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Todesstrafe

Erstellt von musicola, 24.11.2005, 19:49 Uhr · 25 Antworten · 2.375 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von musicola

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    1000. Hinrichtung in den USA

    In den USA steht ein makabres Jubiläum bevor: die 1000. Hinrichtung seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1976. Nach bisherigem Stand wird Daryl Mack, ein verurteilter Mörder aus Nevada, am 1. Dezember der Gefangene sein, der dieses Stück US-Geschichte schreibt. Er beteuert zwar seine Unschuld, aber hat sich entschieden, nicht mehr in die Berufung zu gehen: Er will lieber jetzt sterben, als noch länger in der Zelle zu sitzen.

    Vielleicht läuft ihm aber auch ein anderer Mann unfreiwillig den Rang ab, der bereits am 30. November in die Hinrichtungskammer geführt werden soll. Sofern nämlich ein für einen anderen Häftling verfügter Exekutionsaufschub Anfang der Woche aufgehoben werden sollte, rückt Robin Lovitt aus Virginia, jetzt noch Todeskandidat Nummer 999, um einen Platz auf.

    Mit ihm würde ein Mann sterben, dessen Fall für Gegner der Todesstrafe beispielhaft vieles von dem verkörpert, was sie gegen das so genannte "Capital Punishment" kämpfen lässt. Lovitt, heute 41, wurde als Kind von seinem alkoholsüchtigen Vater misshandelt, missbraucht, geriet in schlechte Gesellschaft und war für die Polizei auch gleich der Hauptverdächtige, als 1998 ein Spielhallenmanager mit einer Schere erstochen aufgefunden wurde.

    Lovitt beteuert bis heute seine Unschuld, seinerzeitige DNA-Tests an der mutmaßlichen Tatwaffe brachten kein eindeutiges Ergebnis, aber neue Tests - mit inzwischen weitaus fortschrittlicheren Methoden - sind nicht möglich: Ein Mitarbeiter des zuständigen kriminaltechnischen Labors warf praktisch alle Beweisstücke im Fall Lovitt weg - wegen Platzmangels.

    Eine häufig willkürliche Verhängung der Todesstrafe gehörte zu den Hauptbegründungen für die Entscheidung des Obersten US-Gerichts am 29. Juni 1972, die Todesstrafe im gesamten Land auszusetzen. Nach Überarbeitung der Gesetze zum "Capital Punishment" in den einzelnen Staaten wurde ab 17. Januar 1977 wieder hingerichtet: Damals starb in Utah Gary Gilmore durch ein Erschießungskommando.

    Statistiken zeigen, dass trotz überarbeiteter Gesetze gemessen an der Bevölkerung immer noch deutlich mehr Schwarze hingerichtet werden als Weiße, und noch krasser wird die Diskrepanz, wenn der Täter schwarz und das Opfer weiß ist. Auch sind 98 Prozent der leitenden Bezirksstaatsanwälte in den US-Staaten, in denen es die Todesstrafe gibt, weiß.

    Aber inzwischen sind die Hinrichtungsmethoden "humaner" geworden, wie es jedenfalls die US-Justizbehörden formulieren. In 37 von 38 US-Bundesstaaten, die die Todesstrafe wieder einführten, ist die Giftspritze als einzige oder Methode der Wahl festgelegt, nur noch Nebraska benutzt den elektrischen Stuhl. Zwei wesentliche Änderungen wurden von Todeskandidaten und Todesstrafengegnern vor dem höchsten Gericht erkämpft: Geistig Behinderte dürfen seit 2002 nicht mehr hingerichtet werden, und seit März dieses Jahres gilt ein Exekutionsverbot für Straftäter, die zur Tatzeit minderjährig waren.

    Richard Dieter, Leiter des Todesstrafen-Informationszentrums in Washington, sieht in beiden Entscheidungen ein Indiz dafür, dass in der US-Gesellschaft "die lebenslange Haftstrafe als Alternative zur Hinrichtung zunehmend Akzeptanz findet, wenn auch sehr, sehr langsam". Tatsächlich ist in den vergangenen Jahren sowohl die Zahl der Todesurteile als auch der Exekutionen zurückgegangen. So wurde 2004 das "Capital Punishment" 125 Mal verhängt, der niedrigste Stand seit der Aussetzung der Todesstrafe. 59 Häftlinge - mit Texas wie stets als Spitzenreiter - wurden hingerichtet, das vierte Jahr hintereinander eine rückläufige Zahl. In mehreren Staaten - darunter Illinois - wird die Todesstrafe de facto nicht mehr vollstreckt.

