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Randale in Frankreich

Erstellt von 80sgirl, 06.11.2005, 16:38 Uhr · 85 Antworten · 5.721 Aufrufe

  1. #31
    Benutzerbild von DeeTee

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    McFly postete
    ich hoffe, mir will angesichts dieser Tatsachen niemand mehr was von gewaltfreien Lösungswegen erzählen. Was die Franzosen jetzt machen, ist sicher ihr Bier. ICH würde denen jedoch empfehlen, die überdimensionalen Wasserpistolen in der Garage zu lassen und zu Maßnahmen greifen, wie ich sie bereits in Post 012 beschrieben habe: Blendgranaten und Gummigeschosse sollten den Randalierern Einhalt gebieten. Ist das nicht der Fall, muss ernsthaft über den Einsatz von scharfer Munition nachgedacht werden. Zugegeben, das wären radikale Maßnahmen, die jedoch die Situation bei derzeitiger Tendenz eventuell erfordern wird.

    [...]

    Diese fackelschwingenden Jugendlichen sind keine Intellektuellen wie du und ich. Die denken nicht an "weltweite Ökonomie" oder an "global angelegten Relativismus". Die toben sich aus, wahrscheinlich ohne selbst genau zu wissen warum. Davon bin ich überzeugt.
    (Hervorhebung von DeeTee).

    Ich glaube, das letztere beschreibt Dein Problem ganz gut. Du bist überzeugt - das enthebt Dich offensichtlich allen Versuchen, über Alternativen ernsthafter nachzudenken. Anders kann ich mir den Blödsinn aus dem ersten Teil obigen Zitats nicht erklären.
    Den Begriff der "Gewaltspirale" kennst Du aber? Es ist völlig sinnlos - vielmehr kontraproduktiv - Märtyrer unter den 'aufständischen' Jugendlichen zu schaffen. Damit verstärkt Du nur die Solidarität unter diesen Jugendlichen. Wenn es von der Polizei verursachte tote Jugendliche gibt, werden auch viele bisher unentschiedene Zuschauer sich den Protesten anschließen. Außerdem schaffst Du so ein viel klareres Feindbild: Polizei und Staat. Darüberhinaus erhöht jede Stufe der Gewalt die Medienpräsenz. (Wie das geht konnten und kann man in Israel/den Plästinenesergebieten/im Libanon beobachten).
    Auch wenn's Dir nicht gefällt: diese Jugendlichen sind französische Staatsbürger und keine Kombattanden. Im Moment genießen sie, ihren jahrelang aufgestauten Frust mit einer Art Eventcharakter zu präsentieren. Dem kann man sinnvoll nur mit Deeskalation entgegenwirken. (Und dazu wird der Rücktritt des Innenministers gehören.)

    Diese fackelschwingenden Jugendlichen sind keine Intellektuellen wie du und ich.
    Ähem, habe ich da was nicht mitbekommen? Soweit ich weiß, war Dein letzter abgeschlossener Bildungsschritt die Ableistung der Wehrpflicht bei der Bundeswehr. Und das ist noch nicht allzulange her... Soviel zur Intellektualität!
    Wenn Du die Zeitungen aufmerksam lesen würdest, wüßtest Du, dass unter den protestierenden Jugendlichen gar nicht wenige sind, die das französische Pendant zum Abitur haben oder über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Nur, es nützt ihnen nichts. Sie bekommen weder einen Arbeitsplatz noch können sie sich ein Studium leisten. Und infolge des deutlich schlechteren Sozialsystems in Frankreich haben sie weder Geld noch irgendeine Perspektive für die Zukunft. Es handelt sich also nicht - wie Sakorzy es zu benennen meinte - um einen Aufstand des Pöbels. (Ich hoffe, dass deutsche Politiker hier wirklich die richtigen Schlussfolgerungen ziehen und nicht nur darüber schwafeln - Siehe mein verlinkter FAZ-Artikel weiter oben in diesem Thread.).

