Seite 3 von 4 ErsteErste 1234 LetzteLetzte
Zeige Ergebnis 21 bis 30 von 38

Sprengstoff-Attentate in London

Erstellt von Engel_07, 07.07.2005, 12:15 Uhr · 37 Antworten · 2.297 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    6.613
    PostMortem schrieb
    Bin Laden, der Mann der offenbar den größten Hass gegen die westliche Welt hegt und einen dementsprechenden terroristischen Missionarsdrang entwickelt hat, ist nicht gerade arm und auch jene, die sich hier in Europa als Studenten aufhielten, um die Jumbos ins WTC zu fliegen, lebten nicht als arme Schlucker. Die wirklich Armen der Welt, hegen demgegenüber offenbar wenig Verlangen nach terroristischen Akten gegen die westliche Welt. Ist es also die Armut, die den Terror antreibt und ihm Zulauf verschafft?
    Mein Lieblingsintellektueller behauptet, dem wäre so:
    Sobald der Neid aber keine soziale Ausdrucksform mehr findet, schlägt er um in Wut und schafft sich Luft in der Attacke auf Symbole des sozialen Unterschieds. Die wachsende ökonomische Entbehrlichkeit vieler Menschen macht diesen Umschlag immer wahrscheinlicher; die Überflüssigen werden ausgeschlossen. Und die Fanatiker nehmen sich nun der Menschen an, die die Weltgesellschaft aus sich ausgeschlossen hat. Wer in der Gesellschaft keine Anerkennung findet, sucht sie gegen sie. Aus Neid wird Fanatismus.
    Der Autor vertritt also die Kernthese, dass der fanatische Terrorismus nur dann in den Griff zu bekommen sei, wenn es gelingt, die Bevölkerungsteile, aus denen er entspringt, an den Vorzügen von Marktwirtschaft und Konsum teilhaben zu lassen.

    Eine provokante These, die ich allerdings für erörterungswürdig halte. Ohne ihr vorbehaltlos zuzustimmen, denn gerade unser Konsumismus ist ja angeblich das eigentliche Feindbild.

    Quelle:


  2.  
    Anzeige
  3. #22
    Benutzerbild von PostMortem

    Registriert seit
    28.12.2004
    Beiträge
    1.997
    frasier postete
    Ich würde schon behaupten, dass die Leute am stärksten für Religionen empfänglich sind, die garnichts haben. Der Glaube ist alles was ihnen noch bleibt und ihrem trost- und perspektivlosen Leben einen Sinn gibt.
    OK; die Leute sind empfänglich und gut aufzuhetzen. Aber das kann m. E. nicht die Ursache für Terrorismus sein, sondern lediglich ein guter Nährboden. Das wäre bequem, denn dann könnte die westliche Welt ihre Hände in Unschuld waschen, hätte sie ja nichts dazu beigetragen, dass diese Entwicklung eingetreten ist. Aber es ist eben nicht so, dass allein Armut ursächlich zu diesem Terrorismus führte, sonst wäre die halbe Welt täglich von Terror überzogen.

    Und ich finde einige Aussagen, die viele Staatschefs und gewisse Kanzlerkandidatinnen heute in ihren Reaktionen an die Verantwortlichen gerichtet haben nicht besonders hilfreich. Hier wird wieder davon gefaselt, dass man die stärkeren Werte hat (Freiheit, Demokratie, etc.) und deshalb diesen Kampf gewinnen wird. Das ist es, was als westliche Arroganz ausgelegt wird und den Konflikt nur weiter anheizt - sie werden so immer motiviert uns das Gegenteil zu beweisen. Es ist ja auch bekannt, dass es im Verlauf einer solchen Auseinandersetzung immer bedeutungsloser wird, warum man sie einmal begonnen hat. Plötzlich geht es nur noch darum, sich Dinge heimzuzahlen und zu beweisen.

    Ich glaube deshalb nicht, dass wir "gewinnen" können, wenn diese Gewaltspirale zwischen Terroranschlägen und Vergeltungsschlägen im "war against terrorism" einfach immer so weiter geht. Andererseits braucht man sich keine Illusionen machen, dass es etwas bringen würde, mit diesen Leuten zu reden. M. E. hat es nur Aussicht auf Erfolg, wenn man sich mittelfristig wieder aus diesen Ländern zurückzieht und sich diesen Teil der Welt sich selbst überlässt. Man kann "Liebe zu Freiheit und Demokratie" nicht erzwingen, sie muss reifen, so wie sie in anderen Teilen der Welt reifen durfte, ohne das "der Ami" sich getraut hätte da rein zu ballern.

