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Religiös oder nicht?

Erstellt von ihkawimsns, 08.01.2007, 05:25 Uhr · 20 Antworten · 1.683 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Religiös oder nicht?

    Religion wurde hier im Forum immer mal thematisiert, der persönliche Bezug jedes Einzelnen kam allerdings immer nur am Rande vor. Zwar weiß ich, dass waschbaer und engel07 kirchlich aktiv waren bzw. sind, aber auch Kritik an religiöser Praxis üben. Ebenso habe ich von der kritischen Distanz erfahren, die Muggi gegenüber Religion im Allgemeinen und dem Christentum im Besonderen wahrt (sollten hier Fehleinschätzungen vorliegen, bitte korrigieren). Das war's dann aber auch schon fast, ich habe nur eine vage Vorstellung davon, wie ihr nun im Einzelnen in dieser Hinsicht gepolt seid.

    Die Idee zu diesem Thread hatte ich schon vor ein paar Tagen, nach dem Ableben von röschmich finde ich dieses Thema aber umso interessanter, hat doch der eine oder andere verlautbart, zu beten, teilweise auch, obwohl er im Alltag gar nicht so religiös sei. Daher nun meine Fragen:

    Seid ihr religiös?

    Wenn ja, praktiziert ihr dies auch in Form von Gottesdiensten, Gebeten etc. oder seid ihr es nur pro forma bzw. aus Tradition? Welchen Glauben vertretet ihr eigentlich? Gibt es hier vielleicht sogar ein paar Juden, Moslems oder Angehörige anderer Religionen?

    Wenn nein, in welche "Schublade" ordnet ihr euch ein? Ist euch Religion einfach nur egal (Agnostiker) oder habt ihr konkrete Einwände (Atheisten)? Wenn letzteres der Fall ist, lehnt ihr nur den Gottesbegriff ab oder Religion im Allgemeinen?

    Mir ist klar, dass in diesem Thread kontroverse Ansichten aufeinanderprallen werden, die schnell eine hitzige Debatte über die eine oder andere Sinnfrage auslösen können. Erfahrungsgemäß wird dann beizeiten die verbale Bratpfanne ausgepackt. Daher bitte ich vorab schon einmal um die nötige Contenance, ohne die sich ein solches Thema nicht vernünftig bereden lässt.



    Dann fange ich mal an:

    Den meisten Stammusern ist vermutlich schon bekannt, dass ich mit Religion nicht allzuviel am Hut habe. Eigentlich gar nichts. Für religiöse Satire und blasphemischen Humor bin ich sehr empfänglich, §166 StGB gehört abgeschafft.

    Das Ganze hat noch nicht mal was damit zu tun, dass meine Geburtsurkunde von Hammer, Zirkel und Ährenkranz geschmückt ist, sondern eher mit eigenen Überzeugungen, aber auch Erziehung und Familientradition. Zwar gab es auf der goldenen Hochzeit meiner Großeltern väterlicherseits und bei den Trauerfeiern meiner Urgroßeltern mütterlicher-/großmütterlicherseits ein paar kurze kirchliche Zeremonien (die an den Anwesenden weitestgehend vorbei gingen), da meine Groß- bzw. Urgroßeltern ihre formal protestantische Religion aber schon seit etlichen Jahrzehnten nicht mehr praktiziert hatten, waren diese nicht allzu ernst zu nehmen. Alle vier waren übrigens schon erwachsen, als die DDR gegründet wurde, staatliche Umerziehung fällt als Ursache ihrer Quasi-Nichtreligiosität also aus. Ein Onkel von mir hat zwar das Tischgebet eingeführt und ein anderer Onkel rennt jeden Sonntag zum Singen in die Kirche, doch die wurden nur "eingeheiratet". Unterm Strich sind Familie und Verwandtschaft bei mir weitgehend religionsfreie Zone.

