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Schande 2006

Erstellt von bamalama, 14.12.2006, 20:44 Uhr · 17 Antworten · 1.293 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von PostMortem

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    Auch bezgl. meiner "Schande 2006" gab es als Einzelereignis sicherlich schlimmeres. Aber wo sich mir dieses Jahr regelmäßig die Galle hochkocht und wo man wieder hervorragend sehen kann wie wenig Kompetenz die breite Masse für echte Basisdemokratie offenbar hat: Die Diskussionen um den sog. "Amoklauf" von Emsdetten und die damit fast ausschließlich verbundene sog. "Killerspiel"-Debatte.

    Nicht nur, dass man hier (wie schon beim "Fall Steinhäuser") einen von langer Hand gereiften und geplanten Entschluss zu einem per Definition blindwütigen Amoklauf umdefinieren will und somit langsam die Umdeutung dieses Begriffs betreibt. Nein, hier wird auch direkt die Gelegenheit ergriffen die eigentlich ursächliche Verwahrlosung breiter Schichten unserer Gesellschaft zu verschleiern und die eigentlich politische und gesamtgesellschaftliche Verantwortung auf einen Sündenbock abzuschieben. Das die Innenminister(!!!) von Bayern und Niedersachsen sich bei diesem rein jugendpolitischen und juristischen Thema gegenseitig in der Kriminalisierung von Millionen friedliebenden Computerspielern überbieten, statt echte Probleme zu lösen setzt dem ganzen die Krone auf. Ein Tabakwerbeverbot wird von Deutschland abgelehnt und obwohl Rauchen bei vielen jugendlichen Rauchern zum Tode führen wird ist das egal. Wenn auf Basis zweifelhaft konstruierter Kausalzusammenhänge eines Einzelfalls auch Erwachsene durch eine Totalzensur entmündigt werden sollen, dann ist das komischerweise ok und die Mehrheit des Volkes hat sich durch Gutbürgertum-Geblubber (eine der Speerspitzen die im Windschatten der Politik Werbung für ihre sozialen Aktivitäten mit dem "Killerspiel"-Thema macht ist die olle Ferres und da heisst es dann Jugendliche und der Täter hätten "stundenlang Killerspiele im Internet geguckt" - eine Äußerung die zeigt, dass die Dame beim Einfinden ins Thema noch eine größere Herausforderung vor sich hat) in seiner Meinung völlig unreflektiert manipulieren lässt und nach der eigenen Entmündigung schreit.

    Doch auch die Politiker selbst brillieren mit Unkenntnis. Da werden Verbote gefordert die es längst gibt (Stichwort Gewaltverherrlichung und Menschenwürde), da wird so getan, als wäre der deutsche Jugendschutz nicht längst der härteste der Welt und da wird mit Spielszenen argumentiert die bereits heute in deutschen Versionen überhaupt nicht vorkommen, da sie für Deutschland regelmäßig zum Schutz vor Indizierung (= Werbeverbot und Verbot des offenen Verkaufs und damit ein wirtschaftliches Todesurteil) entschärft werden. Wo andere Länder gegen Nazis kämpfen ballern wir gegen Aliens. Wo woanders rotes Blut spritzt, macht es bei uns plopp und es tritt vielleicht etwas Flüssigkeit aus einem bionischen Wesen aus... Nichts dagegen, kaum einer braucht den Superekel. Dennoch halte ich die Verniedlichung der ekelerregenden Folgen eines virtuellen Tötungsaktes doch für einigermaßen paradox, wenn ausgerechnet damit der Übergang des virtuellen in reale Gedanken verhindert werden soll. Hier soll wieder etwas verboten werden weil es von älteren Herren und spieletechnisch weit ab vom Schuss befindlichen Damen nicht verstanden und nicht beherrscht wird.

    Wie dem auch sei: Die Diskussion glänzt vor Lügen, Unkenntnis, Hexenjagd und Ablenkung von echten Ursachen und Problemen, die auch abseits eines sehr selten vorkommenden Amoklaufs für hunderttausendfaches Leid sorgen. Doch die Öffentlichkeit lässt sich an der Nase herumführen und viele Medienvertreter und Promis mit Geltungsdrang lassen sich einspannen.

    Immerhin geht es hier um das Öffnen einer Tür mit der in Zukunft alles in den eigenen vier Wänden verboten werden kann was als der "Volksgesundheit nicht dienlich" deklariert worden ist. Irgendwann brauchen wir dann nicht mehr über witzige BILD Meldungen schmunzeln wo vorgeführt wird, dass man in manchen US Staaten keinen 5ex im Wohnzimmer haben dürfte usw.

    Vor der Lösung der echten Probleme haben die deutschen Länderregierungen und die Bundesregierung längst kapituliert. Nun versuchen sie es mit Neusprech und Gedankenpolizei. Wenn sich dieser Zensurstaat in Deutschland durchsetzt, sind wir wieder beim Status von 2002 vor Stoibers kurzzeitig realistisch erscheinender Machtergreifung. Dann muss man sich wieder Gedanken machen ob man in diesem Land eigentlich noch leben kann: Ein Leben lang in den eigenen vier Wänden nur dürfen was dem Staat genehm ist, die Jugend vor die Hunde gehen sehen und im Alter, bei Arbeitslosigkeit oder bei Krankheit komplett in den A**** gekniffen sein.

