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Tag der deutschen Einheit soll wegfallen...

Erstellt von 666meng666, 03.11.2004, 20:49 Uhr · 85 Antworten · 4.375 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von 80sgirl

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    Ich stimme Pallas hier zu. Ich habe Verwandte in der ehemaligen DDR und kenne "das Land" (zumindest vom Besuch her noch als DDR). Oft genug haben sie mir und meiner Familie bei Besuchen in Ost-Berlin (wir konnten sie ja nicht in Leipzig besuchen) vorgeschwärmt, wie schön es wäre, wenn beide deutschen Staaten sich auf ein "Gemeinsam" einigen könnten.

    Egal wie man dazu steht und ob man vielleicht der Meinung ist, dass die Einheit viel zu überstürzt kam oder vielleicht bis auf den heutigen Tag unausgereift ist, meines Erachtens wäre es der völlig falsche Tag zum Abschaffen. Jedes andere Land hat einen Nationalfeiertag, nur unserer soll dann wieder ein "gewöhnlicher Werktag" werden. Das, wenn man mal einem Amerikaner erzählt, der lacht sich tot. Selbiges dürfte wohl auch für unseren Nachbarn Frankreich gelten.

    Da würde ich beispielsweise den Tag mit der lächerlichen Bezeichnung "Tag der Arbeit - 1. Mai" wesentlich besser als Tag zum "opfern" finden. Oder von mir aus noch Christi Himmelfahrt (gemeinhin als Vatertag bekannt, da saufen die meisten Männer sich eh einen in den Tee und am darauffolgenden Freitag ist man entweder "krank" oder feiert Überstunden ab).

    Und noch etwas: Die Logik - fixe Feiertage abschaffen, dann klappts auch wieder mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ist eine absolute Milchmädchenrechnung. Dieses Jahr lagen sowohl der 1. Mai (war ein Samstag), Maria Himmelfahrt (15.08. ein Sonntag) und der Tag der Deutschen Einheit (03.10. ein Sonntag) an Wochenenden. Gut, in einigen Branchen wird auch am Samstag gearbeitet, in wenigen auch am Sonntag. Trotzdem müsste man dann - legt man die Politikerlogik eines Hans Eichel als Maßstab an - davon ausgehen, dass wir in diesem Jahr - sagen wir mal 2,5 Tage mehr gearbeitet haben als 2003. Das heißt, unsere Wirtschaft müsste ja quasi boomen. Tut sie aber nicht. Ergo - Blödsinn.

    Ich finde den Tag der Deutschen Einheit als Nationalfeiertag wichtig, weil genau an diesem Datum die Einheit de facto vollzogen wurde. Aber vielleicht kann das nur jemand nachvollziehen, der sowohl West-, als auch Ostseite kennt und das scheinen Politiker nicht zu können, aber einige im Forum hier auch nicht.

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von Babooshka

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    80sgirl postete
    Da würde ich beispielsweise den Tag mit der lächerlichen Bezeichnung "Tag der Arbeit - 1. Mai" wesentlich besser als Tag zum "opfern" finden. Oder von mir aus noch Christi Himmelfahrt (gemeinhin als Vatertag bekannt, da saufen die meisten Männer sich eh einen in den Tee und am darauffolgenden Freitag ist man entweder "krank" oder feiert Überstunden ab).
    Vollste Zustimmung! Genau wie zu Pallas' Posting.

  4. #13
    Benutzerbild von bubu

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    Am besten Hans Eichel gleich mit abschaffen...

  5. #14
    Benutzerbild von Pallas

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    @bubu:

    @80sgirl:
    Nein, nicht den 1. Mai!!
    Es ist der Feiertag der Werktätigen (mit einiger Tradition), und das soll bitte auch so bleiben!
    Christi Himmelfahrt wäre da eher verzichtbar.

  6. #15
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    frasier postete
    Der Trend (mehr Arbeitsstunden, weniger Feiertage, weniger Urlaub) ist unaufhaltsam und auch zwingend für Deutschland, um international wieder wettbewerbsfähig zu werden.
    Deutschland ist Exportweltmeister! Wieso soll es dann nötig sein, "international wieder wettbewerbsfähiger zu werden"? Das Problem der hiesigen Wirtschaft ist eher, dass die Binnennachfrage lahmt. Wie man die durch Streichung eines Feiertages wieder in Gang kriegen will, leuchtet mir nicht ein.