    Allerdings erscheint es mir auch einfach vernünftig, seinen Alltag ohne Religion zu gestalten. Es lässt sich weder rational noch empirisch begründen, dass sie mir Vorteile bringt. Über einen Placebo-Effekt könnte man vielleicht noch diskutieren, aber das ist mir zu dürftig. Dass blinder Glauben gefährlich ist, brauche ich wohl nicht weiter zu erläutern, aber auch in abgeschwächter Form finde ich ihn mehr als flüssig. Dabei will ich niemandem zu nahe treten, der nun tatsächlich religiös ist, prinzipiell soll jeder glauben, was er will. So lange er damit keinem anderen schadet, habe ich damit kein Problem.

    Bei all diesen Überlegungen konnte ich mich selbst aber lange nie in eine meiner oben angegebenen Schubladen packen. War ich zunächst Atheist, wurde ich irgendwann zum liberalen Nichtreligiösen nach dem Motto "Gottes Existenz lässt sich weder beweisen noch widerlegen", bis in mir die Erkenntnis gereift ist, dass man die Existenz eines Gottes gar nicht widerlegen muss, um ihn in Frage zu stellen - schließlich sind immer diejenigen in der Beweispflicht, die behaupten, dass es etwas gibt! Diese Denkweise (die Fachwelt bezeichnet sie wohl als "Russells Teekanne", von seinen Überlegungen habe ich aber erst hinterher erfahren) katapultierte mich gleich ein gutes Stück über den Atheismus hinaus, mittlerweile nehme ich an, dass meine Ansichten eher in Richtung Nihilismus gehen. Das hört sich zunächst schlimmer und bedrohlicher an, als es ist: Nihilismus postuliert im Grunde nur die absolute Subjektivität. Es ist nicht nur so, dass man Objektivität nicht feststellen kann - für meine Begriffe gibt es sie gar nicht. Diese Annahme hat im Wesentlichen zwei Konsequenzen:

    1. Allgemeingültige Moralvorstellungen sind nutzlos. Damit werden sämtliche religiösen Dogmen hinfällig, aber zum Beispiel auch Kants kategorischer Imperativ ("Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."). Dementsprechend stelle ich mir auch keine Sinnfragen. Es ist, wie es ist.

    2. Leben ist Selbstzweck. Es bereichert denjenigen, der dieses Leben lebt, hat darüber hinaus aber keinen Sinn. So lange wir uns also nicht selbst schaden, können wir zwar nichts richtig, aber auch nichts falsch machen. Diese Erkentnis empfinde ich als ungemein befreiend.

    Mehr fällt mir dazu erstmal nicht ein, die Diskussion ist eröffnet!

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von PostMortem

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    Viele elementaren Dinge, welche die christlichen Kirchen im Glauben verlangen, würden bei jeder anderen Organisation als alarmierendes Merkmal für Bauernfängerei gegeisselt. Alle religiösen Verheissungen, die dem Christen versprochen werden, sind so konstruiert, dass sie in keiner Weise belegt werden müssen und ihre Unbelegbarkeit wird auch als etwas ganz natürliches, selbstverständliches erklärt. Im Gegenteil: Wer nicht ohne Beleg und Beweis glaubt, dem werden seine Privilegien eben nicht zu Teil. Das ist eine sehr praktische Konstruktion, die m. E. aber nur dazu ersonnen wurde das Religionsmonopol und den Machteinfluss der noch relativ jungen Kirche zu zementieren.

    Ganz davon abgesehen lehne ich die menschenfeindliche Haltung der christlichen Kirche, in diesem Fall insbesondere der katholischen, ab. Es hat zu unfassbarem Leid geführt Männern und Frauen die Ausübung ihrer natürlichen Bedürfnisse zu verbieten. Dies sowohl bei den Menschen selbst, als auch bei anderen Menschen, darunter vielen Kindern. Das wahre Ausmaß des Kindesmissbrauchs durch Geistliche ist wahrscheinlich noch nichtmal bekannt. Dazu kommt die Haltung der Kirchen zu Verhütung und die daraus auferlegten Krankheits-, Abtreibungs- und Rabenelternkarrieren und ihre menschenverachtende Rückständigkeit in Bezug auf Schwule und Lesben, Menschen/Eltern ohne Trauschein und ihr Frauenbild.

