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Re-entry: Neues aus Absurdistan, Vol. 1

Erstellt von Torsten, 21.02.2002, 20:19 Uhr · 11 Antworten · 1.775 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Torsten

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    Da ich demnächst wohl endlich den zweiten Teil meines "Absurdistan"-Postings "veröffentlichen" werde und dieses Forum mittlerweile eine ganze Menge neuer "Mitglieder" hat, lege ich diesen Thread aus dem alten Forum hier noch einmal neu auf; vielleicht haben ein paar Leute ja noch Lust, ihre Ansichten hier kundzutun...
    Und nicht wundern: Auch hier taucht die altbekannte Cherry Coke wieder auf... ja, ich hasse diese degenerierte Zuckerplärre!!!
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    Hallo,

    nachdem ich mich vor kurzem in meinem ersten Beitrag über die groteske (D)Evolution in der Musikbranche ausgekotzt habe, möchte ich mich diesmal dem allgemeinen und alltäglichen Wahnsinn widmen...
    Inspiriert haben mich dazu vor allem die gesellschaftlichen Albernheiten, die in den Antwort-Postings zu meinem Erstling zur Sprache kamen. Besonders treffend fand ich die Passage, in der auf diese unerträglich inflationär benutzten Floskeln wie „Bleib so, wie Du bist“ oder „Verwirkliche Dich selbst“ hingewiesen wurde. Jawoll und nochmals jawoll: das trifft den Nagel auf den Kopf! Der Leitspruch dieser in allen Branchen und Lebensbereichen wuchernden Möchtegern-Tumore ist dabei ganz offensichtlich: wir können und wir wissen nichts, aber das mit viel Selbstbewusstsein! Zu allem Übel ist man in vielen Alltags-Situationen auf solch egomanische Bananenbieger auch noch angewiesen: man lausche nur einmal den Worten eines öligen, 25jährigen Weißhemds im MEDIA-MARKT, wenn er dem ahnungslosen Rentner-Ehepaar einen 1000-DM-Verstärker verkaufen will, der kaum das Papier wert ist, auf dem sein Preis prangt. Wenn ich nicht Gefahr laufen würde, sofort Hausverbot erteilt zu bekommen (irgendwo muss man ja billig CD-R’s abstauben!), würde ich solchen Fatzkes mal gepflegt verbal die Fresse polieren! Mein Glück, dass ich beim Thema Hi-Fi a bisserl Ahnung habe; aber was mache ich, wenn ich mir einen Herd oder eine Waschmaschine zulegen will? Na, jedenfalls werde ich meine Zeit dann wohl kaum mit einem selbsternannten Fachmann vergeuden, der einen Monat zuvor noch vergeblich versucht hat, Versicherungen zu verhökern. Was denn, solche Karriere-Rallyes gibt’s nicht? Na, und wie’s die gibt! In meinem Bekanntenkreis anhand einer einzigen Person mehrfach unter Beweis gestellt. Einziges echtes Talent solcher Leute: perfekte Beherrschung eines langjährig angeeigneten Blendertums! Denn heutzutage ist schon längst nicht mehr wichtig, was man ist, sondern nur noch, was man vorgibt zu sein; kreditfinanzierte Statussymbole ersetzen Persönlichkeit und Charisma. Noch vor ein bis zwei Jahrzehnten wären die Karriereträume solcher „Pretender“(da könnte man glatt eine eigene deutsche Serie zu drehen!) ratz-fatz wie eine Seifenblase zerplatzt; mittlerweile sind gerade solch fragwürdigen Fähigkeiten immer öfter das Sprungbrett zu beruflichem Erfolg, der in keinem Verhältnis zur Leistung steht. All dies spiegelt sich allein schon in der Art und Weise wieder, wie heutzutage Bewerbungen geschrieben sein sollten (jedenfalls nach Meinung diverser Bewerbungs-Trainer): man muss, überspitzt gesagt, einfach nur darstellen, dass man der Beste, Tollste und Geilste ist. Ob dies der Wahrheit entspricht, interessiert zunächst mal keine Sau; hat man sich erst einmal zum Vorstellungsgespräch durchgemogelt, kann man ja auch dort noch getrost die Puppen tanzen lassen (zumindest abgezockte Blender können das!). Ich selber befinde mich derzeit in einer Umschulung und konnte über die aktuellen Bewerbungs-„Richtlinien“ bisher nur noch mit dem Kopf schütteln. Da schlug doch eine Dozentin letztens allen Ernstes vor, im Lebenslauf anstatt „Hausfrau“ (oder analog dazu „Hausmann“) besser den Begriff – und jetzt bitte festhalten! – „Familien-Manager/-in“ zu verwenden! Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, nicht einer akustischen Täuschung auf den Leim gegangen zu sein, wuchs meine Fassungslosigkeit ins Uferlose. Da die Dame nun selbstverständlich davon ausging, dass ich einfach nur ein Macho sei, der die Arbeit einer Hausfrau nicht zu würdigen wisse, versuchte ich ihr zu erklären, dass ich den Begriff „Sales-Manager“ für einen stinknormalen Abteilungsleiter genauso lächerlich finde (auch herzerfrischend: jeder dämliche Pickel wird jetzt „Hautirritation“ genannt – pruuust!). Letztendlich war sie von Ihrer Ansicht aber nicht abzubringen, was mir wieder einmal zeigte, welche Auswirkungen die anfangs erwähnten hohlen Selbstbestätigungs-Phrasen mittlerweile haben. Erinnert mich irgendwie an diesen Werbespot (war’s „Du darfst“? Oder irgendein anderer Schmuh?) mit den beiden Trullas, die sich über den Lover der ersten unterhalten (heißt der Dummbeutel nicht „Paul“? Egal...); da sagt die ob ihrer Figur kritisierte Tussi zum Schluss: „Also ich – ich find‘ mich extrem okay!“ Klar hat sie im Zusammenhang mit der beknackten Kritik Recht; aber dieser finale Spruch sagt doch wieder mal alles. Jeder, der heutzutage „hip“ sein will, findet sich selbst total mega-toll; dass dieses aufgesetzte und zur Schau getragene Selbstbewusstsein jeglicher Grundlage entbehrt – wen kümmert’s? Eigentlich hatte ich ja immer gedacht, dass man für ein gesundes Selbstbewusstsein auch gewisse Fähigkeiten und Eigenschaften besitzen müsste. Tja, da hab‘ ich mich wohl getäuscht, und vielleicht sollte ich mich demnächst auch einmal für die Grand-Prix-Ausscheidung bewerben, obwohl ich mit meiner Stimme selbst die Milben aus meinem Teppich vertreiben könnte. Doofheit rulez ( Yo, Baby, ich hab‘ an das „z“ gedacht!), und damit meine ich wahrlich nicht Verona Feldbusch, der einzig echten intelligenten Bohlen-Hinterlassenschaft! Vor allem in der Klapsmühle Fernsehen: von den geistigen (?) Destillaten holländischer TV-Mafiosi wird man solange zugemöllert, bis auch der letzte Hauch Verstand im Brägen aus Verzweiflung freiwillig die Resthirnrinde räumt. Und wenn doch ein paar graue Zellen überlebt haben sollten, nutzt man sie, um bei Arabella & Co. die tumben Massen an seinen ganz eigenen hochnotpeinlichen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Am köstlichsten dabei die Themen: allesamt überflüssig wie Cherry Coke, aber hervorragend dazu geeignet, sein mühsam erlerntes Vokabular in Rekordzeit auf 50 Worte zu reduzieren. Das Studiopublikum, also die vermeintlich nur ein bisschen Bekloppten, entpuppt sich dabei im weiterenVerlauf als ein Rudel ferngelenkter Paviane, die so bedeutungsschwangere Statements abgeben wie „Ihr seid ja pervers!“ oder „Du musst toleranter werden“. „Ihr seid alle scheiße!“ möchte man ihnen entgegenbrüllen, während man erkennt, dass das Fernsehen längst keine elitäre Macht mehr ist, sondern vielmehr die Summe aller Trottel, die sich dort präsentieren. Man könnte glatt an eine weltweite Verschwörung glauben, würden durch den grauen Himmel der Verblödung nicht hin und wieder ein paar warme Strahlen der Erleuchtung dringen! Was danke ich einem Harald Schmidt dafür, dass er sich des täglichen Irrsins annimmt und der Tamagotchi-Gesellschaft den Spiegel vorhält, auch wenn sich einige Dauer-Verarschte darin nicht zu erkennen scheinen...
    Ich merke schon: einmal in Fahrt gekommen, fallen einem wasserfallartig immer mehr gesellschaftliche Entwicklungen ein, die im günstigsten Fall komisch-absurd, im schlechtesten äußerst bedenklich sind. Deshalb ist hier ersma Schluss; falls Interesse an diesem Thema besteht, werde ich demnächst sicherlich nochmals in die Tasten hauen, um weiteren Dampf abzulassen... ;-)

