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Überwachungsstaat.

Erstellt von Mumie, 17.11.2009, 08:57 Uhr · 102 Antworten · 12.117 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von Castor Troy

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    AW: Überwachungsstaat.

    DIE LINKEN = Alte PDS/SED Mitglieder.

    Genau so dumm sind auch die Dänen. Der Typ neben Honecker wir wohl bald
    Finanzminister.





    Im OKT gibt es bei uns Wahlen,und seine Partei geht es mehr als gut
    Das sind Gutmenschen die ihn wählen.Haben sie alles vergessen?
    Nicolae Ceausescu war auch ein Freund.






    Seine Wähler: Das ist doch soooooo lange her-Vergessen wir es.


    KANN MAN DAS?

    Ja, ich mag solche Gutmenschen auch nicht unbedingt und Claudia Roth geht mir - schon allein wegen ihrer medialen Überpräsenz - oft gehörig auf den Wecker .


    Allerdings mag ich Merkel auch nicht mehr.Den Euro mist will eh keiner mehr.

    Den werden wir NIE bekommen. Über 60% der Dänen sind auch dagegen.

  2.  
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  3. #22
    Benutzerbild von SportGoofy

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    AW: Überwachungsstaat.

    Dänen lügen nicht

    YouTube - ‪Dänen lügen nicht‬‏

  4. #23
    Benutzerbild von Castor Troy

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    AW: Überwachungsstaat.

    Das nicht !

  5. #24
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Überwachungsstaat.

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    @Mortem de Post

    Was die Berührungsängste vieler mit den Linken angeht, möchte ich auf eine Politikerin hinweisen, die mal in der FDJ Kulturreferentin oder lt. anderer Quellen "Sekretärin für Agitation und Propaganda" war.
    Achja es ist Frau A.M. z.Z. Bundeskanzlerin.
    Ich mag unsere Angie und ihre (Nicht-)Politik nicht und sie war mir schon peinlich, bevor es schick wurde, dass sie einem peinlich ist. Ein Beispiel dafür wäre dieses peinliche Verhalten, als sie bei ihrer tollen Preisverleihung in den USA bemerkte, dass sie unhöflicherweise vor Obama ans Mikro treten wollte. Klar, als Frau braucht sie ja auch nicht staatsMÄNNisch zu sein. Aber das staatsfrauische hat sie bestimmt auch nicht erfunden. Da müssen wir jetzt noch eine Weile durch.

    ABER, ihre Positionen und ihr Aufstieg in verschiedenen politischen Systemen sehe ich mittlerweile relativ pragmatisch. An so vielen Positionen saßen in Westdeutschland nach 1945 Leute an Schaltstellen, die dort auch zwischen 1933 und 1945 das Sagen hatten. Industrielle, Kommunalpolitiker, Landespolitiker, spätere Bundespolitiker, Stadtplaner etc. etc. Manche Stadt wurde von ehem. Mitarbeitern Albert Speers neu gebaut. Damals teilweise ein großer Skandal, für viele sicherlich auch heute noch. Aber wen wundert es eigentlich und warum sollte man sich übermäßig darüber wundern? Die Talente sind rar und sie stellen sich in den Dienst des Regimes das gerade regiert. Wieso sollte es anders sein? Man kann auf die besten Köpfe nicht verzichten und ihnen zum Vorwurf machen, dass sie ihr Talent nicht verborgen und unterdrückt haben, nur weil spätere Sieger die Geschichte schreiben werden. Soll man aufhören ein Leben zu leben und 40 Jahre DDR abwarten, ohne zu wissen, dass das Ende dieser Republik überhaupt kommt? Ich glaube, ich hätte auch in jedem Regime versucht irgendwas zu werden. Vermutlich wäre mir weder 1933 (man war noch Monarchie gewohnt und sehnte sich teilweise zurück), noch in der DDR danach gewesen auf ein Leben oder einen gewissen beruflichen Aufstieg zu verzichten. Wer hätte das auch getan? Kaum jemand. Merkel hat es nicht. Ob sie das nun gerade dazu befähigt Kanzlerin zu werden, hatten andere zu entscheiden. Gewählt hat sie das Volk. Das Volk hat sich ja schon so manchen Kanzler gewählt. Aber gewählt ist eben gewählt.