    DeeTee

  2.  
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  3. #32
    Benutzerbild von frasier

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    DeeTee postete

    Den Begriff der "Gewaltspirale" kennst Du aber? Es ist völlig sinnlos - vielmehr kontraproduktiv - Märtyrer unter den 'aufständischen' Jugendlichen zu schaffen. Damit verstärkt Du nur die Solidarität unter diesen Jugendlichen. Wenn es von der Polizei verursachte tote Jugendliche gibt, werden auch viele bisher unentschiedene Zuschauer sich den Protesten anschließen. Außerdem schaffst Du so ein viel klareres Feindbild: Polizei und Staat. Darüberhinaus erhöht jede Stufe der Gewalt die Medienpräsenz. (Wie das geht konnten und kann man in Israel/den Plästinenesergebieten/im Libanon beobachten).
    Auch wenn's Dir nicht gefällt: diese Jugendlichen sind französische Staatsbürger und keine Kombattanden. Im Moment genießen sie, ihren jahrelang aufgestauten Frust mit einer Art Eventcharakter zu präsentieren. Dem kann man sinnvoll nur mit Deeskalation entgegenwirken. (Und dazu wird der Rücktritt des Innenministers gehören.)
    Wenn Du die Zeitungen aufmerksam lesen würdest, wüßtest Du, dass unter den protestierenden Jugendlichen gar nicht wenige sind, die das französische Pendant zum Abitur haben oder über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Nur, es nützt ihnen nichts. Sie bekommen weder einen Arbeitsplatz noch können sie sich ein Studium leisten. Und infolge des deutlich schlechteren Sozialsystems in Frankreich haben sie weder Geld noch irgendeine Perspektive für die Zukunft. Es handelt sich also nicht - wie Sakorzy es zu benennen meinte - um einen Aufstand des Pöbels. (Ich hoffe, dass deutsche Politiker hier wirklich die richtigen Schlussfolgerungen ziehen und nicht nur darüber schwafeln - Siehe mein verlinkter FAZ-Artikel weiter oben in diesem Thread.).

    DeeTee
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  4. #33
    Benutzerbild von PostMortem

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    Torsten postete
    Ein global angelegter Relativismus à la "im Vergleich zu Armen anderer Länder sind die hiesigen noch reich" übersieht, dass Angehörige niederer sozialer Schichten sich erfahrungsgemäß an Bessergestellten ihrer eigenen Gesellschaft messen und eben nicht an Verhungernden in Afrika.
    Das ist richtig, andererseits vergleiche ich mich aber auch nicht mit Bill Gates, obwohl ich mit ihm gemeinsam zum reichsten Teil der Weltbevölkerung zähle. Wie ich schon sagte: Schwarz/Weiss-Vergleiche treffen hier einfach daneben. Das durchschnittliche Familienoberhaupt einer türkischen Imigrantenfamilie mit der typischen türkischen Hausfrau und drei bis x Nachkommen im jugendlichen- bis Erwachsenenalter, von denen vielleicht 1/3 Probleme mit der Schule oder der Arbeitssuche haben, fühlt sich sicherlich nicht asozial oder runtergekommen. Und wenn wir von Ghettobildung reden, dann gehts uns dabei eigentlich nur darum, eine Beschreibung dafür zu finden, dass ganze Straßenzüge heute in ausländischer Hand sind. Mit den Zuständen bei unseren Nachbarn hat das aber herzlich wenig zu tun. Unsere Integrationsprobleme hängen sich zu 90% an spürbaren und bisher nicht aufzubrechenden kulturellen Unterschieden auf und nur zu 10% an anteilig höherer Ausländerkriminalität - im Gegenteil, in Deutschland wird man eher als Nazi beschimpft als mit Zustimmung bedacht, wenn man hier diesbezüglich die nüchterne Statistik bemüht.