    Dieter führt den Trend hauptsächlich darauf zurück, dass in den vergangenen Jahren so viele Todeskandidaten frei gelassen wurden, nachdem sich - oft mit Hilfe der moderneren DNA-Testmethoden - ihre Unschuld herausgestellt hatte. 122 waren es seit 1973 und 35 allein seit 2000. Daraus lasse sich schließen, dass in der Vergangenheit möglicherweise dutzende Menschen wegen Taten hingerichtet wurden, die sie gar nicht begangen hatten, sagt Dieter. "Das schreckt die Menschen denn doch auf." Tatsächlich: Waren 1994 noch 80 Prozent der US-Bürger für die Todesstrafe, sind es einer jüngsten Umfrage zufolge jetzt 62 Prozent - nur noch, oder immer noch.

    (Gabriele Chwallek, dpa)
    Wundert mich, dass man im Land der unbegrenzten Absurditäten noch nicht komplett drauf gekommen ist, dass die Abschreckungswirkung "Todesstrafe" praktisch bei Null ist.
    Wenn man sich dann noch vorstellt, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schon Unschuldige hingerichtet wurden...

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von waschbaer

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    Das wird sicherlich schon passiert sein. Zum Thema "Todesstrafe" habe ich ganz dezidiert eine festgelegte Meinung. Ich lehne sie schlicht und ergreifend ab, denn einen evtl. begangenen Justizirrtum kann man nicht wieder rückgängig machen. Und das ist für mich Argument genug. Der Abschreckungseffekt ist sowieso vernachlässigbar gering.

    Gute Filme zum Thema "Todesstrafe" finde ich

    - Dead man walking
    - Last Dance
    - Let me live

  4. #3
    Mumie
    Benutzerbild von Mumie
    Lovitt beteuert bis heute seine Unschuld, seinerzeitige DNA-Tests an der mutmaßlichen Tatwaffe brachten kein eindeutiges Ergebnis, aber neue Tests - mit inzwischen weitaus fortschrittlicheren Methoden - sind nicht möglich: Ein Mitarbeiter des zuständigen kriminaltechnischen Labors warf praktisch alle Beweisstücke im Fall Lovitt weg - wegen Platzmangels.


    Gibt es in den USA nicht auch so was wie bei uns:Im Zweifel für den Angeklagten(voraus gesagt das waren alle Fakten)??

  5. #4
    Benutzerbild von musicola

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    waschbaer postete
    Das wird sicherlich schon passiert sein. Zum Thema "Todesstrafe" habe ich ganz dezidiert eine festgelegte Meinung. Ich lehne sie schlicht und ergreifend ab, denn einen evtl. begangenen Justizirrtum kann man nicht wieder rückgängig machen. Und das ist für mich Argument genug. Der Abschreckungseffekt ist sowieso vernachlässigbar gering.
    Genau meine Meinung!


    Mumie postete

    Gibt es in den USA nicht auch so was wie bei uns:Im Zweifel für den Angeklagten(voraus gesagt das waren alle Fakten)??
    Ich denke schon. Aber scheinbar waren die Zweifel damals nicht stark genug...

  6. #5
    Kinderfresser
    Benutzerbild von Kinderfresser
    musicola postete
    Mumie postete
    Gibt es in den USA nicht auch so was wie bei uns:Im Zweifel für den Angeklagten(voraus gesagt das waren alle Fakten)??
    Ich denke schon. Aber scheinbar waren die Zweifel damals nicht stark genug...
    Hmmm, ich weiß nicht ob's das da auch gibt, allerdings sind's da doch normalerweise Geschworene, die die Entscheidung treffen und das sind meistens juristische Laien.