    Deswegen habe ich mit den Ost-Linken die wenigsten Probleme. Ich glaube sogar, man ist dort längst in linker Realpolitik angekommen. Man regiert dort, ziemlich geräuschlos sogar. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass nicht jeder IM gleich davon jejagt werden muss. Es muss schnell gegangen sein IM zu werden und viel auf dem Spiel gestanden haben wenn man nicht mitspielt. Da muss man immer auf den Einzelfall gucken und mit welchem Arbeitseifer und welcher Eigeninitiative da Leute ihr Umfeld bespitzelt haben.

    Aber die West-Linken sind anders. Regional sind sie Sammelbecken von Figuren, die in Westdeutschland aus gutem Grund auch früher kaum jemand gewählt hat. Man sollte diese Leute jetzt auch nicht wählen, nur weil sie als Linkspartei auflaufen. Man wollte halt im Westen schnell auf Mitglieder kommen, da hat man sich alles mögliche eingehandelt.

    Und ja, auch mir gehen Linke Spießer auf den Senkel. So musste ich heftig lachen als ich an der Uni-HH zum ersten Mal "MensaInnen" lass
    Teilweise kann ich da gar nicht mal mehr so drüber lachen. Ich bin mittlerweile schon in Meetings gemaßregelt worden, weil ich ein generisches Maskulinum verwendet habe! Da kommt man sich schnell vor wie "Der letzte Bulle"...

  6. #25
    Benutzerbild von Castor Troy

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    AW: Überwachungsstaat.





  7. #26
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: Überwachungsstaat.

    Politischer Rundumschlag zum Wochenende:

    Zum Ausgangsthema: Man braucht die Grünen nicht, um den Überwachungsstaat einzuführen. (Die Vorratsdatenspeicherung wurde meines Wissens nach von CDU und SPD eingeführt. Und das mit den Kameras an jeder Ecke ist ebenfalls nicht auf dem Komposthaufen der Grünen gewachsen. Generell weiß die heutige Regierung heute viel mehr über ihre Bürger als die DDR-Regierung mit ihren vorsintflutlichen Methoden und ihren misstrauischen Bürgern jemals herausfinden konnte.) Die Grünen sind halt nur gut darin, für jede Mist, der auch ohne sie käme, noch eine schicke, links klingende Begründung zu finden*g*.

    Generell sehe ich das auch so, dass die Grünen eine Partei für Mittelschichtsspießer geworden sind. Die schwarz-grünen Gedankenspiele kommen nicht von ungefähr, man braucht nur schauen, in welchen Stadtteilen die Wähler beider Parteien zuhause sind.

    Zum Thema "Gutmenschen" und linke Gesinnungskontrolle: Es stimmt, dass viele Linke nicht wirklich zur Sache argumentieren, sondern ganz darauf setzen, ihren Gegner durch den Verdacht geistiger Nähe zur NS-Zeit zu ächten und aus der Diskussion auszuschließen. Dass heisst aber nicht im Umkehrschluss, dass ihre sich als mutige Tabubrecher gefallenden Gegner - "Politically Incorrect", Sarrazin, ect. - lauter nette Leute mit lauter hervorragenden Argumenten sind.

    Zum Thema Hartz IV: Es gelingt BILD und Konsorten leider derzeit sehr gut, an die Spießerseele appellierend die Geringverdiener gegen die Garnichtmehrverdiener aufzuwiegeln. Je mehr einer vor seinem Chef buckeln muss, desto eifriger schimpft er auf die, die noch nicht mal einen Chef haben. Ersterer begreift dabei nicht, dass jede Drangsalierung letzterer jene noch gefügiger für den Niedrigslohnsektor macht und damit insgesamt das Lohnnivieu noch weiter runterzieht. Da würde ich mir von der deutschen Unterschicht doch etwas mehr griechisches Temperament wünschen.

