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Tschernobyl 26. April 1986

Erstellt von hoodle, 26.04.2005, 21:53 Uhr · 51 Antworten · 9.143 Aufrufe

  1. #31
    Benutzerbild von Elek.-maxe

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    AW: Tschernobyl 26. April 1986

    Zitat Zitat von musicola Beitrag anzeigen
    25 Jahre auf den Tag genau...
    Davon wußte aber noch keiner.
    Tage später erst gab's Bestätigung.

    Die Japaner haben's die letzten Wochen auch nicht so mit der vollen Wahrheit. Hatten die Amis bei Harrisburg auch nicht.
    So sind die Regierigen: Erst sagen, da könnt nix passiern und wenn dann doch, ganz kleinlaut die Fresse halten...

  2.  
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  3. #32
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Tschernobyl 26. April 1986

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Wieviele der Hubschrauber-Piloten, der LKW-Fahrer und der Betonmischer, die die heute bereits sehr bröselige Hülle gezimmert haben, werden heute noch leben? Was wäre passiert, wenn sie sich geweigert hätten diese Todesjobs zu übernehmen? Wie wäre sowas in einem westeuropäischen Land abgelaufen?
    Tja, eine mittlerweile vom Lauf der Dinge beantwortete Frage die ich damals gestellt habe... Die Antwort erhalten wir gerade, auch wenn ich Fukushima und Tschernobyl persönlich ungern vergleiche, da es letztendlich bei allen Gemeinsamkeiten eben doch ganz unterschiedliche Atom-Katastrophen mit ganz unterschiedlichen Strahlenproblemen und Verseuchungszonen sind. Und natürlich gehört Japan kein bisschen zu Westeuropa. Aber es ist die Antwort auf die eigentliche Frage: Wie läuft sowas in einem demokratischen und marktwirtschaftlichem Staat ab?

    Was den Jahrestag von Tschernobyl und die Reaktionen auf Fukushima in unserem Land angeht, habe ich ein reichlich zwiespältiges Gefühl. Natürlich ist es richtig den Atomausstieg zu wagen. Ich war mit dem Rot-Grünen-Ausstiegsbeschluss zufrieden. Es war einer der größten Fehler der Regierung Merkel diesen Ausstieg zurückzunehmen. Das weiss sie mittlerweile ja auch selbst. Aber auf diesen Weg der Vernunft, den selbst die klassissche Anti-Atompartei der Grünen mitgetragen hat, sollte man zurückkehren, ihn wo möglich nach neuesten Erkenntnissen beschleunigen. Die hochemotionalen Forderungen des neuen "Wutbürgertums" nach einem Ausstieg für morgen früh, koste er was es wolle, sind aber nicht meine Sache. Es reicht nicht schwarz zu malen und theoretisch die drastischen Folgen von denkbaren, aber letztendlich eben sehr, sehr unwahrscheinlichen Was-Wäre-Wenn-Szenarien durchzukauen. Es ist zwar richtig auch darüber zu reden, aber nicht das als Maßstab zu nehmen um in absoluten Ausstiegs-Aktionsimus zu überhitzen.

    Das Problem der Dutzenden uns umgebenden europäischen Anlagen, in Ländern die in Sachen Atomkraft entspannter immer noch gar nicht sein könnten, kann das auch kein bisschen lösen. In meiner Nähe befinden sich z. B. drei AKWs aus Holland, Belgien und Frankreich, die mir näher oder genauso nah sind als/wie die nächsten deutschen AKW. Wo ist also der Gewinn an Sicherheit für uns insbesondere westliche und östliche Deutsche, wenn wir 10, 20, 30 oder auch 50% mehr für den Strom zahlen und trotzdem von 1970er Jahre AKW aus dem europäischen Ausland, teilweise nach sowjetischer Bauart umzingelt sind? Solls da nur ums Prinzip gehen, bringt das jemandem wirklich ein mehr an Sicherheit?