    Jedes Aufbäumen dagegen wäre sehr kurzsichtig, denn die Alternative wären Lohnkürzungen oder noch mehr Arbeitplatzverlagerungen ins Ausland.
    Durch Lohnverzicht kann man (eventuell!) tatsächlich Arbeitsplätze schaffen und vielleicht sogar mittelfristig Vollbeschäftigung erzeugen. Aber das wäre dann die Sorte Vollbeschäftigung, die keiner haben will: Das Szenario nämlich, dass man arbeiten geht und trotzdem unter die Armutsgrenze fällt.

  7. #16
    Benutzerbild von frasier

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    Zum Thema Exportweltmeister: Es ist inzwischen so, dass in vielen Branchen ein Großteil der Vorprodukte bereits im billigeren Ausland hergestellt werden. Das Endprodukt wird dann aber natürlich von Deutschland aus exportiert( in Autobranche längst gang und gäbe). Und damit ist der Titel Exportweltmeister Augenwischerei.

    Ausserdem muss es ja einen Grund geben, warum in D die Arbeitslosigkeit zu hoch ist. Und der besteht darin, dass es a) zu wenig Investitionen gibt und b) die deutschen Firmen aus Kostengründen Stellen ins Ausland verlagern.

    Das Problem ist, dass die Stundenlöhne zu hoch sind, und zwar nicht nur im Vergleich zu Osteuropa und Asien, sondern auch zu West-, Süd- und Nordeuropa. Natürlich kann Deutschland nicht mit Asien konkurrieren, aber zu die Lücke zu Westeuropa muss geschlossen werden. Das Beispiel Opel zeigt doch klar, dass In Frankreich oder Schweden die Stundenlöhne deutlich niedriger liegen als bei uns, woraus sich ein klarer Standortnachteil ergibt.

    Kein normal denkender Unternehmer wird in Deutschland eine Produktionsanlage bauen, wenn er in Schweden bei fast gleicher Produktivität ein Drittel weniger Lohn bezahlen muss. Von den Lohnnebenkosten ganz zu schweigen. Aber genau solche Auslandsinvestitionen braucht Deutschland, um die Arbeitslosigkeit in den Griff zu kriegen.

    Und da man die Kaufkraft soweit es geht erhalten muss, liegt die einzige Chance, die Stundenlöhne zu senken darin, länger zu arbeiten.

    Und wenn dass nicht passiert, gehen weitere Arbeitsplätze ins Ausland.

  8. #17
    Benutzerbild von waschbaer

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    Hier möchte ich auf einige vorhergehende Postings eingehen:

    @Raabi2000

    Ein Volk

    - das keinen Nationalstolz besitzen darf
    - das keine nationalen Werte haben darf
    - das auf ewig an seine Geschichte gefesselt zu sein scheint

    das braucht auch keinen Nationalfeiertag.
    Das finde ich auch schade, denn egal, wen man im Ausland frägt, die deutsche Geschichte wird meistens nur auf die 12 Jahre der NS-Diktatur reduziert. Und auch das ist Geschichtsverzerrung.


    @Dave Bowman

    Im übrigen sind die Feiertage auch die einzigen freien Tage, über die der Staat bestimmen kann. So lautstark wie manche Politiker sich für Mehrarbeit und Urlaubskürzung stark machen, so wenig Einfluss haben sie ja nunmal (ein Glück) darauf.
    Da wäre ich mir nicht so sicher. Zwar ist die Anzahl der Urlaubstage tariflvertraglich auch geregelt, aber sicherlich könnte auch hier von Staatsseite Druck ausgeübt werden. Oder es müsste halt einfach nur ein neuer Gesetzesentwurf durchgehen und schon hat man eine neue Regelung. Bei den Feiertagen hat der Staat auch nur die Möglichkeit auf die staatlichen Feiertage zurückzugreifen. Sofern ich richtig informiert bin, sind die bundesweit einheitlichen kirchlichen Feiertage auch in einem Konkordat mit dem Vatikan geregelt und dürfen nicht angetastet werden. Aber ich kann mich auch täuschen.[/quote]Ich hoffe, dass die Zeile sich jetzt abhebt. Ich habe dreimal bislang editiert und nie hat es funktioniert.

