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Studiengebühren

Erstellt von Kinderfresser, 27.01.2005, 16:41 Uhr · 19 Antworten · 1.121 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Ich als potenziell Betroffener lehne allgemeine Studiengebühren kategorisch ab.

    Dass eine soziale Schieflage besteht, wenn nicht-Studierende mit relativ niedrigem Gehalt künftigen Akademikern mit relativ hohem Gehalt ihr Studium finanzieren helfen, streite ich gar nicht ab. Ich halte nur Studiengebühren, wie sie nun geplant sind, für das völlig falsche Mittel, um den Ausgleich herzustellen, weil Leute aus ärmeren Familien, welche sich für ein Studium interessieren (und davon gibt's heute schon viel zu wenige), dadurch eher abgeschreckt werden, eines aufzunehmen. Da braucht mir auch keiner mit dem Argument zu kommen, dass diese zinsgünstige Darlehen in Anspruch nehmen könnten: Die Aussicht, nach dem Studium erst einmal auf einem Schuldenberg zu sitzen, ist wenig erquickend. Und dabei geht es um Beträge, mit denen man sich locker einen Mitteklassewagen leisten könnte: Einige Experten rechnen bereits mit 2500 Euro pro Semester - macht nach neun Semestern (in meinem Studiengang ist das die Regelstudienzeit) schon stolze 22500 Euro, die man abstottern muss. Noch ohne Zinsen. Mal ganz abgesehen davon, dass generell die Gefahr besteht, nach einer bestimmten Anzahl von Semestern - aus welchen Gründen auch immer - das
    Studium abbrechen zu müssen: Dann hat man zwar keinen Abschluss, aber trotzdem Schulden.

    Ein sinnvollerer Weg, einen sozialen Ausgleich herzustellen, scheint mir eine erhöhte Einkommenssteuer für Akademiker zu sein. Auf diese Weise müssten Leute mit abgeschlossenem Hochschulstudium trotzdem zahlen, aber ohne auf einem Schuldenberg zu sitzen.

    Das derzeitige Modell der Studienkonten in NRW finde ich hingegen sehr vernünftig. In der Praxis bewirkt es, dass das Erststudium bis zur anderthalbfachen Regelstudienzeit kostenfrei bleibt, danach wird pro Semester ein Beitrag von, wenn ich mich nicht irre, 500 Euro fällig. Die Einführung dieses Systems vor einem knappen Jahr hat die Studierendenzahl im Fachbereich Statistik schlagartig um mehr als ein Viertel verringert. Dieses Beispiel macht deutlich, dass in einer völlig gebührenfreien Hochschule (vom relativ geringen Sozialbeitrag, der direkt an die Uni fließt, mal abgesehen) jede Menge Scheinstudenten von den Vorzügen des Studentenlebens profitieren, beispielsweise vom Semesterticket, ohne jemals einen Hörsaal zu betreten. Gebühren für Langzeitstudenten unterstütze ich daher voll und ganz und habe mich dementsprechend beim dritten Punkt eingetragen.

  2.  
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  3. #12
    Kinderfresser
    Benutzerbild von Kinderfresser
    ihkawimsns postete
    Dass eine soziale Schieflage besteht, wenn nicht-Studierende mit relativ niedrigem Gehalt künftigen Akademikern mit relativ hohem Gehalt ihr Studium finanzieren helfen,

    (...)

    Ein sinnvollerer Weg, einen sozialen Ausgleich herzustellen, scheint mir eine erhöhte Einkommenssteuer für Akademiker zu sein. Auf diese Weise müssten Leute mit abgeschlossenem Hochschulstudium trotzdem zahlen, aber ohne auf einem Schuldenberg zu sitzen.
    Unter der Prämisse, daß ein Akademiker mehr verdient als ein Nicht-Akademiker zahlt der Akademiker ja auch wesentlich mehr Einkommensteuer. Schließlich haben wir immer noch einen progressievn ESt-Tarif, d.h. wenn Du das Einkommen verdoppelst, wird die Einkommensteuer mehr als verdoppelt.

    Oder meintest Du den zweiten zitierten Absatz dahingehend, daß ein Akademiker mehr Einkommensteuer zahlen soll als ein Nicht-Akademiker mit demgleichem Einkommen? Denn das wäre überhaupt nicht zu vermitteln.

  4. #13
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Ja, ich meinte das schon so, dass die Einkommenssteuer für Akademiker im Vergleich zu Nicht-Akademikern verschärft wird. Einfach, um rückwirkend das Studium zu bezahlen. Wenn einer hinterher seine aus den Studiengebühren resultierenden Schulden abzahlen muss, kommt das für ihn einer Steuererhöhung gleich - nur mit dem Unterschied, dass keine Schulden vorliegen. Der Grad der Verschärfung würde natürlich eher moderat ausfallen, da man ja in diesem Modell bis zur Rente bezahlt und nicht nur, was weiß ich, sieben Jahre.

  5. #14
    Benutzerbild von röschmich

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    Verdient man wirklich als Studierter so viel mehr?
    4 Jahre im Leben sind weg, ohne dass man etwas verdient hat.
    Ein Hilfsarbeiter hat da in dieser zeit mehr für die Rente getan.

