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TV-Tipp: "Generation Pop"

Erstellt von Torsten, 08.06.2004, 22:21 Uhr · 10 Antworten · 1.585 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Torsten

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    Ab kommenden Freitag zeigt der WDR mit "Generation Pop" eine vierteilige Doku über die Musik und Jugendkultur der 70er- und 80er-Jahre.

    Hier ein paar Infos zu den einzelnen Folgen:

    Teil 1: "Krach & Koteletten" (Freitag, 11.06.04, 23:00 - 23:45 Uhr / Montag, 14.06.04, 10:15 - 11:00 Uhr)

    http://www.lernzeit.de/sendung.phtml...235&PHPSESSID=
    "Rockmusik muss man laut hören, sonst kocht das Blut nicht", sagt ein heute 40-jähriger Sauerländer. Einer von 12 Ex-Jugendlichen, die sich in diesem Film an ihre wilden Jahre erinnern. Sie spielten schon Luftgitarre, da stand "Smoke On The Water" noch ganz oben in der Hitparade. Als der Verstärker versagte, wurde er zum Abkühlen vor die Scheune gestellt. Ihre Frauenbewegung hieß Suzi Quatro. Ganz in Leder und die Band im Griff - Can The Can - das war eine klare Aussage. Diese härteste Frau der 70er und die lauteste Band kommen in dieser Doku rückblickend zu Wort: Slade. Ihr Motto damals wie heute: Cum On Feel The Noize. Und genau das wollte die Jugend. Krach! Und Koteletten! Und Mittelscheitel, zum Frisieren. Mofas, zum Frisieren.

    "Stück ma'n Rück." Die Clique traf sich öffentlich. Die Doku zeigt die Top-Five: der Sprüche, der Treffpunkte. Die Bushaltestelle, der Spielplatz, das Einkaufscenter, die Parkbank, der Dorfbrunnen. Warum verstecken, wenn man so einfach provozieren kann. Nieten an den Cloggs, an der Jacke, an den Jeans und manchmal im Radio. "Hit oder Niete", fragte Mal Sondock und erklärt heute einer traumatisierten Generation, warum er in die Titel reinquatschen musste. Trotzdem haben ihn alle geliebt, denn er brachte ihnen die Musik.

    Geredet wurde nicht viel - war bei der lauten Musik ohnehin nicht möglich. Steigerung war nur im Verhalten möglich: Beschimpfen und bespucken. So entstand Punk-Rock, so spielten die 5ex Pistols. Statt Verantwortung trug man damals eben eine Ratte auf der Schulter.
    Teil 2: "Sanftes & Samtcord" (Freitag, 18.06.04, 23:00 - 23:45 Uhr / Montag, 21.06.04, 10:15 - 11:00 Uhr)

    http://www.lernzeit.de/sendung.phtml...354&PHPSESSID=
    Als die Rolling Stones "Angie" beschluchzten und Rod Stewart sich "Sailing" aus der Seele sang, als sanft Cat Stevens säuselte und Chris Norman mit Smokie gefühlig seine Räucherstimme hob, da war sie: die große Zeit der Zärtlichkeit.

    Schmusezeit. Klammerblues und Kussversuche. Petting und Pril-Blumen. Abgefüllt mit Aroma-Tee hing man ab auf Matratzenlandschaften in Fetenkellern. Weich, überhitzt und pubertierend. Nie war das Leben so hormongesteuert. Nie hatten es die Hormone so schön warm: in gefütterten Lammfelljacken und meterlangen Strickschals, auf Flokati-Teppichen und unter kuscheligem Langhaar. Von der Hose bis zum Bett: Sanftes in Samtcord. Der Stoff, aus dem die Träume waren. Die Träume, die Musik wurden.
    Teil 3: "Poesie & Protest" (Freitag, 25.06.04, 23:00 - 23:45 Uhr / Montag, 28.06.04, 10:15 - 11:00 Uhr)

    http://www.lernzeit.de/sendung.phtml...376&PHPSESSID=
    1970 ist das Jahr, in dem Janis Joplin an einer Überdosis Heroin stirbt. Ein Heldentod. Stellvertretend für alle, die am Leben leiden, aber auch stellvertretend für alle, die nach Leben schreien: "Me And Bobby McGee!!!!". Diese "Generation Pop!" ist bewegt: ökobewegt, frauenbewegt, friedensbewegt. Und die Musik ist der Soundtrack ihres Widerstandes sowie ihrer Sehnsucht nach einem besseren Leben.

