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Tschernobyl 26. April 1986

Erstellt von hoodle, 26.04.2005, 21:53 Uhr · 51 Antworten · 9.136 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von hoodle

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    Wir haben vorhin im Chat bemerkt, dass heute auf den Tag vor 19 Jahren der erste sogenannte Super-Gau in einem AKW war.

    Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass das erst am 1. Mai an die Öffentlichkeit kam. Wir haben damals auch im Biologie-Unterricht darüber geredet, wie man sich jetzt verhalten soll. Von wegen, ob man noch draussen spielen darf, ob man noch Gemüse und Wild verzehren soll oder ob man die Katze noch in die Wohnung lassen darf, weil die doch Gras fressen.

    Habt ihr noch Erinnerungen daran, wie ihr dieses Unglück damals mitbekommen habt?

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Babooshka

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    Ich saß auf dem Rasen in einem der begrünten Innenhöfe der Berliner Uni und hörte über Walkman Radio. Da kam dann plötzlich diese Durchsage. Ich hab's erst gar nicht sonderlich ernst genommen, bis der Ernst der Situation dann so langsam zu uns durchdrang. Ich kann mich noch erinnern, dass es um diese Zeit genauso schönes, sonniges und wolkenloses Wetter in Berlin war wie jetzt gerade, kein Regen weit und breit in Sicht. Wenn der erste Regen kommen sollte, so hieß es, sollte man den nach Möglichkeit nicht abbekommen. Der Regen kam dann am Abend des 7. Mai, ich weiß es deshalb noch so genau, weil meine Patentante da Geburtstag hatte und wir bei ihr im Garten waren. Es war ein heißer Tag, abends ging ich noch mit Leuten in ein Café, beim Rauskommen schüttete es und wir machten, dass wir schnellstens in den Bus kamen, denn Regenschirme hatten wir natürlich keine dabei. Ein paar Tropfen haben wir dann auch abbekommen. Ich weiß auch noch, dass meine Mutter in der Zeit Milchpulver gekauft hatte, falls es hieß, die richtige Milch sei zu verseucht. Etwas später haben wir dann an der Uni im Kurs "Französisch, mündliche Übungen" darüber geredet. Die Franzosen hatten es noch später erfahren und viele von ihnen glaubten, die radioaktive Wolke hätte kurz vorm Rhein Halt gemacht.

  4. #3
    Benutzerbild von Muggi

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    Das Unglück wurde bekanntlich in der DDR extremst verharmlost. Das ganze Ausmaß der Katastrophe habe ich erst später begriffen. Alles wurde von der einheimischen Propaganda als maßlose Übertreibung der Westmedien und Diffamierung der Sowjetunion datgestellt. Ich zitiere mich zudem noch mal aus einem älteren Tschernobyl-Thread:

    Muggi postete
    Durch diesen Artikel

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzk...293656,00.html


    bin ich auf folgende Seite gestoßen:

    http://www.angelfire.com/extreme4/kiddofspeed/


    Wirklich sehr beeindruckend, wenn auch eher sehr deprimierend. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das Mädel für ihren Mut bewundern oder mich über das Risiko, dem sie sich freiwillig aussetzt, ärgern soll. Auf jedem Fall: Unbedingt mal anschauen!
    Die Seite der Ukrainerin existiert noch und drückt immer noch furchtbar auf's Gemüt.

  5. #4
    Benutzerbild von French80

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    @Babooshka: genau!!! Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich kaum Erinnerung an dem Tag habe!!!!

    Ich müsste nochmal meinem Vater fragen, wie es genau war...

    Er selbst ist in Tschernobyl gewesen, ich glaube es war 1991 oder 1992.... und er war von dieser Reise sehr betroffen... er hat lange gebraucht, um sich davon (psyschich) zu erholen... damals haben wir im Sommer immer ein Paar Mädchen aus der Nähe von Tschernobyl bei uns zuhause (Urlaub für sie) und es war schon sehr beeindruckend... die Kleinen waren ja krank, und es war sehr berührend, zu sehen, wie sie reagierten, wenn man ihnen was ganz einfaches geschenkt hatte... oder wenn sie einfach unser Leben geteilt haben.... es war für sie das schönste Geschenk was sie je hatten!!! Und wir haben sie ja glücklich gemacht... ich weiss nicht, ob sie heute noch leben....

  6. #5
    Otto
    Benutzerbild von Otto
    Am 26. April 1986 habe ich meinen allerersten Computer bekommen, den C64. Daher ist dieser Tag bei mir in besonderer Erinnerung geblieben.