  6. #15
    Benutzerbild von frasier

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    @ ihka:

    Mir wäre ein zinsloser Kredit lieber als lebenslang mit ner höheren Steuer belastet zu sein. Erstens hat man mit nem zinslosen Kredit genug Zeit für die Rückzahlung und ausserdem muss es ja sowas wie eine Steuergerechtigkeit geben. Ich versichere dir, dass die ersten Absolventen sofort Verfassungsklage einreichen und diese auch gewinnen würden.

    Außerdem wer trägt denn die Kosten des Studiums, wenn der frisch gebackene Absolvent einen Job im Ausland annimmt.

  7. #16
    Benutzerbild von PostMortem

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    @ röschmich & ihkawimsns

    Durchschnittlich verdienen Akademiker sicherlich mehr als Nicht-Akademiker und sind auch wesentlich seltener von Arbeitslosigkeit betroffen. Allerdings wird bei diesem groben Vergleich auch sehr viel in einen Topf geworden..... Friseurin mit Vorstandsvorsitzendem, Gärtner mit Anwältin, Ungelernter Hilfsarbeiter mit Controller.

    Ich selbst bin Nicht-Akademiker und verdiene wesentlich mehr als einige im gleichen Umfeld tätige Akademiker mit Diplom (in der gleichen Firma!). Im kaufmännischen und dem IT-Umfeld sind die Unterschiede oftmals nicht so groß.

    Das lässt sich so also nicht ohne weiteres verallgemeinern. Allerdings: Wer nicht gerade Fächer der brotlosen Kunst studiert hat, wird z. B. nach BWL oder Informatikstudium eher zu den Gut- und Besserverdienern gehören als andere. Hierfür wird ja im Grunde letztendlich auch studiert, ums mal "besser" zu haben. Und irgendwo ist an dem wofür ja auch ihkawimsns Verständnis aufbringt schon was dran: Warum gilt es heute als selbstverständlich, dass ausgerechnet der "kleine Mann" nach Haupt- oder Realschule von jungen Jahren an feste ackern und mit seinen Steuergeldern den späteren Besserverdienst jener finanzieren soll, die ihn später rumkommandieren und ärgern? ;-)

    Von daher finde ich ihkawimsns Vorschlag einerseits nachvollziehbar. Andererseits ist er für mich ein Ausdruck der hierzulande m. E. besonders ausgeprägten "Vollkaskomenthalität". Vonwegen: Zahlen fürs Studium ja, aber erst später wenn man es sich hoffentlich leisten kann und nur wenn man später auch einen Job hat.

    Also meine Freundin hat ihr Bafög auch 10 Jahre lang zurückgezahlt...... 3 Jahre dieser "Bafög-Rückzahlzeit" hat sie übrigens nochmal eine 3jährige Ausbildung gemacht und musste mit 1000DM im Monat hinkommen. Wenn die Rückzahlung zinslos und entsprechend lange gestreckt ist, muss man sich von der Angst vor einem größeren offenen Kredit frei machen. Beim Hauskauf schrecken den Akademiker plötzlich selbst Rückzahlbeträge von 300.000 Euro und mehr nicht mehr. Das ist dann plötzlich eine Investition in die Zukunft und das Leben... So sollte man das Studium auch sehen.

    Ich verspreche mir von Studiengebühren auch noch einen anderen Effekt: Bewusstere Entscheidungen für einen Studiengang. Wieviele Studenten latschen heute in Unis und FHs und studieren ein Fach obwohl sie damit entweder den persönlichen Neigungen nach gar nichts anfangen können (wenn Mama und Papa mal gesagt haben "studier mal anständig BWL!") oder etwas studieren, weil ihnen nichts besseres eingefallen ist und sie nicht so recht wissen was sie mal endgültig machen wollen (leider ausgerechnet sehr oft Studiengänge im pädagogischen und sozialen Bereich, die so auch längst in Verruf geraten sind und ihr Image weghaben). Wenns was kostet, macht man sich da u. U. hoffentlich mehr Gedanken drum und verstopft nicht bestimmte Fächer....

    PM

  8. #17
    Benutzerbild von waschbaer

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    Bei vielen Postings kann ich zustimmen.

    @Engel07

    Diese Einstellung hatte ich auch. An der Uni Augsburg waren zweimal Protestaktionen gegen die derzeitige Hochschulpolitik, aber die meisten meinten dann, dass man jetzt endlich einmal mehr Zeit hätte zum Kaffee trinken und so. Das kann ja wohl nicht Sinn und zweck eines Streiks sein.

    @PM

    Ich hoffe auch, dass durch die Einführung von Gebühren eine bewusstere Entscheidung getroffen wird, welches Fach man wirklich studieren möchte. Ich habe selber in meinem Bekanntenkreis einen "Langzeitstudenten", der andauernd das Studienfach wechselt, weil er sich einfach noch nicht "sicher" ist, was er studieren möchte. Er ist jetzt 33 und studiert seit er 20 ist. Immer noch ohne jemals irgendeinen Abschluss gemacht zu haben. Das kann es ja wohl auch nicht sein. Dafür hat er schon eine viermonatige Weltreise hinter sich. Solche "Weltreisestudenten" kenne ich auch viele. Viele Studenten aus meinem Bekanntenkreis machen derzeit Reisen, die ich mir definitiv nicht leisten kann. Da frage ich mich immer, wo manche das Geld her haben (nur sponsoring by Daddy?)