    @Engel07 und Torsten

    .... klassischer Fall von akutem Empörungsgenuss...
    Sehe ich jetzt nicht so negativ wie ihr beiden. Ich halte einen Nationalfeiertag generell schon für etwas wichtiges und diesen bereits 14 Jahre nach der Einführung generell abschaffen zu wollen, halte ich für ein schlechtes Zeichen.

    Sicherlich werden am 03.10. eines Jahres nicht alle Leute permanent an die Deutsche Einheit und die damit verbundenen Ereignisse der Jahre 1989/90 denken, aber ich zumindest denke eher dran zurück, wenn ich frei habe, als wenn ich jetzt in der Arbeit wäre und nur am Abend in einem 30-Sekunden Nachrichtenbulletin der Tagesschau darauf hingewiesen werde. Das Anliegen von Frau Stewens (und das sage ich nicht, weil ich aus Bayern komme), halte ich für durchaus berechtigt.

    @Trüffel

    Tja würden mehr Menshen in Deutschland Urlaub machen, dann ging es uns wohl auch viel besser....
    Dazu muss sich in Deutschland aber vieles ändern. Momentan hätten wir wirklich die Möglichkeit, uns als Tourismusland zu etablieren, weil wir im europaweiten Preisgefüge was Hotels, Übernachtungen und Gastronomie angeht, wirklich im unteren Bereich der EU (zumindest der EU vor der Erweiterung in diesem Jahr) anzusiedeln sind. Meine Bekannten aus England freuen sich immer, wenn sie in Deutschland sind, weil hier alles so supergünstig für sie sei. Selbst über die Spritpreise jammern sie nicht. Über was sie jammern sind solche Sachen wie Freundlichkeit gegenüber ausländischen Touristen, Informationsmöglichkeiten (in fast allen europäischen Ländern ist das örtliche Fremdenverkehrsamt einer Stadt besser beschildert als in Deutschland), mangelnde Beschriftungen von Sehenswürdigkeiten in englischer und französischer Sprache oder Beschilderungen.

    @Pallas

    Aber den Tag abzuschaffen, heißt für mich die Vergangenheit und das Gedenken an diese geschichtsträchrige Zeit, die wir alle miterleben durften, gewissermaßen mit Füßen zu treten.
    Diesen Satz unterschreibe ich dir sofort.

    @80sgirl

    Egal wie man dazu steht und ob man vielleicht der Meinung ist, dass die Einheit viel zu überstürzt kam oder vielleicht bis auf den heutigen Tag unausgereift ist, meines Erachtens wäre es der völlig falsche Tag zum Abschaffen.
    Ich bin auch der Meinung, dass die Einheit viel zu schnell auf dem Papier vollzogen wurde und dass man sich einfach zu wenig Gedanken gemacht hat, wie das sonst hätte laufen können (und vielleicht auch sollen), aber deine Einstellung kann ich voll und ganz teilen.

    Da würde ich beispielsweise den Tag mit der lächerlichen Bezeichnung "Tag der Arbeit - 1. Mai" wesentlich besser als Tag zum "opfern" finden. Oder von mir aus noch Christi Himmelfahrt (gemeinhin als Vatertag bekannt, da saufen die meisten Männer sich eh einen in den Tee und am darauffolgenden Freitag ist man entweder "krank" oder feiert Überstunden ab).
    Beide Tage könnte ich mir auch eher vorstellen. Mit dem 1. Mai kann ich eh nicht sonderlich viel anfangen, zumal mich alle Jahre in Bayern vorher noch der Brauch der "Freinacht" am 30. April gehört annervt.

    Bei Christi Himmelfahrt wäre es sicherlich so, dass da irgendein kirchenrechtliches Hindernis im Weg steht (siehe meine Ausführungen bezüglich des Konkordats), aber generell stimme ich dir zu. Dieser Tag ist zu einem reinen "Sauftag" für viele Männer verkommen.