    Die von vielen propagierte Rolle der Kirche als gesellschaftliche Klammer ist für mich kein Grund zum Erhalt der Kirche. Auch sehe ich viele Einrichtungen unter Kirchen-Label hinterher zum Großteil von Städten/Gemeinden, Ländern und Bund finanziert. Ich sehe es nicht ein, warum der Staat die Anwerbung des Nachwuchses der Kirche mitfinanzieren darf, wenn in diesem Land Religion und Staat getrennt sein sollen. Zudem zieht die Kirche sich immer weiter zurück und schließt soziale Einrichtungen und sogar ihre Gotteshäuser. Dabei ist eigentlich Geld da, zumal in unserem Land die einmalige Einnahme der Kirchensteuer besteht, die es so nirgendwo auf der Welt gibt (umso "witziger", dass viele sich nicht trauen auszutreten, weil sie befürchten nicht mehr in den Himmel zu kommen, wenn sie keine Kirchensteuer zahlen).

    Darüber hinaus haben alle Religionen als Grundkonzept die Spaltung der Menschen zum Ziel. Fast jede will für sich den richtigen Glauben, den richtigen Gott und das Monopol auf ewiges Leben pachten. Darin unterscheiden sich weniger akzeptierte religiöse Gruppen (Zeugen Jehovas etc.) kaum von den im Gegenteil voll akzeptierten. Wie dem auch sei: Religion trennt Menschen und Religion veranlasst Menschen immer wieder zur gewalttätigen Durchsetzung ihres Glaubens.

    Die christlichen Kirchen haben die Zeit der Gewaltausübung zwar überstanden. Trotzdem lehne ich sie auch in der Form wie wir sie heute kennen aus o. g. Gründen ab. Für Religionen die weniger auf die Einhaltung von selbst kreierten Regeln (eine Vielzahl der kirchlichen Regelungen haben immerhin keine oder keine harte Grundlage in ihrem wichtigsten Gesetzbuch, der Bibel) zur Erreichung der Grunst einer höheren Macht abheben, verspüre ich mehr Toleranz. Sie konzentrieren sich größtenteils auf ein gutes Verhältnis zu sich selbst und einem harmonischen Miteinander. Da die meisten prominenten Anhänger dieser Religionen mir allerdings recht versponnen erscheinen, habe ich mich tiefergehend damit auch nicht beschäftigt.

    Was die Existenz einer höheren Macht angeht, glaube ich nicht an das von Kirchen kreierte Gottesbild. Vieles in unserem Universum ist jedoch sehr schwer erklärbar. Es ist mir zu einfach allein der Unvorstellbarkeit wegen alle Existenz auf einen Gott zurückzuführen. Irgendwoher müsste schließlich auch er gekommen sein und damit hat man die Unvorstellbarkeit auch nur um eine Stufe verschoben. Aber ausschließen kann man diesbezüglich unter diesen Umständen und bei unserem Kenntnisstand natürlich nichts.

    Mein Linktipp zum Thema: www.theologe.de
    Nicht das die Veranstaltung objektiv wäre oder das Recht gepachtet hätte. Aber es gibt doch einige Einblicke und Denkanstöße auf die man von allein teilweise gar nicht so leicht käme.

    PM

  4. #3
    Benutzerbild von murmel

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    Hmm, interessantes Thema.
    Also ich würde mich eher als Atheist sehen, wobei ich festgestellt habe, daß es Menschen gibt, die Religion benötigen. Ich zum Beispiel, zieh meine Kraft aus mir selbst, aber andere eben aus Gott, Allah oder einer anderen Lebensform. Da ich nicht verurteilt werden möchte, würde ich auch jemand anders aus diesem Grunde nicht verurteilen. Oder anders gesagt, Toleranz ist das Tolerieren des Andersartigen...

