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Rhethorik - amüsant kommentiert

Erstellt von DeeTee, 24.10.2007, 12:45 Uhr · 14 Antworten · 1.283 Aufrufe

  1. #1
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    Reden Rhethorik - amüsant kommentiert

    Ich finde den nachfolgenden Kommentar recht gelungen, so dass ich ihn Euch nicht vorenthalten möchte:

    Der diskrete Charme der Hammer-Attacke
    Claudia Roth und Walter Mixa sind Diskurs-Werfer von Rang, die eine aus allumfassender Betroffenheit, der andere aus geistlicher Rigorosität, und wo immer sie antreten, machen die Leute die Fensterläden zu. Zeit für eine Manöverkritik.
    Von Hermann Unterstöger

    [...] Es handelt sich um die Disziplin freies Schleuderballwerfen, deren Charme darin besteht, dass jeder wirft, wie es ihm passt, dass von Disziplin im eigentlichen Sinn also keine Rede sein kann.

    Wenn es in dem Fall trotzdem so was wie Zuverlässigkeit, ja beinahe Berechenbarkeit gibt, dann deswegen, weil zwei Athleten aufgelaufen sind, die in dieser Sparte über die Kreis- und Landesebene hinaus sind und längst im Nationalteam stehen. Claudia Roth und Walter Mixa sind Werfer von Rang, die eine aus allumfassender Betroffenheit, der andere aus geistlicher Rigorosität, und wo immer sie antreten, machen die Leute die Fensterläden zu.

    Ob das Match schon aus ist oder nicht, weiß zur Stunde keiner; wohl aber kann man schon an eine vorläufige Manöverkritik gehen. Wie bei der Regellosigkeit dieser Sportart nicht unüblich, begann auch das Roth/Mixa-Spiel eher unorthodox. Mixas Vorgabe liegt Monate zurück. Damals hatte er das Unwort "Gebärmaschinen" eingeworfen, das er freilich so verstanden wissen wollte, als verteidige er die Frauen davor, durch Ursula von der Leyen zu solchen Maschinen degradiert zu werden.

    Das erinnert auf krause Art an Eva Hermans Thesen zur Mutterschaft, die ja auch völlig anders gemeint waren. (An der Stelle ein bitter nötiger Hinweis: Vergleichspunkt ist die Missverständlichkeit von Aussagen, keineswegs soll Walter Mixa als die Eva Herman des deutschen Episkopats gedeutet werden.)

    Mixa bei Kerner, das wär’s

    Ungeachtet der oben genannten Einschränkung zeigte sich Claudia Roth als der Champion, der sie ist, und legte mit der Charakterisierung "durchgeknallter, spalterischer Oberfundi" einen Wurf vor, an dem sich zu orientieren hatte, wer irgend mitmachen und dabei sein wollte. Wie sich alsbald zeigte, wirkte Roths Vorgabe so anregend wie stilbildend. Es betraten zwei Werfer die Szene, von denen man in dieser Liga noch wenig gehört hatte, die man sich aber wird merken müssen.

    Dirk Hermann Voß von der Diözese Augsburg landete mit dem Diktum, die Grünen seien wegen faschistoider Kirchenhetze für Christen nicht mehr wählbar, einen Hammerwurf. Nur knapp dahinter schlug der Ball auf, den Georg Schmid schleuderte, der neue Fraktionschef der CSU. Seiner Ansicht nach sind die religiösen Gefühle der Gläubigen verletzt, ein auch theologisch interessanter Einwurf, weil er den Bischof in die Sphäre des Sakralen erhebt, von dem, wie alle rechtgläubigen Wähler wissen, nicht nur Erhabenheit ausgeht, sondern auch der sprichwörtliche heilige Schrecken.

    Zu vergleichbarer Wucht brachten es die übrigen Spieler nicht, was vor allem daran lag, dass sie sich älterer Standards bedienten. "Unterste Schublade", "verbaler Amoklauf", "unerträglich": Damit punktet man heute nicht mehr. Dass in das grobe Spiel doch noch ein feiner, beinahe exotischer Zug kam, war dann das Verdienst Charlotte Knoblochs, der Präsidentin des Zentralrats der Juden, die vom Vatikan nichts Geringeres fordert als "Schritte gegen Mixa".