    Und was ist mit dem Atommüll der bei so vielen gleichzeitigen AKW-Rückbauten in Rekordzeit endgelagert werden müsste? Gegen Schacht Konrad, unser einziges offizielles Endlager, wird ja gleichzeitig auch mit aller Macht protestiert.... Bis morgen bekommen wir wohl kein anderes hin. Da müsste sich die Anti-Atomkraft-Bewegung dann dringend auch mal entscheiden was sie will: Ausstieg sofort ins Endlager Konrad oder Ausstieg sobald ein genehmes Endlager fertiggestellt wurde.

  4. #33
    Benutzerbild von Christoph

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    AW: Tschernobyl 26. April 1986

    Hätte Hätte Mofakette - ich weiß! Aber die Atomtechnolgie hätte man schon einstampfen müssen, als sich abzeichnete, daß wir nicht mal mit dem Müll klarkommen werden. Im SPIEGEL war es mal schön dargestellt: wir stellen uns vor, wir steigen in ein Auto und und fahren fröhlich los und wir wissen nicht, ob und wann es jemals wieder zum Stehen kommt.
    Wer also würde mitfahren wollen?

    Überrascht war ich, daß 1986 zum Thema Tschernobyl offenbar auch in der "alten" Bundesrepublik so viel vertuscht wurde. Das hätte ich nicht gedacht, habe es erst jetzt mal in einem Beitrag erfahren.

  5. #34
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: Tschernobyl 26. April 1986

    Ich finde erstaunlich, dass auf einmal alle gegen AKWs sind. Nachdem es in den booring 90s und 00er schon komplett out war, vor den Gefahren nicht die Augen zu verschliessen, und z.B. im Hamburger Abendblatt vor ca einem Jahr noch ne fette einseitige (!, *g*) Anzeige "warum wir für die Laufzeitverlängerung sind" geschaltet wurde.

    IMO sollte jedem in unserem Alter, der schon Harrisburg mitbekommen hat und halbwegs klar denken kann, seit den späten 70s eigentlich bewusst sein welche Gefahr von den Dingern inkl Müll ausgeht...

    Ganz interessant: Daaaamals (TM), kurz vor Tschernobyl, hatten wir in der Schule einen Politiker von der CDU im GMK-Leistungskurs, der jede nur minimale Äußerung der Kritik in puncto AKWs gleich in die Ecke "grüne Spinner" tat. Den hätte ich gerne nochmal zwei Wochen später getroffen...

    Jetzt auf einmal merkt selbst Merkel was - irgendwie habe ich gerade ein Déjà-vu. Mich wunderte daaamals (TM) wie heute die Kernschmelze nicht. Und das man in einem Gebiet mit Erdbebengefahr lieber keine AKWs bauen sollte, wissen IMO selbst die Österreicher. Dort steht wenn ich mich recht entsinne ein AKW, nach massiven Protesten, seit 40 Jahren ungenutzt - das Ding wurde nie angeschmissen

    Hab gerade was zu dem Thema gefunden:

    Sat.1 zeigt Störfallthriller "Restrisiko": Auf die Dosis kommt es an - TV Spielfilm.de

    "Im niederösterreichischen Zwentendorf ist nämlich niemals Strom durch Atom hergestellt worden. Die Brennstäbe waren zwar schon auf dem Gelände, wurden aber nie eingesetzt, da das fertig gebaute Kraftwerk 1978 per Volksentscheid gestoppt wurde"
    (...)
    "Die Geschichte mag fiktiv sein, die Gefahr aber ist sehr real: Das AKW Brunsbüttel liegt eine, Krümmel nur eine halbe Stunde von Hamburg entfernt. Und der Drehort in Zwentendorf ist baugleich mit diesen Reaktoren. Nur optisch musste die Realität der Fiktion angepasst werden. Glaubt man sich im Atomkraftwerk im Maschinenraum eines Containerfrachtschiffs, erinnert der Meiler von außen eher an eine Dosenfabrik. Digital bekam er eine Kuppel verpasst. Die Dreharbeiten im September 2010 fielen ziemlich genau in die Zeit, als die Bundesregierung die prinzipielle Verlängerung der Laufzeiten verkündete - das Drehbuch beweist hier fast prophetische Qualität, wenn der von Kai Wiesinger gespielte AKW-Chef freudestrahlend die Verlängerung verkündet. "


    Den Film können sie jetzt gleich mal wiederholen ;->


    Passend noch dieser Filmtipp - Achtung - der Streifen zieht richtig runter (sorry, musi, dass ich die Warnung vergessen hatte):

    Wenn der Wind weht

    80er Filme die ihr erst vor kurzem zum ersten Mal gesehen habt...