    Das ist für mich die Schande 2006.

    PM

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von murmel

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    @Postmortem:
    Mich ungefragt 100%ig anschliess, das war eines der letzten drei oder
    Nicht zuvergessen in desem Zusammenhang die Tatsache, dass man mal wieder gerne das Spiel verantwortlich machen möchte...

  4. #13
    Benutzerbild von Torsten

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    Zitat Zitat von PostMortem
    Auch bezgl. meiner "Schande 2006" gab es als Einzelereignis sicherlich schlimmeres. Aber wo sich mir dieses Jahr regelmäßig die Galle hochkocht und wo man wieder hervorragend sehen kann, wie wenig Kompetenz die breite Masse für echte Basisdemokratie offenbar hat: Die Diskussionen um den sog. "Amoklauf" von Emsdetten und die damit fast ausschließlich verbundene sog. "Killerspiel"-Debatte.
    Die erwähnte "Kompetenz" vermisse ich bei dieser Thematik allerdings auf beiden Seiten, denn die eigentliche Schande an dieser Debatte ist die Tatsache, dass sie nur noch von Extremen geführt wird. Und so sind all die Videozocker und die sie beliefernde Industrie, die jeglichen Zusammenhang medialer Abstumpfung mit gesellschaftlichen Missständen empört von sich weisen, genauso betriebsblind wie all die Politiker und so genannten Experten, die einen willkommenen Sündenbock auserkoren haben und radikale Maßnahmen einfordern. Über so viel beiderseitige Unfähigkeit, das Thema abseits eigener Interessen und Vorurteile aus übergeordneter Position zu betrachten, kann jeder halbwegs neutrale und vernunftbegabte Zeitgenosse nur noch mit'm Kopp schütteln.

    Nur selten las man in den letzten Wochen Artikel, die das Thema wohltuend differenziert betrachteten. Eine dieser löblichen Ausnahmen ist beispielsweise der Appell von Susanne Gaschke:

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/t...rwoche/567334/

    Und im "ioff"-Forum hat ein User die Lage sehr treffend auf den Punkt gebracht:
    Wenn ich zudem noch sehe, mit welcher Vehemenz hier grundsätzlich jeder Zusammenhang zwischen solchen Amokläufen von Leuten, die - soweit wir das beurteilen können - sehr ähnliche Interessen haben, und Spielen mit expliziter Ausrichtung "Mensch töten" abgestritten wird, kann einem wirklich Angst und Bange werden.

    Natürlich sind auch die Mitschüler, die den Typen gequält haben, mit ein Auslöser gewesen; wie viele von denen spielen denn CS oder Doom? Wären sie auch ohne CS solche Arschlochkinder geworden? Das sind sehr hypothetische Fragen; da wir die Antwort nicht kennen, können wir auch nicht ausschließen, dass es einen grundsätzlichen Zusammenhang gibt, oder?

    Die Verteidiger des Ballerns sind ja bald noch unversöhnlicher und engstirniger als die Medien-Kasper und Polit-Hinterbänkler, die mit schöner Regelmäßigkeit zu solch tragischen Ereignissen ihren Hals in die Kamera recken, um ihre Profilneurose zu balsamieren. Hier treffen scheinbar nur noch Betonköpfe aus zwei Lagern aufeinander.
    Oder um es mit meinen Worten zu sagen: Wer den Einfluss gewalthaltiger Medienprodukte abstreitet, nur weil er von seinem souveränen Umgang damit auf andere schließt, ist dieser Debatte genauso unwürdig wie all jene, die nun die ersten Schritte in einen Überwachungsstaat einleiten wollen.

  5. #14
    Benutzerbild von Edimes

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    Zidane der Held 2006 ... lol ... jedenfalls sind meine arabischen freunde dieser meinung!

  6. #15
    Benutzerbild von Muggi

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    Danke Torsten.

  7. #16
    Benutzerbild von PostMortem

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    Zitat Zitat von Torsten Beitrag anzeigen
    Die erwähnte "Kompetenz" vermisse ich bei dieser Thematik allerdings auf beiden Seiten, denn die eigentliche Schande an dieser Debatte ist die Tatsache, dass sie nur noch von Extremen geführt wird.

    Und im "ioff"-Forum hat ein User die Lage sehr treffend auf den Punkt gebracht:
    Für mich bringt diese ständige Vermischung von Jugendschutz und Allgemeinverboten für mündige Erwachsene nicht unbedingt viel auf den Punkt und ist auch nicht treffend. Damit Kinder nicht zu "Arschlochkindern" werden, muss Erwachsenen nichts verboten werden, sondern müssen Eltern schauen was ihre Kinder machen und welche Medien sie nutzen. Komischerweise hat im Emsdettener Fall kein Mensch eine Debatte darüber angestrengt, wieso der Täter jahrelang seine realen Waffenspiele auf Wald und Wiesen vollführen konnte, ohne das jemandem etwas auffällig daran vorgekommen wäre. Komischerweise diskutiert auch kaum jemand über 10 Mio. offiziell und legal in Privathand befindlicher Schusswaffen in unserem Land (die Dunkelziffer soll 3x so hoch sein), obwohl in Deutschland kein Mensch eine tötliche Schusswaffe für Privatzwecke braucht. Man könnte Kinder theoretisch(!) 24 Stunden am Tag Counterstrike spielen lassen, selbst wenn alle drei Jahre eins davon reale Schießereigelüste entwickeln würde, wäre das unproblematisch wenn es gar nicht an die dafür immer noch zwingend notwendige Waffe kommen könnte.

