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Stell Dir vor es ist OCCUPY und keiner geht hin

Erstellt von PostMortem, 12.11.2011, 15:30 Uhr · 15 Antworten · 1.366 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: Stell Dir vor es ist OCCUPY und keiner geht hin


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  3. #12
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    AW: Stell Dir vor es ist OCCUPY und keiner geht hin

    Zitat Zitat von Christoph Beitrag anzeigen
    Schönes Thema!
    Ich bin auch der Ansicht, daß es uns einfach zu gut geht, als das wir auf die Straße gehen würden. Sicher meckert jeder ein bissel, weil es ärgerliche Problemchen gibt, aber solange der Deutsche abends vor dem Fernseher sein Bier trinken kann, ist doch alles in Butter.
    Das stimmt für die große Mehrheit der Bevölkerung. Hoffentlich für fast alle die wir hier versammelt sind. Für fast alle von uns gilt: Wenn wir jammern, jammern wir entweder auf hohem Niveau oder eben stellvertretend für von Armut und sozialer Ungerechtigkeit Betroffene. Vielleicht geschieht es auch profilaktisch, quasi aus Sorge dass es uns doch auch mal erwischen könnte. Man kann ja durchaus schnell arbeitsunfähig werden oder in kurzer Zeit in Hartz IV abrutschen.

    Die große Massenarbeitslosigkeit ist derzeit auch nicht so richtig zu sehen und der Staat hat doch noch den einen oder anderen helfenden Topf. Das große "jetzt handeln wir selber" kanni ch in D einfach nicht erkennen, wir schimpfen lieber auf "die da oben", weil die es verbockt haben. Zudem wirkt das Problem zu komplex, da ist nichts, was man direkt angreifen kann. Alternativen existieren zudem nur theoretisch - anders als bei unterirdischen Bahnhöfen!
    Das ist einerseits richtig. Andererseits ist das Grundproblem ja die seit Jahren zunehmende Armut mitten in Deutschland. Vor der Occupy-Bewegung gab es viele Gelegenheiten und Gründe sich auf die Straße zu begeben. Doch selbst zu den HartzIV-Demos kamen in fast allen Städten nur lächerliche Grüppchen zusammen - trotz damals je nach Zählart sechs bis acht oder noch mehr Millionen Betroffenen. Nun ist es eben die Occupy-Bewegung, die das Ventil dieser Frustrierten Masse sein könnte. Sie wird es aber nicht. Was sich dort sammelt, ist eine linke Szene, die sich auch sonst in den einschlägigen linken Kulturzentren getummelt und über ihre Weltrettungs-Modelle ausgetauscht hat. Teilweise wird das Lebensmodell Dauer-Studium gelebt oder man befindet sich in den typischen, häufig akademischen Weltverbessererjahren, bevor die Metamorphose zum gemeinen Bonzen nach Josef Martin Fischer erfolgt. Es ist in meinen Augen ein Stellvertreter"krieg". Die wirklich sozial abgehängten sind nicht dabei - im Gegensatz zu den Protestslums in den USA, die nicht grundlos von einem Auffanglager in der dritten Welt kaum zu unterscheiden sind.

    Manchmal könnte man ja meinen, es würde nur ein paar arme Rentner in Deutschland geben und der Rest wird zwar schlecht bezahlt, stockt aber eben irgendwie über Hartz IV auf oder kommt schon sonstwie mehr schlecht als recht klar, aber eben klar. Aber die Annahme könnte ja falscher nicht sein. Rentnerpaare haben in Deutschland im Schnitt immerhin ein Nettoeinkommen von rund 2.200 Euro, Alleinstehende 1.300 Euro. Das heißt: Rentner haben im Schnitt spürbar mehr als das Existenzminimum, Zusammenlebende und Verwitwete kommen rein finanziell sogar ziemlich gut klar, waren von den anstehenden Rentenkürzungen ja auch nicht betroffen. Natürlich gibts arme Rentner, vor allem Frauen mit langen Erziehungszeiten usw. usf. Aber es gibt eben auch einen riesigen Block an armen Kindern, jungen Erwachsenen und Alleinerziehenden. Allein ein Viertel der jungen Menschen zwischen 18 und 25 ist arm, hat nicht genug Geld zum leben. Insgesamt sind 11,5 Mio. Menschen in Deutschland arm, viele davon wie gesagt jung und protestfähig. Wo sind sie? Wenn nur fast jeder Hundertste dieser sozial abgehängten seine Lage sichtbar auf der Straße beklagen würde, müßten über 100.000 Menschen auf den Straßen sein. Sind es aber nicht. Ich kann das nicht nachvollziehen. Geht es selbst unseren Armen noch zu gut?