    Ja, die Ruhe im Lande mag verwundern. Die Frage ist nur, wie lange sie noch anhalten wird.
    Ja, die Ruhe hat mich auch immer gewundert. Allerdings hing das hauptsächlich damit zusammen, dass beim Mecker-Level längst die Tachonadel gebrochen ist, aber selbst die Millionen Betroffenen es dann offenbar doch nicht als so schlimm empfinden, als das es ihnen einen mickrigen transparenteschwenkenden Spaziergang bei bestem Wetter wert wäre - anders ist die maue Beteiligung an Hartz IV Demos nicht zu erklären. Und das hat auch seinen wahren Kern, denn gemeckert wird viel, Sorgen und Angst haben wir Deutschen auch viel, "geht nicht" ist sicherlich die meistgesagte Floskel aller Deutschen. Ich kann mir auch bis heute nicht vorstellen, wie ich von Hartz IV Mitteln leben sollte und ich wäre auch ein sicherer Umzugskandidat. Letztendlich muss ich aber eben dann doch realistisch einsehen, dass man in Deutschland selbst bei Hartz IV Bezug gar nicht so weit absteigen kann, wie es die Aufständischen in Frankreich seit Jahrzehnten kennen. Selbst bei diesem heiklen Thema gilt also anscheinend, dass die Lage selbst bei Hartz IV weniger schlecht ist als die Stimmung.

    Auf ewig wird man auch in vermeintlich lethargischen Gesellschaften nicht an der Schraube staatlich verordneter Exklusion drehen können, davon bin ich überzeugt. Vielleicht werden wir das nicht mehr erleben, aber wenn die Entwicklung so weitergeht, scheinen mir bürgerkriegsähnliche Zustände nicht mehr in allzu ferner Zukunft.
    Für jede zu früheren Zeiten niedergeschriebene Prophezeiung dieser Art einen Euro und ich wäre reich..... Solche "Prophezeiungen" und Voraussagen sind ja auch sehr praktisch, man würde die eigene Fehleinschätzung sowieso nicht mehr erleben und kann es sich so auch praktischerweise mit seiner Prophezeiung auch prima ein Leben lang gemütlich machen, ohne irgendwelche Beweise zu bringen oder eine "Haftung" übernehmen zu müssen. Wenn man allein auf Basis der Interpolation eingetretener Zustände seine Voraussagen macht, können nur Fehler passieren. Genauso gut hätte man zu Zeiten einer sich deutlicher abzeichnenden deutschen Strukturkrise panisch werden und voraussagen können, dass Deutschland ein zweites "tausendjähriges" Reich, eine weitere schreckliche Diktatur und einen dritten Weltkrieg erleben wird, wenn die Arbeitslosenzahl je wieder auf 5 Mio. steigen würde. Wie wir heute wissen, sind wir heute trotz 5 Mio. Arbeitlosen auch weiter entfernt davon denn je, einen weiteren Weltkrieg anzuzetteln. Es reicht eben nicht, anhand solcher Indikatoren voreilige Schlüsse zu ziehen und zu glauben die Entwicklung würde jetzt von anderen Rahmenbedingungen losgelöst immer so weiter gehen und somit so lange steil nach unten zeigen, bis es knallt....