    Oder um es mit meinen Worten zu sagen: Wer den Einfluss gewalthaltiger Medienprodukte abstreitet, nur weil er von seinem souveränen Umgang damit auf andere schließt, ist dieser Debatte genauso unwürdig wie all jene, die nun die ersten Schritte in einen Überwachungsstaat einleiten wollen.
    Zunächst mal hängt sich die aktuelle und völlig übers Ziel hinaus schießende Debatte an sog. Amokläufen auf. Wenn ich mir dann so anschaue, wieviele Menschen in der Geschichte der Bundesrepublik bei angeblich durch den Konsum sog. "Killerspiele" verursachten Amokläufen verstorben sein sollen und welche Massen an Toten es durch vermeidbare andere Ursachen gab und gibt, über die überhaupt kein Mensch diskutiert, dann dürfte es diese Debatte gar nicht geben.

    Nochmal ganz abgesehen davon, dass gemäß bestehendem harten Jugendschutz bereits jetzt kein "Arschlochkind" legal an USK18- und indizierte Titel kommen kann (weshalb ich um Folgen für Kinder auch überhaupt nicht diskutieren will, der Medienumgang der Kinder liegt nunmal in der Verantwortung der Eltern und erfordert ihre aktive Kontrolle).

    Wenn es dennoch geschieht und hier ein Problem besteht, sind nicht unverhältnismäßige Verbote für Erwachsene nötig, sondern mehr Kontrolle und Aufklärung zur Durchsetzung der bestehenden harten Jugendschutzregelungen. Erwachsene Spieler zu kriminalisieren und gar mit 2 Jahren Haft zu bedrohen (Gesetzesvorschlag des niedersächsischen Innenministers), wird nichts daran ändern, dass ein 12jähriger sich jedes Spiel der Welt in 5 Minuten auf den heimischen PC gezogen hat, wenn niemand darauf achtet was der Sprössling so treibt.

    Wenn seine Eltern ihn da vergammeln lassen, bringt es herzlich wenig unbescholtene und friedliebende Bürger in den Knast zu stecken, weil sie in ihren vier Wänden ein paar Pixel mit der Maus durch die Gegend geschoben haben.

    Ganz allgemein sehe ich hier auch eine Verzerrung zwischen tatsächlicher Gewalttätigkeit in unserem Land und wahrgenommener Gewalt. Die machthungrige Politik, die sensationsgeilen Medien und auch die nach Mitteln gierende klamme Polizei (bzw. ihre hohen Interessenvertreter) sind sehr daran interessiert, dass die Menschen große Angst vor Kriminalität haben. Und so ist eine der auffälligsten statistischen Zahlen die gewaltige Sprünge macht auch die Zahl der Bürger die Angst vor Kriminalität haben.

    Wenn man den beliebten Horrormärchen und Vorurteilen glauben würde, müssten seit Einführung des Privatfernsehens, der Erfindung des Computerspiels usw. in Deutschland Mord und Totschlag ausgebrochen sein. Doch weist die Kriminalitätsstatistik im Bereich der Mord- und Totschlags-Delikte zwischen 1987 und heute kaum eine Steigerung aus, dabei sind erst seit 1993 auch die Zahlen der "fünf neuen Bundesländer" enthalten. Dieser Bereich der Kriminalität ist also sogar weniger problematisch als noch vor 20 Jahren. Ganz im Gegenteil hat die Kriminalität im Bereich der Tötungsdelikte im Verfügbarkeitszeitraum von sog. "Killerspielen" sogar nach dem Wiedervereinigungs-"Peak" stetig abgenommen. Beckstein und Co. lügen die Leute also auch noch bezgl. dieser angeblichen Fakten von vorne bis hinten an... (Quelle: http://www.bka.de/pks/pks2005/p_3_01.pdf). Tatsächlich gestiegen ist die Zahl der Körperverletzungen und die wird auch immer wieder angeführt, um Killerspiele zu verbieten in denen ja eigentlich Pixel "erschossen" und keine blauen Augen geschlagen werden. Wenn überhaupt fiele dieser Gewaltkriminalitätsbereich dann also doch wohl in die Kategorie Prügelspiel, aber das ist den schwafelnden Akteuren sicherlich nichtmal bewusst... (leider gibt es hier ja auch schon Trittbrettfahrer, die im Fahrwasser der Killerspieldiskussion um eine harte Strafe kommen wollen: http://www.spiegel.de/panorama/justi...453108,00.html "Mord nach Gewaltspiel").

