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Studiengebühren

Erstellt von Kinderfresser, 27.01.2005, 16:41 Uhr · 19 Antworten · 1.120 Aufrufe

  1. #1
    Kinderfresser
    Benutzerbild von Kinderfresser
    Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat gestern das Verbot allgemeiner Studiengebühren gekippt. In Zukunft dürfen die einzelnen Bundesländer selbst entscheiden, ob und wieviel Studiengebühren sie erheben wollen.

    Spiegel-Artikel: http://www.spiegel.de/unispiegel/gel...338599,00.html

    Der eine oder auch andere hier hat ja sicherlich studiert. Deswegen würde mich mal Eure Meinung dazu interessieren.

  2.  
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  3. #2
    Kinderfresser
    Benutzerbild von Kinderfresser
    Ich habe studiert. Und das noch ohne Gebühren. Trotzdem bin ich der Meinung, daß Studenten unter bestimmten Voraussetzungen ruhig Gebühren bezahlen sollen.

    1. Sollten die Gebühren den Unis (zumindest teilweise) direkt zufliessen und die staatliche Förderung gleichzeitig gleich bleiben. Dann ist nämlich tatsächlich eine Verbesserung der Lehre möglich.

    2. Es müßten umfangreiche Stipendien/zinsgünstige Darlehen eingeführt werden, um die Chancengleichheit weiterhin aufrechterhalten zu können.

    3. Die Höhe der Studiengebühren müßten abhängig vom Studiengang sein. Es ist für mich nicht einzusehen, warum ein Jura- oder Medizin-Student, der in Zukunft ein recht hohes Gehalt haben wird, nicht mehr zahlen soll als bspw. ein Pädagogikstudent, der Grundschullehrer wird.


    Ganz davon abgesehen, geht mir das Geschrei der Studi-Vertreter jetzt schon auf die Nerven. Es steht gerade mal fest, daß Studiengebühren erlaubt sind und schon wird überall so getan als wären sie überall schon fast eingeführt.
    Bspw. meine Alma Mater in Marburg. Der AStA rebelliert gegen Studiengebühren, obwohl Hessen gar keine (allgemeinen Studiengebühren) einführen will. Momentan planen gerade einmal 4-5 Bundesländer die Einführung. Letztlich werden Studiengebühren deshalb zu einem zusätzlichem Auswahlkriterium. Will ich lieber umsonst studieren, dafür aber möglicherweise in übervollen Hörsälen oder lieber den leeren Hörsaal und dafür zahlen?


    Andererseits fürchte ich fast, daß ein paar Bundesländer einen schlechtdurchdachten Schnellschuß planen (bspw. Bayern, die schon zum WS 2005/06 starten wollen).

  4. #3
    Benutzerbild von röschmich

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    1.764
    Ich habe auch umsonst studiert.
    völlig umsonst

  5. #4
    Benutzerbild von musicola

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    Dem vom Kinderfresser genannten Punkt, anhand der später zu erwartenden Gehälter entsprechende Studiengebühren zu berechnen, kann ich mich nur anschließen.


    Desweiteren:

    Es gibt doch sicherlich Statistiken, die belegen, wieviele Semester durchschnittlich vergehen, bis man es zum Rechtsanwalt, Lehrer, oder Mediziner gebracht hat.
    Und wer über diesem jeweiligen Durchschnitt hinaus länger studiert, muss eben zahlen. Es gibt nämlich immer solche Leute die studieren und studieren und studieren und studieren...

    Andererseits sollen angeblich auch Studenten an den Universitäten rumhängen, die nur deshalb studieren, um nicht zugeben zu müssen, dass sie ihren Traumjob längst gefunden haben:




  6. #5
    Kinderfresser
    Benutzerbild von Kinderfresser
    @ musicola: Studiengebühren für Langzeitstudenten gibt's ja schon länger. Neu ist jetzt, daß Studiengebühren ab dem 1. Semester erhoben werden dürfen!

  7. #6
    Benutzerbild von musicola

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    Kinderfresser postete
    @ musicola: Studiengebühren für Langzeitstudenten gibt's ja schon länger.
    Ooops...

    war mir entgangen!

  8. #7
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    Studiengebühren, was soll man dazu noch großartig sagen?
    Bildung als Menschenrecht; ein kostenloses öffentliches Bildungswesen als zivilisatorische Errungenschaft - freilich kann man im anbrechenden Zeitalter des Marktradikalismus nicht hoffen, mit solchen Argumenten auf große Resonanz zu stoßen.