  7. #6
    Benutzerbild von sturzflug69

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    Wenn es nur den geringsten Zweifel geben würde lehne ich es ab.Ist es aber eindeutig erwiesen mittels DNA etc,und meine Tochter oder Frau wäre das Opfer würde ich eigenhändig den Hebel rumlegen.Und kommt mir nicht mit therapieren.
    Diese Profilneurotiker von Psychologen(nicht alle wohlgemerkt),die sich anmaßen einen Psychopath "gesund"zu schreiben,sollten bei Rückfall mit auf den Stuhl.Die sind ja relativ breit

  8. #7
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    Absolute Eindeutigkeit wird es aber nie geben. Selbst bei einer DNA-Analyse kann man sich irren. Beispielsweise muss sich nur jemand irren wollen, dagegen kann kein technischer Fortschritt was ausrichten.

  9. #8
    Benutzerbild von sturzflug69

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    Väter denken anders,glaube mir...

  10. #9
    Benutzerbild von 80sgirl

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    sturzflug69 postete
    Väter denken anders,glaube mir...
    Und genau das finde ich beispielsweise gefährlich, weil sie nicht mehr objektiv sein wollen und es auch nicht können. Der Rachegedanke steht wohl im Vordergrund. Sicherlich sollte man einen Mörder wegsperren (und nicht therapieren bis zum es geht nicht mehr und ihn dann als "geheilt" entlassen), aber solche Aussagen wie "selbstständig den Hebel umlegen", das macht mich dann schon betroffen. Ich bin froh, das es in der EU die Todesstrafe nicht mehr gibt.

  11. #10
    Benutzerbild von PostMortem

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    sturzflug69 postete
    Väter denken anders,glaube mir...
    Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Kaum sind sie unter den "Wissenden" und tun so, als hätten sie das Licht gesehen, denken Väter sie haben nun Urteilsvermögen, Gerechtigkeitsempfinden und vernünftiges Handeln für sich gepachtet.... Es ist ja auch so schön einfach, Nicht-Vätern und Nicht-Müttern ihr Urteilsrecht absprechen zu können, indem man ihnen unterschwellig oder offen vor den Latz knallt, dass sie da ja gar nicht mitreden können, weil sie selbst keine Kinder haben.

    Nein! Genau für solche persönlichen Betroffenheiten ist ein anständiges Rechtssystem da: Es verhindert, dass sich jeder sein Recht und Gesetz nach persönlicher Lebenssituation und Tageslaune zurechtbastelt.

    Das ist BILD-Niveau: Bringt eine vergewaltigte Frau ihren Vergewaltiger aus Rache im Gerichtssaal um, sind manche dumm genug ihr insgeheim dazu zu gratulieren. Bringt ein Vergewaltiger sein Opfer um, ist er ein Monster. Vom Empfinden her kann ich das natürlich nachvollziehen, solche Gedanken sind sicherlich niemandem fremd. Vor dem Gesetz sind aber letztendlich beide schlichtweg Mörder. Wir leben in einem zivilisierten Land und da gehört es für mich dazu, dass wir unser Rechtssystem nicht auf Rache und rachelüsternen Strafen aufbauen. Es steht niemandem zu Menschen zu töten und selbst irgendwelche Hebel umzulegen um vermeintliche Genugtuung zu Empfinden. In der EU ist für sowas kein Platz und ich bin froh, dass kein Staat Mitglied werden kann, ohne sich von solch steinzeitlichem Denken zu lösen. Mörder gehören bis auf ganz wenige Ausnahmen schlichtweg lebenslang hinter Gitter. In erster Linie um andere zu schützen und nicht um sie zu bestrafen! Lebendig wird keiner mehr, nicht durch Haft und auch nicht durch Tod. Wie sehr eine Strafe den Täter quält ist deshalb einfach nur egal, vermutlich straft eine lange Haft davon ab aber wohl mehr als ein schneller Tod.

    Wer z. B. aufgrund jahrelanger seelischer und/oder körperlicher Grausamkeiten seine Peiniger tötet kann normalerweise mit gewissen mildernden Umständen rechnen. Dafür habe ich Verständnis. Das wars auch... Mag mancher auch die Todesstrafe verdient haben, bekommen sollte er sie in einem zivilisierten Land nicht.

    PM

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