    Gruß Torsten

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von
    Hallo Torsten,

    dein Beitrag erinnert mich ein bisserl an die "Ergüsse" von Oliver Kalkofe, der konnte auch immer so fein über andere ablästern ("ausgekotzt" ist übrigens der treffende Ausdruck...).
    Natürlich teile ich einige deiner Ansichten und ich gehöre auch zu denen, die zu ehrlich sind, um anderen den "Obertyp/Supertyp" vorzuspielen.
    Diese andauernde Vorgaukelei ist für mich ein Geschenk der Amis, und zwar eines, das eigentlich keiner hier haben wollte...
    Deine Ansichten über Harald Schmidt kann ich allerdings nicht teilen, denn mir sind Kabarettisten lieber als "Komödianten" (als Kabarettist war er wohl eine Granate...)

    Gruß Matthias

  4. #3
    Benutzerbild von Torsten

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    @ Matthias:
    Selbstverständlich bin auch ich ein Fan vom Kalkofe, denn es gibt leider viel zu wenig Leute, die gewisse Dinge mal beim Namen nennen...
    Und Harald Schmidt ist zwar kein Kabarettist mehr, aber dennoch der intelligenteste Kopf im deutschen Fernsehen. Und er wird meines Erachtens immer besser...

  5. #4
    Benutzerbild von J.B.