    Stellt sich noch die Frage, wie es zu hohen Kriminalitätsraten in den 50er und 60er Jahren, zwei Weltkriegen und millionenfachem Massenmord kommen konnte, obwohl der Heimcomputer erst in den 1980er Jahren überhaupt Einzug hielt und das Fernsehen auch noch nicht verbreitet war. Ich habe einen furchtbaren Verdacht. Der Mensch war schon vor der Erfindung von Counterstrike und RTL so gewalttätig, brutal und menschenverachtend wie heute...

    PM

  8. #17
    Benutzerbild von Torsten

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    Zitat Zitat von PostMortem
    Für mich bringt diese ständige Vermischung von Jugendschutz und Allgemeinverboten für mündige Erwachsene nicht unbedingt viel auf den Punkt und ist auch nicht treffend.
    Von Jugendschutz und Allgemeinverboten haben weder der zitierte User noch ich gesprochen. Uns geht es um die Sinnlosigkeit einer Debatte, die nur noch von den erwähnten Betonköpfen auf beiden Seiten geführt wird.

    Zitat Zitat von PostMortem
    Damit Kinder nicht zu "Arschlochkindern" werden, muss Erwachsenen nichts verboten werden, (...).
    Solche grundsätzlichen Verbote sind völlig utopisch; aber solange die Kinder Zugriff auf dieselben Spiele wie diese Erwachsene haben, muss schon die Frage erlaubt sein, wie man den Nachwuchs trotz aller Widrigkeiten von diesen Machwerken fernhalten will. Und nebenbei frage ich mich ohnehin, was an Videozockerei im Allgemeinen und Egoshootern im Speziellen so fürchterlich "erwachsen" sein soll - die Ballerspiel-Fraktion geriert sich ja ständig so, als wenn sie ein naturverliehenes Anrecht auf dieses Vergnügen hätte und die Welt unterginge, wenn sie ihren Alltag ohne diesen Driss gestalten müsste. Auch damit will ich ausdrücklich nicht den propagierten Verboten das Wort reden; aber eine etwas übergeordnetere Betrachtung dieser Thematik wäre schon wünschenswert.

    Übrigens - auch auf die Gefahr hin, als altmodisch oder neophob zu gelten: Bin ich eigentlich der Einzige, der es, gelinde gesagt, befremdlich findet, wenn Computerspiele in gewissen Kreisen allen Ernstes als "Sport" betrachtet werden und manche Hardcore-Zocker sogar um die Welt jetten, um mit Erfolgen bei ausgetragenen Meisterschaften ihren Lebensunterhalt zu bestreiten?

    Zitat Zitat von PostMortem
    (...) sondern müssen Eltern schauen was ihre Kinder machen und welche Medien sie nutzen.
    Der Einfluss von Eltern auf ihre Kinder wird vielfach überschätzt; die Heranwachsenden werden durch Medienkonsum und ihr Umfeld in weit größerem Maße sozialisiert, als es Eltern mit ihren Erziehungsmaßnahmen lieb sein kann. Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, dass das sehr schön beschreibt: "Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf."

    Nun wissen wir aber nicht erst seit der Unterschichtendebatte, dass solch romantischen Vorstellungen von gemeinschaftlicher Fürsorge bei uns pure Utopie sind. In unserer ach so modernen Gesellschaft sind Kinder immer häufiger sich selbst überlassen - entweder wegen Desinteresses unfähiger Eltern oder deren beruflich bedingter Abwesenheit (übrigens ein Grund, warum ich Eva Herman in ihrem Grundtenor gerne zustimme). Wer die Verantwortung für den kindlichen Umgang mit den Medien einzig an die Mamis und Papis dieser Welt weiterleitet, muss sich daher fragen lassen, in welchem Paralleluniversum er eigentlich lebt.

    Zitat Zitat von PostMortem
    Komischerweise hat im Emsdettener Fall kein Mensch eine Debatte darüber angestrengt, wieso der Täter jahrelang seine realen Waffenspiele auf Wald und Wiesen vollführen konnte, ohne das jemandem etwas auffällig daran vorgekommen wäre. Komischerweise diskutiert auch kaum jemand über 10 Mio. offiziell und legal in Privathand befindlicher Schusswaffen in unserem Land (die Dunkelziffer soll 3x so hoch sein), obwohl in Deutschland kein Mensch eine tötliche Schusswaffe für Privatzwecke braucht.
    Wenn dem so ist, besteht hier zweifellos dringendster Nachholbedarf; nur entlastet ein wichtiger Aspekt nicht automatisch einen anderen, denn es sind alles Teile eines Puzzles, die einander ergänzen. Keine Frage: Um extreme Vorfälle wie solche Amokläufe zu verhindern, sind schärfere Waffengesetze x-fach wichtiger als eine Debatte über Computerspiele; nur beschränkt sich die Thematik ja nicht auf mordlüsterne Sonderlinge, sondern es ist eine Grundsatzdiskussion über zunehmende Gewaltbereitschaft und abnehmende Hemmschwellen vonnöten, die vielfach beobachtet werden. Und dabei wiederum spielen gewisse Medienprodukte nach meiner Überzeugung nicht die primäre, aber eine größere Rolle, als uns Industrie und passionierte Konsumenten glauben machen wollen.

    Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an ein Erlebnis, das ich hatte, als vor einigen Jahren "Der Soldat James Ryan" ins Kino kam. Legendär wurde der Film bekanntlich durch die 20-minütige Anfangssequenz, in der die Grausamkeit des Krieges in bis dahin noch nie gekannter Eindringlichkeit gezeigt wird. Ich weiß noch, wie ich mich - u.a. ausgelöst durch das "x-Bexx²"-Soundsystem in unserem "CinemaxX" - während dieser Passage teilweise so verkrampft in den Sessel drückte wie bei einer Zahnbehandlung; und ich zähle mich nicht gerade zu den besonders zart besaiteten Naturen. Als wir nach Ende des Films hörten, wie einige Teenie-Halbstarke sich zu diesen Szenen freudig erregt mit Sätzen wie "Boah, war das geil" äußerten, blickten wir uns nur noch kopfschüttelnd an. Hier war für uns ein Maß an emotionaler Abgestumpftheit erreicht, das mit pubertärem Coolness-Gebaren allein nicht mehr zu erklären ist.

    In dieser Woche gab es auf "Phoenix" eine wohltuend unaufgeregte und durchaus differenziert debattierende Gesprächsrunde, in der von einer Jugendrichterin übrigens auch auf das Verhältnis von Gewaltbereitschaft und in Kriminalstatistiken erfassten Delikten eingegangen wird. Wer in den Audiomitschnitt reinhören möchte: Klick mich!

    Zitat Zitat von PostMortem
    Zunächst mal hängt sich die aktuelle und völlig übers Ziel hinaus schießende Debatte an sog. Amokläufen auf. Wenn ich mir dann so anschaue, wieviele Menschen in der Geschichte der Bundesrepublik bei angeblich durch den Konsum sog. "Killerspiele" verursachten Amokläufen verstorben sein sollen und welche Massen an Toten es durch vermeidbare andere Ursachen gab und gibt, über die überhaupt kein Mensch diskutiert, dann dürfte es diese Debatte gar nicht geben.
    Solche verharmlosenden Relativismen bringen uns nicht weiter, zumal solche Amokläufe sowieso nur die Spitze des Eisbergs sind. Ist es denn so schwierig, "Killerspiele" nicht als Auslöser solcher Taten zu betrachten, aber dennoch ihren gefühlsabstumpfenden Einfluss auf zumindest eine Minderheit der ballernden Jugendlichen einzuräumen?

    Zitat Zitat von PostMortem
    Nochmal ganz abgesehen davon, dass gemäß bestehendem harten Jugendschutz bereits jetzt kein "Arschlochkind" legal an USK18- und indizierte Titel kommen kann (weshalb ich um Folgen für Kinder auch überhaupt nicht diskutieren will, der Medienumgang der Kinder liegt nunmal in der Verantwortung der Eltern und erfordert ihre aktive Kontrolle).
    Wie sähe denn "passive Kontrolle" aus?

    Auch hier: Es ist ein fataler Irrweg, die Verantwortung gänzlich oder hauptsächlich auf die Eltern abzuwälzen. Die Medien werden schon lange als vierte Gewalt im Staat bezeichnet, und diese Bedeutungszuweisung gibt u.a. auch trefflich ihr Verführungspotenzial wieder. Will man seinen Nachwuchs nicht gerade im Kinderzimmer einsperren, ist es schlicht unmöglich, eine solche Kontrolle auszuüben.

    Zitat Zitat von PostMortem
    Wenn es dennoch geschieht und hier ein Problem besteht, sind nicht unverhältnismäßige Verbote für Erwachsene nötig, sondern mehr Kontrolle und Aufklärung zur Durchsetzung der bestehenden harten Jugendschutzregelungen. Erwachsene Spieler zu kriminalisieren und gar mit 2 Jahren Haft zu bedrohen (Gesetzesvorschlag des niedersächsischen Innenministers), wird nichts daran ändern, dass ein 12jähriger sich jedes Spiel der Welt in 5 Minuten auf den heimischen PC gezogen hat, wenn niemand darauf achtet was der Sprössling so treibt.
    Wem sagst du das? Habe ich nicht deutlich genug betont, dass ich solche Alibi-Aktionen für Mumpitz halte? Nur sollte dieser Unsinn die virtuellen Zocker nicht davon entbinden, mal etwas eindringlicher über die Sinnhaftigkeit ihrer Bildschirm-Ballerei nachzudenken.

    Zitat Zitat von PostMortem
    Ganz allgemein sehe ich hier auch eine Verzerrung zwischen tatsächlicher Gewalttätigkeit in unserem Land und wahrgenommener Gewalt.
    Eine solche Behauptung ist ein zynischer Schlag ins Gesicht all jener, die aufgrund jahrzehntelanger Berufserfahrung bestätigen können, dass die Gewalt(bereitschaft) von bzw. unter Jugendlichen im Laufe der Jahre deutlich zugenommen hat. Frag z. B. mal altgediente Lehrer oder Schuldirektoren, die werden dir von ihren ganz eigenen Erfahrungen berichten.