    @Pallas (Posting 013)

    Nein, nicht den 1. Mai!!
    Es ist der Feiertag der Werktätigen (mit einiger Tradition), und das soll bitte auch so bleiben!
    Christi Himmelfahrt wäre da eher verzichtbar.
    Das ist Ansichtssache. Ich könnte wirklich damit leben, dass beide Tage fallen. Ganz ehrlich: Ich habe mich als Kind schon darüber geärgert, was der 1. Mai für einen Namen hat. Jedes Jahr habe ich dann meinen Vater gefragt, was das für seltsame Aufmärsche (gerade in osteuropäischen Ländern) waren und warum die am 1. Mai durchgeführt werden und warum man ausgerechnet am "Tag der Arbeit" eben nicht arbeitet. So gesehen halte ich beide für nicht so wichtig, wie den Nationalfeiertag eines Landes.

    Genauso gut könnte man darüber nachdenken, ob der Ostermontag oder Pfingstmontag als gesetzlicher Feiertag verpflichtend sein muss. Beide Tage sind nicht in allen europäischen Ländern gesetzlicher Feiertag (nicht einmal in allen überwiegend katholischen Ländern) Aber das kann der Staat eben nicht alleine entscheiden. Da braucht er die Zustimmung der Vertreter beider großen Konfessionen in Deutschland. Also macht der Staat das, was er alleine entscheiden kann und kappt eher einen staatlichen Feiertag.

    @Frasier

    Und wenn dass nicht passiert, gehen weitere Arbeitsplätze ins Ausland.
    Und da befürchte ich, wird durch die EU-Osterweiterung noch einiges auf uns zukommen. Die Produktionskosten in Polen, der Slowakei oder in Ungarn sind nun einmal um ein mehrfaches geringer als bei uns. Ich glaube, dass wir die Spitze des Eisberges hier noch lange nicht gesehen haben.

    So, das war jetzt ein ellenlanges Posting von mir. Ich hoffe, dass das jemand überhaupt liest.

  9. #18
    Benutzerbild von
    frasier postete
    Der Trend (mehr Arbeitsstunden, weniger Feiertage, weniger Urlaub) ist unaufhaltsam und auch zwingend für Deutschland, um international wieder wettbewerbsfähig zu werden. Jedes Aufbäumen dagegen wäre sehr kurzsichtig, denn die Alternative wären Lohnkürzungen oder noch mehr Arbeitplatzverlagerungen ins Ausland.
    Ich weiss nicht, ob eine Diskussion hierzu hierher passt. Aber das eine wird das andere nicht Stoppen: Wir werden mehr arbeiten, wir werden netto weniger in der Tasche haben (die Reallöhne sinken im Grunde schon länger, das ist keine Sache der Zukunft mehr, aber es wird noch dicker kommen, da sich die Arbeitskosten aufgrund unseres unflexiblen, steuer- und abgabenfressenden Staates nur so auf einfache Weise senken lassen) und es wird trotzdem weiteren Arbeitsplatzabbau und Verlagerungen geben. Denn es wird sich weiterhin lohnen, von der EU mit Millionen subventioniert (also zum Großteil von Deutschland und deutschen Steuergeldern finanziert) von Deutschland in die östliche EU zu verlagern, dort auf Jahre garantiert keine Steuern zu zahlen und die Arbeit für n' Appel und n' Ei zu bekommen. Selbst wenn wir hier 60 Stunden Woche, 0 Tage Urlaub und Bezahlung streng nach Tarif hätten, wären wir rein rechnerisch immer noch ein vielfaches teurer. Vergessen darf man dabei eben nicht, dass etwas nicht stimmen kann, wenn der Skoda-Mitarbeiter, den Oktavia den er baut (hierzulande wohlgemerkt immer noch eine billige Alternative für Leute die auf Image pfeifen und besonders auf den Preis achten), in den allermeisten Fällen selbst niemals wird kaufen können (was schnell zeigt: Dieses Modell funktioniert nur mit reichen Ländern auf der einen und billig produzierenden ärmeren Ländern auf der anderen Seite. Werden die Reichen arm, nützt die billigste Produktion nichts mehr, denn der dicke Profit klappt nur mit einem der diese fette Marge bezahlt). Auf eine solche internationale Wettbewerbsfähigkeit pfeife ich - Rogowski und Co stellen sich das aber anscheinend so vor. Polen und Tschechen werden auch recht bald mal in besseren Verhältnissen leben wollen. Entweder ändert sich dann die Liebäugelei mit diesem Turbokapitalismus oder der Zirkus zieht weiter. Bei der Textilindustrie hat er das ja bereits getan. Da gibts mittlerweile billigere Standorte als Polen - und weg waren die Arbeitsplätze! Wirtschaftsfreundliche Ansichten sind also im Prinzip eine gute Sache. Aber man verrents ich dabei mindestens genauso schnell, wie irgendwelche MLPD-betriebsräte, die irgendwelche Reden schwingen, deren Logik weitab der Marktwirtschaft liegt (vonwegen man muss die Arbeit nur auf mehr Leute verteilen, also am besten die 25 Stunden Woche einführen und 8 Wochen Urlaub machen). Diese Rezepte funktionieren m. E. sowieso nicht, auch Deine einfache Logik "Mehr Arbeiten = Niedrigere Stundenlöhne = Mehr Arbeit" funktioniert nicht unbedingt. Wenn man nichts anderes unternimmt, arbeiten nämlich auch einfach weniger Leute das gleiche wie vorher, die Investitionen ziehen trotzdem weiter an uns vorbei (auch weil das Problem eben nicht Schweden ist, sondern dort wo die Leute auch für den Bruchteil eines schwedischen Gehaltes arbeiten) und die Spirale geht weiter nach unten.