    Lutz

  6. #35
    Benutzerbild von chris74

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    AW: Tschernobyl 26. April 1986

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Es reicht nicht schwarz zu malen und theoretisch die drastischen Folgen von denkbaren, aber letztendlich eben sehr, sehr unwahrscheinlichen Was-Wäre-Wenn-Szenarien durchzukauen. Es ist zwar richtig auch darüber zu reden, aber nicht das als Maßstab zu nehmen um in absoluten Ausstiegs-Aktionsimus zu überhitzen.
    Das finde ich sogar sehr wichtig auch die eher unwahrscheinlichen Risiken miteinzubeziehen und sich davor zu schützen. In Japan haben sie halt gesagt, daß ein Erdbeben höher als Stärke 8 sowieso unwahrscheinlich ist, also reicht es, die AKWs bis Stärke 8 abzusichern. Es ist natürlich leicht, hinterher so wie ich zu sagen: so, das habt Ihr nun davon. Aber jetzt mal sachlich und nüchtern: nur, weil eine höhere Absicherung mehr Geld kostet und damit wirtschaftlich nicht mehr rentabel ist, kann ich doch nicht darauf verzichten. Die Tatsache, daß Versicherungen AKWs nicht versichern spricht schon Bände.

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Das Problem der Dutzenden uns umgebenden europäischen Anlagen, in Ländern die in Sachen Atomkraft entspannter immer noch gar nicht sein könnten, kann das auch kein bisschen lösen. In meiner Nähe befinden sich z. B. drei AKWs aus Holland, Belgien und Frankreich, die mir näher oder genauso nah sind als/wie die nächsten deutschen AKW. Wo ist also der Gewinn an Sicherheit für uns insbesondere westliche und östliche Deutsche, wenn wir 10, 20, 30 oder auch 50% mehr für den Strom zahlen und trotzdem von 1970er Jahre AKW aus dem europäischen Ausland, teilweise nach sowjetischer Bauart umzingelt sind? Solls da nur ums Prinzip gehen, bringt das jemandem wirklich ein mehr an Sicherheit?
    Hm, wenn ich daran denke, was im Ausland so alles mehr schlecht als recht läuft, dann wird mir einfach nur noch mulmig. Allerdings sehe ich hier für uns Deutsche ganz klar eine Chance, daß wir uns technisch wieder eine Vorreiterrolle zu eigen machen als das Land, welches beweist, daß ein Ausstieg für eine moderne Volkswirtschaft machbar ist. Teuer wird es, das ist klar. Noch viel teurer ist es allerdings, so weiterzumachen wie bisher. Denn damit werden immer noch höhere Kosten nur nach hinten verlagert. Wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo wir merken, daß vieles nicht mehr so einfach und sorglos fortführbar ist, wie bisher. Ich finde Christoph's Beispiel mit dem fahrenden Auto, von dem keiner weiß, ob und wie es anhalten wird, sehr treffend.

    Im übrigen ist Atomstrom nicht so billig, wie immer erzählt wird. Wir subventionieren diese Energieform massiv indirekt durch z. B. Steuerzahlungen; siehe dazu eine Studie von Greenpeace. Im Prinzip sind die Kosten (insbesondere für die Endlagerung) für den Ausstieg ja auch der Kernenergie zuzurechnen und nicht etwa der Sonnen- oder Windenergie. Denn ein Windrad verursacht nunmal keine Kosten für ein Atomlager.