    Allerdings glaube ich nicht an Zufälle, aber ich bin auch nicht sicher ob Irgendetwas oder Irgendjemand uns lenkt oder alles aufgrund unserer Entscheidungen geschieht. Meiner Meinung nach und aufgrund meiner Erfahrungen wird unser Lebensweg von unseren Entscheidungen geprägt.

  5. #4
    LastNinja
    Benutzerbild von LastNinja
    Tja,
    eigentlich bin ich Katholik oder wie wir im Religionsunterricht immer zu sagen pflegten: „wie katholike bist du denn drauf?“
    In meinem Heimatdorf war das ja damals noch so, dass die zwei Hauptreligionen ihre eigenen Grundschulen hatten.
    Gesamtschulen gab es damals –im Vergleich zu heute- noch nicht. Dank der damaligen hohen Geburtenraten war das auch nicht notwendig.

    Ich kann nicht behaupten, dass mich meine Eltern streng katholisch erzogen bzw. mir einen bestimmten Glauben aufdrängen wollten.
    Da waren einige schon krasser drauf (kein 5ex vor der Ehe, mit ner Freundin allein auf dem Zimmer -undenkbar usw. usw.)

    Es gab damals auch noch keine Grundsatzdiskussionen, ob in der Grundschule nun ein Kruzifix über der Tafel hängen darf und ob der Sohn von Frau Brettschneider am Reliunterricht teilnehmen muss, oder nicht (das passierte erst später auf der Realpenne).

    Ich habe noch diverse Geschwister (Großfamilie halt, wie es auf dem Lande in den 70ern und 80ern noch üblich war)
    Der Sonntagsgottesdienst war irgendwie Pflichtprogramm, aber heute weiß ich ja, dass die Kinder dort hinmussten, damit sie ihre erste „heilige Kommunion“ in Empfang nehmen dürfen und später noch ihre Firmung. Zusammen mit der Taufe bilden sie die drei Sakramente der christlichen Initiation.
    Und ich weiß, dass meine Eltern mich nur deswegen dort hinschleppten. Aber da fast alle Kids aus der Schule immer da waren, empfand man das als normal.
    Ach ja, und der Besuch der Kirche an Heiligabend durfte natürlich nicht fehlen.

    Dann folgte noch die kirchliche Schulentlassung. Das war nach der 9. Klasse
    Doof für die, die noch die 10. Klasse Realpenne oder das Gym vor sich hatten.
    Lustig war nur, dass man auf der kirchlichen Schulentlassung alle Spacken und Honks wiedersah, mit denen man schon seine Kommunion und Firmung hatte.

    Kann mich auch noch an das Drama erinnern, als mein Kumpel Uwe mit 14 Jahren der Meinung war, sich auf die Religionsfreiheit berufen zu können und den Reliunterricht fortan verweigerte.
    Ein Skandal sondergleichen war das damals und der Schulrektor (streng katholisch) bekam sich gar nicht mehr ein,
    Streiterei hin und her…….
    Letztendlich bekam Uwe logischerweise Recht und flanierte von da an in seiner gewonnen Freistunde –von uns Respekt zollend- über den Schulhof.
    Nachahmer –wo es die Eltern erlaubten- folgten seinem Ruf, wenn auch div. Monate später.
    In der Ahnengalerie der Schule hat Uwe jeweils seinen eigenen Platz.

    Nach der Kommunion durfte man in der Kirche sogar Ministrant/Messdiener werden.
    Zu spät habe ich diese Ausbeutung meiner Kindheit durch die Kirche erkannt.
    Selbst schuld, mein Bruder war schon ein Diener und ich tat es auch. Mädchen durften das damals noch nicht. Erst als die Geburtenraten der männlichen Kids und die Schar der männlichen Freiwilligen sank, durften die Mädels auch ran.
    Nun musste ich freiwillig oder auch nicht immer zu verschiedenen Gottesdienstzeiten antraben. Das wurde jedoch erst mit dem Alter (sagen wir Pubertät) zu einer lästigen Aufgabe.