    Zitat Zitat von PostMortem
    Stellt sich noch die Frage, wie es zu hohen Kriminalitätsraten in den 50er und 60er Jahren, zwei Weltkriegen und millionenfachem Massenmord kommen konnte, obwohl der Heimcomputer erst in den 1980er Jahren überhaupt Einzug hielt und das Fernsehen auch noch nicht verbreitet war. Ich habe einen furchtbaren Verdacht. Der Mensch war schon vor der Erfindung von Counterstrike und RTL so gewalttätig, brutal und menschenverachtend wie heute...
    Jau. Das ist genau die Sorte fahrlässiger Scheinanalogien, deren sich die Generation angeblich so medienkompetenter Relativisten gebetsmühlenartig bedient.

    Es geht hier aber nicht um Barbaren, die in der Steinzeit ihren Nachbarstamm abgeschlachtet haben. Es geht nicht um mittelalterliche Foltermethoden, nicht um Hexenverbrennungen oder um den Holocaust. Es geht auch nicht um kriegerische Auseinandersetzungen, die es in der Geschichte der Menschheit schon immer gab und voraussichtlich auch immer geben wird (übrigens: wer sich mal einen erstaunlichen Erklärungsansatz zu dieser Thematik zu Gemüte führen möchte, hört sich mal den Audiomitschnitt des "Philosophischen Quartetts" an, in dem der Soziologe Gunnar Heinsohn seine ganz eigene Theorie zur Entstehung weltpolitischer Konflikte erläutert: Klick mich!).

    Sondern es geht um Jugendliche, die zunehmend ihre Unschuld verlieren, weil sie Gewalt durch ein spannungsgeladenes Umfeld und exzessiven Medienkonsum als einen selbstverständlichen Teil ihres Lebens erlernen. Für die individuelle Überlebensfähigkeit mag das in manchen Fällen hilfreich sein; welche Folgen das aber auf das gesellschaftliche Klima hat, wird uns ja nun fast regelmäßig in den Nachrichten um die Ohren gehauen.

    Wenn wir schon vom Vergleich heutiger mit früheren Verhältnissen sprechen, würde mich viel eher interessieren, wie denn jugendliche Außenseiter in damaligen Zeiten ihren Frust abließen; von Verhältnissen, wie sie heute vorherrschen, ist mir jedenfalls nichts bekannt. Insofern habe ich da auch einen "furchtbaren Verdacht" - dass eine solche Betrachtung nämlich ein ziemlich desaströses Bild unserer liberalen und vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft zu Tage fördern würde...

  9. #18
    Benutzerbild von PostMortem

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    Zitat Zitat von Torsten Beitrag anzeigen
    Solche grundsätzlichen Verbote sind völlig utopisch; aber solange die Kinder Zugriff auf dieselben Spiele wie diese Erwachsene haben, muss schon die Frage erlaubt sein, wie man den Nachwuchs trotz aller Widrigkeiten von diesen Machwerken fernhalten will.
    Genauso wie man sie von Alkohol, Zigaretten und ungeschütztem Verkehr abhält, nämlich immer nur bis zu einem gewissen Grad. Wenn Kontrollfreaks glauben das durch Gesetze und die Entlassung von Eltern aus ihrer Aufsichts- und Erziehungspflicht erreichen zu können, fällt mir nur dein Stichwort "Paralleluniversum" ein.

    Und nebenbei frage ich mich ohnehin, was an Videozockerei im Allgemeinen und Egoshootern im Speziellen so fürchterlich "erwachsen" sein soll - die Ballerspiel-Fraktion geriert sich ja ständig so, als wenn sie ein naturverliehenes Anrecht auf dieses Vergnügen hätte und die Welt unterginge, wenn sie ihren Alltag ohne diesen Driss gestalten müsste
    Diese Argumentation ist so sinnlos wie entlarvend angesichts der herabwürdigenden Formulierung. Schonmal auf die Idee gekommen, dass man den Leuten diese Hexenjagd-Diskussion aus heiterem Himmel aufgezwungen hat und sie dazu gezwungen sind sich für etwas zu rechtfertigen, wofür man sich nicht rechtfertigen müssen sollte? Im übrigen geht es lediglich darum, dass solche Spiele etwas für Erwachsene sind, so wie Deine Pornos auch nicht in Kinderhände weitergegeben werden dürfen. Wenn Du da anderer Meinung bist, ok. Aber das Erwachsene ihr Erwachsensein nun über Doom 3 oder ihre Pornos definieren, ist mir bisher noch nicht untergekommen. Wenn Du belegbare Beispiele kennst, enthalte sie uns nur nicht vor!

    Übrigens - auch auf die Gefahr hin, als altmodisch oder neophob zu gelten: Bin ich eigentlich der Einzige, der es, gelinde gesagt, befremdlich findet, wenn Computerspiele in gewissen Kreisen allen Ernstes als "Sport" betrachtet werden und manche Hardcore-Zocker sogar um die Welt jetten, um mit Erfolgen bei ausgetragenen Meisterschaften ihren Lebensunterhalt zu bestreiten?
    Wenn Dart, Snooker, Tischtennis und sogar Schach von vielen als Sport angesehen werden ist es für Befremden jetzt eigentlich zu spät.

