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Überwachungsstaat.

Erstellt von Mumie, 17.11.2009, 08:57 Uhr · 102 Antworten · 12.119 Aufrufe

  1. #101
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Überwachungsstaat.

    Grundsätzlich sehe ich wenig Sinn in Diskussionen um die Berechtigung von Begrifflichkeiten für ein drängendes Problem. Nennen wir es "Hrgrbrl"! Streiten um Begriffe löst das Problem nicht. Letztendlich sehen Strafverfolger, Polizei oder auch Innenminister heute keinen Anlass mehr irgendwas daran zu beschönigen, dass Migranten mit auffallenden gemeinsamen Merkmalen hinsichtlich Herkunft und Kultur/Religion signifikant häufiger bei bestimmten Delikten in den Kriminalstatistiken auftauchen als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Das ist schonmal ein Fortschritt, hat man sich diese Offenheit doch jahrelang aufgrund "der deutschen Vergangenheit" selbst verboten.

    Zieht man Berichte aus dem Arbeitstalltag von Sozialarbeitern und Polizisten hinzu, dürften diese Statistiken dann noch noch eine sehr hohe Dunkelziffer nicht darstellen. Die meisten akademischen Diskussionen laufen ohne diesen praxisnahen Hintergrund ab. Sonst würden wir nicht mehr über die Berechtigung oder Nicht-Berechtigung von Begrifflichkeiten diskutieren, sondern was man tun kann um den "Clash of Cultures" zu verhindern.

    Aber der Westen ist im Hinblick auf seine Kultur und andere Kulturen in meinen Augen langsam durch lange Friedenszeiten (nee, wir müssen nun keinen Krieg bekommen um das zu lösen) insgesamt verkümmert und irgendwo auch geradezu verblödet. Man verwechselt Toleranz mit Selbstaufgabe und -aufopferung, sucht die Schuld für Unverständnis und Undank dann auch noch bei sich selbst.

    Heute morgen hörte ich auf WDR2 einen schwärmenden Fach-Redakteur, der die Chance auf freie Wahlen und Demokratie in Lybien pries. Das ist doch naiv bis lächerlich. Viele glauben selbst nach Afghanistan und dem Irak immer noch, dass es dort und eben nun in Lybien eine Sehnsucht nach Demokratie und Freiheit gibt, nur weil gegen die bisherhige diktatorische Führung gekämpft wird. Im Grunde ist das ja diskriminierend. Wir unterstellen dem Volk dort, dass sie so denken müssen wie wir und alles aus Motiven heraus tun, die uns gefallen. Die Wirklichkeit wird doch wahrscheinlich fatal anders aussehen. Lybien wird doch sehr wahrscheinlich nun noch konsverativer, instabil und undemokratischer als bisher. Es wird sich noch erweisen müssen, ob Gadaffi nicht jahrzehntelang zu Recht als das kleinere Übel politisch am Leben gehalten wurde. Die Stämme die nun ans Ruder wollen, sind keineswegs demokratiefreudiger und säkularer als er.

    Im Grunde wiederholt sich medial und aussenpolitisch gerade das, was man innenpolitisch auch macht. Man misst mit eigenen Maßstäben fremde Kulturen, weicht verständnisvoll irgendwo zwischen Liberalität und Naivität gegenüber einem entschlossenen, verbündeten Kulturkreis zurück und redet die ganze Zeit theoretisch um den heissen Brei und fühlt sich dabei mieß.

    Wir haben alles falsch gemacht!

  2.  
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  3. #102
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: Überwachungsstaat.

    Ok, bei dem Thema Migration kommen wir nicht auf einen Punkt ...

    Bei dem Thema Libyen stimme ich Dir insoweit zu als dass dort kaum zivilgesellschaftliche, demokratische Kräfte anzunehmend sind (ganz anders als in den stärker urbanisierten Gesellschaften Ägyptens und Tunesiens, in denen es durchaus Gewerkschaften, eine Frauenbewegung, unabhängige Journalisten u. ä. gibt) und dass es letztlich wohl nur um eine Neuaufteilung der Ölfelder geht. Aber dass die NATO die Stämme in Libyen unterstützt, hat ganz und gar nicht mit Ahnungslosigkeit zu tun (genausowenig wie in den 80ern im Falle der afganischen Mujaheddin), sondern einfach mit dem Vorrang von 'Realpolitik': Der Feind meines Feindes ist (bis auf weiteres) mein Freund und nur das zählt.

  4. #103
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Überwachungsstaat.

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Ok, bei dem Thema Migration kommen wir nicht auf einen Punkt ...
    Dafür haben wir uns an so ziemlich allen Aspekten abgearbeitet und sind uns immerhin bis jetzt nicht an die Gurgel gegangen. Ist doch bei so einem emotionsbeladenen Thema auch was.

    Bei dem Thema Libyen stimme ich Dir insoweit zu als dass dort kaum zivilgesellschaftliche, demokratische Kräfte anzunehmend sind (ganz anders als in den stärker urbanisierten Gesellschaften Ägyptens und Tunesiens, in denen es durchaus Gewerkschaften, eine Frauenbewegung, unabhängige Journalisten u. ä. gibt) und dass es letztlich wohl nur um eine Neuaufteilung der Ölfelder geht. Aber dass die NATO die Stämme in Libyen unterstützt, hat ganz und gar nicht mit Ahnungslosigkeit zu tun (genausowenig wie in den 80ern im Falle der afganischen Mujaheddin), sondern einfach mit dem Vorrang von 'Realpolitik': Der Feind meines Feindes ist (bis auf weiteres) mein Freund und nur das zählt.
    Grundsätzlich denke ich erstmal, dass heute keiner weiss was die Aufständischen eigentlich nach dem Umsturz im Detail vorhaben. Vielleicht wissen sie es selbst noch gar nicht, weil sie viele verschiedene Stimmen haben. Aber in Sachen Naivität meine ich die teilweise doch echt einfältigen Wortmeldungen in den Medien, wie eben die geschilderte heute morgen auf WDR2. Der Durchblick unserer Bundeskanzlerin und ihres Aussenministers dürfte noch trüber sein. Die USA und ihr Gefolge wiederholen natürlich auch das kurzsichtige Verhalten der 1980er, mit dem sie dem heutigen islamistischen Terror selbst mit den Boden bereitet haben. Aaaaaaaaber, auch wenn das Thema Überwachungsstaat und instabile Staaten wie Afghanistan, Irak und Lybien sogar miteinander zu tun haben, wäre das ggf. wirklich mal was für einen neuen Thread.

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