    Meine Messdienerzeit endete abrupt, als ich zu einem „Dienst“ auf einer Beerdigung nicht erschien.
    Ich war bis dato noch nie auf einer Beerdigung und hatte auf Trauer einfach keinen Bock.
    Hatte auch was Gutes, danach wurde ich nie wieder zur Messe bestellt.

    Tischgebete:
    Hatten wir daheim nicht. Da ging es frei nach der Devise „Ran an die Buletten“ zur Sache.
    Während bei meinen Freunden (teilweise auch andere Religionen) immer mit Beten verbunden war. Meist sprach das Oberhaupt der Familie.

    Zur Grundschulzeit musste man noch zur Fastenzeit einmal im Jahr zur Buße und dem Pfaffen einen erzählen, was man doch für einen Sündenpfuhl ist.
    Ja nee, ist klar, weil man es damals (Ende 70er/Anfang 80er) als Grundschüler auch so faustdick hinter den Ohren hatte.
    Ging man nicht hin, schwärzte einen der Pfaffe bei den Eltern an. Tolle Aussichten!
    Also traf man sich mit seinen Freunden vorher und besprach seine „Sünden“.
    Ich hab gelogen, betrogen, 50 Pfennig geklaut etc. etc.
    Man war das immer ein Akt in die leere Kirche zugehen und anschließend in den dunklen Beichtstuhl.
    Weiß gar nicht, ob diese Prozedur heute immer noch so abläuft.

    Nach meiner Firmung ging ich immer seltener zur Messe.
    Ich verließ zwar mit meinen älteren Brüdern sonntags das Haus, aber irgendwie aus anderen Gründen.
    Meine Brüder gingen immer zum Frühschoppen in der hiesigen Kneipe.
    Ich fand das unfair und ging dort mit rein (auf Jugendschutzgesetze pfiff man ja früher) und entdeckte meine Leidenschaft für Acarde-Automaten.
    Das ganze ging so eine Stunde (so lange spielte ich für eine Mark am Wonderboyautomaten).
    Danach nach Hause und Mittagessen. 

    Als Jugendlicher war ich dann viel in kirchlichen Jugendgruppen unterwegs. Allerdings nicht von der katholischen Kirche aus, da die wenig für Jugendliche anboten.
    Das war dann bei der evangelischen freikirchlichen Gemeinde.
    Allerdings nur, weil die dort ne Menge zu bieten hatten.
    Nen Jugendkeller, nen Kicker, nen Bolzplatz, Grillwiese, Fußballturniere, Zeltlager, Schnitzeljagden etc.
    Hier verbrachte ich mit vielen Freunden aus der Nachbarschaft meine Jugend.

    Im Großen und Ganzen hatte ich aber mit Kirche und Co recht wenig am Hut.
    Für viele –gerade in ländlichen Gebieten- war das aber das Salz in der Suppe.
    Mit vielen älteren Leuten konnte man sich selbst Anfang der 90er Jahre noch anlegen, weil sie z.B. die Existenz von Dinosauriern auf Erden verleugneten.
    Das ist nicht konform mit der Bibel, hieß es immer. 
    Herrlich, diese Diskussionen, die immer im Nichts verliefen, als würde denen ein großer Meteorit auf dem Kopf fallen.

    Ich weiß nicht, wie es genau in der Stadt ist, aber auf dem Lande –wo jeder jeden kennt- muss man auch ersma regelmäßig zur Messe erscheinen, damit man z.B. kirchlich heiraten darf.
    Ist man katholisch und hat Kinder, kann man nicht so einfach aus der Kirche austreten, weil sonst die eigenen Kinder ja nicht die heiligen Sakramente empfangen können.
    Aber braucht man die im Leben?


    Meine Eltern haben mich nie gezwungen an etwas Bestimmtes zu glauben oder nicht.
    Anfang der 90er bin ich aus der Kirche ausgetreten, weil ich 50,- DM Kirchensteuer für eine nicht sinnvolle Investition hielt.
    Seit dem bin ich religionslos.

    Tja, wie religiös bin ich nun?