    Zum Thema Linkspartei: Die sind nicht linker als die SPD zu Zeiten Willy Brandts. Auch im SPD-Parteiprogramm gab (gibt?) es einen Passus mit dem Stichwort "Demokratischer Zentralismus" und auch die Linkspartei entpuppt sich da, wo sie mitregiert, sehr schnell als "pragmatisch" (sprich: man verwaltet den durch Steuersenkungen geschaffenen Mangel und unterlässt, was die Betroffenen zur Renitenz inspirieren könnte).

  8. #27
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Überwachungsstaat.

    Zitat Zitat von Die Luftgitarre Beitrag anzeigen
    Politischer Rundumschlag zum Wochenende:

    Zum Ausgangsthema: Man braucht die Grünen nicht, um den Überwachungsstaat einzuführen. (Die Vorratsdatenspeicherung wurde meines Wissens nach von CDU und SPD eingeführt.
    Wollte dir erst zustimmen! Aber vollziehen wir das mal nach: Die Vorratsdatenspeicherung wurde auf Basis einer EU-Richtline eingeführt. Diese EU-Richtlinie entstand allerdings auf Initiative von Otto Schily, der sie an die EU-Kommission herangetragen hatte. Im Gegensatz zu Deutschland haben sich viele Staaten gewehrt, diese mit ihren Grundgesetzen/Verfassungen nicht zu vereinbarenden Bürgerrechtseinschränkungen umzusetzen. So wäre es bei einer rein deutschen Initiative auch gewesen. D. h. Otto Schily hat dafür gesorgt, dass Deutschland die gewünschte Vorratsdatenspeicherung über das Vehikel einer umzusetzenden EU-Richtlinie einführen kann. Das hat eine erhebliche Schaffenskraft und Energie gebraucht, die nur Otto Schily als Überzeugungstäter so aufgebracht hat.

    Woher kommt dieser Otto Schily nun? Richtig, zwischen 1980 und 1989 war er (Gründungs-)Mitglied der Grünen, mit denen er groß und als Politiker so renommiert wurde, dass er anschließend relativ nahtlos seine Karriere, bis hin zum Bundesminister, bei der SPD weiterführen konnte.

    Wenn man will, und ich will jetzt gerade einfach mal, kann man also mit Recht doch behaupten: Für die Vorratsdatenspeicherung, wie wir sie heute kennen, brauchte es offenbar die Grünen! Ohne Grüne hätte es diese Kausalkette sehr wahrscheinlich nie gegeben.

    Zum Thema "Gutmenschen" und linke Gesinnungskontrolle: Es stimmt, dass viele Linke nicht wirklich zur Sache argumentieren, sondern ganz darauf setzen, ihren Gegner durch den Verdacht geistiger Nähe zur NS-Zeit zu ächten und aus der Diskussion auszuschließen. Dass heisst aber nicht im Umkehrschluss, dass ihre sich als mutige Tabubrecher gefallenden Gegner - "Politically Incorrect", Sarrazin, ect. - lauter nette Leute mit lauter hervorragenden Argumenten sind.
    Das ist richtig. Leider scheint es das als Korrektiv aber heute zu brauchen. Viele, der normalen Bevölkerung seit 10-20 Jahren bewussten Probleme, wurden tabuisiert. Jeder wusste, dass er das was er sah und spürte nicht an-/aussprechen durfte. Diese Tabus wurden von den Provokateuren der Sarrazin-Kategorie aufgebrochen. Man darf sich heute wieder vorsichtig kritisch äußern, es ist gesellschaftlich akzeptiert ohne gleich in die rechte Ecke gestellt zu werden. Die deutsche Gesellschaft ändert sich also, hin zu einer ganz normalen europäischen Gesellschaft in der auch Migrantenprobleme angesprochen werden dürfen. Es wird interessant, wie die Grünen sich hier auf Dauer neu positionieren werden. Wenn jetzt selbst die Medien sich schon trauen Verbrechen von Migranten gegen Deutsche ganz offen als "Deutschenhass" und Rassismus-Themen zu behandeln (bis vor ein paar Jahren wurde der Migrationshintergrund von Tätern ja gerne weggelassen, bei Opfern hingegen herausgestellt), dann reicht es für die Grünen nicht mehr lange nur noch zu reagieren, hauptsächlich der Integrationspolitik die Schuld zu geben und weiter die schöne bunte Welt kultureller Vielfalt und Bereicherung zu preisen. Sie müssen sich erklären, wie sie mit den Integrations-Problemen umgehen wollen. Mag sein, dass auch die in nächster Zeit übertrieben dargestellt werden. Aber so ist es eben mit allen Themen die die Medien sich herauspicken und es ist nach all den Jahren des Totschweigens auch nötig in die Köpfe zu rücken, dass Deutsche in vielen Stadtteilen und Schulen mittlerweile eine diskiminierte und teilweise von Übergriffen getroffene Minderheit sind. Hätte man sich das früher eingestanden (und daran, dass das nicht möglich war, tragen die Grünen mit ihrer Multikulti-Demagogie Mitschuld), wäre es vielleicht nicht so weit gekommen. Das wäre für alle Bevölkerungsgruppen besser gewesen.

