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Schleimig auf Erfolgskurs?!?

Erstellt von Torsten, 21.11.2004, 15:28 Uhr · 7 Antworten · 948 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Torsten

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    Nur eine Studie von vielen, aber dennoch interessant:

    http://www.gmx.net/de/themen/beruf/b...3961XqNQ0.html

    Schleimer schlagen Selbstdarsteller

    Was ist die erfolgreichste Taktik im Vorstellungsgespräch? Die eigenen Fähigkeiten herausstellen, lautet die gängige Meinung. Aber einer neuen Studie zufolge machen die Ja-Sager das Rennen. Schleimen, bis der Personalchef strahlt, muss deshalb die Devise heißen.


    Die Jobsuche ist kein Zuckerschlecken und eine zeitaufwendige Sache. Erst heißt es, eine passende Ausschreibung aufzuspüren und überzeugende Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen. Dann jeden Tag der bange Blick in den Briefkasten, ob die ersehnte Einladung dabei ist. Das zehrt alles schon ziemlich an den Nerven, ist aber nur das Vorspiel für den ganz großen Auftritt: das Bewerbungsgespräch.

    Über das richtige Verhalten beim Showdown, dessen Ausgang manchmal die Weichen für das weitere Leben stellt, sind schon ganze Regale voller Bücher geschrieben worden. Meist wird geraten: Eindruck schinden, die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten herausstellen, sich selbst in ein gutes, womöglich sogar besseres Licht rücken, als es der Realität entspricht. Dass eine ganz andere Strategie womöglich viel erfolgversprechender ist, legen nun die Ergebnisse einer neuen amerikanischen Studie nahe.

    Die Wirtschaftswissenschaftler Chad A. Higgins und Timothy A. Judge haben am Beispiel von 116 Studenten untersucht, welches Verhalten im Vorstellungsgespräch besser ankommt: Sich beim Gegenüber beliebt machen oder besser Werbung in eigener Sache betreiben? Die Versuchskaninchen waren Studenten, rund die Hälfte von ihnen weiblich, und sie waren wirklich auf Jobsuche.

    Werben oder umgarnen?

    Die Testpersonen bewarben sich bei Firmen aus verschiedenen Branchen, die auf dem Campus nach Nachwuchskräften fischten. Ausgeschrieben waren typische Einstiegsposten, die bei erfolgreichem Start später zu leitenden Stellungen in den Unternehmen führen sollen. Gesucht wurden beispielsweise angehende Verkaufsleiter und Management-Trainees.

    Nach den Bewerbungsgesprächen berichteten die Jobanwärter, wie es bei der Vorstellungsrunde gelaufen war. Dabei untersuchten die Forscher besonders den Erfolg von zwei verschiedenen Strategien: Hatten die Studenten auf "beliebt machen" gesetzt? Oder "Werbung in eigener Sache" betrieben?

    Um zu wissen, welches Verhalten besser ankam, wurden auch die Personalverantwortlichen befragt. Sie gaben ihren Eindruck zu jedem einzelnen Kandidaten zu Protokoll: Wie gut passt der Bewerber in die Firma? Wie geeignet ist er für den ausgeschriebenen Posten? Wie schätzen Sie den Kandidaten insgesamt ein?

    Vorfahrt für Stromlinienförmige

    Das deprimierende Ergebnis: Studenten mit der Schleimer-Strategie wurden von den Personalmanagern viel günstiger beurteilt als die Selbstdarsteller. "Wer sich beliebt machte, sammelte viele Pluspunkte, wenn es um die Frage ging, ob ein Bewerber in die Firma passt", erzählt Chad A. Higgins. Kandidaten mit dieser Strategie wurden auch eher zu einem zweiten Gespräch eingeladen, hatten also erkennbar bessere Chancen auf den ausgelobten Job.

    Aber was heißt eigentlich "sich beliebt machen" genau? "Dazu gehören sehr viele verschiedene Dinge", sagt Higgins: "Komplimente machen, Gemeinsamkeiten finden und diese ins Gespräch bringen. Beispielsweise, dass man dieselbe Schule besucht hat oder dasselbe Hobby pflegt." All dies wirke sich günstig auf die Beurteilung des Bewerbers aus, weil es hilft, eine Bindung zum Gegenüber herzustellen. Zudem können nach den Regeln der Sozialpsychologie Menschen andere Menschen besser leiden, wenn sie ihnen ähnlich sind.