    Keine Ahnung,
    an irgendetwas klammert man sich im Ernstfall ja doch immer.
    Als Weihnachten 2004 mein bester Kumpel grad in Thailand/Phuket mit seinem Rucksack tourte und der Tsunami die Welt lähmte, Todesopfer stündlich stiegen, die Fernsehbilder einen schockten….
    Und man einfach nichts von ihm hörte…
    Mhh,,. da habe ich schon gebetet, dass mein Kumpel da wieder heile rauskommt.

    Ich denke, solche oder ähnliche Situationen des Betens kennt wohl jeder.
    Also praktiziere ich den Glauben immer nur wenn ich es brauche, quasi immer wenn die Kacke am dampfen ist. (Gibt es dafür auch einen lateinischen Namen?)
    Keine Ahnung, woran ich dann „glaube“ oder zu wem ich bete.
    Ich spreche dabei niemanden an, ich schaue auch nicht zum Himmel (aber auch nicht nach unten )
    So oft kommt es ja nicht vor.

    Fakt ist aber für mich:
    Das die katholische Kirche total eingestaubt ist und nicht mehr auf der Höhe der Zeit agiert. (Hat sie das jemals?)
    Daran wird auch der neue Spieler Seppe Ratzinger mit der Rückennummer 16 nicht viel ändern können.
    Wie schon PM sagte, diese Ansichten der kath. Kirche über: Verhütung, Abtreibung, Rückständigkeit in Bezug auf freie Entfaltung der Persönlichkeit etc., sind völlig daneben.
    Geht mir gewaltig gegen den Strich.

    Erstaunt bin ich aber immer wieder, wie viele –gerade junge Menschen- auf einem Weltkirchentag, oder als der Papst Deutschland besuchte, anzutreffen sind
    Meine Fresse, solche Besuche lassen mich ja völlig kalt.

    Für religiöse Satire und blasphemischen Humor bin ich ebenfalls sehr empfänglich und es kann manchmal gar nicht derb genug sein, gerade was die katholische Kirche betrifft.

    Ich respektiere aber die Gläubigen solange es im Rahmen bleibt und nicht eskaliert (fanatische Islamisten, Heiliger Krieg und der ganze Bullshit)
    Da lobt man sich ja die „Amisch People“, die zwar in meinen Augen auch einen an der Waffel haben, aber ihren Kram alleine bewältigen.
    Irgendwie muss ich jetzt an den Film „Kinpin“ denken…. 

    Eins noch:
    Bis zum heutigen Tag war ich immer noch nicht auf einer Beerdigung.
    Ok, einmal in der Ausbildung (1992), da mussten wir zu Ehren von Willy Brandt auf dessen Beerdigung einen „Spalier“ stehen.
    Als abseits der Zeremonie mein Kollege (der mir gegenüber stand) einen Kreislaufkollaps erleidet und mit seinem Gesicht vor meinen Füßen hart aufschlägt.
    Verlust der Schneidezähne, Ober- und Unterkieferbruch, Wiederholung des 2. Ausbildungsjahr aufgrund des Krankheitsausfalls.

    Nee, aber ansonsten war ich noch nie auf einer Beerdigung.

  6. #5
    Engel_07
    Benutzerbild von Engel_07
    Zitat Zitat von ihkawimsns Beitrag anzeigen
    (...) Zwar weiß ich, dass waschbaer und engel07 kirchlich aktiv waren bzw. sind, aber auch Kritik an religiöser Praxis üben.(...)
    Ich war viele Jahre im CVJM unserer ev. Kirchengemeinde aktiv.
    Ich bin immer noch Mitglied der ev. Kirche, allerdings bin ich kein Kirchgänger mehr und arbeite auch in keiner Kirchengemeinde mehr aktiv mit.

    Über meine Erfahrungen mit der Kirche kann man u.a. in einem Thread von PostMortem nachlesen:
    http://best-of-80s.de/vbforum/showth...0087&highlight
    (Post Nr.20, ist aber nur ein Bruchteil meiner Erfahrungen )

    Das aktive religiöse Gemeindeleben wurde für mich immer mehr zu einem Zwang. Deshalb möchte ich mich auch nicht mehr fest an eine Gemeinde binden. Allerdings trenne ich Religion und Glaube voneinander!