    Und weniger Urlaub führt auch nicht zu Einbußen in der Tourismusbranche, da die Kaufkraft erhalten bleibt. Jemand, der immer 3 Wochen in irgendeinem Blabla-Land gemacht hat, macht eben in Zukunft nur noch 2 Wochen Urlaub, kann und wird aber den gleichen Betrag ausgeben, schon um die Verkürzung zu kompensieren.
    Das ist einfach nicht richtig. Eben gerade weil immer mehr Leute keine Fernreisen mehr bezahlen wollen, bleiben sie zu Hause und geben im Urlaub das Geld für Freizeitaktivitäten und innerdeutsche Urlaube hier aus. Lt. emnid haben 2004 42% der Westdeutschen und 61% der Ostdeutschen ihren Haupjahresturlaub im eigenen Land verbracht - so viele wie lange nicht mehr, vielleicht wie noch nie. Nicht ohne Grund freut sich die Tourismusbranche in Deutschland über gute Geschäfte. Irgendeiner profitiert eben immer, auch von schlechten Zeiten. Frag die Aldi-Brüder. Das Amerikaner so viel weniger Urlaub machen als wir, ist im Grunde ja auch nicht ganz richtig (der Vergleich kommt ja immer). Es ist nur viel verbreiteter neben den 2 Wochen bezahlten Urlaub, für alles weitere auch mal unbezahlten Urlaub zu nehmen. Allerdings kann sich der Mittelstands-Ami das auch viel eher erlauben, da er viel mehr Geld netto in der Hand behält, um solche Sachen eigenverantwortlich abzufedern - das gilt ja auch für die viel gescholtene Krankenversicherung in den USA. Der halbwegs verdienende Normalbürger hat doch gar kein Problem damit, dass sein Arbeitgeber keinen Zwangsbeitrag leisten muss (manche tuns als Bonus zum Gehalt trotzdem um attraktiv zu sein). Die hier immer wieder propagierte, aber nie umgesetzte Eigenverantwortung bringts hier. Das Geld muss nicht immer erst durch den ganzen Staatsapparat gepumpt werden. DAS machts teuer.

    Nur den Tag der Einheit abzuschaffen ist ziemlicher Blödsinn, da gibts genug andere Feiertage, die man streichen könnte. Man muss ja den verbliebenen Nationalstolz nicht noch vollends zerstören.
    Der 3. Oktober war für mich immer ein Feiertag ohne wahre Bedeutung. Der 9. November hätte Tag der deutschen Einheit sein müssen. Man hat dies wahrscheinlich nur unterlassen, weil man dieses Datum historisch für zu belastet hielt. Von solchem Schwachfug müssen wir uns aber vielleicht langsam mal frei machen. Letztendlich haben an jedem der 365 Tage des Jahres irgendwo auf der Welt einmal Verbrechen stattgefunden die es nicht zu feiern gilt - tut aber ja auch keiner. Wenn man dann schon aufgrund solcher Befindlichkeiten auf den 9.11. verzichtet hat, hätte man lieber alles beim Alten lassen sollen. Der 17. Juni war wirklich ein Tag der Einheit Deutschlands. So einig ist Deutschland sich nur am 9.11. noch einmal gewesen.