    Den Zusammenbruch des eisernen Vorhangs hat so keiner kommen sehen, den Wandel Chinas und seinen gewaltigen Eintritt in den Weltmarkt hat so niemand gesehen etc. etc. Diese für uns wirtschaftlich schwierigen Bedingungen hat keiner kommen sehen. Warum sollte man positive Entwicklungen voraussehen können? Warum sollte man annehmen, dass es keine positiven Entwicklungen geben wird, nur weil man sie nicht voraussehen kann? Man kann alles schwarz sehen, davon ausgehen das alles immer schlimmer wird und sich bei jeder Meldung über ein verwahrlost aufgefundenes Kind, einen in Problemvierteln zu Tode gekommenen Menschen oder eine neue verdummende TV-Sendung darin bestätigt fühlen. Dann gibt man dem Raubtierkapitalismus die Schuld und orakelt davon, dass er nicht eher ruhen wird, bis wir alle am Hungertuch nagen. Doch da ist ja nunmal auch ein Denkfehler eingebaut, denn die Marktwirtschaft funktioniert nicht ohne Nachfrager. D. h. es ist im Grunde schon ein automatischer Wendepunkt inbegriffen: Tritt je der Fall ein, dass ehemals große Absatzmärkte wie Deutschland, bzw. ganz Westeuropa oder Nordamerika wegbrechen, wei man sich dort aller Nachfrager entledigt hat (und das wäre die Voraussetzung für die schlimmsten Zustände hierzulande), funktioniert das Marge scheffeln durch Verlagerungen von Produktion an Billigstandorte nicht mehr und das Wegbrechen der Nachfrager im Markt wird deutlich. Das Interesse der Wirtschaft kann spätestens dann nicht mehr sein einfach nur noch billiger zu produzieren. In Zeiten einer EU wird es zumindest für Europa relativ unwahrscheinlich sein, dass wir die "Lösung" einer zukünftigen Weltwirtschaftskrise auf diesem Kontinent nochmals im Krieg suchen werden. Die Lösung des Problems wird vielleicht die Wirtschaft nicht bringen, das würde ihre "Natur" wohl auch nicht erlauben. Allerdings wird die Wirtschaft der Lösung nicht im Wege stehen. Klar ist dabei auch, dass dies ein genauso schleichender Prozess sein wird, wie es die Globalisierung an sich war. An die markigen Sprüche von dem großen Knall und Zusammenbruch den es am Ende geben wird, glaube ich nicht. Dafür, dass der Weg zum Umbruch, insbesondere in bereits seit Jahrzehnten unterentwickelten Ländern (Argentinien etc.), von krawallartigen Aufständen begleitet sein wird, braucht man allerdings keine seherischen Fähigkeiten. Wir sehen sie doch schon seit Jahren von militanten Globalisierungsgegnern und zu allerlei Anlässen. Letztendlich werden das aber wohl eher Begleiterscheinungen bleiben und nicht etwa Vorboten einer Zeit, in der wir uns bis ins tiefste Deutschland hinein einmal die Köpfe einschlagen werden. Selbst hochrangige Banker und ehemalige US-Regierungsberater schreiben heute ganz offen, dass der Kapitalismus wie wir ihn heute kennen endlich ist. Es ist unter Volks- und Betriebswirtschaftlern ebenfalls keine Schande zu sagen, dass wir den Kapitalismus heute nur haben, weil und solange uns nichts besseres eingefallen ist.

    Sicher werden wir noch auf Jahrzehnte unter den Folgen des Aderlasses an Billiglohnländer zu leiden haben. Insbesondere die einfachen Arbeiter werden darunter leiden und mit ihnen sogar immer mehr gut ausgebildete Akademiker. Was mich persönlich bei solchen Entwicklungen immer wütend macht, ist die Tatsache, dass jeder absehen können muss, dass diese Entwicklung so nicht bis in alle Zeiten weitergehen kann. Und trotzdem rennt jeder Einzelne erstmal sehenden Auges in die Misere. Aber so ist das eben, wenn man keine Staatswirtschaft hat. So wie fast alle Bürger in ihrer Ellenbogengesellschaft leben, tun das auch die Unternehmen - sollen doch die anderen ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden, basta.

    Umso deutlicher das wird, umso höher wird der Druck zur Veränderung. Und da Veränderungen bei uns immer lange dauern, wird auch diese Veränderung lange dauern. Aber sie wird m. E. nicht in einem "Mad Max Szenario" enden.

    PM

  5. #34
    Benutzerbild von DeeTee

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    @PM: Lob für Deine Beiträge im allgemeinen und die beiden ersten Absätze des obigen Postings im besonderen!!!

    Die meisten der Jugendlichen/Jungerwachsenen in den Banlieus wären mit dem Geld von Hartz IV zwar nicht glücklich aber -relativ - zufrieden. Es ist leider sehr schwer, anderen Menschen deutlich zu machen, dass wir uns mit den Milliarden Euro an Sozialtransfers in Deutschland auch sozialen Frieden und verhältnismäßig geringe Alltagskriminalität erkaufen. Wer das nicht zu würdigen weiß, dem hätte ich vor Wochen noch geraten, in die USA zu reisen. Jetzt genügt u. U. auch Frankreich.