    Wenn mein Glaube momentan auch immer noch stark angekratzt ist, werde ich ihn scheinbar nie ganz abschütteln können/wollen.

    Vor ein paar Wochen war ich nach langer Zeit in meiner alten Kirchengemeinde, weil ein alter Freund gestorben war und es einen Gedenkgottesdienst für ihn gab.
    (Da gab es übrigens eine Menge Parallelen zu Micha, wenn ich mir den Beitrag von Wodka im entsprechenden Thread gerade durchlese.)

    Er ist der Gemeinde immer treu geblieben, auch wenn er immer wieder durch sein Auftreten und sein Aussehen angeeckt ist. Früher sind wir immer gerne gemeinsam angeeckt, wenn er in Metalkluft und ich mit bunten Haaren und gestreiften Hosen zum Abendmahl vor den Altar traten.
    Das gab endlose Diskussionen mit den "Ältesten".

    Bei besagtem Gedenkgottesdienst saßen viele von denjenigen, die sich früher über uns aufgeregt haben, in den Bänken und heuchelten Trauer.
    Genauso kamen sie angeschleimt als sie mich erblickten, frei nach dem biblischen Motto des verloren geglaubten Sohnes.

    Dieses Erlebnis hat mich in meinem Entschluss bestärkt, dass ich so ein Gemeindeleben definitiv nicht für meinen Glauben brauche.

    Meine Kirchensteuer zahle ich hauptsächlich deshalb, damit nicht noch mehr Kindergärten, Freizeitheime, Krankenhäuser etc. geschlossen werden und weil kirchliche Einrichtungen in meinem Fall einmal potentielle Arbeitgeber sein könnten.

    Mehr fällt mir gerade nicht ein.

  7. #6
    Benutzerbild von Wodka

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    Da stand mein Name, ich fühle mich "genötigt" etwas dazu zu sagen. -lächel-

    Als "Oldman" kann ma ja für sich ein wenig Weisheit beanspruchen! Ich bin in einer gutbürgerlichen Familie aufgewachsen, streng erzogen, auch religiös! Aber seit eh und je habe ich mir den "Luxus" erlaubt zu denken, meist aber "schief"! So gehörte, evangelisch, natürlich die Konfirmation dazu. Und ich dachte nach, sehr viel, auch damals schon, mich stieß einfach die "Curie" ab, und das erste mit 18 war, Kirche leck mich am Arsch! Nein, ich fand keinen Platz für den Glauben damals in meinem Leben, noch weniger dür die Kirche.

    Dabei war ich bibelfest, ich saß manche Stunde mit den Seminaristen beisammen und wir diskutierten, und sie staunten immer wieder, wenn ich mit Bibelzitaten ihre geäußerten Ansichten wiederlegte. Immer mehr entstand in meinen Gedanken aber gerade dadurch die Trennung von Kirche und Glauben! Die Kirche als Instutition, der Glaube des Menschen, das entwickelte sich damals für mich zum Widerspruch.

    Heute sieht das nicht viel anders aus, nur wahrscheinlich viel gefestigter! Denke ich allein an "Ich bin der Herr, Dein Gott, Du sollst nicht andere Götter haben neben mir!" und sehe dann die Schlagzeilen "Wir sind Pabst!", dann kräuseln sich die Barthaare ... Das Goldene Kalb wurde zerstört, den Pabst gibt es hinfort.

    Gewählter Vertreter Gottes auf Erden, hätte der das wohl nötig ....

    Andererseits schöpfen viele Menschen Kraft und Hoffnung aus ihrem Glauben.

    Aber ganz nach der Jahreszeit bekomme ich z.B. immer wieder zu hören, der Weihnachtsmann, oder auch Jesus ... Und es steht geschrieben, Du sollst den Namen ... nicht unrecht führen! Aber ich kann nicht dafür, dass das Abbild des angeblichen Grabtuches Gottes Sohnes durch die langen Haare und den Bart meinem Aussehen ähnelt.