    Von dem Unglück habe ich auch erst ein paar Tage später erfahren.

  7. #6
    Benutzerbild von PostMortem

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    Muggi postete
    bin ich auf folgende Seite gestoßen:
    http://www.angelfire.com/extreme4/kiddofspeed/
    Wirklich sehr beeindruckend, wenn auch eher sehr deprimierend. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das Mädel für ihren Mut bewundern oder mich über das Risiko, dem sie sich freiwillig aussetzt, ärgern soll. Auf jedem Fall: Unbedingt mal anschauen!Die Seite der Ukrainerin existiert noch und drückt immer noch furchtbar auf's Gemüt.
    Ich habe vor ca. 6-8 Wochen auf einem der üblich verdächtigen Sender, XXP, Phoenix oder Arte, eine Reportage gesehen, die mich - da ich diese Seite auch kenne - ziemlich erstaunte. Auf der o. g. Seite ist z. B. der LKW- und Hubschrauber"friedhof" zu sehen, auf dem einige hundert Fahrzeuge abgestellt sind, da sie verstrahlt wurden. Ich habe beim Besuch der Website gedacht, das es sich hierbei um eine gespenstische Szene handelt und es ja echt ein Ding ist, das die ganzen Sachen dort einfach so rumstehen.

    Aber weit gefehlt: Dort wohnen und arbeiten Menschen! Dieser strahlende Schrottplatz hat einen Aufseher und diverse Bedienstete. Sie fahren mit den weniger verstrahlten Fahrzeugen rum und bauen bei Bedarf Ersatzteile aus, da durch den üblichen Versorgungsmangel die Teile dort noch gebraucht werden, egal ob sie leicht verstrahlt sind. Um die schwer verstrahlten Fahrzeuge machen sie zwar angeblich einen Bogen, aber schon allein während dieser Reportage stand der Aufseher mindestens 5 Minuten neben offenbar stark verstrahlten Hubschraubern, um zu erklären, dass man sich neben diesen Maschinen lieber nicht so lange aufhält Schutzkleidung gibts nicht und alles was sie haben sind Geigerzähler, von denen sie nicht genau wissen, ob die eigentlich noch korrekt messen... Wenn sie mal meinen, dass sie was abbekommen haben, heisst es, sie sollen ausgiebig duschen. Die haben dort echt nix gelernt und es ist erschreckend, dass die Leute heute immer noch so dumm gehalten werden. Man sollte doch meinen, die Zeiten hätten sich seitdem geändert.

    Doch der Hammer: In dieser Gegend existieren heute noch ca. 100 Haushalte. Sie leben dort ohne Strom und ohne jegliche andere Versorgung. Sie können nur schwer besucht werden, da man die Gegend ja nicht betreten darf. Und weil sie dort leben, also verstrahlt sind, mag man sie nicht mehr so recht umsiedeln. Die Leute selbst glauben, dass das ja alles nicht so schlimm sei. Schließlich leben sie noch und man würde ja ganz hervorragende Sachen anbauen und das Wasser sei auch sauber.... Beschwert wurde sich eigentlich nur, dass die Telefone nicht mehr gehen, kein Strom käme und man es zu weit zu einem Krankenhaus habe.

    Ich kann mich noch recht genau an damals erinnern. Wir waren damals auf einer Klassenfahrt und unsere Lehrer achteten peinlich genau darauf, dass wir bei Regen nichts abbekamen. Zwar hatte ich damals auch einen gehörigen Respekt vorm Thema, hatte ich mein Leben ja schließlich noch komplett vor mir, aber teilweise fand ich das ganze dann auch manchmal etwas hysterisch - manches roch eben nach purem Aktionismus um sich einreden zu können, das man sich ja schützen könne. Doch die Kühe standen auf den Weiden, sie fraßen weiter und sie gaben Milch.... wir Menschen würden also in jedem Fall etwas abbekommen, ob wir im Regen stehen oder nicht. In diesem Zusammenhang ist mir das Drama um irgendwelche monatelang in der Gegend rumstehenden Züge mit radioaktiv verseuchtem Molkepulver in Erinnerung.

    Ich weiss noch, das ich ziemlich erstaunt war, dass diese ganze Gegend um das AKW nicht mehr bewohnt wird und um den explodierten Kraftwerksblock der bekannte Sarkophag gebaut wurde, relativ bald aber in den verbliebenen Blöcken wieder Menschen arbeiteten und die Stromerzeugung weiterging.

