmend ein wirtschaftlicher Standortfaktor sein. Aber das ist eine andere Baustelle ...)

    DeeTee
    Für mich ist das eine große Baustelle: Alterspyramide, Sozialsysteme, Globalisierung, Arbeitslosigkeit. Das hat alles unmittelbar miteinander zu tun und hat zum "Unterschichten-Problem" geführt. Also kann man es auch nur insgesamt lösen und nicht nur mit isoliertem drehen an einzelnen Schrauben. Deshalb immer wieder meine Frage: Wer schafft die Voraussetzungen und Regeln, dass man mit der vielen Bildung hinterher in Deutschland auch was anfangen kann und unterm Strich netto mehr Arbeitsplätze entstehen um die neuen Bildungsgewinner so unterzubringen, dass sie nicht einfach andere verdrängen, die dann zu den neuen Verlierern werden?

    PM

  9. #28
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    Zitat Zitat von bubu Beitrag anzeigen
    Es ist nun mal wie bei Alice im Wunderland - wer nicht mehr mitrennt oder langsamer, der fällt zurück. Bildung ist die Vorraussetzung für Innovation. Und Innovationen schaffen neue Märkte und damit auch Arbeitsplätze. Wenn du ein allgemein höheres Bildungsniveau schaffst, wirst du immer einige wenige Bill Gates darunter haben. Deutschland ist kein besonders großes Land - verglichen mit den USA ist unser durchschnittlicher Bildungsstandard fürstlich, die jedoch züchten mit einigen Elite-Unis ihre Bills und die anderen Nobelpreisträger heran. Das könnten wir hier natürlich auch machen. Aber was wäre dir lieber: schlechter Durchschnitt und eine einsame Bildungselite, die neue Jobs schafft. Oder guter Durschnitt und nach der Schrotschusswahrscheinlichkeit die Bill Gates darunter?
    Egal wie man das Unterschichten-Problem löst und wie man unser Bildungssystem auch umbaut, unser Land ist überhaupt nicht bereit für einen neuen Bill Gates, einen Steve Jobs oder wen aus dieser Selfmademan-Liga auch immer. Unser Land ist aus Klientelpolitik und Unfähigkeit heraus so gründungsfeindlich und überbürokratisert, dass Bill Gates hierzulande nur ein ganz kleiner Angestellter geworden wäre, der keinerlei Interesse daran hat mit einem halben Bein im Knast zu stehen, weil er die Arbeitsstättenverordnung missachtet oder aus Versehen eine unvollständige Steuererklärung abgibt, die ihm als Steuerhinterziehung ausgelegt wird. Und das sind Probleme, die ich eben nicht mit "Bildung, Bildung, Bildung" gelöst sehe. Echte Unternehmer sind hierzulande doch quasi ausgestorben. Die tollsten Gründungen der letzten Jahrzehnte in Deutschland haben die Samwer-Brüder mit alando.de (im Ausland abgeguckt und dann teuer verkauft) und Jamba (der bekloppte Frosch!) hingelegt, wirkliche Unternehmer sind sie m. E. nicht geworden. Mehr war da nicht, wir verwechseln hierzulande zunehmend angestellte Konzernlenker mit Unternehmern, obwohl sie gar nicht wie Unternehmer handeln, sondern wie sprunghaft handelnde Erfüllungsgehilfen von kurzatmigen Börsenanalysten. Liegt das an Bildung oder Menthalität und ganz anderen Rahmenbedingungen in unserem Land?

    Übrigens sind gerade Bill Gates und andere Vorzeige-Selfmade-Männer der USA kein gutes Beispiel dafür, dass ausgerechnet ein Bildungsabschluss ein Zukunftsgarant ist. Bill Gates, Steve Jobs, Michael Dell.... Alles Vorbilder ohne Abschluss! ;-)