    Trotzdem hat die Schleimerei einen fiesen Beigeschmack. Beinhaltet "sich beliebt zu machen" nicht auch, dem anderen nach dem Mund zu reden, die eigene Meinung zu verleugnen, bis hin zur Arschkriecherei? "Ja, das kann alles dazugehören", sagt der Wirtschaft5experte. "Wir fragten: Hast du bestimmten Aussagen des Personalverantwortlichen zugestimmt?"

    Nett und kompetent

    Brauchen Unternehmen nicht Führungskräfte, die kompetent sind und willensstark, die eigene Ideen entwickeln und durchsetzen, anstatt sich stromlinienförmig wegzuducken? "Doch", sagt Wirtschaftswissenschaftler Higgins, "es hat uns auch am meisten überrascht, dass die Selbstdarsteller nicht besonders gut ankamen." In anderen Studien sei das anders gewesen.

    Higgins rät deshalb, beim Vorstellungsgespräch beide Strategien zu verbinden: "Bewerber sollten sich auf jeden Fall als nette Person darstellen und versuchen, einige Gemeinsamkeiten mit den Personalverantwortlichen oder der Firma zu finden." Aber er rät den Jobanwärtern auch, sich bei der Darstellung ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten ordentlich ins Zeug zu legen. Sie sollten zeigen, warum sie kompetent und in der Lage sind, eine bestimmte Arbeit zu bewältigen. "Beides ist wichtig", so Higgins, "trotz unserer Ergebnisse."
    Also, Leute - für's nächste Vorstellungsgespräch schonma 'nen ordentlichen Eimer Schleim tanken...

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von DeeTee

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    ...Ergebnisse einer neuen amerikanischen Studie
    Nun ja, ob sich das überhaupt auf Deutschland übertragen lässt? Ich denke, man muss hier sehr unterscheiden, für welch einen Posten sich jemand bewirbt. Ein Autoverkäufer wird in einem Bewerbungsgespräch einen anderen Auftritt haben als jemand, der sich um eine Dozentenstelle für politische Bildung bewirbt, ein angehender Streetworker wird sich anders präsentieren als ein potentieler Fernsehmoderator.

    Mir ist der obige Artikel etwas zu wenig differenziert. Allerdings bestätigt er eine Tendenz, die ich in den letzten Jahren häufiger beobachtet habe: Führungskräfte stellen keinen Nachwuchs ein, der ihnen unter Umständen später "gefährlich" werden könnte. Das ist verständlich, aber nicht unbedingt sinnvoll. Und der Mitläufer ist halt unproblematischer ...

    Grüße!
    DeeTee

  4. #3
    Benutzerbild von
    DeeTee postete
    Allerdings bestätigt er eine Tendenz, die ich in den letzten Jahren häufiger beobachtet habe: Führungskräfte stellen keinen Nachwuchs ein, der ihnen unter Umständen später "gefährlich" werden könnte. Das ist verständlich, aber nicht unbedingt sinnvoll. Und der Mitläufer ist halt unproblematischer ...
    Kanns sein, dass Du nur in letzter Zeit mehr damit konfrontiert warst und es Dir deshalb stärker aufgefallen ist?

    Ich sehe darin nämlich keine Zeitgeisterscheinung. Über die Ar***kriecherei im Job hat schon mein Opa seinem Sohn und sein Sohn mir sein Leid geklagt (es hört ja nach der Bewerbung nicht auf)... und ich als alter Querulant beschwere mich über die vielen Leute, die offenbar auf ner' Schleimspur zur Rente kriechen wollen, auch schon seit einigen Jahren *g*

    Allerdings muss ich schon sagen... es schadet nie, seinem Gegenüber ein wenig zu Schmeicheln, wenn man etwas erreichen möchte. Es darf halt nicht übertrieben, aufgesetzt und das einzig positive im Gespräch sein, dann bleibts auch ehrlich.