    Trotzdem haben wir für die Jugendlichen von heute, vor allem Türken der 3. Generation, eine erhebliche Integrationsaufgabe vor uns. Daruf weist zurecht der Kommentar in der ZEIT hin: ZEIT-Kommentar von Jörg Lau

    DeeTee

  6. #35
    Benutzerbild von brandbrief

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    DeeTee postete
    Es ist leider sehr schwer, anderen Menschen deutlich zu machen, dass wir uns mit den Milliarden Euro an Sozialtransfers in Deutschland auch sozialen Frieden und verhältnismäßig geringe Alltagskriminalität erkaufen. Wer das nicht zu würdigen weiß, dem hätte ich vor Wochen noch geraten, in die USA zu reisen. Jetzt genügt u. U. auch Frankreich.
    DeeTee
    Eine sehr gute Überlegung, finde ich. Eine, die man wahrscheinlich zu schnell übersieht. Ich weiß allerdings nicht, wie die Bevölkerung in Frankreich sozial abgesichert ist.
    Hier in Deutschland sieht man aber auch, dass an Sozialausgaben von Jahr zu Jahr gespart wird. Harz IV ist für viele wahrscheinlich nur eine Stufe auf der Treppe des sozialen Abstiegs.
    Ich habe die Befürchtung, dass es hier im Laufe der Zeit vielleicht zu ähnlichen Situationen kommen kann. Vielleicht nicht morgen, nicht in 10 oder auch nicht in 20 Jahren, aber vielleicht irgendwann?!

  7. #36
    Benutzerbild von McFly

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    @ Kinderfresser und Ihka:

    Gut, wie das in Deutschland ist, kann wohl nicht genau geklärt werden. Ich denke jedoch schon, dass Warnschüsse bei gewaltsamen Auseinandersetzungen einer Masse in allen Bundesländern erlaubt oder gefordert werden (von den Vorschriften). Ich fände es auch gut, wenn vielleicht LastNinja was dazu sagen könnte.

    @ Torsten:

    ich denke schon, dass ich dich verstanden habe, was deine Befürchtungen angeht. Aber ich teile sie halt nicht. Ich glaube, dass schon etwas mehr nötig ist als soziale Unausgeglichenheit um einen "weltweiten" Aufstand auszulösen.

    @ DeeTee:

    Lieber DeeTee,

    Es enthebt mich also allen versuchen, über Alternativen nachzudenken, nur weil ich die Meinung vertrete, dass diese Kinder mehr oder minder grundlos randalieren? Glaubst du nicht, dass ich auch über andere Wege nachgedacht hätte? Doch habe ich aber. Und ich bin nunmal zu dem Schluss gelangt, dass hier eine gewaltsame Zerschlagung der Unruhen unumgänglich ist. Dass dir diese Einstellung nicht gefällt (wie vielen anderen hier auch), kann ich akzeptieren. Aber nur weil dir das nicht passt, muss es sich nicht automatisch um "Blödsinn" handeln. Bring mir lieber ein klares Argument, warum man hier den Jugendlichen noch den Kopf tätscheln sollte! Verdammt, die haben bereits einen Menschen das Leben genommen. Dass man da seine Augen vor gewaltsamer Konfliktlösung nicht verschließen kann, kann doch nicht so schwer zu verstehen bzw. so unvorstellbar sein!

    Ich kann dir übrigens versichern: Ich lese aufmerksam mehrere (Tages-)Zeitungen. Bitte unterstelle mir nicht das Gegenteil.