    Natürlich hast du recht - es kann nicht nur Genies geben. Doch auch wenn neue Technologien, neue Märkte und neue Arbeitsplätze entstehen, erfordert das von den "minderen Arbeitern" zumindestens Anpassungsfähigkeit und nicht selten auch ein höheres Niveau an kognitiver Leistung, da du davon ausgehen musst, dass auch die Gerätschaften immer komplizierter werden. Gutes Beispiel ist die Biotech-Branche. Natürlich müssen da auch simple Arbeiten - Zentrifugieren, Pipettieren, PCR, etc. - gemacht werden. Doch eine TA (technische Assistentin) muss all diese Techniken erst einmal lernen. Das ist nicht ohne.
    Auch hier gilt das Alice-Prinzip: wer einfach nur stehen bleibt, hat schon verloren.
    Das ist richtig. Nur sind die heutigen Facharbeiter ja nicht das Problem. Die tun genau das was Du sagst. Wo früher 100 Leute in einer Halle geschwitzt und geackert haben, laufen heute 3 Leute rum und überwachen Prozesse, drücken Knöpfchen, nehmen Proben, sitzen den halben Tag am Computer. Die sind doch nicht das Problem, dass es zum Thema "Unterschicht" zu lösen gibt. Ein heutiger Facharbeiter bei ThyssenKrupp, VW, ZF oder sonst einem Maschinenbauer oder Automobilzulieferer verdient im Schnitt 2.700 Euro, in Schicht und an anspruchsvolleren Arbeitsplätzen oft deutlich mehr. Selbst das Dumping-Modell Auto5000 bei VW startete vor Jahren bereits mit Bruttoverdiensten von 5000DM. Über diese Leute rede ich eigentlich nicht, wenn ich über die sog. "Unterschicht" schreibe, die lt. Ausgangs-Artikel in Katernberg und anderswo arbeitslos vor sich hin vegetiert.

    Aber bei vielen Migranten, die mal zum einfachen Malochen hierher gekommen sind und bei vielen aus dem Bereich des von manchen abschätzig genannten "white scum", fehlt selbst die Qualifizierbarkeit für eine solche normalberufliche Tätigkeit. Da kann man toben und fordern und ermahnen das man aber Schritt halten muss, die Fähigkeiten dieser Menschen kann man nicht ändern. Die können eben nur irgendwas säubern, irgendwas auspacken oder einpacken oder einen Stapler fahren.

    Doch wir sind ja in einer Zeit, in der selbst Behindertenwerkstätten Aufträge entzogen und nach Polen, Ungarn oder Fernost verlagert werden, weil sie zu teuer sind.

    Lassen wirs so und lassen heute und in Zukunft jeden der sich wegen mangelnder Aufnahmefähigkeit nicht bilden lässt durchs Raster fallen oder sorgen wir dafür, dass auch diese Menschen ihre Würde zurück bekommen und sich mit dem was sie können einbringen können um ihren Lebensunterhalt zu verdienen?

    Alle einfach mehr zu bilden und die Unterschicht sich selbst zu überlassen, würde in meinen Augen denen die heute in den wachsenden Ghettos leben nicht helfen und insgesamt nur zu einer Erhöhung des Angebots an Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt
    führen, denen eine gleich bleibende oder sinkende Zahl an Arbeitsplätzen gegenüber steht. Und das führt dann einfach nur zu mehr Druck auf Löhne und Gehälter, so dass Deutschland auch die nächsten zehn Jahre mit Schlusslicht bei Lohnsteigerungen und Kaufkraftentwicklung in Europa bleibt.

    PM

  10. #29
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    Zitat Zitat von PM
    Aber ich gehe davon aus, dass die Hoffnung verfehlt ist, dass die heutigen Halbtagsproblemkinder in der Ganztagsschule plötzlich zu Bildungsgewinnern werden
    Das, in der Tat, bezweifle ich auch. Mir geht es auch nicht um die aktuellen Problemkinder, sondern um die kommenden. Oder bezweifelst Du, dass ein Teil der heutigen Problemkinder/-jugendlichen selbst Kinder bekommen werden, die dann wiederum unter erheblichen Bildungs- und Sozialdefiziten leiden werden. Genau diesen Kreislauf will ich durchbrechen. Das dauert mindestens eine Generation.