    Sollte das bis in den Vatikan vordringen, wird man vor Verlegenheit nicht aus noch ein wissen, denn der bedeutendste Schritt, den der Papst im Hinblick auf Walter Mixa tat, war der, dass er ihn zum Bischof von Augsburg machte. Für die Gefühle der Gläubigen gäbe es nichts Schöneres, als wenn Bischof Mixa nun noch zu Kerner ginge, das Gespräch auf die Autobahn brächte und trotz allgemeiner Empörung einfach sitzen bliebe.
    Link: http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/ku...el/671/139381/

    Da wir hier ja auch ein paar rhethorisch begabte Boardies haben, ist der lange Quote hoffentlich ok.

    Grüße!
    DeeTee

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Torsten

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    AW: Rhethorik - amüsant kommentiert

    Auf den ersten Blick ganz nett, auf den zweiten eine etwas aufgesetzte Metaphorik und auf den dritten frage ich mich, ob das Thema wirklich von derartiger Bedeutung ist, dass man es zu einem solchen Artikel auswalzen muss.

    Zudem ist mir einigermaßen schleierhaft, wieso eine Einfaltspinselin wie Claudia Roth überhaupt noch ständig in den öffentlich diskutierten Focus genommen wird. Oder gibt es hier tatsächlich noch jemanden, der diese Betroffenheitswalküre ernst nimmt?

  4. #3
    Benutzerbild von DeeTee

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    Pfeil AW: Rhethorik - amüsant kommentiert

    Zitat Zitat von Torsten Beitrag anzeigen
    eine Einfaltspinselin wie Claudia Roth

    Ich bin zwar kein Claudia Roth Fan, aber dieses Urteil ist sachlich sicherlich falsch (und mediengeprägt )

    Zitat Zitat von wikipedia
    Von 1989 bis 1998 war Claudia Roth Mitglied des Europäischen Parlaments, wo sie ab 1994 Vorsitzende der Grünen-Fraktion war. Mitgearbeitet hat sie hier im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten und Innere Angelegenheiten, im Auswärtigen Ausschuss sowie in zwei Untersuchungsausschüssen. Daneben war sie Vizepräsidentin des parlamentarischen Ausschusses EU-Türkei. 1994 verabschiedete das Parlament den sog. Rapport Roth zur Gleichberechtigung von Homo5exuellen. Ein weiteres ihrer zentralen Anliegen war der Kampf für mehr Rechte der kurdischen Minderheit in der Türkei. Nach der Europawahl 1994 richtete Roth in Istanbul ein Regionalbüro ein. Als sie sich bei Staatsminister Ayvaz Gökdemir über die Menschenrechtslage informieren wollte, beschimpfte der sie als Prostituierte. Roth klagte gegen diesen Angriff und erhielt Schadensersatz. Das Geld spendete sie dem türkischen Frauenverein "Morçati", der sich seit Jahren gegen Diskriminierung und Gewaltanwendung gegen Frauen wendet. Dennoch setzt sie sich vehement dafür ein, die Türkei in die EU aufzunehmen.

    1998 wurde sie dann in den Deutschen Bundestag gewählt. Hier übernahm sie den Vorsitz des Ausschusses für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe. Wegen ihrer Wahl zur Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen schied sie am 31. März 2001 aus dem Bundestag aus.

    Seit 2002 ist Roth erneut Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier ist sie zurzeit stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und im Unterausschuss Vereinte Nationen.
    Im übrigen will ich das gar nicht zum Diskussionsthema machen, ich fand nur den Artikel "amüsant".

    Übrigens hat Claudia Roth als ehemalige Managerin der Band "Ton, Steine, Scherben" auch einen echten 80er-Bezug.

    DeeTee

  5. #4
    Benutzerbild von Torsten

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    AW: Rhethorik - amüsant kommentiert

    Zitat Zitat von DeeTee Beitrag anzeigen

    Ich bin zwar kein Claudia Roth Fan, aber dieses Urteil ist sachlich sicherlich falsch (und mediengeprägt )
    Hast du die Dame mal in irgendeiner der unzähligen (Talk-)Shows gesehen, in denen sie in den letzten Jahren aufgetreten ist?