    Und bitte erkläre mir noch, was Intellektualität mit dem grundwehrdienst zu tun hat. da komm ich jetzt echt nicht mehr mit. Ich behaupte, mich zu den Intelektuellen zählen zu können, da hat sich auch während meines Wehrdienstes nicht dran geändert. Zum Schluss war ich sogar gerne Soldat. Macht mich das jetzt weniger intelektuell?
    "Soweit ich weiß, war dein letzter abgeschlossener Bildungsschritt die Ableistung deiner Wehrpflicht bei der Bundeswehr" -> Ja, da hast du tatsächlich etwas verpasst, denn seit dieser Zeit folgten weitere Bildungsschritte.

    McFly

  8. #37
    Benutzerbild von PostMortem

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    DeeTee postete
    @PM: Lob für Deine Beiträge im allgemeinen und die beiden ersten Absätze des obigen Postings im besonderen!!!
    Danke für die Blumen *g*

    Die meisten der Jugendlichen/Jungerwachsenen in den Banlieus wären mit dem Geld von Hartz IV zwar nicht glücklich aber -relativ - zufrieden. Es ist leider sehr schwer, anderen Menschen deutlich zu machen, dass wir uns mit den Milliarden Euro an Sozialtransfers in Deutschland auch sozialen Frieden und verhältnismäßig geringe Alltagskriminalität erkaufen. Wer das nicht zu würdigen weiß, dem hätte ich vor Wochen noch geraten, in die USA zu reisen. Jetzt genügt u. U. auch Frankreich.
    Ja.... wir erkaufen uns das und das obwohl wir die unvorstellbaren Transfers für den Aufbau Ost zu tragen hatten und haben. Auch hier überbieten sich Experten gegenseitig darin, den Exitus der deutschen Staatsfinanzen vorherzusagen - und das angesichts von Koalitionsverhandlungen, die mit Steuererhöhungen enden sollen, momentan ganz besonders. Und trotzdem leisten wir uns hierzulande Dinge, die den sozialen Absturz von Menschen verhindern oder dämpfen. Das gilt auch für oft verteufelten "Luxus" wie die Steinkohlesubvention. Frankreich und England beispielsweise haben ihre Zechen knallhart zugemacht. Nun hat man regional bis zu 50% Arbeitslosigkeit und oben drauf noch keinerlei Energieversorgungssicherheit.

    Wer das hierzulande auch will, der kann ja mal nach Nordfrankreich oder nach Lothringen fahren. Abgerissener gehts manchmal nimmer, sonst könnte man meinen, man wäre in Rumänien und nicht in Westeuropa. Herzlichen Glückwunsch.... in Deutschland könnten wir so 1,7 Mrd. Euro einsparen. Mit Hinweis auf die Staatsverschuldung möchten die Westerwelles und Rüttgers so etwas gerne streichen. Man möchte gerne so toll werden, wie das in letzter Zeit gerne zum "besseren Deutschland" hochstilisierte Österreich.

    Doch was sehen wir da? Österreich hat im Verhältnis zum BIP eine höhere Staatsverschuldung als Deutschland! Gleiches gilt für Länder wie Belgien, Italien, Japan und mittlerweile, nach den Clinton-Jahren, auch wieder die USA.
    Japan hat gemessen am BIP sogar 2,5x so hohe Schulden wie Deutschland. Auch das nur mal so am Rande zum Thema "Stimmung schlechter als Lage"..... womit ich nicht gesagt haben will, dass es nicht besser wäre, die Schulden abzubauen und den Bundesetat für intelligentere Dinge als Zinszahlungen aufzuwenden.

    Das soll lediglich ein weiteres Indiz dafür sein, dass wir noch etwas Puste haben, um bis zum eigentlich unabdingbaren Wendepunkt vom Raubtierkapitalismus zu "was auch immer" (der Merkantilismus hat schließlich auch mal Platz gemacht) durchzuhalten ohne uns die Köpfe einzuschlagen.

    PM

  9. #38
    justmusic
    Benutzerbild von justmusic
    PostMortem postete
    Wer das hierzulande auch will, der kann ja mal nach Nordfrankreich oder nach Lothringen fahren. Abgerissener gehts manchmal nimmer, sonst könnte man meinen, man wäre in Rumänien und nicht in Westeuropa.
    Och, da kann man aber auch in Deutschland bleiben, Stichwort Lausitz! Dort sind ganze Gemeinden seit Jahren fast komplett arbeitslos, nachdem die Braunkohle weggefallen ist!