    Ansonsten hätte ich keinerlei Probleme in NRW auf den Feiertag zu verzichten, den wir am Montag hatten und der sowieso nicht bundeseinheitlich ist. Von mir aus können alle kirchlichen Feiertage auf den prüfstand. Die Mehrheit der Leute nimmt sie sowieso nicht aus religiösen Gründen wahr, sondern zum Auspennen und zur Freizeitgestaltung - dafür waren sie eigentlich mal nicht gedacht. Niemand gibt gerne freiwillig was her. Aber wenns denn sein muss, dann eben m. E. doch besser die Feiertage und nicht der flexibel einsetzbare Urlaub. Wirklich komisch ist bei solchen Debatten eben nur, dass ausgerechnet die Bundesländer mit den meisten Feiertagen und den meisten Sonderpausen (Steinkühlerpause etc.) die wirtschaftskräftigsten Bundesländer Deutschlands sind. Es muss wohl daran liegen, dass dort die Güter gefertigt werden, für die immer noch der Preisaufschlag für "made in Germany" gezahlt wird: Maschinen und Autos!

    Für alles andere müssen die Arbeits(Neben!)kosten sinken. Die Arbeitskosten allein auf Kosten der Arbeitnehmer zu senken, ist nach Jahren des Stillstands einfach nur schneller zu machen, als unseren verkrusteten Staat zu modernisieren und seinen Steuer- und Abgabenhunger zu senken. So wird sich das ganze am Ende aber nur in einer Spirale nach unten auswirken, schließlich sind wir Deutschen nur noch bei den Arbeitskosten Spitze. Beim Realeinkommen haben uns mittlerweile alle möglichen Länder überholt. Wir verdienen also eben nicht zu viel, sondern wir kosten zu viel. Sinken die Reallöhne weiter, wird das Problem mit der Binnenkonjunktur nicht gelöst, sondern verschlimmert. DA liegt das Problem seit 20 Jahren. Verwunderlich also, dass wir die ganze Zeit mehr drüber reden, wie wir für ausländische Kunden attraktiver werden - während wir Exportweltmeister sind. Ein bisschen absurd und von den Kernproblemen ablenkend finde ich das schon..... egal ob Vorprodukte aus dem Ausland kommen. Das ist nichts ganz neues und bricht uns auch nicht das Genick. Wer selbst so exportabhängig ist wie wir, sollte kein Problem damit haben selbst auch zu importieren. Ein Porsche oder ein BMW zeigen wie es geht - BMW schafft immer weiter und immer mehr Arbeitsplätze in Deutschland - obwohl Zulieferteile natürlich auch aus dem Ausland kommen. Es ist auch klar, dass es in Deutschland mittlerweile kaum noch Sinn macht ein Popelteil zu produzieren, das nur ein paar Cent einbringt. Darum brauchen wir auch mit niemandem mehr konkurrieren. Deutschland wird ein Land der Premium-Produkte bleiben - und für die brauchen wir auch gar nicht mit polnischen Löhnen konkurrieren.