    Zitat Zitat von PM
    Sind unsere modernen Nazis nicht auffallend gebildet im Vergleich zu früheren Vertretern? Sind die islamistischen Redelsführer nicht auffallend gut gebildet und international bewandert? Nutzen sie nicht neueste Technik, um uns zu zeigen, dass sie keine minderbemittelten Wilden sind?
    Wie kommen wir dann ausgerechnet darauf, dass Bildung aus jedem, der einen schwierigen kulturellen Hintergergrund hat, automatisch einen braven intelligenten Menschen macht?
    Die Antwort auf die ersten beiden Fragen ist "Nein"! Ich habe sowohl mit den einen als auch mit den anderen Gespräche geführt und an Diskussionen mit ihnen teilgenommen. Meines Erachtens sind vor allem die "modernen Nazis" im Vergleich eher ungebildeter als der Bevölkerungsdurchschnitt. Auch unter jenen gibt es natürlich Akademiker und rhethorisch begabte Parteigänger. Häufig sind diese aber eher schmal im Geiste, sobald sie mit Dingen konfrontiert werden, die nicht mit der einfachen klassischen Propaganda von rechts zu erklären sind.
    Bei den islamistischen Rädelsführern ist das schwieriger zu beurteilen, weil da auch die Sprachbarriere im Wege steht. Die Mitläufer des Islamismus in Deutschland sind eher ungebildet, insofern sie ein ausgesprochen eindimensionales Weltbild haben. Das schließt nicht aus, dass sie ein (meist technisches) Studium absolvieren. Natürlich gibt es gerade im Bereich BWL und Maschbau/Etechnik sowieso viele eher schlichte Gemüter. Aber wenn sie einen typisch deutsch-europäischen Kulturhintergrund haben, fällt das eben nicht so auf. Bei denen, die islamistisch infiziert sind, kann man die fundamentalen Bildungsdefizite (Geschichte, Politik) sowie eigenartige Mängel in der Selbstreflexionsfähigkeit (Kritikfähigkeit, Antizipation) beobachten.
    Von den Rädelsführer des Islamismus habe ich nur Fernsehaufnahmen gesehen bzw. Schriften gelesen (von ihnen und über sie). Sie sind häufig sowohl klug als auch gebildet, aber beides steht im Dienste einer ganz anderen Interpretation der Welt, als wir sie haben. Imho stimmt sie mit den prüfbaren Fakten der Realität nicht überein. (Mehr dazu würde jetzt zu weit führen)
    Die moderne Technik, v. a. das Internet, ist ein Werkzeug. Wer damit aufwächst, lernt es auch. Da es einen hohen Reiz hat, funktioniert das auch.

    Zitat:
    Zitat Zitat von PM
    Zitat Zitat von DeeTee
    Da wir aber idR die Kids auf der Straße nicht nennenswert beeinflussen können, müssen wir sie letztlich da wegholen.
    Das habe ich wohl begriffen. Aber wer gibt mir die entscheidende Antwort darauf, wo hin die Kids nach der Schule wieder entlassen werden, wenn die Lösung des Problems isoliert an erster Stelle in der Bildung gesehen wird?
    Ich glaube, Du bist einem zu engen Bildungsbegriff verhaftet. Es geht nicht um mehr Wissen. Es geht um soziales Lernen, um Einsicht, um Empathie. Es geht aber auch um seelische Schutzräume und um angemessene Beschäftigung der Jugendlichen unter Berücksichtigung ihrer eigenen Interessen. Letztlich ist das alles Anleitung zum Leben - die ansonsten häufig nur im schmerzvollen trial-and-error-Verfahren erfolgt oder aber an falschen Vorbildern, weil Begleitung und Behütung durch die Eltern fehlen bzw. völlig kontraproduktiv sind.
    Mir ist Dein ökonomischer Ansatz schon klar. Industriearbeitsplaätze entstehen so gewiss nicht von allein. Aber wir werden - so sagen zumindestens alle Prognosen - uns stärker in eine Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft entwickeln. Dafür brauchen wir qualifizierte human ressources und zwar mehr, als wir jetzt haben. Vgl. auch die aktuelle OECD-Studie.

    Zitat Zitat von PM
    st das nicht die Konsequenz einer Lösung "Bildung"? Für mich bleibt diese Bildungsinitiative die Behandlung eines Symptoms in einer perspektivloser werdenden Gesellschaft, die es sich leisten derzeit leisten kann Menschen massenhaft abzuschreiben. Es kommt kein Protest ...
    Gegen die globalökonomischen Ursachen unserer wirtschaftlichen Talfahrt habe ich auch kein Rezept (auch wenn mir einiges einfallen würde ). Aber gegen die gefühlte Perspektivlosigkeit des einzelnen müssen wir etwas tun. Hast Du einen besseren Vorschlag als den meinen? Wenn wir mehr Menschen befähigen, an der Gesellschaft aktiver teilzunehmen, ihnen auf dem Weg dahin vermitteln, dass der Staat sie nicht abgeschrieben sondern begleitet hat, dann sind sie -vielleicht- auch willens und fähig, sich zu solidarisieren, Interessengemeinschaften zu gründen, Protest zu zeigen. (Die INSM ist bestimmt dagegen). Vielleicht []wollen[/i] sie dann Einfluss auf unsere Gesellschaft nehmen und können es auch. Sicherlich nicht alle, aber vielleicht spürbar mehr als heute!