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Und was ist mit dem Atommüll der bei so vielen gleichzeitigen AKW-Rückbauten in Rekordzeit endgelagert werden müsste? Gegen Schacht Konrad, unser einziges offizielles Endlager, wird ja gleichzeitig auch mit aller Macht protestiert.... Bis morgen bekommen wir wohl kein anderes hin. Da müsste sich die Anti-Atomkraft-Bewegung dann dringend auch mal entscheiden was sie will: Ausstieg sofort ins Endlager Konrad oder Ausstieg sobald ein genehmes Endlager fertiggestellt wurde.
    Ein wirklich gut geeignetes Endlager ist noch gar nicht gefunden. Aber die Entscheidung, so zügig wie möglich aus dieser Energieforn auszusteigen, muß ich nicht von einem Endlager (vorläufig oberirdisch auf AKW-Gelände?) abhängig machen: je früher, umso besser, denn: der Atommüll, der in Zukunft gar nicht erst noch entstehen wird, muß dann auch nicht kostenintensiv und risikoreich entsorgt werden. Angeblich werden im Bayerischen Wald (also bei mir um die Ecke) Gesteine untersucht, da die Form der Gesteinszusammensetzung die Strahlung wohl gut abblockt...

    Ich rechne damit, daß die Biene-Maja-Koalition vor der Atomlobby einknicken wird und mittelfristig nur einen Teilausstieg "light" zaghaft wagen wird. Wenn überhaupt. Im wesentlichen werden sie versuchen, alles auszusitzen. Verlassen kann man sich auf die schwarz-gelben Lobbyvertreter sowieso nicht. Es wird nur noch auf einen günstigen Moment gewartet, wieder alles zu kippen.

  7. #36
    Benutzerbild von chris74

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    AW: Tschernobyl 26. April 1986

    Ach, das habe ich ganz vergessen: die Bundesregierung unterstützt natürlich weiterhin finanziell den Ausbau der Kernenergie im Ausland durch Bürgschaften! Soviel also zur Kehrtwende in der Energiepolitik: Angie ist voll gegen Kernkraftwerke, sie lässt jetzt nur noch Atomkraftwerke bauen. Im Ausland. Siehe dazu einen Kurzartikel auf Spiegel Online. Auf einem erdbebengefährdeten Gebiet soll in Brasilien munter weitergemacht werden. Wer braucht schon Karneval in Rio?! Wer dagegen protestieren mag, kann dies kundtun per eMail über eine Unterschriftenaktion bei Campact. Mehr als 120.000 Leute haben schon unterschrieben. Wichtig dabei ist, sich mit eMail-Adresse einzutragen, denn man erhält anschließend eine Mail von Campact, und diese muß durch einen simplen Klick bestätigt werden. Erst dadurch wird der Protest wirksam.

  8. #37
    Benutzerbild von Elek.-maxe

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    AW: Tschernobyl 26. April 1986

    Zitat Zitat von chris74 Beitrag anzeigen
    Ich rechne damit, daß die Biene-Maja-Koalition vor der Atomlobby einknicken wird und mittelfristig nur einen Teilausstieg "light" zaghaft wagen wird. Wenn überhaupt. Im wesentlichen werden sie versuchen, alles auszusitzen. Verlassen kann man sich auf die schwarz-gelben Lobbyvertreter sowieso nicht. Es wird nur noch auf einen günstigen Moment gewartet, wieder alles zu kippen.
    Die Bezeichnung "Biene-Maja-Koalition" ist mir bisher nicht untergekommen, finde ich auch recht unpassend im Kontext des Buches von Waldemar Bonsels. Ein Naturbuch.

    Viel passender ist in diesem Zusammenhang: Schwarz-Gelbe Gefahr


  9. #38
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Tschernobyl 26. April 1986

    Zitat Zitat von chris74 Beitrag anzeigen
    Das finde ich sogar sehr wichtig auch die eher unwahrscheinlichen Risiken miteinzubeziehen und sich davor zu schützen.
    Das finde ich auch, um zum Entschluss des Ausstiegs an sich zu kommen bzw. ihn aufrecht zu erhalten! Man kann m. E. nur die ganze Debatte nicht allein auf die theoretisch schlimmsten denkbaren Folgen für den Fall reduzieren, dass das sog. "Restrisiko" hierzulande eintreten würde. Selbst die optimistischsten Schätzungen (Greenpeace) gehen noch von einem Ausstiegs-Horizont über mehrere Jahre aus und darauf sollte sich die Diskussion der politisch Agierenden beschränken. Die fundamentalen Atomkraftgegner kegeln sich so ein Stück weit selbst aus einer gestaltenden Position.