    Der Song "Autobahn" von der Band "Kraftwerk" wird dabei ganz unbeabsichtigt zur Hymne rollschuhfahrender Kids, die an den autofreien Sonntagen über die Autobahnen düsen. Und ein Fan von "Kraftwerk" schwelgt schwärmerisch: "Das ist wie ein Universum, das sich da öffnet, da fliegen virtuelle Klangvögel durch die Luft". Zu den 180%igen "Ökos" zählt aber vor allem eine Frauenband, die völlig unerwartet zum Liebling der Frauenbewegung avanciert: Die Gruppe "Schneewittchen" mit ihrem hymnischen "Zerschlag deinen gläsernen Sarg". Orchestriert mit Gitarre, Querflöte und Geige, dekoriert mit Faltenrock und Strickpulli. "Es ging um die Kernsätze dieses Liedes, das hatte man auf den Lippen, wenn man in die Frauenszene ging", erzählt eine Aktive von damals. Ina Deter ist da anderer Meinung, sie findet: "Die sahen aus, als kämen sie aus einem Volkshochschulkurs für Folklore". Deter selbst flankiert den Aufbruch mit "Neue Männer braucht das Land" - natürlich in ihrer lila Latzhose und mit pinkfarbener Gitarre.

    Für Frieden und gegen die Stationierung der Pershing-Raketen spielen Anfang der 80er Jahre die "Bots" ihr scheinbar unvermeidliches Lied "Aufstehen". "Da sind wir immer gleich Fritten essen gegangen, wenn die auftraten und erst wiedergekommen, wenn BAP die Bühne eroberte", erinnert sich ein Konzertbesucher. Doch auch die alternativen Kölsch-Rocker hatten nicht nur Anhänger: "Der (Wolfgang Niedecken) war nur deshalb so erfolgreich, weil er zu allem und jedem seinen Senf dazugegeben hat." Und für die Autonomen waren BAP & Co. eh nur Teil jener "langhaarigen Luschiszene", die sie verachteten. Ihre Form des spontanen und phantasievollen politischen Kampfes - Hausbesetzungen und Schlägereien mit Rechtradikalen - wird vor allem von einer Gruppe begleitet: "Ton Steine Scherben". Mit "Macht kaputt was euch kaputt macht" liefern sie die rhythmisch und ideologisch stimmige Waffe gegen Staatsgewalt. "Wir haben einfach die Fenster des besetzten Hauses aufgemacht, die Boxen nach draußen gestellt und die Bullen auf der Straße voll damit beschallt".

    Der Film setzt sich mit den Erlebnissen der Interviewpartner auseinander, u.a. Ina Deter, Konstantin Wecker, Claudia Roth (ehemalige Managerin von "Ton Steine Scherben"), Peter Hein, Leadsänger von "Fehlfarben", Angi Domdey von "Schneewittchen" sowie vielen Nicht-Prominenten.
    Teil 4: "Disco & Dauerlutscher" (Freitag, 02.07.04, 23:00 - 23:45 Uhr / Montag, 05.07.04, 09:45 - 10:30 Uhr)

    http://www.lernzeit.de/sendung.phtml...384&PHPSESSID=
    "Wolle, Wolle. Hacke, Hacke!" Diesem Dance-Schlachtruf der späten Siebziger ist kaum jemand entgangen. Heiko Felten, damals Tanzlehrer in Düsseldorf, brachte den Kids bei, sich ähnlich wie John Travolta in dem Tanzfilm "Saturday Night Fever" zu bewegen: Wolle, Wolle = Arme verschrauben, Hacke, Hacke = Beine verschrauben! "Wir waren die Spaßgeneration. Es ging um Selbstdarstellung, Freiheit und 5ex", meint Robert Koch, Ford-Capri-Fahrer und notorischer Discogänger.

    Der Spaß auf der Tanzfläche begann bereits Ende der 60er Jahre. Schwarze Soul- und Funkmusik schwappte aus Philadelphia nach Europa, der Phillysound wurde begeistert aufgenommen und kopiert. Die Münchnerin Penny McLean schmetterte ihr "Lady Bump" aufs Tanzparkett, und die Ladies "bumpten", was das Zeug hielt. 5ex war hier nicht mehr Teil einer "Unterdrückungsmaschinerie", sondern hüftschwingende Verheißung im Glitzerlook.

    Hautenge, glänzende Klamotten mit viel Polyester und viele glänzende Augen - vom Kokain - im Münchner P1, Deutschlands trendigster Edeldisco. Das passende Outfit für das Upper-Class-Publikum kreierte Rudolph Moshammer: Hip und doch "was besseres". "Die anderen hatten Parkas mit aufgemalten Anarcho-Zeichen, die fanden uns echt bescheuert", sagt Robert Koch. Sein Lebensmotto: "Fly Robin Fly!", der Song von Silver Convention, wurde zum Welt-Hit. Ramona Wulf, damals Band-Mitglied, berichtet, wie in den Münchner Musicland-Studios reihenweise internationale Hits produziert wurden: Boney M., Silver Convention, Donna Summer.

