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Religiös oder nicht?

Erstellt von ihkawimsns, 08.01.2007, 05:25 Uhr · 20 Antworten · 1.685 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Sieht man doch im Profil, ich studiere Statistik. Zufall ist zwar im Grunde auch nur eine Modellvorstellung, aber bei der Vielzahl an Einflussfaktoren in unserem Universum kommt man ihm schon recht nahe, denke ich.

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von RayChance

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    Achso alles klar - hatte nicht ins Profil geschaut, dachte schon du wärst illegaler Hütchenspieler in der Dortmunder Nordstadt

  4. #13
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Das ist illegal?

  5. #14
    Benutzerbild von DeeTee

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    Idee

    Naja, ich zucke schon länger, ob ich nun was zu diesem Thread beitrage oder nicht. Ich versuche es mal knapp zu halten:

    Frage: "Religiös oder nicht?"

    Antwort: Nicht religiös!


    Erläuterung: Ich bin nicht nur nicht-religiös, sondern - so würden mein Kollegen und Freunde sagen - religionskritisch bis religionsfeindlich. Ich akzeptiere im Sinne des Artikel 4 GG, wenn jemand seiner religiösen Weltanschauung nachgeht als einer religiösen Kontingenzbewältigungspraxis für sein individuelles Leben. Und es ist wohl menschlich-unvermeidbar, dass sich so Gruppen Gleichgesinnter zusammenfinden. In dem Moment jedoch, wo sich Religionen institutionalisieren, um Macht und Einfluss zu gewinnen, halte ich sie durchweg für ein Übel. Dann geht nämlich ihr Anspruch in aller Regel über die individuelle Lebensbewältigung hinaus in Richtung missionarischer Weltanschauung. Und dann ist der Sprung zum Fundamentalismus mit allen seinen Ausprägungen nicht allzuweit.

    Religion außerhalb individueller Kontingenzbewältigungspraxis ist meines Erachtens immer ein Mittel zur Machtausübung. Im Christentum und im Islam ist das besonders augenfällig. Die Unmenschlichkeiten und Verbrechen, die im Namen von Religionen/Göttern/selbsternannten Propheten begangen wurden, müssten bei unvoreingenommener Betrachtung eigentlich jeden Menschen von seiner Religiösität kurieren. Das Problem liegt allerdings darin, das kaum jemand zu einer (relativ) unvoreingenommenen Sicht fähig ist, weil wir fast immer mit religiösen Vorstellungen aufwachsen. Medien, Eltern, Kindergarten und Schulunterricht sind in weiten Bereichen religiös geprägt. Unmittelbar religionskritische Aspekte finden sich dort in der Praxis kaum.
    Viel dramatischer ist dieses Phänomen in den USA, wo es eine große Gruppe evangelikaler Fundamentalisten gibt, die den baldigen Weltuntergang erwarten bzw. herbeisehen sowie in den meisten der muslimischen Länder, wo es allerorten eine mehr oder weniger starke, aber stets aggressive islamistische Minderheit gibt. Diese beiden Gruppierungen prägen derzeit einen großen Teil lokaler und globaler Konflikte.

    Persönlich bin ich der Meinung, dass aktiv gelebte intensive Religiösität in der Tat einfach dumm macht (wobei das Verhältnis Ursache-Wirkung sich gegenseitig verstärkt). Es ist eine Dummheit in weltanschaulicher Sicht. Die Religion gibt quasi ein Paradigma, eine Art Folie vor, auf der alle Zusammenhänge in der Welt interpretiert werden. Das schließt notwendigerweise eine Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten definitiv aus, da ansonsten unauflösbare Widersprüche entstehen.

    Musterbeispiel: das Theodizee-Problem

    Der Historiker Dieter Groh spricht hierbei von der "welcome orientation and structure", die es einem Menschen ermöglicht, Ereignisse und Kenntnisse in sein vorhandenes Weltbild einzubauen. Dies muss weitestgehend widerspruchsfrei geschehen. Daher können intensiv-gläubige Christen oder Muslime bestimmte Tatsachen oder wissenschaftliche Erkenntnisse nicht akzeptieren.
    Ich habe häufig und ausdauernd mit religiösen Menschen verschiedener Glaubensrichtungen und Altersgruppen gesprochen, diskutiert, argumentiert. Ein sicheres Ergebnis dieser Gespräche war: naturwissenschaftliche und psychologische (Alternativ-)Erklärungen für bestimmte Sachverhalte werden nicht akzeptiert, selbst wenn sie außerordentlich evident und einleuchtend sind. Es spielt keine Rolle. Viele dieser Menschen stecken (unterschiedlich) tief in der sog. "Fehlinvestitionsfalle". Damit ist gemeint, dass sie sich für eine bestimmte Weltsicht entschieden haben bzw. sie ihnen antrainiert wurde; Erkenntnisse/Erlebnisse, die ihnen nun geschehen, müssen vor dem Hintergrund eben dieser Weltsicht verarbeitet werden z. T. mit grotesken Verbiegungen. Und sie kommen aus der Fehlinvestitionsfalle nicht heraus, weil sie sich zuvorderst eingestehen müssten, dass ihr Weltbild (mindestens teilweise) falsch ist. In dem Sinne haben sie eine Fehlinvestition geleistet, die sie aufgrund von Scham, kognitiver/emotionaler Unfähigkeit und häufig dazu noch sozialem Druck der peergroup sich nicht eingestehen können. Und so bleibt man bei seinem Weltbild.
    Menschen in dieser Situation sind leicht, andauernd und weitreichend manipulierbar - womit wir wieder beim Thema Religion und Macht wären. Dass es hier selbstverständlich graduelle Abstufungen gibt, muss ich wohl nicht extra betonen. Obiges gilt selbstverständlich auch für andere totalitär-ideologische Systeme.