    DeeTee

  11. #30
    Benutzerbild von bubu

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    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Egal wie man das Unterschichten-Problem löst und wie man unser Bildungssystem auch umbaut, unser Land ist überhaupt nicht bereit für einen neuen Bill Gates, einen Steve Jobs oder wen aus dieser Selfmademan-Liga auch immer. Unser Land ist aus Klientelpolitik und Unfähigkeit heraus so gründungsfeindlich und überbürokratisert, dass Bill Gates hierzulande nur ein ganz kleiner Angestellter geworden wäre, der keinerlei Interesse daran hat mit einem halben Bein im Knast zu stehen, weil er die Arbeitsstättenverordnung missachtet oder aus Versehen eine unvollständige Steuererklärung abgibt, die ihm als Steuerhinterziehung ausgelegt wird. Und das sind Probleme, die ich eben nicht mit "Bildung, Bildung, Bildung" gelöst sehe. Echte Unternehmer sind hierzulande doch quasi ausgestorben. Die tollsten Gründungen der letzten Jahrzehnte in Deutschland haben die Samwer-Brüder mit alando.de (im Ausland abgeguckt und dann teuer verkauft) und Jamba (der bekloppte Frosch!) hingelegt, wirkliche Unternehmer sind sie m. E. nicht geworden. Mehr war da nicht, wir verwechseln hierzulande zunehmend angestellte Konzernlenker mit Unternehmern, obwohl sie gar nicht wie Unternehmer handeln, sondern wie sprunghaft handelnde Erfüllungsgehilfen von kurzatmigen Börsenanalysten. Liegt das an Bildung oder Menthalität und ganz anderen Rahmenbedingungen in unserem Land?
    Du siehst das für meinen Geschmack alles etwas zu pessimistisch - natürlich gibt es in Deutschland Neugründungen jenseits von Jamba und alando. Bedenke die ganze Solartechnik, die hier ziemlich boomt, oder auch die Biotech-Branche, wo Deutschland nicht schlecht dasteht. Dass wir hier zuviel Bürokratie haben und dass es Firmengründern nicht gerade einfach gemacht wird, stimmt schon - das heißt aber nicht, dass hier gar nichts geht und gar nichts möglich ist.

    Übrigens sind gerade Bill Gates und andere Vorzeige-Selfmade-Männer der USA kein gutes Beispiel dafür, dass ausgerechnet ein Bildungsabschluss ein Zukunftsgarant ist. Bill Gates, Steve Jobs, Michael Dell.... Alles Vorbilder ohne Abschluss! ;-)
    Bildung zu haben bemisst sich ja nicht zwingend an Abschlüssen. Sie sind aber ein sehr gutes Beispiel dafür, dass selbst vermeintlich simple Geschäftsideen wie "ich bau Computer zusammen und verkaufe sie" (Dell) meist von Leuten mit hoher Bildung kommen.


    Alle einfach mehr zu bilden und die Unterschicht sich selbst zu überlassen, würde in meinen Augen denen die heute in den wachsenden Ghettos leben nicht helfen und insgesamt nur zu einer Erhöhung des Angebots an Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt
    führen, denen eine gleich bleibende oder sinkende Zahl an Arbeitsplätzen gegenüber steht. Und das führt dann einfach nur zu mehr Druck auf Löhne und Gehälter, so dass Deutschland auch die nächsten zehn Jahre mit Schlusslicht bei Lohnsteigerungen und Kaufkraftentwicklung in Europa bleibt.
    Das Lösungskonzept "umfassende Bildung und Erziehung als Hauptaufgabe des Staates" ist auch eines, das nicht kurz- oder mittelfristig greift. Wir reden hier von den kommenden Generationen, denen man konsequent von Anfang an eine hohe Bildung zukommen lassen muss. Und das gilt für Migrantenkinder umso mehr. Natürlich löst das nicht das Problem heutiger Migranten oder heutiger "weißer" Unterschichtler in Ghettos, das ist schon klar. Aber versuch doch einfach mal langfristig und visionär zu denken.

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