    Letztes Jahr fielen 4 Feiertage auf ein Wochenende. Das soll einen Anteil von 30% unseres BSP-Wachstums ausgemacht haben. Nicht vergessen sollte man dabei auch, dass wir schonmal einen Feiertag hergegeben haben. Von mir aus möge man mir also noch 3 abrupfen. Dann sind es runde 5 Tage die weggefallen sind. Bevor man dann noch übermütig wird und an den Urlaub oder hin zur 50 Stundenwoche will, sollte man sich vielleicht erstmal noch fragen, warum in anderen Ländern eine gleichwertige oder gar bessere Krankenversorgung für den halben Beitrag des Durchschnittsdeutschen zu haben ist, warum Einkommenssteuern niedriger sind, warum ein KIOSK dort relativ einfach auf die Beine zu stellen ist und man hier eine "Darf Zeitungen verkaufen", "Darf eine Werbetafel auf den Fußweg stellen", "Darf Brötchen anbieten / IHK", und PiPaPo-Genehmigung braucht und man im Steuerterror mit Finanzamt untergeht, IHK Zwangsmitglied werden muss, in Gewerbemüll einen Doktor und drei Klos haben muss.... Diese Dinge endlich zu ändern, diese vielen bürokratischen Knoten in diesem Land platzen zu lassen, hätte wahrscheinlich den Effekt der Abschaffung von 30 Feiertagen - mehr als wir haben. Aber dafür müsste man sich von einflussreichen Lobbies freimachen, den Filz zwischen Politik und Wirtschaft auflösen und die eigene Wiederwahl riskieren (ok, das macht die SPD auch so, ohne das es so viel bringt). Da sich das keiner ans Bein binden will, muss der kleine Mann sinn- und konzeptlos bluten und mit ihm das ganze Land. Alles für halbherziges Herumgedoktor an toten Modellen (bspw. unsere Krankenversicherung, die Rente mit Generationenvertrag, sinkenden Leistungen UND steigenden Beiträgen + notwendige Privatabsicherung für jeden jüngeren Bürger etc.) und der Beibehaltung eines Status Quo der eigentlich nur denen nutzt, die vermögend und/oder mächtig sind - und Ländern die nicht so verkrustet sind wie das unsere. Dabei wird bei uns immer nur reformiert, um Leistungen zu kürzen oder höhere Abgaben und Steuern zu erheben. Dabei wären echte Reformen mal viel sinnvoller und würden nicht immer nur zu Lasten des Bürgers gehen. Es wäre z. B. gar kein Problem die Eigenheimzulage zu streichen, wenn man GLEICHZEITIG auf der anderen Seite mal das Baurecht so entrümpelt, das wieder ein günstiges Bauen in diesem Land möglich ist. Dann würde man auch nicht weiter die Bauindustrie abwürgen, die ohnehin am Stock geht und dem Einzelnen würde es trotz gestrichener staatlicher Leistung nicht schlechter gehen als vorher. DAS nenn ich ne' Reform.... Alles andere ist Bullshit und führt nur zu noch mehr Bullshit aus Mündern von Rogowskis und Konsorten. Das bringt uns kein Stück weiter! Die Menschen in diesem Land sind nicht überbezahlt, sondern überreguliert.

    Dave

  10. #19
    Engel_07
    Benutzerbild von Engel_07
    @waschbaer
    & 80sgirl

    Dave Bowman postete
    Der 9. November hätte Tag der deutschen Einheit sein müssen.

    Dave
    Auch wenn ich selber tatsächlich überhaupt keinen Nationalstolz empfinde, hätte ich dieses Datum auch gerade posten wollen, weil ich es für sinnvoller gehalten hätte, daran zu erinnern, wie sich ein Volk friedlich aus einer Diktatur befreit hat und nicht daran, dass diesem Volk direkt wieder ein anderes System übergestülpt wurde!
    Das wollte ich noch kurz loswerden, damit hier nicht der Eindruck entsteht, ich würde diesen enormen Kraftaufwand und Zusammenhalt eines Volkes nicht würdigen!

  11. #20
    Benutzerbild von waschbaer

    Registriert seit
    03.03.2002
    Beiträge
    8.370
    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Aufschrei groß gewesen wäre, wenn der 09. November als Tag der Wiedervereinigung vorgeschlagen worden wäre.

    Und das Ausland hätte dann sicherlich jedes Jahr nur darüber berichtet, wie die schrecklichen Deutschen nur was weiß ich wieviele Jahre (je nachdem in welchem Jahr wir uns befinden) nach der Reichsprogromnacht, die am gleichen Tag stattfand, ihren Nationalfeiertag begehen würden.

    Das sind einfach die Nachwehen unserer Geschichte. Dave, ich stimme dir zu, dass wir uns davon befreien sollten, denn keiner von unserer Generation war damals dabei bzw, betroffen.

    Als ich 1990 gehört habe, dass der 3.10. der Tag der Deutschen Einheit wird, dachte ich mir: "Weshalb um Gottes Willen so schnell?" Können die nicht bis zum 17.06.1991 warten und dann alle Festakte, Urkundenunterzeichnungen, Zapfenstreiche für Bundeswehr und Auflösen der NVA und so weiter und so fort an diesem Tag unterzeichnen. So hätte man damals zum einen Zeit gewonnen, um einiges nochmals zu überdenken bzw. zu überarbeiten und zum anderen hätte man genau das gehabt, was Dave vorher so schön formulierte:

    Der 17. Juni war wirklich ein Tag der Einheit Deutschlands.
    ... und er wäre es weiter geblieben.

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