    Die Diktatoren mit "der Bombe" gewähren zu lassen und die anderen, die sich keine mächtige Armee oder gar Nuklearwaffen leisten konnten, zusammen mit hunderttausenden Zivilisten platt zu machen, ist einfach ein fatales Signal und macht die Welt m. E. kein Stück friedlicher. Wenn jemand nicht gerade einen Weltkrieg anfängt (wir Deutschen kennen das ja), müssen solche Umstürze m. E. von innen kommen. Mit allem anderen schafft man sich keine Freunde, obwohl mancher amerikanische Soldat sich das ganz naiv jawohl so vorgestellt hat wie der Großvater in Europa fähnchenschwenkend und kaugummiverteilend empfangen zu werden. So ist es eben nicht. Man hasste den Diktator, aber die Amis hasst man noch viel mehr und will sie wieder raus haben. Und die die so denken, schrecken auch nicht davor zurück eigene Landsleute dafür im Dutzend in die Luft zu sprengen. Wie will man da gewinnen können?

    @ Torsten

    Ich würde es mir ja stecken Dir gegenüber noch irgendwas mit Neid begründen zu wollen. ;-) Aber wenns der Intellektuelle sagt, wirds schon stimmen.... Aber(!), er sagt ja nicht, dass man unbedingt bettelarm sein muss. Neid ist nur von relativer Armut und relativem Reichtum abhängig und das gilt nichtmal nur aufs materielle beschränkt.

    Der Autor vertritt also die Kernthese, dass der fanatische Terrorismus nur dann in den Griff zu bekommen sei, wenn es gelingt, die Bevölkerungsteile, aus denen er entspringt, an den Vorzügen von Marktwirtschaft und Konsum teilhaben zu lassen.

    Eine provokante These, die ich allerdings für erörterungswürdig halte. Ohne ihr vorbehaltlos zuzustimmen, denn gerade unser Konsumismus ist ja angeblich das eigentliche Feindbild.
    Das sehe ich auch so! Vor allem beschäftigen mich seit einiger Zeit Zweifel, ob eigentlich unbedingt gutes passiert, wenn wir die Armenhäuser der Welt in diese "Vorzüge der Marktwirtschaft" mal eben einbeziehen..... aber das würde in der Terrordiskussion zu weit führen und ist ein heikles Thema.

    PM

  4. #23
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    6.613
    PostMortem postete
    Ich würde es mir ja stecken Dir gegenüber noch irgendwas mit Neid begründen zu wollen. ;-)
    Alles eine Frage von Timing und Dosierung.

    PostMortem postete
    Aber(!), er sagt ja nicht, dass man unbedingt bettelarm sein muss. Neid ist nur von relativer Armut und relativem Reichtum abhängig und das gilt nichtmal nur aufs materielle beschränkt.
    Er spricht von Ein- und Ausgeschlossenen - die berühmte Schere, die global immer weiter auseinander klafft. Und selbstverständlich sind mit den Ausgeschlossenen auch und vor allem die Armen gemeint, denn ohne materiellen Besitz kann man nicht am Konsumismus partizipieren.

    Das kleine Büchlein enthält einige interessante Ansätze, die es sich zu lesen lohnt. Kann es nur weiterempfehlen.

  5. #24
    Benutzerbild von PostMortem

    Registriert seit
    28.12.2004
    Beiträge
    1.997
    Torsten postete
    Er spricht von Ein- und Ausgeschlossenen - die berühmte Schere, die global immer weiter auseinander klafft. Und selbstverständlich sind mit den Ausgeschlossenen auch und vor allem die Armen gemeint, denn ohne materiellen Besitz kann man nicht am Konsumismus partizipieren.

    Das kleine Büchlein enthält einige interessante Ansätze, die es sich zu lesen lohnt. Kann es nur weiterempfehlen.
    Gibt es da wohl eine "Mindestarmut" die erreicht werden muss um einen kritischen Wert für Terrorbereitschaft zu unterschreiten? Es gibt schließlich auch in Deutschland mittlerweile viele Menschen ohne besonderen materiellen Besitz und solche, die abseits des nackten Überlebens nicht mehr am Konsum teilnehmen können. Trotzdem befürchten wir keinen "HartzIV-Terror" und es kommen bei Anti-HartzIV-Demos in Groß- und Hauptstädten gerade mal <200 Leute zusammen. Irgendeine Komponente neben der Armut fehlt uns da also?
    Andererseits: War die "Baader-Meinhof-Gruppe" arm? Entstand die RAF aus der Armut und einer Form von Neid heraus oder war es nicht bloße Verachtung gegenüber dem "Feind" und eine daraus gespeiste Motivation zur Gewaltbereitschaft?