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    KLASSSSEEEEEEEEEEEEE Absurdistan ist wieder da und Das ist auch gut so um mal den Bezug zur Gegenwart herzustellen!
    Ich gebe Torsten in vielen Punkten recht und habe selbige Tendenzen festgestellt. Um es mal so zu sagen, wo leben wir denn eigentlich? Ich mein ist es vertretbar, dass Kinder in der Werbung "Onkel" zu einem wildfremden Mann sagen müssen, nur um ein Glas Orangensaft zu bekommen oder dass man viele tolle, gutaussehende und immer smarte Freunde und vor allem frauen bekommt, wenn man nicht vergessen hat sich einen Monatsvorrat an Ferrero-Küsschen zuzlegen? Denn wie uns die Werbung vermittelt, sind diese jungen und gutassehenden Menschen auf einmal gar nicht mehr smart, wenn es keine Küsschen mehr gibt! Und mal ehrlich, ist der Spruch: "Guten Freunden gibt man ein Küsschen" nicht die kommerzielle Versinnbildlichung der heutigen Bussi-Gesellschaft? Man busselt sich immer und immer wieder bei diversen Begrüßungsmarathons, selbst mit Leuten die man nur vom Hören-Sagen kennt! aber das ist ja egal, denn das, was man schon vorher über diese Leute weiß, reicht ja vielen Menschen schon aus, sie zu beurteilen und in eine Schublade zu stecken. Und ob man die Leute mag oder nicht ist egal, denn es gilt den Schein zu wahren und so lange zu busseln und zu heucheln, bis sie sich umgedreht haben und damit sind wir schon bei der Deutschen liebster Neben- und Freizeitbeschäftigung: Lästern, Heucheln und Blenden. In jedem Bereich unseres Lebens wird uns dieses aufoktruiert und wenn man nicht mitzieht ist man irgendwie der Dumme. Ehrlichkeit scheint in vielen Bereichen des Lebens nicht mehr viel wert zu sein und ich denke das unnormalste was man heutzutage sein kann ist normal zu sein!! Da fragt man sich doch wie konnte es in solch einem Ausmaß dazu kommen? Ich denke in einer Zeit, in der sogenannte Reality-Soaps jeden Schwachsinn( Fahrschule, Skischule, Englischkurs usw.) der breiten Masse präsentieren und sogenannte "Normalbürger", die für mich nichts weiter als Volldeppen mit krankhafter Neigung zum Sich-lächerlich-machen sind, die Stars sind ist das wohl nicht weiter verwunderlich. Auch bemerke ich mit sichtlichem Erschrecken, das normale Soaps (Unter Uns, GZSZ, usw.) von vielen insbesondern jüngeren Menschen für bare Münze genommen werden. Da werden innerhalb von nur 2 oder 3 Folgen so ziemlich alle moraöischen, ethischen, partnerschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Probleme durchexerziert und man fragt sich als Normalsterblicher doch einfach nur: Wann kommt endlich die Folge, in der der schwarze, schwule, sich zu Unrecht in Dutschland aufhaltende Chinese mit chilenischem Pass, russischer Großmutter, einem Halbbruder in Israel von dem er nichts weiß und seines Zeichens Lokführer ist, aufgrund alptraumhafter Halluzinationsdepressionen, verursacht von übermäßigem Ecstasy- und Kokainkonsum, beschliesst mit seinem Zug in das Haus seiner hochschwangeren, an Essstörung leidenden und schon in ihrer Kindheit von ihren Eltern mißbrauchten Freundin zu rasen, um endlich seinen Nebenbuhler, einen feschen Italiener der als Koch in einem griechisch-türkischen Hamburgerladen arbeitet, grad seinen Chef der Steuerbehörde ans Messer geliefert hat und zudem noch was mit der Mutter seiner Affaire hat, in flagranti zu erwischen! Nicht zu vergessen, das der verzweifelte mann schon vorab die örtliche Presse informiert hat und glaubt aus diesem auftreten noch kapital schlagen zu können! Ich persönlich muß nicht mehr auf so eine Folge warten, denn das hab ich grad gestern erlebt! Was ich damit sagen will ist folgendes: Viele nehmen dass was man ihnen da zeigt für bare Münze und beginnen sich in der Realität selbst so zu verhalten. Lügen und Heucheln ist schick und gesellschaftsfähig. Und dumm zu sein bedeutet doch heute allerbeste Voraussetzungen für das Leben als Star zu haben! Wenn Menschen wie irgendwelche selbsternannten Luder, die ja nun wirklich keine sind, Konsorten wie Zladdy und Co. (ich sag nur Horst'WttwerbistDudenn und PlayboyfifftiewanausReinickendorf) und Figuren wie Regina Zindler von solchen Menschen wie Stefan Raab zu Megastars gehypt werden, dann weiß ich, dass ich hier auf dem falschen Planeten lebe! Die Auswirkungen solchen Hypes sind ja schon deutlich daran zu erkennen, dass immer mehr Menschen sich selbst für die lächerliche Summe von 100 EURO zum absoluten Volldeppen machen lassen(nacktandenBaumketten undsoweiterundsofort). Alles was huet als gut und gewinnträchtig gilt wird 1000fach geklont und reproduziert! Irgendwie ist es auch egal geworden wer wem welche Idee klaut die schonmal da war. Außer beim Grand prix de la Chanson natürlich! Der Gros des Volkes kauft schon längst nur noch das, was von den Firmen und ihren Werbeagenturen vorgegeben wird, und das nicht mal absichtlich, denn wir werden unter hochheeren moralischen und gesellschaftlichen Versprechen geködert und ausgenommen. Wer in ist trink Chantré, Warsteiner, Fernet branca und Pushkin, isst Du darfst(der Slogan ist die gleich mitgelieferte Ausrede), Sachen von Kinder und pafümiert sich mit Sachen von Douglas ein! Es gibt keine Produktbereich mehr, der nicht schon zum Kampfplatz irrwitziger Marketingstrategen und ihrer allewichtigenBotschaftenaufeinmal beinhaltenden Werbeslogans geworden ist. man kann diesem ganzen kaum noch entkommen, denn wir werden mit Informationen zugebomt und suchen uns die Produkte aus, die uns in ihren Slogans Unabhängigkeit, Freiheit, Individualismus und das Sichvonanderenunterscheiden suggerieren. Viele Menschen kaptulieren und wollen oder können sich dem nicht mehr entziehen, denn es gibt fast keinen Platz mehr an den wir uns zurückziehen können ohne das uns auch nur eine Werbebotschaft erreicht! Die Auswirkungen auf die Musikszene kennen wir mittlerweile alle und daher ist es kein Wunder, dass auf kaum einem neuen Sampler mehr Überraschungen gibt oder das sich plötzlich 10-20 All-Girl-Bands oder Möchtegernheulbojen in den Charts tummeln.