    Aber zumindest ist mit den derzeitigen Vorstößen zur Einführung von Studiengebühren vom 1. Semester an für jedermann klar erkennbar, daß es eben nicht primär um die im populistischen Rampenlicht stehende Gruppe der "Langzeitstudenten" ging - durch deren Abkassieren bzw. Zwangs-Exmatrikulation alleine würde ja nicht wirklich Geld in die Kasse kommen! -, sondern logischer Weise um die breite Masse der ganz "normalen" Studenten. Aber um die Öffentlichkeit schrittweise an die Einführung von Studiengebühren zu gewöhnen, brauchte man halt erstmal einen "Türöffner".

    Apropo "Türöffner": Natürlich werden die Studiengebühren am Anfang nicht so hoch sein, natürlich gibt es auch Landesregierungen, die es für geschickter halten, mit der Einführung von Studiengebühren zu warten, bis die aktuelle Diskussion abgeebbt ist, aber machen wir uns nicht vor: In spätestens 3 oder 4 Jahren wird es in Deutschland flächendeckend saftige Studiengebühren geben.

  9. #8
    Engel_07
    Benutzerbild von Engel_07
    Kinderfresser postete

    Ganz davon abgesehen, geht mir das Geschrei der Studi-Vertreter jetzt schon auf die Nerven.
    Ich habe mich während meines Studiums an den Studenten-Streiks meist deshalb nicht beteiligt, weil es eigentlich nur um den Streik, aber nicht um den Inhalt/das eigentliche Thema ging! Weiß also genau, wie du das erwähnte Geschrei meinst!

    Habe Option Nummer drei angeklickt!

  10. #9
    Benutzerbild von F.G.T.H.

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    Studiengebühren nach dem zukünftigen Gehalt zu bemessen, ist völliger Blödsinn.
    Warum?
    Es verdient nicht jeder Mediziener oder Jurist viel Geld, wenn dem so wäre müssten Schauspielstudenten richtig viel zahlen, denn sie könnte ja nach Hollywood gehen und die Gagen der Stars sind ja bekannt.
    Wenn man, unterschiedliche Gebühren erheben will, dann bitte Fachspezifisch, die dem praktischen Ausbildungsanteil zu Gute kommt. Theoretiker gibts genug!

  11. #10
    Benutzerbild von PostMortem

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    1.997
    Ich bin für exzellente Bildungseinrichtungen und Chancengleichheit.

    Wir haben heute keine Studiengebühren und auf Basis angesehener und offizieller internationaler Studien ist es verbrieft, dass es kaum ein anderes Land in der Welt gibt, in der die Bildungschancen derart vom sozialen Status abhängen.

    Mit der Formulierung dieser beiden Feststellungen möchte ich keineswegs einen kausalen Zusammenhang herstellen. Allerdings: Das kostenlose Studium ist offenbar keineswegs ein Garant der Chancengleichheit, die durch die Einführung von Studiengebühren nach Überzeugung ihrer Kritiker angeblich wegfällt. Sie ist längst eine Illusion, so wie Warnungen vor einer 2-Klassen-Medizin in Deutschland nur noch müdes Gelächter verursachen, da jeder aus eigener Erfahrung weiss, dass wir sie in der Praxis (oft im doppelten Sinne) längst haben.

    Wenn es über Studiengebühren möglich ist die Ausstattung der Bildungseinrichtungen zu steigern und das Studium durch kleinere Lerngruppen persönlicher, intensiver und damit hochwertiger zu gestalten (nicht überall auf der Welt und auch hierzulande nicht in jedem Fach flötet ein Prof. hunderten Studenten ungebremst einen langatmigen Monolog vor), bin ich durchaus für die Einführung von Studiengebühren - Bedingung: Sie müssen 100% zweckgebunden verwendet werden und dürfen nicht in bürokratischen Apparaten versickern.
    GLEICHZEITIG müssen Politik/Staat&Länder diese Eigenleistung der Studenten anerkennen und ihrerseits mehr Geld für Bildung zur Verfügung stellen.