    Zum Thema Hartz IV: Es gelingt BILD und Konsorten leider derzeit sehr gut, an die Spießerseele appellierend die Geringverdiener gegen die Garnichtmehrverdiener aufzuwiegeln.
    Das ist in der Tat ein Phänomen, das ich absolut nicht verstehen kann. Generell wird es in diesem Land den Menschen offenbar anerzogen, dass man nach oben nichts gönnt, aber artig spurt und zum Ausgleich dafür nach unten tritt- wohl auch um sich selbst noch ein bisschen zu erhöhen und sich etwas mehr denen da oben zugehörig fühlen zu können. Das ist ein idealer Boden um die Mittelschicht unbemerkt immer weiter zu schrumpfen und die Leute in prekäre Verhältnisse zu schicken. Denn umso weiter unten die Menschen mit ihrem Einkommen und ihren Beschäftigungsverhältnissen ankommen, desto mehr wollen sie sich in ihren irrigen Annahmen noch nach unten abgrenzen. Statt zu verstehen, dass sie durch ihre steigende Austauschbarkeit in schlichten Arbeitsverhältnissen kurz davor sind sich selbst zu den "Hartzies" zu gesellen, treten sie immer stärker nach unten. Statt sich einzugestehen, dass sie von ihren prekären Einkommen nicht leben können, fordern Sie den "Hartzies" die Leistungen noch weiter zu senken. Kosmetisch hat man dann als Pförtner, Friseurin oder Packer immerhin mehr als der "Hartzie", aber in Wahrheit selbst doch nicht ein Steak mehr auf dem Teller. Das die Menschen so dumm sind, sich mit solchen kosmetischen Abgrenzungen abzumühen, sich aufhetzen und ausspielen zu lassen, werde ich auch in 10 Jahren nicht verstehen. Der Gerechtigkeitssinn entwickelt sich in eine Richtung, wo es gerecht ist wenn alle gleich wenig haben und nicht etwa gleich viel. Wahnsinn! Klar das Politik und Medien da ein Interesse dran haben, gerade in einer Exportwirtschaft wo das Geld sowieso von aussen kommt. Gedemütigte Hartzies, Aufstocker die peinlich drüber schweigen, dass sie Aufstocken müssen, prekär Beschäftigte in Jobangst, Dauerpraktikanten.... die halten alle schön den Mund, spuren und lassen sich super steuern. Ihren Furst lassen sie an jemandem aus dem es noch schlechter geht. Dieses prekäre System erhält und befeuert sich selbst. Es ist zum