    So das war es für dieses Mal. Seid gnädig mit mir

    In diesem Sinne

    J.B.

  6. #5
    Benutzerbild von messerundgabel

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    Hallo Endlosposter. Nichts gegen lange Schmöker, aber auf eurer Tastatur findet ihr eine Taste, die unter dem Namen Return bekannt ist. Unter anderem kann man sie benutzen um seinem Text Absätze zu verpassen. Macht das ganze lesbarer und schont die Augen. Das nur mal als Tip...

    gruß messerundgabel

  7. #6
    Benutzerbild von J.B.

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    @ messerundgabel

    Vielen

    Dank

    für

    Deinen

    Hinweis

    !

    Ich

    werd

    es

    mir

    merken



    CU J.B.

  8. #7
    Benutzerbild von musicola

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    *uraltthreadausbuddel*


    Klasse Konter, J.B.!

    @ Torsten

    Zwei Fragen:

    1. Ich hab im alten 80s Forum nach dem "Absurdistan-Thread" gesucht aber nix gefunden. Hast du mal nen Link dazu parat? Ebenso vielleicht auch den vom Thread über die "groteske (D)Evolution in der Musikbranche"?

    2. Wann kommt der versprochene zweite Teil von "Absurdistan"?



    musicola

  9. #8
    Benutzerbild von Torsten

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    @ musicola:

    Zwei Antworten:

    1. Nein. Die Texte liegen allenfalls noch als WORD-Dokumente in den Untiefen meines alten Rechners vergraben.

    2. Wenn ihr am wenigsten damit rechnet...

    Dir muss aber ganz schön langweilig sein, dass du diese ollen Kamellen ausgräbst...

    Falls der Text tatsächlich noch jemanden interessieren sollte, hier zur besseren Lesbarkeit die Variante mit eingefügten Abschnitten:
    Hallo,

    nachdem ich mich vor kurzem in meinem ersten Beitrag über die groteske (D)Evolution in der Musikbranche ausgekotzt habe, möchte ich mich diesmal dem allgemeinen und alltäglichen Wahnsinn widmen...

    Inspiriert haben mich dazu vor allem die gesellschaftlichen Albernheiten, die in den Antwort-Postings zu meinem Erstling zur Sprache kamen. Besonders treffend fand ich die Passage, in der auf diese unerträglich inflationär benutzten Floskeln wie „Bleib so, wie Du bist“ oder „Verwirkliche Dich selbst“ hingewiesen wurde. Jawoll und nochmals jawoll: das trifft den Nagel auf den Kopf! Der Leitspruch dieser in allen Branchen und Lebensbereichen wuchernden Möchtegern-Tumore ist dabei ganz offensichtlich: wir können und wir wissen nichts, aber das mit viel Selbstbewusstsein!

    Zu allem Übel ist man in vielen Alltags-Situationen auf solch egomanische Bananenbieger auch noch angewiesen: man lausche nur einmal den Worten eines öligen, 25jährigen Weißhemds im MEDIA-MARKT, wenn er dem ahnungslosen Rentner-Ehepaar einen 1000-DM-Verstärker verkaufen will, der kaum das Papier wert ist, auf dem sein Preis prangt. Wenn ich nicht Gefahr laufen würde, sofort Hausverbot erteilt zu bekommen (irgendwo muss man ja billig CD-R’s abstauben!), würde ich solchen Fatzkes mal gepflegt verbal die Fresse polieren! Mein Glück, dass ich beim Thema Hi-Fi a bisserl Ahnung habe; aber was mache ich, wenn ich mir einen Herd oder eine Waschmaschine zulegen will? Na, jedenfalls werde ich meine Zeit dann wohl kaum mit einem selbsternannten Fachmann vergeuden, der einen Monat zuvor noch vergeblich versucht hat, Versicherungen zu verhökern.