    Mein persönliches Weltbild findet sich eher hier:
    http://www.giordano-bruno-stiftung.de/
    http://www.leitkultur-humanismus.de/manindex.htm


    Grüße!
    DeeTee

  6. #15
    Benutzerbild von PostMortem

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    Ich kann DeeTee bezgl. der Einflussnahme und Machtausübung in den Bereich der Allgemeinheit hinein nur beipflichten. Insbesondere lehne ich ab:

    1)

    Teilweise offene und subtile Beeinflussung von Schutzbefohlenen (Bsp: Kirchlicher Kindergarten, teilw. Sprechen christlicher Gebete, Malen christlicher Motive, Vorleben einer christlichen Weltanschauung durch entsprechend motivierte Erzieher)

    2)

    Diskriminierung bei der Stellenvergabe durch Arbeitgeber mit kirchlichen Trägern (katholische/evangelische Krankenhäuser lehnen konfessionslose Krankenschwester bzw. "falsche Konfession" ab etc.) + staatliche Sanktionierung dieser Praxis durch Ausnahme dieser Vorgehensweise aus den Anti-Diskriminierungsgesetzen: § 9 Antidiskriminierungsgesetz

    3)

    Beeinflussung der Politik durch christliche Parteien, Vermischung von Politik und Religion/Kirche trotz entsprechendem Verbot im GG (siehe CSU (insb. politische Reaktionen auf kirchenkritische Medien, Zensurforderungen im Zuge der Serie "Popetown" etc.), siehe CDU, siehe entspr. Einflussnahme bei der Gesetzesgestaltung, siehe EU-Verfassungs-Gezänk um den "Gottesbezug" und die "christlichen Werte" Europas usw.)

    4)

    Gesetzlich verankerte Bevormundung von Nicht-Christen an christlichen Feiertagen: Tanzverbot am Totensonntag

    5)

    Staatliche Definition und Förderung der Ehe entspringt der christlichen/kirchlichen Weltanschauung. Ehepaare werden für ihr "redliches" Leben mit Trauschein belohnt, während nur Homo5exuellen ersatzweise das Recht einer eingetragenen Lebenspartnerschaft eingeräumt wurde. Hetero5exuelle haben keine Möglichkeit eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen, sondern müssen die christlich motivierte "Ehe" eingehen (selbst wenn nur Standesamtlich) um vor dem Staat eine eingetragene Partnerschaft zu führen und dementsprechend Rechte und Pflichten bezgl. Sorgerecht, Unterhaltspflichten und Erbrecht einzugehen.

    PM

  7. #16
    Benutzerbild von bubu

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    Ich bin nicht religiös und lehne jede Organisation ab, die für sich die Vertretung einer höheren Macht auf Erden und ihre Deutungshoheit beansprucht. Ich will aber nicht ausschließen, dass es Kräfte im Universum gibt, die wir mit unserem Bewusstsein nicht erfassen (können). Ich habe aber wenig Lust, mir von alten Männern, die in ziemlich weltfremden Umgebungen leben (ohne Frauen, ohne finanzielle Drücke, etc) vorschreiben zu lassen, wie diese Kräfte aussehen und dass sie gar etwas von mir verlangen.

    Von den Inhalten, Wertvorstellungen und ethischen Richtlinien finde ich punktuell Sachen im Christentum, Judentum, Buddhismus, Hinduismus ansprechend und gut. Andere finde ich komplett schwachsinnig. Für diese positiven Inhalte (Nächstenliebe, Respekt vor dem anderen, Schwächeren helfen, etc) braucht man aber keine Glaubenslehre, sondern einfach eine Ethik, die sich auf einen gesunden Menschenverstand begründet. Ich finde es schade, dass Werte und Wertvermittlung von den Religionen als ihr Gebiet beansprucht werden. Man könnte das auch genauso gut ins Grundgesetz schreiben.