    Der Einfluss von Eltern auf ihre Kinder wird vielfach überschätzt; die Heranwachsenden werden durch Medienkonsum und ihr Umfeld in weit größerem Maße sozialisiert, als es Eltern mit ihren Erziehungsmaßnahmen lieb sein kann.
    Dann erklär mir bitte mal, welchem unbeeinflussbarem schädlichen Medieneinfluss Kinder in erheblichem Maße ausgesetzt sein können, wenn Eltern sich kümmern? Klar, wenn 8jährige schon Internet und Fernseher im Kinderzimmer haben, dann kann man natürlich nicht die ganze Zeit daneben sitzen. Aber warum lässt man die Kinder damit allein, warum brauchen Kinder sowas? Und nun komm mir keiner mit dem Argument "Aber man weiss ja nicht was bei Freunden gespielt und geguckt wird". Auch da gibt es Eltern die sich eigentlich zu kümmern hätten und mit denen man sich mal unterhalten könnte, wenn man wissen wollte in welchem Umfeld sich der eigene Sprößling so rumtreibt.

    Das ist aber auch alles nicht mein Thema!!! Ich habe keine Kinder, ich will keine Kinder und ich habe keine Kinder in meinem Haushalt. Trotzdem brauchte schon mein Premiere Decoder vor Jahren unbedingt einen nervigen Jugendschutz-PIN... Geschenkt, wenns denn hilft und mich nur nervt! Wenn mir ein unmündiges Nachbarskind die Motorhaube zerkratzt und ich das dann selber zahlen darf muss ich die Zähne zusammen beissen und spar mir das Theater weil ich weiss, dass Eltern nicht den ganzen Tag hinter ihren Kindern herrennen können, auch geschenkt denn es ist ja niemand zu Schaden gekommen. Aber wenn mir in Deutschland als Erwachsenem mein Medienkonsum vorgeschrieben werden soll, weil alle Eltern davon freigesprochen werden sollen, was ihre Zöglinge am heimischen PC treiben, dann ist das die Grenze die ich nicht überschritten sehen will. Dabei spiele ich vielleicht noch alle zwei Jahre mal für ein paar Tage Spiele wie CS, Quake oder auch SWAT4. Na und? Früher hat man ein riesen Theater in der Bundesrepublik veranstaltet, weil man nicht gezählt werden wollte (...und heute sammeln die gleichen Leute Payback-Punkte wie die Wahnsinnigen!) und im Jahr 2006 muss man sich als erwachsener Mensch schon rechtfertigen, weil man Computerspiele nicht auf eine Stufe mit Kinderpornos gestellt sehen will. In welchem Land leben wir denn???

    Es war immerhin auch Programm des Herrn Stoiber neben "Killerspielen" Filme wie "Ich weiss was Du letzten Sommer getan hast" und ähnliches zu verbieten (ausdrücklich im Wahlkampf 2002 von der CxU genannt). Es kann nicht angehen das im niederländischen Venlo noch die Tierpornos offen im Schaufenster beworben werden dürfen und hier schon ganze Spiele- und Filmgattungen vom Staat so wegzensiert werden, dass wir in Deutschland wieder ein neues Tal der Ahnungslosen bekommen sollen. Das ist in Internet-Zeiten sowieso illusorisch, ausser man setzt auch hier die härtesten Filterideen in die Tat um und macht Deutschland zum Internet-China. Und weil ich in diese Spirale der Mechanismen gar nicht gezogen werden will, stinkt mir jetzt schon diese ganze Debatte und allein darum geht es mir.

    entweder wegen Desinteresses unfähiger Eltern oder deren beruflich bedingter Abwesenheit [...]Wer die Verantwortung für den kindlichen Umgang mit den Medien einzig an die Mamis und Papis dieser Welt weiterleitet, muss sich daher fragen lassen, in welchem Paralleluniversum er eigentlich lebt.
    Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist meines Wissens immer noch die Elterliche Aufsichts- und Erziehungspflicht und -recht fest verankert (manche machen leider nur fallweise von Ihrem Recht dazu gebrauch, missachten aber ihre Pflichten). Wenn es jetzt schon Utopie ist darauf zu achten, dass existierende Gesetze auch eingehalten werden, dann brauchen wir doch über weitergehendes und neues gar nicht diskutieren.

    Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an ein Erlebnis, das ich hatte, als vor einigen Jahren "Der Soldat James Ryan" ins Kino kam. Legendär wurde der Film bekanntlich durch die 20-minütige Anfangssequenz, in der die Grausamkeit des Krieges in bis dahin noch nie gekannter Eindringlichkeit gezeigt wird. Ich weiß noch, wie ich mich - u.a. ausgelöst durch das "x-Bexx²"-Soundsystem in unserem "CinemaxX" - während dieser Passage teilweise so verkrampft in den Sessel drückte wie bei einer Zahnbehandlung; und ich zähle mich nicht gerade zu den besonders zart besaiteten Naturen. Als wir nach Ende des Films hörten, wie einige Teenie-Halbstarke sich zu diesen Szenen freudig erregt mit Sätzen wie "Boah, war das geil" äußerten, blickten wir uns nur noch kopfschüttelnd an. Hier war für uns ein Maß an emotionaler Abgestumpftheit erreicht, das mit pubertärem Coolness-Gebaren allein nicht mehr zu erklären ist.
    Nein, die ist eher damit zu erklären, dass es heute mehr Kriegsdienstverweigerer gibt als früher und junge halbstarke Männer sich wohl eher selten ihre wahren Gefühle zu solchen Szenen offenbaren und auf abgebrüht machen wollen. Fakt ist doch, dass auch die heutige Jugend in ihrer gesamten Breite viel besser ist als ihr Ruf. Solche Haus-Psychologenbeispiele wie Du sie jetzt gebracht hast taugen doch nur zum vordergründigen belegen weit verbreiteter Vorurteile und haben mit den echten Problemen von eher kleinen Teilen der Jugend wenig zu tun. Die gleichen Diskussionen gabs komischerweise schon in meiner Jugend, da war Rambo unser aller Verderben und ein furchtbares Machwerk. Heute wiederholen sich die gleichen Szenen, nur das damlals auf einmal alles kein Problem gewesen sein soll...