    Die Tatsache, daß Versicherungen AKWs nicht versichern spricht schon Bände.
    Ich habe mit solchen Aussagen und dem was sie suggerieren sollen einfach immer wieder meine Probleme. Ich bin ja für den Ausstieg! Aber warum müssen Widerstände, Bürgerinitiativen und Vereine immer wieder mit solchen vermeintlich eingängigen, aber eben doch halbgaren, Belegen für Ihre Position arbeiten? Meine Privat-, Berufs-, Miet- und Verkehrs-Rechtsschutzversicherung schließt den Fall PostMortem gegen die Bundesrepublik Deutschland auch aus. Das sagt aber gar nichts über eine hohe Wahrscheinlichkeit aus, dass dieser Fall kommt. Tatsächlich habe ich sie sogar noch niemals in Anspruch genommen.

    Hm, wenn ich daran denke, was im Ausland so alles mehr schlecht als recht läuft, dann wird mir einfach nur noch mulmig. Allerdings sehe ich hier für uns Deutsche ganz klar eine Chance, daß wir uns technisch wieder eine Vorreiterrolle zu eigen machen als das Land, welches beweist, daß ein Ausstieg für eine moderne Volkswirtschaft machbar ist.
    Ich sehe das ja auch so! Was ich nicht möchte ist die Abwanderung von Arbeitsplätzen ins Ausland und das sich die umliegenden Länder die Hände reiben, uns aus wenigen Kilometern entfernten Kraftwerken Atomstrom liefern und wir den dann womöglich noch von unseriösen Anbietern als Ökostrom verkauft bekommen. Dann haben wir nichts gewonnen, zahlen nur mehr und werden betrogen. Genau das wird aber doch passieren, wenn sich dieses unseriöse Geschäftsmodell bei im Vergleich zum EU-Ausland sehr hohen deutschen Strompreisen zu rechnen beginnt. Das ist Gammelfleisch aus der Steckdose und wir wären im Aktionismus blind in diese Falle gelaufen. Das muss vernünftig geregelt und bis zu einem vernünftigen Ausstieg irgendwann zwischen m. E. 2015 und 2021 alles geregelt werden.

    Darüber hinaus müssen m. E. sogar noch Dinge geregelt werden an die jetzt noch gar keiner denkt und die natürlich ein bisschen paranoid klingen können. Aber was machen wir mit den frei werdenden Atomtechnikern? Die haben dann keinen Job mehr, aber ne Menge Wut im Bauch. Gerade noch eine Zukunftstechnologie studiert und jetzt schon arbeitslos. Was kann man unternehmen, damit diese frustrierten Leute nicht mit äußerst lukrativen Angeboten in Staaten abwandern, die aus nicht ganz so friedlichen Mitteln an Atom-Technologie und KnowHow interessiert sind? Bis hin zu solchen Details lässt sich das nicht so schnell regeln und lösen.

    Ach, das habe ich ganz vergessen: die Bundesregierung unterstützt natürlich weiterhin finanziell den Ausbau der Kernenergie im Ausland durch Bürgschaften! Soviel also zur Kehrtwende in der Energiepolitik: Angie ist voll gegen Kernkraftwerke, sie lässt jetzt nur noch Atomkraftwerke bauen. Im Ausland.
    Was ist denn realpolitisch betrachtet besser: Wenn wir uns drum kümmern, dass die AKW in anderen Ländern wenigstens so sicher wie möglich sind, wenn man dort schon nicht von der Atomkraft lassen will oder wenn wir uns verkrümeln und dort unsicherere Technik hochgezogen wird als Siemens geliefert hätte? Mir ist wie schon beim Scheinargument der Unversicherbarkeit von AKW nicht klar was mit diesem Aufschrei der Entrüstung eigentlich erreicht werden soll. Mehr als eher unsicherere Technik kommt doch, wenn man es zu Ende denkt, nicht dabei raus wenn man erfolgreich damit wäre?! Ist das sinnvoll, was bringt uns das?