    PM

  6. #25
    Benutzerbild von frasier

    Registriert seit
    11.03.2004
    Beiträge
    1.112
    PostMortem postete
    OK; die Leute sind empfänglich und gut aufzuhetzen. Aber das kann m. E. nicht die Ursache für Terrorismus sein, sondern lediglich ein guter Nährboden. Das wäre bequem, denn dann könnte die westliche Welt ihre Hände in Unschuld waschen, hätte sie ja nichts dazu beigetragen, dass diese Entwicklung eingetreten ist. Aber es ist eben nicht so, dass allein Armut ursächlich zu diesem Terrorismus führte, sonst wäre die halbe Welt täglich von Terror überzogen.
    Gut, Armut ist der Nährboden, zum Terrorismus braucht es noch einen Auslöser, wie den Irak-Krieg.

    Und ich finde einige Aussagen, die viele Staatschefs und gewisse Kanzlerkandidatinnen heute in ihren Reaktionen an die Verantwortlichen gerichtet haben nicht besonders hilfreich. Hier wird wieder davon gefaselt, dass man die stärkeren Werte hat (Freiheit, Demokratie, etc.) und deshalb diesen Kampf gewinnen wird. Das ist es, was als westliche Arroganz ausgelegt wird und den Konflikt nur weiter anheizt - sie werden so immer motiviert uns das Gegenteil zu beweisen.
    Das kommt wirklich nicht so gut, das zu sagen. Aber einen eigenständigen demokratischen Irak entstehen zu lassen, der als Vorbild in der Arabischen Welt gelten könnte, muss schon trotzdem das Ziel sein. Aber eben freiwillig aus sich heraus. Diese Entwicklung (Vorbild) kann ja, wenn die Amis weg sind, auch von der Türkei ausgehen.


    Ich glaube deshalb nicht, dass wir "gewinnen" können, wenn diese Gewaltspirale zwischen Terroranschlägen und Vergeltungsschlägen im "war against terrorism" einfach immer so weiter geht. Andererseits braucht man sich keine Illusionen machen, dass es etwas bringen würde, mit diesen Leuten zu reden. M. E. hat es nur Aussicht auf Erfolg, wenn man sich mittelfristig wieder aus diesen Ländern zurückzieht und sich diesen Teil der Welt sich selbst überlässt. Man kann "Liebe zu Freiheit und Demokratie" nicht erzwingen, sie muss reifen, so wie sie in anderen Teilen der Welt reifen durfte, ohne das "der Ami" sich getraut hätte da rein zu ballern.
    Das wird interessant sein, zu beobachten, wie nach dem Rückzug der USA sich der Terrorismus entwickelt. Wäre eine Hoffnung, wenn sich dann die Bedrohung verringern könnte.

  7. #26
    Benutzerbild von Torsten

    Registriert seit
    05.10.2001
    Beiträge
    6.613
    PostMortem schrieb
    Irgendeine Komponente neben der Armut fehlt uns da also?
    Ja - extremistische Gruppierungen mit enormen gesellschaftlichem Einfluss. Da in Ländern, in denen der islamistische Terror meist entsteht, die Religion einen besonders großen Stellenwert einnimmt, ist es nur zwangsläufig, dass sich vor allem die Ausgeschlossenen an diese Sinnmaschine klammern und den glühenden Verheißungen ihrer Anführer auf den Leim gehen.

    Nicht ohne Grund befürchten unsere Politikwissenschaftler ein starkes Aufblühen extremistischen Gedankenguts, sollte die nächste Regierung nicht in der Lage sein, Wege aus der Krise aufzuzeigen. Da bei uns aber durch die strikte Trennung von Staat und Kirche die Religion bei weitem nicht den Einfluss hat wie in islamischen Ländern, würde sich dies auf andere Weise Bahn brechen.

    PostMortem schrieb
    Andererseits: War die "Baader-Meinhof-Gruppe" arm? Entstand die RAF aus der Armut und einer Form von Neid heraus oder war es nicht bloße Verachtung gegenüber dem "Feind" und eine daraus gespeiste Motivation zur Gewaltbereitschaft?
    Das ist ja kein Widerspruch zur Bolz'schen These, sondern nur ein Beispiel für andersartigen Fanatismus. Weitere Kategorien sollten dir aus dem aktuellen Tierquäler-Thread bekannt sein...