    Solche verharmlosenden Relativismen bringen uns nicht weiter, zumal solche Amokläufe sowieso nur die Spitze des Eisbergs sind. Ist es denn so schwierig, "Killerspiele" nicht als Auslöser solcher Taten zu betrachten, aber dennoch ihren gefühlsabstumpfenden Einfluss auf zumindest eine Minderheit der ballernden Jugendlichen einzuräumen?
    Wie ich bereits betonte, ich sehe keinen Sinn darin im Rahmen einer Verbotsdebatte Einflüsse auf Jugendliche zu diskutieren, die nach geltendem Gesetz bereits gar keinen Zugriff auf solche Spiele haben dürfen. Wenn man eine allgemeine Diskussion darüber führen will, wie man den Jugendschutz auch durchsetzt, dann kann und soll man eine allgemeine Jugendschutzdebatte ausserhalb dieser Hexenjagd führen. Wenn ich einen Sohn hätte der <16 wäre, würde ich alles dran setzen, dass er an ungeeignete Medien nicht kommt. Heutige Eltern sind alle in einem Alter wo man sich mit Medien und PCs auskennen KANN. Wenn man es nicht tut, kann man seinen Kindern sowas nicht hinstellen, weil man den vernünftigen Umgang nicht kontrollieren kann. Ich kann meinem Kind sogar einen PC ins Zimmer stellen, aber dann richte ich es so ein, dass er ohne mich nichts installieren kann, gebe ihm nur nach Absprache Zugriff aufs Internet, setze Tools wie Webwasher ein und was weiss ich. Das ist alles möglich! Sich da aufs Unvermögen von Eltern zu berufen ist mir zu einfach. Auch wer gar keine Ahnung hat ist nicht dazu verdammt in Ahnungslosigkeit zu verharren oder seinen Kindern Zugriff auf Technologien zu geben, die nicht eingeschätzt oder kontrolliert werden können.

    Eine solche Behauptung ist ein zynischer Schlag ins Gesicht all jener, die aufgrund jahrzehntelanger Berufserfahrung bestätigen können, dass die Gewalt(bereitschaft) von bzw. unter Jugendlichen im Laufe der Jahre deutlich zugenommen hat. Frag z. B. mal altgediente Lehrer oder Schuldirektoren, die werden dir von ihren ganz eigenen Erfahrungen berichten.
    Mein Gott, hier überziehst Du aber deutlich und qualifizierst Dich als Gast bei Christiane Sabinsen! Es gibt seit Jahrzehnten Statistiken darüber, wie die Angst der Deutschen vor Kriminalität sich im Vergleich zur realen Kriminalität entwickelt hat. Im Ergebnis hatte man trotz niedrigerer Kriminalität immer mehr Angst als in den Nachbarländern. Ausgerechnet in den an sich ruhigen 80er Jahren hatte man sogar besonders viel Angst. Wenn solch wissenschaftliche Betrachtungen Zynismus und Schläge ins Gesicht sein sollen, dann lese ich daraus eine gewisse Überaufgeregtheit. Die meiste Energie die in dieses Thema gesteckt wird, geht ausserdem sowieso in die falsche Richtung. Besonders wenig Kriminalität gibts immer dann, wenn möglichst alle etwas zu verlieren, d. h. Einkommen und Status haben. Das dies in Deutschland nicht mehr so ist, hat zuletzt etwas mit den Medien zu tun. Ganz im Gegenteil haben sich die Medien eher auf den verwahrlosten Arbeitslosen, der sich ja neuerdings nur waschen und rasieren muss um in drei Wochen einen Job zu haben, eingestellt, weil er nunmal die Zielgruppe ist die hauptsächlich und immer vorm Fernseher sitzt. Wer diesen Zustand den Medien ankreidet, vertauscht Ursache und Wirkung und betreibt genauso die Abstrafung von Sündenböcken wie ein Beckstein in seiner ahnungslosen Killerspiel-Hatz.

    Wenn wir schon vom Vergleich heutiger mit früheren Verhältnissen sprechen, würde mich viel eher interessieren, wie denn jugendliche Außenseiter in damaligen Zeiten ihren Frust abließen; von Verhältnissen, wie sie heute vorherrschen, ist mir jedenfalls nichts bekannt.
    Kauf die mal eine Bibel...

    PM

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