    Ganz besonders stört mich am Christentum und Islam der Missionsgedanke. Von allen Weltreligionen ist mir der Islam überhaupt am unsympathischsten – nicht etwa wegen Al Kaida, sondern schon sehr lange. Ich habe mal versucht, den Koran zu lesen. Ich habe es bis zur Hälfte geschafft, dann musste ich aufgeben. Selten so ein dogmatisches Buch mit solch absurden Vorschriften aus einer völlig vergangenen Lebensrealität in den Händen gehabt. Ständig nur Vorschriften, du sollst, du musst, du darfst nicht, so ist es, alle anderen haben Unrecht, usw. Überhaupt empfinde ich Koranschulen als kleine Gehirnwäscheanstalten, wo Kindern der Koran reingeprügelt wird, ohne dass es auch nur ansatzweise ums Verstehen geht. Und diskutiert wird über die Glaubensinhalte schon gar nicht. Interessant ist ja auch, dass das Hocharabisch, die offizielle Sprache, die in der Schule gelehrt wird, sich am Koran orientiert und sich seitdem auch nicht mehr großartig weiter entwickelt hat. Das ist aber nicht das Arabisch, das im Alltag gesprochen wird. Was für eine Diskrepanz! Das ist ungefähr so, wie wenn man hierzulande den Kindern in der Schule Mittelhochdeutsch (wobei das noch jünger ist als das Arabisch zu Zeiten Mohammeds) beibrächte und sie dann im Alltag mit Handy, Computern und Internet alleine ließe. Wittgenstein sagte mal: "Die Grenzen deiner Sprache sind die Grenzen deiner Welt". Ich sehe darin einen der Hauptgründe dafür, dass es die islamische Welt einfach nicht schafft, sich von innen heraus zu modernisieren – eine Linie, die dann bis zu Al Kaida führt. Es braucht einfach einen Martin Luther des Islam!

    Ich vermisse auch eine klare laizistische Staatsstruktur in der islamischen Welt. Die Türkei ist dem vielleicht noch am nächsten. Aber da kam die Modernisierung zwangsweise, von politischer Seite.

    Zurück zu den monotheistischen Religionen: Ich habe mal einen guten Vergleich gelesen. Demnach entspricht der Glaube an einen Gott dem Verhältnis eines Kindes zum Vater (in den monotheistischen Religionen ist der Gott ja ein strenger und zugleich auch vergebender Gott). Manche Menschen, die zu Atheisten werden, würden demnach eine religiöse Pubertät durchlaufen – und dabei den einen oder anderen heiligen Pickel ausdrücken.

  8. #17
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Zitat Zitat von bubu Beitrag anzeigen
    Es braucht einfach einen Martin Luther des Islam!
    Lieber einen Kant. Und einen Sartre gleich hinterher.

  9. #18
    Benutzerbild von bubu

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    Gibt es jemanden, der der neuapostolischen Kirche angehört und mal etwas jenseits von Wikipedia darüber erzählen kann?

  10. #19
    Mumie
    Benutzerbild von Mumie
    Was soll ich dazu sagen?
    Als erstes ich denke ich das es viel mehr Leid auf der Welt geben würde wenn es keine Religionen wie z.b daß Christentum oder den Budhismus geben würde.
    Viele Menschen suchen nach einen Sinn im Leben da ist manche Religion eine wertvolle Stütze.Ausserdem ist nach meiner Meinung nicht die Religion(in diesen Falll das Christentum oder der Budhismus,)das Problem für das Leid das früher oder auch noch heute gab(gibt) sondern die Auslegung/übung,man muss sich nur die Bergpredigt von Jesus durchlesen,um das zu begreifen.Deswegen trenne ich meinen Glauben von der Kirche(zum grössten Teil).
    Ich bin aber auch der Meinung das es so etwas wie eine Dachverband geben sollte(das die Kirche reformbedürftig ist,hatte ich ja schon mal an anderer Stelle geschrieben).
    Ausserdem(im allgemeinen) finde ich es nicht lustig wenn man sich(in einer bestimmten Form) über mich und meiner Glaubensrichtung lustig macht.Schliesslich mache ich mich auch nicht über z.b Atheisten und ihre Einstellung zum Glauben/Leben lustig.Leben und Leben lassen! Ich würde aber auch nicht versuchen jemanden zu bekehren!

    Ich denke ich wäre ohne Religion nicht der Mensch der ich jetzt bin.
    Der Glaube stützt mich er gibt mir einen für mich richtigen Weg.
    Amen.

  11. #20
    Benutzerbild von Franky

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    779
    Ich glaube an etwas, was ich als eine allumfaßende Energiequelle bezeichen würde. Nach dem Tod tritt die Seele in diese Energiequelle ein und wird ein Teil von ihr... je nachdem wie gut man sein Leben selber in der Nachsicht beurteilt, desto weiter rückt man ins Innere der Energiequelle auf, wo es noch angenehmer und allwissender ist.
    Ich finde übrigens nicht, daß dieser Glaube der Bibel widerspricht, sondern daß dort diese Energie Gott genannt wird, damit sich die Menschen etwas darunter vorstellen können.

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