    Kirche als Instution und Glauben, da gibt es Widersprüche! Alleinseeligmachend rufen sie aus, aber es gibt eigentlich 3 Religionen, die sich auf den, den einzigen, Gott berufen!

    Auch ich glaube, ich glaube an das Gute im Menschen, so schwer das auch oft ist! Ich frage nicht nach "dem" Schöpfer, ich stelle ihn dem Begriff Natur gleich! Und ich lasse jedem seinen Glauben, soweit er sich mit meinen moralischen Vorstellungen einer "gerechten" Welt deckt.

    Und ich tröste Menschen mit ihrem Glauben, ich zitiere ihnen Psalmtexte, so ich weiß, sie sind Christen! Nein, ich bin nicht der Heiland, ich nutze nur Gesetze der Psychologie! -lächel-

    Um diese Zeit sollte man solche Themen nicht mehr versuchen abzuhandeln! Deshalb nun ab in die Flohkiste, es kommt eh nichts dabei raus, sieht man von Denkanstößen ab. Und Glauben und Denken schließen sich nicht aus, Kirche und Denken leider oft sehr wohl!

    Na dann Gut Nacht!

    Hans (Wodka)

  8. #7
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Zitat Zitat von murmel Beitrag anzeigen
    Hmm, interessantes Thema.
    Also ich würde mich eher als Atheist sehen, wobei ich festgestellt habe, daß es Menschen gibt, die Religion benötigen. Ich zum Beispiel, zieh meine Kraft aus mir selbst, aber andere eben aus Gott, Allah oder einer anderen Lebensform. Da ich nicht verurteilt werden möchte, würde ich auch jemand anders aus diesem Grunde nicht verurteilen. Oder anders gesagt, Toleranz ist das Tolerieren des Andersartigen...

    Allerdings glaube ich nicht an Zufälle, aber ich bin auch nicht sicher ob Irgendetwas oder Irgendjemand uns lenkt oder alles aufgrund unserer Entscheidungen geschieht. Meiner Meinung nach und aufgrund meiner Erfahrungen wird unser Lebensweg von unseren Entscheidungen geprägt.
    An Zufall muss ich schon von Berufs wegen glauben.

    Allerdings gehe ich auch davon aus, dass man durch seine Entscheidungen seine Chancen beeinflusst.

  9. #8
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Zitat Zitat von Engel_07 Beitrag anzeigen
    Meine Kirchensteuer zahle ich hauptsächlich deshalb, damit nicht noch mehr Kindergärten, Freizeitheime, Krankenhäuser etc. geschlossen werden und weil kirchliche Einrichtungen in meinem Fall einmal potentielle Arbeitgeber sein könnten.
    Das Kirchensteuerargument ist ein bisschen fadenscheinig, immerhin geht sie fast vollständig für innerkirchliche Bedürfnisse (Bezahlung von Geistlichen etc.) drauf, während es noch einen ordentlichen Bonus vom Staat obendrauf gibt. Das würde ich dann doch lieber über Mitgliedsbeiträge organisieren. Ich selbst musste nie aus der Kirche austreten, weil ich nie drin war, aber dieses Glück hatte nicht jeder. Austrittswillige dürfen ja bekanntlich noch eine nicht gerade niedrige Gebühr bezahlen, was ich einigermaßen skandalös finde.

    Aber ist natürlich klar, dass du darauf keinen unmittelbaren Einfluss hast.

  10. #9
    Benutzerbild von RayChance

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    @ihka,

    darf ich fragen was du beruflich machst, wenn an den Zufall glauben dazu gehört

    Ich bin vor 2 Jahren aus der Kirche ausgetreten, die Gebühr war glaube ich so um die 30€. Ist halt eine Verwaltungsgebühr, die ja bei allen bürokratischen Akten anfällt.

    Gruß Ray

  11. #10
    Benutzerbild von murmel

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    Der Frage von Ray Chance schließe ich mich an

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