  10. #39
    Benutzerbild von chris74

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    AW: Tschernobyl 26. April 1986

    @Elek.-Maxe:
    der Begriff "Biene Maja"-Koalition kommt nicht von mir; der geistere nach dem Wahlsieg im Herbst 09 in den Medien herum. Sieh's doch einfach so: schwarz-gelb-grün hat mit Jamaica (außer den Farben auf der Fahne) ja auch nichts zu tun. Ist halt einfach nur prägnant. Zumindest würden die in einer solchen Koalition auch nicht mehr Rum saufen.

    @PM:
    Konkret meine ich mit der Unversicherbarkeit eines AKWs, daß es erstens ja nur Wahrscheinlichkeiten gibt, wonach ein GAU eintreten könnte. Und wenn es dann soweit ist, kann man nicht mehr genau sagen, wie hoch die tatsächlichen Folgekosten sein werden. Und sowas macht ein AKW aus Sicht eines Versicherungsunternehmens unkalkulierbar und damit uninteressant als Versicherungsobjekt und zeigt mir als einfachen Menschen, daß diese Technik so viele Unwägbarkeiten mit sich bringt, daß es einfach besser ist, die Finger davon zu lassen. Es fehlen einfach Erfahrungswerte oder Zahlenmaterial, auf das man zurückgreifen kann (wie z. B. Sterbetabellen bei Lebensversicherungen).

    An die eventuell abwandernden AKW-Techniker habe ich noch gar nicht gedacht. Ein sehr guter Gedanke. Na ja, die werden dann wohl hoffentlich nicht im Iran Asyl suchen?!

    Was mich an der Geschichte mit dem brasilianischen Kernkraftwerk vor allen Dingen stört, ist, daß hierzulande Schwarz-Gelb in grünen Aktionismus verfällt; plötzlich lernen alle von Fukushima, und dann wird gerade für den Bau auf einem erdbebengefährdeten Gebiet finanzielle Unterstützung angeboten. Das finde ich einfach unverschämt und raubt dieser Regierung den Hauch eines letzte Bischen Glaubwürdigkeit. Mit einer Begründung, wie Du sie nennst (lieber Siemens-Technik statt Schrottmeiler) wäre das Ganze ja noch irgendwie nachvollziehbar, aber selbst diese Mühe gibt man sich nicht mal!

  11. #40
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Tschernobyl 26. April 1986

    Zitat Zitat von chris74 Beitrag anzeigen
    Mit einer Begründung, wie Du sie nennst (lieber Siemens-Technik statt Schrottmeiler) wäre das Ganze ja noch irgendwie nachvollziehbar, aber selbst diese Mühe gibt man sich nicht mal!
    Areva baut ja dort mit, also eine Firma die durchaus "State of the Art"-Technik liefern kann. Wie ich aber gerade im ZDF gesehen habe (Bauleiter Costa Mattos Stand persönlich Rede und Antwort), wird in Brasilien mit Technik aus den 1980er Jahren gebaut (also wir sind nun nicht mehr OT )! Ausgerechnet dieses Geschäft hätte unsere Bundesregierung also vielleicht besser nicht gebiligt. Was da mit "Angra 3" gebaut wird, stammt zu einem großen Teil aus der gleichen Epoche dessen was wir hier abschalten wollen. Tatsächlich lagern dort offenbar viele Teile seit 27 Jahren, da der Bau damals wegen Finanzierungsproblemen gestoppt wurde. Jetzt baut man mit genau dem Material weiter. Ich bin einigermaßen überrascht. Wenn man sich die Baugeschichte von Angra 1 und 2 zu Gemüte führt, fragt man sich wieso sich ein deutscher Technologiekonzern erneut mit in so ein Abenteuer stürzt. Also ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil

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