    Zudem müßte eine sinnvolle Occupy-Bewegung doch eh länderübergreifend sein, denn das System ist doch grundsätzlich überall dasselbe. Noch kommen mir die Amis aber doch recht allein gelassen vor...
    Das ist grundsätzlich richtig. Andererseits leben wir eben immer noch in einem gemäßigten kapitalistischen Land, das im Vergleich zu den USA immer noch eine ziemlich soziale Marktwirtschaft hat. Umso einfacher müßte es ja hierzulande eigentlich sein, den dadurch kleineren Schritt aus der Armut heraus zu erreichen. Etwas Umverteilung von ganz oben nach ganz unten und "das System" ist zumindest in Deutschland nochmal auf unabsehbare Zeit stabilisiert. Sinnvoller als pro Kopf wenig zufriedenstellende Steuersenkungs-Geschenke vor der nächsten Bundestagswahl wärs sowieso.

  4. #13
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: Stell Dir vor es ist OCCUPY und keiner geht hin

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Teilweise wird das Lebensmodell Dauer-Studium gelebt oder man befindet sich in den typischen, häufig akademischen Weltverbessererjahren, bevor die Metamorphose zum gemeinen Bonzen nach Josef Martin Fischer erfolgt. Es ist in meinen Augen ein Stellvertreter"krieg". Die wirklich sozial abgehängten sind nicht dabei
    Wobei die Gleichsetzung von Akademiker und privilegiert heute so ja nicht mehr mehr stimmt. 1968 konnte quasi jeder Student oder sogar Studienabbrecher davon ausgehen, 'zur Not'(!) immer noch als, naja Zeitungsredakteur oder Verlagslektor unterzukommen. Heute prügeln sich 1er-Absolventen nach dem Studium um Praktika in den Provinzblättern.

    In den USA kommen noch die horrenden Studiengebühren und die entsprechende private Verschuldung hinzu. Dort ist die sog. "college debt crisis" wirklich ein zentrales Thema sowohl für die Proteste als auch für die Schuldnerberatungsstellen und mittlerweile sogar für die Politiker und Banken (weil unklar ist, wieviele Absolventen überhaupt in der Lage sein werden, ihre Darlehen jemals abzuarbeiten).

    Aber richtig ist sicher, dass diejenigen, die sich mangels Berufsperspektive/Bonität gar nicht erst verschulden können, für politische Initiativen kaum erreichbar sind. In den USA soll es auch jetzt noch 40 % geben, die von der Occupy-Wall-Street-Bewegung noch nicht mal gehört haben, Stichwort Unterschichtsfernsehen.

  5. #14
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: Stell Dir vor es ist OCCUPY und keiner geht hin

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    In den USA kommen noch die horrenden Studiengebühren und die entsprechende private Verschuldung hinzu.
    Wie war das noch - wer sich das Studium leisten kann hat es nicht nötig zu studieren...

    Lutz

  6. #15
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Stell Dir vor es ist OCCUPY und keiner geht hin

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Wobei die Gleichsetzung von Akademiker und privilegiert heute so ja nicht mehr mehr stimmt. 1968 konnte quasi jeder Student oder sogar Studienabbrecher davon ausgehen, 'zur Not'(!) immer noch als, naja Zeitungsredakteur oder Verlagslektor unterzukommen. Heute prügeln sich 1er-Absolventen nach dem Studium um Praktika in den Provinzblättern.
    Akademiker sind nicht priviligiert? Andere würden sich über 2,5% (Akademiker-)Arbeitslosenquote freuen Aber darum gings ja eigentlich nicht. Es ging darum, dass die, die jetzt in deutschen Großstädten unter dem Label "Occupy" demonstrieren, es sich selbst im Grunde leisten können. Das heißt nicht, dass sie reich sind. Aber es sind doch mehrheitlich junge Menschen, die zu einem Großteil aus Verhältnissen kommen die nicht unter die Armutsgrenze fallen. Das merkt man ihnen ja auch sehr deutlich an. Es sind ja sehr friedliche, aber eben auch regelrechte Spaß-Demos. Das ist nicht das Werk von verarmten Kapitalismus-Verlierern und Bedürftigen. Es ist das Werk von mehr oder weniger pfiffigen jungen Leuten, die studieren, Abi machen und ihr zu Hause teilweise noch bei den Eltern oder in anderweitig relativ gesicherten sponsored by Mama/Papa/Bafög/Studi-Job-Verhältnissen haben. Und das ist NICHT schlimm! Aber es ist eben kein Bevölkerungsquerschnitt und auf die ganz "normalen" Passanten wirkt es einfach nicht ansteckend.