    Beim Gegenüber "gutes Wetter" machen zu können, zeugt ja nunmal auch von einem gewissen diplomatischen Geschick. Und wenn ich mal meinen Arbeitsalltag nehme, dann muss ich erkennen, das viele Projekte und anstehende Aufgaben mittlerweile zu einem hohen Anteil aus Politik(!) bestehen. Da ohne Magengeschwür und ohne sich überall unbeliebt zu machen durch zu kommen, verlangt schon einen geschickten Umgang mit Leuten die einem "im Weg stehen" - und nichts anderes, tut der Personalreferent im Bewerbungsgespräch ja auch.

    Dave

  5. #4
    raabi2000
    Benutzerbild von raabi2000
    Auch wenn es sehr selten ist , aber hier muss ich Dave voll und ganz zustimmen.
    Es ist schon ein Unterschied zwischen einer Schleimspur und einem politisch geschickten Gespräch.

  6. #5
    Benutzerbild von Level 42

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    Ich war letztens auf einem Seminar das da hieß "Konfliktbewältigung".

    Unser Seminarleiter nannte "Schleimen" auch "Gesunde Diplomatie",
    sollte übrigens jeder Mensch im Leben entwickeln.

    Gruß Level 42

  7. #6
    Benutzerbild von
    Level 42 postete
    Ich war letztens auf einem Seminar das da hieß "Konfliktbewältigung".

    Unser Seminarleiter nannte "Schleimen" auch "Gesunde Diplomatie",
    sollte übrigens jeder Mensch im Leben entwickeln.

    Gruß Level 42
    Ääääääääähm ja. Auf der Arbeit kann ich auch überhaupt keinen Zoff unter/mit den direkten Kollegen brauchen. WENN es allerdings mal brodelt, hasse ich es wie die Pest, wenn Leute vorne rum schleimen und sich hinten rum bei allen anderen auskotzen. Da schätze ich ein reinigendes Gewitter mehr, als irgendwelche Schleimerei oder Diplomatie. Das ist es was mich an "Konfliktbewältigungs"-Seminaren oder sog. "Teambuilding Workshops" ein wenig nervt: Wenn sie nicht teilweise für gewisse Situationen eher unpraktikable Vernunfts-Anleitungen geben, propagieren sie eher ein unterdrücken oder ein "Aus dem Weg gehen" von Konflikten. Manche Konflikte müssen aber auch einfach mal auf den Tisch und ausgetragen werden. Wenns dann raus ist, gehts hinterher meistens umso harmonischer weiter - wie in einer guten Ehe ;-)

    Besser machens eigentlich nur die Bonobo-Affen

    Dave

  8. #7
    Benutzerbild von djrene

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    Kann nur für uns sprechen: Ich rede entscheidend mit wer eingestellt wird (<50 Mitarbeiter). Schleimen bringt hier nix. Fachwissen und Kompetenz ist das A & O. Mir persönlich ist das gelinde gesagt scheißegal wie sich ein Kandidat präsentiert, ABER ich muß den Eindruck haben, daß er teamfähig ist. Es gibt für uns nix Wichtigeres. Schleimer sind das meines Erachtens und meiner Erfahrung nach NICHT. Mein bester wissenschaftlicher Mitarbeiter (und übrigens inzwischen einer meiner besten Freunde) ist jemand dem im Vorstellungsgespräch die Worte "Verfickte Scheiße" rausgerutscht sind. Mit dem kann man arbeiten und reden

  9. #8
    Benutzerbild von Level 42

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    Dave Bowman postete


    ... hasse ich es wie die Pest, wenn Leute vorne rum schleimen und sich hinten rum bei allen anderen auskotzen. Da schätze ich ein reinigendes Gewitter mehr...als irgendwelche Schleimerei oder Diplomatie
    Ja bei dem Punkt gab selbst der Seminarleiter zu, daß unter Kollegen eine ganz andere Gangart eingeschlagen wird.

    Das Seminar war ja auch mehr für Führungskräfte, oder solche die es mal werden wollen gedacht.
    Jetzt mal nicht auf "mit Schleimen auf dem Weg nach oben" bezogen.
    Sondern, wie führe ich z.B. ein Fehlzeitengespräch oder ein Rückkehrgespräch u.s.w.


    Gruß Level 42