    Zum Thema Linkspartei: Die sind nicht linker als die SPD zu Zeiten Willy Brandts. Auch im SPD-Parteiprogramm gab (gibt?) es einen Passus mit dem Stichwort "Demokratischer Zentralismus" und auch die Linkspartei entpuppt sich da, wo sie mitregiert, sehr schnell als "pragmatisch" (sprich: man verwaltet den durch Steuersenkungen geschaffenen Mangel und unterlässt, was die Betroffenen zur Renitenz inspirieren könnte).
    Mag sein...... es liegt eben oft am Personal. Willy Brandt war ein guter Kanzler und auch wer politisch nicht auf einer Linie mit ihm war, brauchte nicht besonders große Sorgen haben, dass sich sein Leben mit einem Kanzler Brandt drastisch verändert. Mein Leben hat sich jetzt auch mit Kanzlerin Merkel nicht so spürbar verändert, dass ich lieber auswandern möchte. Wenn ich mir nun heute die Bundesvorstände von SPD und Linkspartei anschaue, hätte ich bei der SPD auch heute keine Probleme einen Kanzler aus diesem Kreis zu bekommen. Bei Sahra Wagenknecht schon...

  9. #28
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    AW: Überwachungsstaat.

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen

    Viele, der normalen Bevölkerung seit 10-20 Jahren bewussten Probleme, wurden tabuisiert. Jeder wusste, dass er das was er sah und spürte nicht an-/aussprechen durfte. Diese Tabus wurden von den Provokateuren der Sarrazin-Kategorie aufgebrochen.
    Meine Kritik an Sarrazin ist nicht die, dass er provoziert oder bestimmte 'verbotene' Wörter benutzt, sondern dass er den Zusammenhang komplett verzerrt: Er stellt die Herkunftskulturen der Einwanderer, insbes. bei muslimischen Einwanderern, als ursächlich für schlechte Schulleistungen, Erwerbslosigkeit und Straßenkriminalität dar - einfach weil augenscheinlich diese Probleme unter Einwanderern häufiger zu beobachten sind.

    Dabei unterschlägt er v. a. erstmal die Tatsache, dass derartige Probleme schlicht Unterschichtsprobleme sind, die auch schon bei der deutschen Unterschicht zu beobachten waren (und naserümpfend von bürgerlichen Autoren beschrieben wurden!) zu einer Zeit, als es noch gar keine südländischen und muslimischen Einwanderer gab. Genauso wie heute über die Türkenghettos geschrieben wird, wurde zu Kaisers Zeiten und in der Weimarer Republik z. B. über das (mehrheitlich von Deutschen gewohnte) Hamburger Gängeviertel geschrieben: liederliches, licht- und arbeitsscheues Gesindel, man traut sich da nachts nicht durch usw.

    Dass die Einwanderer in Deutschland überproportional in die Unterschicht einwanderten, liegt für Sarazzin nicht etwa daran, dass die Türkei einen Überschuss an ländlicher Unterschicht und Deutschland nach den sozialliberalen Reformen einen Mangel an schlichten, genügsamen Malochern hatte. Nein, er kann es sich nur mit deren muslimischer Religion erklären. Dass die schlechtesten Bildungserfolge nicht die Kinder türkischer, sondern die (christlichen) Kinder italienischer Einwanderer erzielen, passt nicht in die Argumentation, wird also ausgeblendet. Dass die Einwanderer einzelner islamischer Herkunfsländer (wo es nämlich eine Auswanderung aus der dortigen Mittelschicht gegeben hat, wie im Iran z. B.) weit bessere Bildungserfolge als der deutsche Durchschnitt erzielen, eignet sich auch nicht zum Moslem-Bashing, wird ebenfalls ausgeblendet.


    bis vor ein paar Jahren wurde der Migrationshintergrund von Tätern ja gerne weggelassen, bei Opfern hingegen herausgestellt
    Das stimmt zumindest für die BILD-Zeitung nicht! Da wurde stets die Herkunftsnation des Täters in den Vordergrund gerückt (es sei denn es war ein Deutscher, dann hatte einfach nur ein "Mann" oder ein "Jugendlicher" die alte Oma überfallen).

    Die Tabuisierung, gegen die Sarrazin und Co. anzurennen vorgeben, hat es m. A. n. so nur in bestimmten akademisch und alternativ geprägten Milieus gegeben - keinesfalls in der deutschen Gesellschaft insgesamt! Die BILD wie gesagt hat schon immer Klartext gehetzt, auch der sich progressiv dünkende SPIEGEL hat schon in den 90er Jahren solche Dinge geschrieben und ich habe selber Betriebskantinen erlebt, wo dass ausgiebige und regelmäßige Schimpfen auf "die Ausländer" völlig normal war.