    Insofern ist mein Urteil über sie tatsächlich "mediengeprägt" - allerdings nicht über Dritte, sondern einzig durch sie selbst. Für mich jedenfalls eine der unerträglichsten Empörungsfetischisten und ein Grund, sofort den Sender zu wechseln.

  6. #5
    Benutzerbild von J.B.

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    AW: Rhethorik - amüsant kommentiert

    ...Diskurs-Werfer...
    Im ersten Moment dachte ich tatsächlich an einen Schreibfehler! Nachdem ich mir nun mal die untschiedlichen Ansätze zur Definition des Begriffes Diskurs angeschaut habe gefällt mir diese Symbolik ungemein gut!

    Gruß

    J.B.

  7. #6
    Benutzerbild von DeeTee

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    AW: Rhethorik - amüsant kommentiert

    @J.B.: Geht mir auch so!

    @Torsten: Ich schaue fast nie Talkshows, insofern kenne ich Claudia Roth nur von einzelnen Live-Auftritten. Im übrigen wollte ich sie auch nicht als Sympathie-Trägerin darstellen, sondern nur dem Vorwurf der Einfältigkeit widersprechen.

    DeeTee

  8. #7
    Benutzerbild von waschbaer

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    AW: Rhethorik - amüsant kommentiert

    Und wo kommen beide her? Aus Augsburg. Da schäme ich mich in Grund und Boden für.

    Claudia Roth hat mit ihrer permanenten Medienpräsenz bei mir schon lange nicht mehr den Nimbus einer seriös wirkenden Politikerin. Dafür ist sie mir viel zu oft in irgendwelchen RTL oder SAT-Shows aufgetreten und hat sich da fast schon angebiedert.

    In Augsburg hält sich das Gerücht, dass sie angeblich bei der kommenden Kommunalwahl für die Grünen für den Augsburger Stadtrat kandidieren soll. Ich kanns mir zwar nicht vorstellen, denn was will eine Bundespolitikerin in der Kommunalpolitik, aber ich habe es schon von zig Seiten gehört.

    Den Ausdruck Empörungsfetischistin und auch Betroffenheitswalküre finde ich so gesehen sehr passend.

  9. #8
    Benutzerbild von Torsten

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    AW: Rhethorik - amüsant kommentiert

    Zitat Zitat von DeeTee Beitrag anzeigen

    Ich bin zwar kein Claudia Roth Fan, aber dieses Urteil ist sachlich sicherlich falsch (und mediengeprägt )
    Hallo DeeTee, hier mal wieder Frau Roth in Höchstform:

    http://www.spiegel.de/videoplayer/0,6298,23559,00.html


  10. #9
    Benutzerbild von DeeTee

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    Daumen runter AW: Rhethorik - amüsant kommentiert

    @Torsten:
    , nun ja. Wäre mir wohl nicht passiert.

    Allerdings finde ich Machart und (vermutete) Absicht des Spiegelfilmchens gar nicht akzeptabel. Und da ich Frau Roth schon live gesehen habe, kam es mir auch so vor als ob die Stimme künstlich auf das gewünschte Blondcheniveau angehoben wurde. Klang etwas komisch. Und da der Spiegel ja auch schon Wasser auf der Straße rot eingefärbt hat, um einen Terroranschlag zu dramatisieren ...
    Könnte übrigens auch sein, dass die Dame etwas beschwipst war?

    Auch Satire setzt ein Mindestniveau voraus ... (dann darf sie alles).

    DeeTee

  11. #10
    Benutzerbild von J.B.

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    AW: Rhethorik - amüsant kommentiert

    Also ich tippe auf zwei von den dreieckigen gelben, zwei von den lila-orange getreiften und mindestens einer runden blauen Pille mit aufgedrucktem Stern!

    Und sowas bekommt später mal für sehr lange Zeit ordentlich Kohle dafür, dass man in der Politik war!

    Welcher Wahlkreis wählt die eigentlich jedes mal aufs Neue?!?!

    Gruß

    J.B.

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