    Ansonsten sehe ich noch folgendes Problem. Wenn die Studenten zukünftig für ihre Studienfächer zahlen (egal, welchen Betrag) sind sie quasi als Kunden zu sehen und die Damen und Herren des Lehrkörpers sind sozusagen die Dinestleister. Wenn mir dann die Qualität des Produkts (= in diesem Fall der Lehre) nicht zusagt, kann ich dann Regressansprüche stellen. Oder was ist mit einem Professor, der beispielsweise völlig unvorbereitet in seine Vorlesungen / Seminare kommt? Oder wie sieht es aus, wenn ich als Student bezahle und bei einer Veranstaltung nur auf der Warteliste stehe, weil sie "überfüllt" ist. Aber ich habe doch dafür gezahlt. In Augsburg wurden Anfang der 90er Jahre einfach Vorlesungen in die "Schwabenhalle" (eine Konzerthalle neben der Uni) per Video übertragen, weil die Hörsäale einfach überfüllt waren.

    Wenn ich auch die Einstellung einiger Schüler sehe, die meinen, dass sie jetzt erst einmal "ein paar Semester dies oder das studieren und dann schauen wir mal was mir gefällt. Hauptsache nicht sofort arbeiten wie´n Tier" dann glaube ich schon, dass man mit den Gebühren dieser Einstellung entgegenwirken kann.

  9. #18
    Benutzerbild von Feenwelt

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    Zunächst mal finde ich diese Prämisse unerträglich, daß Studierte später mehr verdienen. Das mag vielleicht, wie Dave richtig erwähnt hat, derzeit auf BWL'er oder Informatiker zutreffen. Aber sogar die eingangs genannten Juristen sitzen heute mehr und mehr auf der Straße. Zudem kann man inzwischen Jura sogar auf Magister studieren und ich kenne ne Menge Leute, die Jura nur machen, weil sie sonst nichts mit ihrem Leben anzufangen wissen.
    Aber zum Thema: Die Umfrage halte ich für verfehlt. Wenn ich eine Antwort habe nach dem Motto: "unter bestimmten Umständen...", dann fallen mir immer Umstände ein, unter denen ich etwas gut und richtig finde.
    Z.B.:
    WENN G. Bush eine friedlichere Einstellung hätte, DANN wäre ich sogar dafür, daß er Weltherrscher wird.
    WENN Dieter Bohlen gute Musik produzieren würde, DANN würde ich mir den ganzen Tag Castingshows anschauen.
    WENN Studiengebühren wirklich nur planlose Langzeitstudis abschrecken würden, DANN wäre ich auch dafür.

    Tun sie aber nicht.
    Sehen wir doch mal den Tatsachen ins Auge: Studiengebühren werden beim derzeitigen Stand der Dinge die soziale Schere in Deutschland nur noch weiter aufreißen. Also sind sie scheiße.
    Angekreuzt habe ich nichts.

  10. #19
    Benutzerbild von waschbaer

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    Wie machen das eigentlich die Skandinavier? Ich weiß, dass es in Schweden usus ist, dass die Studenten sogar noch etwas bekommen (quasi wie ein Auszubildender).

    Schwierig, schwierig.

    Nehmen wir einmal an, dass ich heute nochmals vor der Entscheidung stehen würde, dass ich studieren möchte und die Gebühr 2500 Euro pro Semester beträgt. Dann weiß ich nicht, ob ich das Studium auf mich nehmen würde oder lieber eine Lehre machen würde, bei der ich während der Lehrjahre (auch wenn es nicht sonderlich viel ist) dann doch zumindest eine gewisse Vergütung erhalte.

    2500 Euro pro Semester hätte sich mein Dad mit Sicherheit nicht so einfach aus den Rippen schnitzen können. Also hätte ich irgendwoher etwas Geld bekommen müssen. Zinsloses Darlehen oder nebenbei jobben.

    Ich habe mein Studium in 10 Semstern in der Regelstudienzeit durchgezogen (war allerdings dabei noch zwei Semster wegen Auslandsaufenthalt beurlaubt). Somit habe ich an Vorlesungen und Seminaren acht Semester gebraucht.

  11. #20
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Hier in NRW nimmt das Thema allmählich konkrete Umrisse an. Diskutiert wird zur Zeit die Einführung zum Sommersemester 2006, zur Zeit geht es noch um die Feinheiten. Die CDU will BaföG-Empfänger pauschal von der Zahlung ausnehmen, die FDP ist dagegen. Das Vorhaben der CDU wäre natürlich die Vollendung der Ungerechtigkeit, insofern ist die Haltung der FDP durchaus verständlich, andernfalls wäre es für mich vielleicht doch mal ein Grund, mich ernsthaft mit dem Thema BaföG zu beschäftigen.

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