    Ein besonders provokanter Abschnitt aus dem Buch:
    Wir (wir!) können uns den Prozess der Modernisierung aber gar nicht anders denken denn als fortschreitende Ausdifferenzierung sozialer Systeme, die autonom operieren. Und das impliziert eben die Unabhängigkeit der Politik von der Religion. Die islamische Kultur hat das - nämlich Modernisierung qua Säkularisierung - jedoch bis heute nicht erreicht.

    Anders gesagt: Atatürks Projekt ist gescheitert. Nach wie vor ordnen die Muslime die Welt mit der Unterscheidung der zwei Rechtskreise "Islam" und "Ungläubige". Und genau damit manifestiert der Islam, dass er eine Religion ist, die sich noch ernst nimmt. Er beansprucht nämlich, einen privilegierten Zugang zur Wahrheit zu haben: "it is the essence of religion", bemerkt Stanley Fish, "to not be just like anything else."

    Diesen Anspruch kann der moderne Staat natürlich nicht anerkennen. Deshalb wäre es sinnvolll, im Blick auf die gesellschaftliche Stellung der Religion Toleranz von Respekt zu unterscheiden. Toleranz nimmt die anderen nicht ernst. Stanley Fish spricht in diesem Zusammenhang von Boutique-Multikulturalismus; der reicht vom Palästinenser-Schal über den Urlaub in Nepal bis zu fernöstlichen Managerweisheiten. (...) Und wenn man diese eminent moderne Haltung des Boutique-Multikulturalismus auf die eigene religiöse Überlieferung anwendet, dann resultiert die so genannte Zivilreligion.

    Das heißt im Klartext: Man glaubt zwar nicht an einen Gott, aber man schätzt die verhaltenssichernde Kraft der Rituale - etwa bei der Taufe, bei der Beerdigung und an Weihnachten. Oder man beschwört "christliche Werte", wenn man politisch nicht mehr weiter weiß.

    Mit dieser Form der Toleranz kann sich eine Religion, die sich ernst nimmt, nicht begnügen. Sie fordert Anerkennung und Respekt. Respekt kann aber gerade auch darin bestehen, die andere Auffassung zu bekämpfen - man denke etwa an zwangsverschleierte Frauen, abgehackte Diebeshände und Salman Rushdie. Wir können das Andere nur anerkennen, wenn wir unserer Toleranz eine Grenze setzen. Die politische Frage lautet dann konkret: Verläuft diese Grenze bei Schill oder Schily? Und das ist eine durch und durch pragmatische Frage - Prinzipien helfen hier nicht weiter.

    Religion, die es ernst meint, ist nicht tolerant. Deshalb kann sie von der Religion der Toleranz, also dem Liberalismus, nicht toleriert werden. Man sollte sich hier nicht von der humanistischen Seminar-Erfahrung der Religionswissenschaftler und der politischen Korrektheit der Politiker irreführen lassen, die uns heute unisono einreden wollen, der Islam sei eine Religion des Friedens. Eine Religion predigt Toleranz, solange und wo sie nicht an der Macht ist. Und umgekehrt ist Macht immer ein Maß dafür, wie weit man sich nicht anpassen muss. Ich bin immer dann tolerant, wenn meine tiefsten Überzeugungen nicht berührt werden, und ich bin immer dann kompromissbereit, wenn ein Sieg unwahrscheinlich ist.

  8. #27
    Benutzerbild von McFly

    Registriert seit
    20.06.2003
    Beiträge
    1.920
    Ich habe gestern mit Schrecken von den Attentaten erfahren.

    Ich fand es ungeheuer wichtig, dass das G8-Gipfel-Trffen nicht abgesagt wurde. Damit haben Blair und Co. ein wichtiges Zeichen gesetzt, nämlich dass sie sich vom Terror nichts diktieren lassen.
    Ich hoffe sehr, dass jetzt endlich auch Europa aufwacht und bemerkt, dass Terroristen längst vor unserer Haustür Stellung bezogen haben. Diese selbsternannten Gotteskrieger verstehen nachgewiesener Maßen nur eine Sprache und die heißt Gewalt. Poltik und lange drumherumschwafeln wird uns hier nicht mehr weiter bringen. Beim Thema Terrorismus sollten Schreibtische und Kugelschreiber langsam aber sicher gegen Sturmgewehre getauscht werden. Das klingt jetzt furchtbar hart, ich weiß. Aber irgendwann ist auch mal Schluss. Hier muss jetzt entschieden gehandelt werden. Ich sehe keine weireren Optionen mehr.