    Bei Familie Kniel aus Köln ist das Discofieber generationenübergreifend. Die Eltern verschraubten sich zu Donna Summers "I Feel Love", die Tochter steht auf HipHop der 80er, der Sohn bevorzugt die Ravepartys der Techno-Szene. Da ist alles wieder hauteng und aus Plastik, Drogen heißen jetzt Designerdrogen, und zur Loveparade fährt man auch, weil man da "5ex gucken" kann. Techno-Queen Marusha legt für "Generation Pop!" ihre neuesten Platten auf und erzählt über das Discofieber in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts.
    Mal abwarten, ob die Reihe hält, was die Ankündigungen versprechen. Mein Videorecorder wird in den Startlöchern stehen...

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Pallas

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    Wow, ich habe - leider nur teilweise, aber immerhin - den ersten Teil gesehen. Gefällt mir gut! Klasse finde ich, daß dort ganz normale Menschen "ihre 70er" schildern und nicht schon wieder irgendwelche Promis. Das Ganze war so sehr nah an der eigenen Erlebens-Wirklichkeit.

    Sehr empfehlenswert!

  4. #3
    Benutzerbild von Torsten

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    Pallas postete
    Wow, ich habe - leider nur teilweise, aber immerhin - den ersten Teil gesehen. Gefällt mir gut! Klasse finde ich, daß dort ganz normale Menschen "ihre 70er" schildern und nicht schon wieder irgendwelche Promis. Das Ganze war so sehr nah an der eigenen Erlebens-Wirklichkeit.

    Sehr empfehlenswert!
    Allerdings, ich war absolut begeistert! Neben der bekannten "Pop 2000"-Reihe war dies mit Abstand das Beste an Musik- und Zeitgeist-Doku, was ich die letzten Jahre gesehen habe. Und wie du schon sagtest: Konkret an der eigenen Wirklichkeit orientiert, mit pointierten Kommentaren von Normalbürgern.

    Wer's verpasst hat, sollte sich nicht ärgern, sondern die Wiederholung aufzeichnen!

    Ich freue mich jedenfalls schon auf die restlichen drei Folgen...

  5. #4
    Benutzerbild von Bounty

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    habs gestern wirklch verpasst wegen besuch, und war heilfroh hier heute zu lesen, das am montag ne wiederholung kommt *applaus für Torstens gute info*

  6. #5
    Benutzerbild von Pallas

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    Oh, da werde ich aber mal den Videorecorder anwerfen!!!

    BTW: Es gibt ja auch eine Menge 70er-Dokus in Buchform. Würde man ein Pendant zu dieser Serie als Buch suchen, würde ich
    "Flokati-Fieber - Liebe, Lust und Leid der 70er Jahre"
    (Autoren: Nikolaus Jungwirth / Gerhard Kromschröder; Eichborn Verlag)
    empfehlen!
    Dieses Buch schildert die 70er so, wie es wirklich jeder ganz normale Mensch erlebt hat, mit Tanzschule, langen Haaren, Terroristen- und Suchkinderplakaten, der einführung von Fußgängerzonen, der temporären Erscheinung der Landkommunen usw. usf...
    Es gibt nur einen Haken:
    Das Buch ist seit Jahren vergriffen.
    Aber es gibt ja eBay...

  7. #6
    Benutzerbild von Bounty

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    *hochschieb* nich vergessen, gleich kommt teil 2!!!

  8. #7
    Benutzerbild von Babooshka

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    Und ich schmeiß gleich meinen Fernseher aus dem Fenster. Ich krieg auf Deibel komm raus keinen WDR rein!

  9. #8
    Benutzerbild von Torsten

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    ... und ich Nase hab's diesmal verpeilt. Werde aber die Wiederholung aufzeichnen...

  10. #9
    Benutzerbild von Bounty

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    @ Babooshka: hier sind alle senderfrequenzen für Berlin im Kabel http://home.snafu.de/wolfi/AV/freqbln.html#TV

    ich hab allerdings auch das prob, das mein oller fernseher 3 sender (WDR, BR und XXP) so nicht reinkriegt. diese sender schau ich übern videokanal, weil der videorecorder empfängt sie (warum auch immer das so ist*wunder*). vllt hilft dir das ja weiter.

  11. #10
    Benutzerbild von Babooshka

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    Tja, die Kanäle sind auch im Hausflur angepinnt, weil neulich im ganzen Viertel daran rumgepfuscht wurde. Ja, rumgepfuscht: Seitdem ist auf meinem Fernseher kaum noch was an seinem Platz, ich hab kein TV5 mehr, Super Channel ist schwarzweiß und auch der Türke ist weg (nicht, dass ich ihn gebraucht hätte, ist mir nur aufgefallen). Dafür habe ich ca. 3 Homeshopping-Kanäle, argh, wozu braucht die Welt das?

    Aber über Video werd ich's mal versuchen, das kann wohl wirklich manchmal helfen.

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