  10. #39
    Benutzerbild von DeeTee

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    @McFly:
    nur weil ich die Meinung vertrete, dass diese Kinder mehr oder minder grundlos randalieren?
    Eigentlich müsste ich Dich jetzt fragen, ob Du überhaupt einen der Beiträge in diesem Thread gelesen hast. Diese Jugendlichen randalieren durchaus nicht grundlos. Und das ist, glaube ich, auch fast allen klar.
    Und ich bin nunmal zu dem Schluss gelangt, dass hier eine gewaltsame Zerschlagung der Unruhen unumgänglich ist.
    Das hast Du bereits geschrieben. Nur an der Begründung mangelt es. Also daher die Frage: a) Warum hälst Du das für eine gute Lösung? b) Warum erscheint es Dir als einzige sinnvolle Lösung? c) Hast Du einen Plan "B", für den Fall, dass die Anwendung von staatlicher Gewalt nicht erfolgreich ist?
    Bring mir lieber ein klares Argument, warum man hier den Jugendlichen noch den Kopf tätscheln sollte!
    Man soll ihnen nicht den Kopf tätscheln. Das habe weder ich noch sonst jemand gesagt. (Insofern schlechte, weil offensichtliche Rhethorik!). Man sollte den konflikt nicht eskalieren - war meine These. Danach (!) sollte man schleunigst beginnen, über die gesellschaftliche Teilhabe der Menschen in den Banlieus nachzudenken und entsprechende koordinierte Maßnahmen ergreifen, v. a. im Bereich Bildung und Arbeit.
    Ich behaupte, mich zu den Intelektuellen zählen zu können, da hat sich auch während meines Wehrdienstes nicht dran geändert.
    Naja, ich zitiere hier mal den Brockhaus, 1998: Intellektuelle - (lat.) Bez. für eine Gruppe von Menschen, die wegen ihrer Ausbildung und ihrer geistigen Tätigkeit eine herausgehobene Stellung in der Gesellschaft innehat. Soweit v. a. auf die Ausbildung bezogen, synonym mit Akademiker gebraucht.
    Hmm, der Umfang Deiner akademischen Ausbildung war mir scheinbar entfallen.

    Aber mal im Ernst, jenseits rhethorischer Spitzfindigkeiten: Meinst Du im Ernst, dass man solche gewaltätigen Proteste mit Gegengewalt eindämmen kann???
    Das kann - vielleicht - in einem totalitären Staat wie ehemals China gelingen, aber nicht in einem demokratischen Frankreich. Und wenn Du die Kommentare und Infos der Tageszeitungen (taz, SZ, ZEIT, FAZ) wirklich gelesen hast und darüberhinaus Dich wirklich auf akademischem Niveau mit solchen Geschehnissen auseinandergesetzt hast, dann müsstest Du das eigentlich wissen. Unter den Fachleuten ist das nämlich weitestgehend unbestritten.

    DeeTee

  11. #40
    raabi2000
    Benutzerbild von raabi2000
    Hier eine Diskussion über Intellekt zu führen beweist eigentlich nur, dass es genau an diesem mangelt!

    @ Deetee

    Ebenfalls im Brochaus befindet sich folgende Definition:
    Intellekt [ lateinisch ] der, Verstand, Fähigkeit zum Denken
    Und was diese Fähigkeit angeht, so muss man mit einem Doktortitel nicht zwingend besser sein als ein ehemaliger Wehrdienstleistender.

    Was die Problematik in Frankreich angeht, so denke ich, dass die Politik des Landes schon seit über 50 Jahren versagt hat. Die Bildung von sozialen Brennpunkten wurde massiv durch sozialen Wohnungsbau gefördert ohne auch nur einen Gedanken an die Integration der Zuwanderer zu verschwenden.

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