    Hiermit meine ich vor allem auch ein Ende der Undurchlässigkeit unserer Bildungssysteme und eine Umstellung auf das lebenslange Lernen. Wenn z. B. ein Bank- oder Industriekaufmann Mitte 30 nach 10 Berufsjahren im Einkauf, im Verkauf oder wo auch immer er dem Berufsbild entsprechend eingesetzt war, nochmal ein wenig die Schulbank drücken möchte, stehen ihm in vielen Bundesländern aufgrund des fehlenden Abiturs als weiterführende Bildungsziele in Unternehmen lediglich wenig anerkannte Abschlüsse bei IHK, VWA und ähnlichen Einrichtungen zur Verfügung. Hier muss man der seit langem bestehenden Chancenungleichheit Rechnung tragen, den Fehler korrigieren und es bundesweit ermöglichen über Anerkennung von Berufspraxis, Hochschulzugangsprüfungen etc. einen schnellen Einstieg auf dem Weg zum höheren akademischen Bildungsabschluss zu ermöglichen. Überhaupt sollten die hierzu bestehenden Möglichkeiten viel stärker bekannt gemacht werden. Viele Landeshochschulgesetze ermöglichen ein (meistens sogar berufsbegleitendes) Studium für langjährige qualifizierte Praktiker ohne Abitur.
    Aber wer weiss das denn? Im Bewusstsein der Menschen steckt fest: Grundschule => Gymnasium => Abitur => Studium. Anders gehts (vermeintlich) nicht. Dabei ist dies ein hervorragender Weg um die lange Zeit vorhandene Chancenungleichheit nachträglich zu korrigieren, Spätzündern eine Chance zur Karriere zu geben und ihr Potenzial nicht weiter versauern zu lassen. Wers im Job immerhin zu bescheidenem Wohlstand gebracht hat, kann sich so seine Bildungschance nachträglich immerhin noch selbst finanzieren.

    Generell bin ich nicht davon überzeugt, dass nur kostenlose Bildung gute und richtige Bildung ist. Ich kann auch den Argumenten "Wenn ich jeden Tag 5 Stunden arbeiten muss um Unterhalt und Studiengebühren zu finanzieren, kann ich weniger lernen" nicht vollkommen zustimmen. Meine Beobachtungen am lebenden Studi-Objekt zeigen mir nicht, dass Studenten 5 Stunden am Tag arbeiten und 19 Stunden lang brav lernen und schlafen. Wer den zweiten Bildungsweg einschlägt muss oftmals 40-50 Stunden die Woche arbeiten, hat evtl. Kinder und wenigstens Verantwortung für ein komplett eingerichtetes Leben mit all seinen Kosten und Verpflichtungen UND muss für sein Bildungsziel monatlich oftmals Beträge zahlen, die die derzeit diskutierten Studiengebühren für ein ganzes Semester locker übersteigen.

    Heisst: Es sollte möglich sein Studiengebühren aufzubringen ohne gleich zu sterben. Das das Studium bisher kostenlos war und es für einige unbequem wird diese Euros zusätzlich zu erwirtschaften oder von Mama, Papa, Oma, Opa zu schnorren, ist kein wirkliches Argument. Die Zukunft im sich de-industrialisierenden Europa liegt in qualifizierten Jobs, die nur durch qualifizierte Bildung und Bildungsabschlüsse eingenommen werden können. Deshalb ist ein Studium m. E. kein Recht das kostenlos sein muss. Es ist durchaus eine Investition in die eigene Zukunft.

    Gleichzeitig sollten Hochschulen, Stiftungen und Vereine darin bestärkt werden Stipendien für begabte Studenten zu stiften, die aufgrund ihrer sozialen Verhältnisse u. U. ansonsten kein Studium aufnehmen könnten. Hierfür sollte ggf. auch ein Teil der Studiengebühren oder eine entsprechende Aufstockung des Bildungsetats der Länder und/oder des Bundes eingesetzt werden. Gleichzeitig muss es klar definierte Härtefallregelungen geben. Wer glaubhaft machen und belegen kann, dass er exakt durch den Betrag den die Studiengebühren ausmachen, sein Studium nicht finanzieren kann, der sollte diese je nach Fall zinslos vorgestreckt oder im absoluten Härtefall auch erlassen bekommen.

    Unter diesen Vorzeichen bin ich für Studiengebühren. Zum Zwecke der reinen Abzocke und zum Stopfen von Haushaltslöchern bin ich dagegen.

    Bei allem Tamtam ums Studium, Hochschulreform und Studiengebühren hoffe ich allerdings, dass hierzulande auch die Berufsausbildung baldmöglichst einmal entmistet und aufgewertet wird. So wie ein Maschineneinsteller oder Packer eigentlich keine zwei bis drei Jahre lernen müsste, um seinen weniger komplexen Job zu erledigen (hier sollte man zu kürzeren Ausbildungszeiten und verschlankten Lehrplänen kommen), brauchen anständig ausgebildete Fachinformatiker (leider momentan noch sehr berufsschul- und ausbildungsbetriebsabhängig) sich eigentlich überhaupt nicht unterm letzten akademischen Schrei, dem "Bachelor" einordnen zu lassen. In der allgemeinen Wahrnehmung geschieht dies allerdings. Wer studiert hat ist hochqualifiziert, wer lediglich eine schnöde Berufsausbildung genossen hat wird nicht ganz so selten beim Bewerbervergleich abqualifiziert. Dabei ist dieser duale Ausbildungsweg zur Verhinderung des Fachidiotentums absolut geeignet, genauso wie das Studium an der Berufsakademie.

    PM

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