    McFly

  9. #28
    raabi2000
    Benutzerbild von raabi2000
    McFly postete
    ... Beim Thema Terrorismus sollten Schreibtische und Kugelschreiber langsam aber sicher gegen Sturmgewehre getauscht werden. Das klingt jetzt furchtbar hart, ich weiß. Aber irgendwann ist auch mal Schluss. Hier muss jetzt entschieden gehandelt werden. Ich sehe keine weireren Optionen mehr.
    Und was schlägst du vor? Sollen wir die Bundeswehr in jeden muslimischen Haushalt schicken und nach Beweisen suchen lassen? Wem bitte möchtest du mit Gewalt drohen? Friedlichen muslimischen Mitbürgern?

  10. #29
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

    Registriert seit
    09.10.2002
    Beiträge
    1.204
    Was die Motivation angeht, so kommt beim Islamismus einiges zusammen und man muss da zwischen den verschiedenen Teilen dieser Bewegung unterscheiden:

    Ursprünglich entstand der Islamismus aus einem Konflikt innerhalb der Eliten dieser Gesellschaften (nach dem Ende der Kolonialzeit). Geistliche Führer wandten sich schon in den 50er und 60er Jahren gegen das Zurückdrängen der Religion unter den damaligen Regierungen, die teils pro-westlich waren, teils einen "pan-arabischen Nationalismus" oder auch (pro-sowjetisch) "arabischen Sozialismus" verkündeten, in jedem Fall aber mit sozusagen "abendländischen" Ideen-Importen ihre Gesellschaften modernisieren wollten. Mit ihrer Kritik an den "weltlichen" Regierungen drangen die frühen Islamisten jedoch nicht durch, denn die Hoffnung der Offiziere als auch die des einfachen Volkes richteten sich auf Modernisierer wie z. B. Nasser.

    In dem Maße aber, in dem sowohl die außen- als auch entwicklungspolitischen Erfolge dieser Regierungen ausblieben, gewann der Idee, allen "abendländischen" Politik-Importen zu entsagen und sich auf die eigenen Traditionen zu besinnen zunächst bei Intellektuellen an Bedeutung. Mit Armut hatte dies in der Tat nichts zu tun, sondern eher mit enttäuschtem Nationalismus. Und zunächst einmal war dies eine Bewegung v. a. gegen andere Strömungen der eigenen Gesellschaft (gegen "weltliche" Nationalisten, Liberale, Sozialisten)

    Der Erfolg des Islamismus bei weiteren Kreisen der einfachen Bevölkerung kam wohl daher, daß sich hier alles zusammenbringen ließ:
    - die ungelösten wirtschaftlichen und sozialen Probleme (vielerorts sind die gut finanzierten islamistischen Gruppen, die einzigen die sowas wie Armenfürsorge betreiben)
    - Unbehagen an Tendenzen der kulturellen Liberalisierung (v. a. was 5exualität und die Rolle der Frau angeht)
    - Das Gefühl, daß die eigenen kulturellen Traditionen und Leistungen nicht mehr respektiert werden
    - die diversen Grenz- und außenpolitischen Konflikte mit nicht-islamischen Gesellschaften (aufeinmal schienen sich die Konflikte vom Westjordanland bis nach Afganistan alle auf einen Nenner bringen zu lassen!)

    Das Problem ist nicht, daß es ein paar zu allem entschlossene Fanatiker gibt - die gibts immer und überall -, sondern daß diesen z. Z. aufgrund ihrer (abgestuften) Akzeptanz bei Teilen der Bevölkerung in diesen Ländern einiges an Logistik und Strukturen zu verfügung steht, was ihnen ihre "Arbeit" erleichtert.

  11. #30
    Benutzerbild von Muggi

    Registriert seit
    08.02.2004
    Beiträge
    2.559
    Wer sich anschließen möchte:

    http://www.werenotafraid.com/

Seite 3 von 4 ErsteErste 1234 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. London Clubs
    Von DARE! im Forum 80er / 80s - LABERFORUM / TALK ABOUT
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 20.07.2012, 03:00
  2. London calling
    Von sturzflug69 im Forum 80er / 80s - MUSIKSUCHE / SOUND SEARCH
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 22.08.2010, 11:11
  3. London Boys
    Von Heinzi im Forum 80er / 80s - POP & WAVE
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 27.03.2005, 15:01
  4. Übernachtung in London
    Von dj.forklift im Forum OT LABERFORUM / OT SMALL TALK
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 19.01.2004, 14:32
  5. London Boys
    Von cater78 im Forum 80er / 80s - POP & WAVE
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 28.01.2002, 05:37