    Aber richtig ist sicher, dass diejenigen, die sich mangels Berufsperspektive/Bonität gar nicht erst verschulden können, für politische Initiativen kaum erreichbar sind. In den USA soll es auch jetzt noch 40 % geben, die von der Occupy-Wall-Street-Bewegung noch nicht mal gehört haben, Stichwort Unterschichtsfernsehen.
    Sie müssten als vom Amt gegängelte ALG2-Bezieher aber eigentlich dennoch ihrem Ärger darüber Luft machen wollen, dass sie klein gehalten und entmündigt werden, Ackermann aber auf Staatskosten im Kanzleramt 'ne Geburtstagsparty geschmissen wird. Sind die ganzen Klischees über bei Hansa Pils, Bierchen und HartzTV ruhiggestellten Hartzies am Ende wahr?

    Aber nehmen wir eine andere Schicht: Wo sind die sonst auch oft von Abstiegsangst geplagten Mittelschichtsvertreter, die sonst auch schnell auf die Straße zu bekommen sind, wenns um die Zukunft ihrer Kinder geht? Die shoppen wie verrückt um die Demo drumherum. Lt. Umfragen und Konsumforschern, weil die Bürger Euro-Abwertung und Inflation fürchten. Das fürchten sie auch zu Recht, wenn immer mehr Staatschefs fordern die Gelddruckmaschinen anzuwerfen. Geht die größte Demo also z. Zt. an der Occupy-Bewegung vorbei in die Shopping Malls, Technikmärkte, Boutiquen und Kaufhäuser? Ich weiß nicht.... als ich die wirklich üüüüüüüüüüüberquellende und tütenbepackte Innenstadt heute gesehen habe, kam mir, angesichts der beunruhigenden Wünsche von Sarkozy, Monti und Cameron an die EZB, schon eine Assoziation zur bis zum Untergang spielenden Kapelle auf der Titanic.

    Ich war bisher nie der große Sparer. Also mach ich mir auch keine Sorgen, soll das Brot doch wieder 'ne Million kosten..... Aber wo sind die mit den ganzen Bausparverträgen, deren sauer erspartes in kurzer Zeit zu einem besseren Taschengeld verkommen kann?

    Ich glaube ich nehme demnächst erstmal 'nen fetten Kredit auf. Kommt die Inflation, zahlt man den in Null Komma nix ab.... vielleicht irgendwann auch mit einem halben Brot

  7. #16
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: Stell Dir vor es ist OCCUPY und keiner geht hin

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Sie müssten als vom Amt gegängelte ALG2-Bezieher aber eigentlich dennoch ihrem Ärger darüber Luft machen wollen, dass sie klein gehalten und entmündigt werden, Ackermann aber auf Staatskosten im Kanzleramt 'ne Geburtstagsparty geschmissen wird. Sind die ganzen Klischees über bei Hansa Pils, Bierchen und HartzTV ruhiggestellten Hartzies am Ende wahr?
    Ich fürchte: ja, in den meisten Fällen jedenfalls.

    Bei mir um die Ecke gibt es so einen kleinen Imbiß, wo man auch als Rechtzeitig-einkaufen-Vergesser noch eine Pizza bekommen kann, der aber auch zugleich ein Alki-Treffpunkt ist. Wenn ich mir da eine Pizza hole, sind eigentlich immer dieselben stark alkoholisierten (aber gerade noch arbeitsplatzbesitzenden) Männer mittleren Alters dort anzutreffen. Die sind immer sehr redselig und manchmal geht's eben auch um Politik:

    - Geschimpft wird durchaus, aber im Bildzeitungsstil auf "die Politiker" sowie auf "Behördenirrsinn", nicht auf die Wirtschaftsbosse, die sind irgendwie außerhalb des Blickfelds. Und den Politikern und Beamten wird Inkompetenz und Tatenlosigkeit vorgeworfen; dass die Verarmung und Rechtlosigkeit bestimmter Bevölkerungsschichten einkalkuliert und gewollt ist, kommt ihnen überhaupt nicht in den Sinn.

    - Und obgleich selber grob offensichtlich armuts- und absturzgefährdet haben die dann Ideen wie z. B. die Langzeitarbeitslosen aus der AOK zu schmeißen, damit die Beiträge runtergehen.

    - Überhaupt sehen die sich selber gar nicht als Underdogs! Und sie schimpfen gerne aufs Ausland. Auf völlig verrückte Weise trägt das sogar zur Integration bei: Ein türkischstämmiger Alkoholiker und Stammgast im Imbiß beklagte mal unter Zustimmung der anderen Gäste: "Die Politiker, die geben unsere ganzen Steuergelder nach Griechenland" ...

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