    Was denn, solche Karriere-Rallyes gibt’s nicht? Na, und wie’s die gibt! In meinem Bekanntenkreis anhand einer einzigen Person mehrfach unter Beweis gestellt. Einziges echtes Talent solcher Leute: perfekte Beherrschung eines langjährig angeeigneten Blendertums! Denn heutzutage ist schon längst nicht mehr wichtig, was man ist, sondern nur noch, was man vorgibt zu sein; kreditfinanzierte Statussymbole ersetzen Persönlichkeit und Charisma. Noch vor ein bis zwei Jahrzehnten wären die Karriereträume solcher „Pretender“(da könnte man glatt eine eigene deutsche Serie zu drehen!) ratz-fatz wie eine Seifenblase zerplatzt; mittlerweile sind gerade solch fragwürdigen Fähigkeiten immer öfter das Sprungbrett zu beruflichem Erfolg, der in keinem Verhältnis zur Leistung steht.

    All dies spiegelt sich allein schon in der Art und Weise wieder, wie heutzutage Bewerbungen geschrieben sein sollten (jedenfalls nach Meinung diverser Bewerbungs-Trainer): man muss, überspitzt gesagt, einfach nur darstellen, dass man der Beste, Tollste und Geilste ist. Ob dies der Wahrheit entspricht, interessiert zunächst mal keine Sau; hat man sich erst einmal zum Vorstellungsgespräch durchgemogelt, kann man ja auch dort noch getrost die Puppen tanzen lassen (zumindest abgezockte Blender können das!).

    Ich selber befinde mich derzeit in einer Umschulung und konnte über die aktuellen Bewerbungs-„Richtlinien“ bisher nur noch mit dem Kopf schütteln. Da schlug doch eine Dozentin letztens allen Ernstes vor, im Lebenslauf anstatt „Hausfrau“ (oder analog dazu „Hausmann“) besser den Begriff – und jetzt bitte festhalten! – „Familien-Manager/-in“ zu verwenden! Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, nicht einer akustischen Täuschung auf den Leim gegangen zu sein, wuchs meine Fassungslosigkeit ins Uferlose. Da die Dame nun selbstverständlich davon ausging, dass ich einfach nur ein Macho sei, der die Arbeit einer Hausfrau nicht zu würdigen wisse, versuchte ich ihr zu erklären, dass ich den Begriff „Sales-Manager“ für einen stinknormalen Abteilungsleiter genauso lächerlich finde (auch herzerfrischend: jeder dämliche Pickel wird jetzt „Hautirritation“ genannt – pruuust!). Letztendlich war sie von Ihrer Ansicht aber nicht abzubringen, was mir wieder einmal zeigte, welche Auswirkungen die anfangs erwähnten hohlen Selbstbestätigungs-Phrasen mittlerweile haben.

    Erinnert mich irgendwie an diesen Werbespot (war’s „Du darfst“? Oder irgendein anderer Schmuh?) mit den beiden Trullas, die sich über den Lover der ersten unterhalten (heißt der Dummbeutel nicht „Paul“? Egal...); da sagt die ob ihrer Figur kritisierte Tussi zum Schluss: „Also ich – ich find‘ mich extrem okay!“ Klar hat sie im Zusammenhang mit der beknackten Kritik Recht; aber dieser finale Spruch sagt doch wieder mal alles. Jeder, der heutzutage „hip“ sein will, findet sich selbst total mega-toll; dass dieses aufgesetzte und zur Schau getragene Selbstbewusstsein jeglicher Grundlage entbehrt – wen kümmert’s?

    Eigentlich hatte ich ja immer gedacht, dass man für ein gesundes Selbstbewusstsein auch gewisse Fähigkeiten und Eigenschaften besitzen müsste. Tja, da hab‘ ich mich wohl getäuscht, und vielleicht sollte ich mich demnächst auch einmal für die Grand-Prix-Ausscheidung bewerben, obwohl ich mit meiner Stimme selbst die Milben aus meinem Teppich vertreiben könnte. Doofheit rulez ( Yo, Baby, ich hab‘ an das „z“ gedacht!), und damit meine ich wahrlich nicht Verona Feldbusch, der einzig echten intelligenten Bohlen-Hinterlassenschaft! [Diese Bemerkung ziehe ich hiermit offiziell zurück!]