    Da muss ich schon zugeben, dass ich die Russen / die Ukrainer damals schon für ein ziemlich beklopptes Völkchen gehalten habe... zumindest hielt ich so etwas hier für unmöglich - und das ist auch bis heute so geblieben, Störfallgefahr und Atomkraft ja/nein hin oder her. Wenn ich dran denke, wieviele Soldaten dort sinnlos verheizt wurden (viele berichten, dass man damals ohne Sinn und Verstand einfach nur Massen von Soldaten schickte ohne zu wissen, was sie denn im Einzelnen überhaupt tun können - es waren letztendlich viel zu viele!), bekommt man schon Hass. Die sind dort teilweise nicht schippend und sarkophagbauend, sondern neben einem GAU rumsitzend und nichtsahnend zum Tode verurteilt worden.

    Ich kann mich erinnern, dass ich drei, vier Jahre nach dem Störfall mal eine Reportage gesehen habe, die über eine Hand voll Wissenschaftler berichtete, die mit Kameras in den Sarkophag vordringen wollten. Sie waren kaum hinreichend geschützt und wussten, dass dieser kleine Besuch sie ihrem Tode gewaltig näher bringen wird. Sie sind tatsächlich reingegangen, sie haben sich gegenseitig gefilmt. Im Katastrophenblock sah es nicht viel anders aus, als in jedem anderen halb abgerissenen Industriekomplex.... für gespenstische Atmosphäre sorgte lediglich die Vorstellung von der tödlichen Strahlung. Diese Wissenschaftler sind nun sehr wahrscheinlich tot, nur für ein paar Bilder, die man heute mit Robotern locker machen könnte. Ist das nicht unglaublich? Wieviele der Hubschrauber-Piloten, der LKW-Fahrer und der Betonmischer, die die heute bereits sehr bröselige Hülle gezimmert haben, werden heute noch leben? Was wäre passiert, wenn sie sich geweigert hätten diese Todesjobs zu übernehmen? Wie wäre sowas in einem westeuropäischen Land abgelaufen?

    PM

  8. #7
    Benutzerbild von Muggi

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    Die haben damals praktisch mit bloßen Händen im noch glühenden radioaktiven Material gewühlt, ohne genau zu wissen, das sie damit praktisch ihr Todesurteil unterschreiben. Wer mal den Film "K-19" mit Harrison Ford und Liam Neeson gesehen hat, weiß: da hieß es "patriotische Pflicht" und los gings!

  9. #8
    Benutzerbild von Pallas

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    Damals hieß es bei uns auch - so, wie Babooshka erzählte - , daß man den ersten Regen nach dem Ereignis in Tschernobyl möglichst nicht abkriegen sollte. Außerdem müßte man die Schuhe extrem abwischen vor der Tür ( als ob das viel nützt...) bzw. die Wohnung mit Straßenschuhen nicht betreten. All diese Regeln, die es da gab, galten für einige Zeit. Das konnte ich nie so recht begreifen, denn wenn die Teilchen erst mal da sind, sind sie da, und nicht wenige haben eine Riesen-Halbwertzeit.

    Man sollte keine Pilze essen, da sich radioaktive Stoffe in ihnen anreichern. Auch Wildfleisch galt als problematisch. Ich erinnere mich, besonders viel abbekommen haben die skandinavischen Länder, Schweden beispielsweise.
    Ach ja, und Müttern wurde abgeraten, ihre kleinen Kinder in Sandkästen und auf Spielplätzen spielen zu lassen.

  10. #9
    Kinderfresser
    Benutzerbild von Kinderfresser
    Pallas postete
    All diese Regeln, die es da gab, galten für einige Zeit. Das konnte ich nie so recht begreifen, denn wenn die Teilchen erst mal da sind, sind sie da, und nicht wenige haben eine Riesen-Halbwertzeit.
    Bei den Halbwertzeiten, die bei sowas vorliegen, dürfte man heute weder Wild noch Pilze noch sonst irgendwas essen, weil die Halbwertzeiten so hoch sind, daß immer noch alles verstrahlt ist.

  11. #10
    Benutzerbild von Pallas

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    Kinderfresser postete
    Pallas postete
    All diese Regeln, die es da gab, galten für einige Zeit. Das konnte ich nie so recht begreifen, denn wenn die Teilchen erst mal da sind, sind sie da, und nicht wenige haben eine Riesen-Halbwertzeit.
    Bei den Halbwertzeiten, die bei sowas vorliegen, dürfte man heute weder Wild noch Pilze noch sonst irgendwas essen, weil die Halbwertzeiten so hoch sind, daß immer noch alles verstrahlt ist.
    Stimmt. Aber es ist keine Rede mehr davon.

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