    Vor allem in der Klapsmühle Fernsehen: von den geistigen (?) Destillaten holländischer TV-Mafiosi wird man solange zugemöllert, bis auch der letzte Hauch Verstand im Brägen aus Verzweiflung freiwillig die Resthirnrinde räumt. Und wenn doch ein paar graue Zellen überlebt haben sollten, nutzt man sie, um bei Arabella & Co. die tumben Massen an seinen ganz eigenen hochnotpeinlichen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Am köstlichsten dabei die Themen: allesamt überflüssig wie Cherry Coke, aber hervorragend dazu geeignet, sein mühsam erlerntes Vokabular in Rekordzeit auf 50 Worte zu reduzieren. Das Studiopublikum, also die vermeintlich nur ein bisschen Bekloppten, entpuppt sich dabei im weiterenVerlauf als ein Rudel ferngelenkter Paviane, die so bedeutungsschwangere Statements abgeben wie „Ihr seid ja pervers!“ oder „Du musst toleranter werden“. „Ihr seid alle scheiße!“ möchte man ihnen entgegenbrüllen, während man erkennt, dass das Fernsehen längst keine elitäre Macht mehr ist, sondern vielmehr die Summe aller Trottel, die sich dort präsentieren.

    Man könnte glatt an eine weltweite Verschwörung glauben, würden durch den grauen Himmel der Verblödung nicht hin und wieder ein paar warme Strahlen der Erleuchtung dringen! Was danke ich einem Harald Schmidt dafür, dass er sich des täglichen Irrsins annimmt und der Tamagotchi-Gesellschaft den Spiegel vorhält, auch wenn sich einige Dauer-Verarschte darin nicht zu erkennen scheinen...

    Ich merke schon: einmal in Fahrt gekommen, fallen einem wasserfallartig immer mehr gesellschaftliche Entwicklungen ein, die im günstigsten Fall komisch-absurd, im schlechtesten äußerst bedenklich sind. Deshalb ist hier ersma Schluss; falls Interesse an diesem Thema besteht, werde ich demnächst sicherlich nochmals in die Tasten hauen, um weiteren Dampf abzulassen... ;-)
    Naja, da hab ich mich ja ganz schön aufgeregt damals. Heute würde ich sicher einiges anders formulieren, zu manchen Dingen habe ich im Laufe der Zeit eine differenziertere Meinung gewonnen. An den elementaren Punkten wie dem weit verbreiteten Blendertum hat sich allerdings bis heute nix geändert (im Gegenteil, ist eher schlimmer geworden)...

  10. #9
    Benutzerbild von musicola

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    Torsten postete
    @ musicola:

    Zwei Antworten:

    1. Nein. Die Texte liegen allenfalls noch als WORD-Dokumente in den Untiefen meines alten Rechners vergraben.

    2. Wenn ihr am wenigsten damit rechnet...
    Zu 1.:

    Das sind dann aber wohl nur deine Postings zum Thema, oder?
    Ich glaube mal nicht dass du die ganze Threadentwicklung aufgezeichnet hast, oder?

    Zu 2.:

    Okay!

    Dir muss aber ganz schön langweilig sein, dass du diese ollen Kamellen ausgräbst...
    Man tut was man kann! Ansonsten gilt meine aktuelle
    Signatur!

  11. #10
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
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    6.613
    musicola postete
    Das sind dann aber wohl nur deine Postings zum Thema, oder?
    Ich glaube mal nicht dass du die ganze Threadentwicklung aufgezeichnet hast, oder?
    Doch, hatte ich damals auch oft (in ein WORD-Dokument hineinkopiert und dann abgespeichert, weil ich da noch nicht raffte, dass man auch Internet-Seiten speichern kann ).

    Is' das denn so wichtig? Kann bei Gelegenheit ja mal schauen, aber glaube nicht, dass das irgendwie weltbewegend war...

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