  10. #29
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: Überwachungsstaat.

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Das ist in der Tat ein Phänomen, das ich absolut nicht verstehen kann. Generell wird es in diesem Land den Menschen offenbar anerzogen, dass man nach oben nichts gönnt, aber artig spurt und zum Ausgleich dafür nach unten tritt- wohl auch um sich selbst noch ein bisschen zu erhöhen und sich etwas mehr denen da oben zugehörig fühlen zu können. Das ist ein idealer Boden um die Mittelschicht unbemerkt immer weiter zu schrumpfen und die Leute in prekäre Verhältnisse zu schicken. Denn umso weiter unten die Menschen mit ihrem Einkommen und ihren Beschäftigungsverhältnissen ankommen, desto mehr wollen sie sich in ihren irrigen Annahmen noch nach unten abgrenzen. Statt zu verstehen, dass sie durch ihre steigende Austauschbarkeit in schlichten Arbeitsverhältnissen kurz davor sind sich selbst zu den "Hartzies" zu gesellen, treten sie immer stärker nach unten. Statt sich einzugestehen, dass sie von ihren prekären Einkommen nicht leben können, fordern Sie den "Hartzies" die Leistungen noch weiter zu senken. Kosmetisch hat man dann als Pförtner, Friseurin oder Packer immerhin mehr als der "Hartzie", aber in Wahrheit selbst doch nicht ein Steak mehr auf dem Teller. Das die Menschen so dumm sind, sich mit solchen kosmetischen Abgrenzungen abzumühen, sich aufhetzen und ausspielen zu lassen, werde ich auch in 10 Jahren nicht verstehen. Der Gerechtigkeitssinn entwickelt sich in eine Richtung, wo es gerecht ist wenn alle gleich wenig haben und nicht etwa gleich viel. Wahnsinn!
    *unterschreib*

    Generell wundert es mich, dass so wenig Leute auf die Strasse gehen und protestieren (die Ausnahme AKWs bestätigt die Regel). Ich kann mir das nur durch ein Klima der Angst erklären, a la "ich kann ja noch froh sein diesen be**** Arbeitsplatz zu haben".

    Vielleicht soll Hartz IV auch ein Druckmittel sein, Arbeitnehmer in Arbeitsverhältnissen wie zu Zeiten vom Manchester Kapitalismus ruhig zu stellen: Klappe halten, sonst rutscht ihr auch in die Mühle weiterer Demütigungen und Restriktionen (Stichwort Kürzungen des Hartz-IV-Geldes, etc)

    Beim Thema Angst kommt man vielleicht auch auf die Ursachen vom Radfahrerprinzip: "Nach oben schleimen, nach unten treten".

    In den boooring 90s ging es schon langsam los. An der TU-Berlin kann ich mich an folgende "Protestkultur" erinnern. Ein Mädel meinte: "Nein, ich kann es mir nicht leisten zu demonstrieren, ich verliere dann ein Semester" Und wir reden hier wohlgemerkt von einer Zeit daaaamals (TM) noch *ohne* Studiengebühren. Ach ja - das war in der brisanten Phase, als die ersten Pläne zu Studiengebühren aufkamen.

    Wenn man *so* duckmäusermässig auftritt, kann man natürlich auch nicht in anderen Bereichen des sozialen Kahlschlags etwas stoppen...

    Lutz

  11. #30
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    AW: Überwachungsstaat.

    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Vielleicht soll Hartz IV auch ein Druckmittel sein, Arbeitnehmer in Arbeitsverhältnissen wie zu Zeiten vom Manchester Kapitalismus ruhig zu stellen
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Hauptintention bei HartzIV nicht die unmittelbare Geldersparnis durch Leistungssenkung war, sondern eben die, die betreffenden Leute in einen Niedrigstohnsektor hineinzuzwingen und damit indirekt das gesamte Lohngefüge herabzusenken. Auf den neuen Dumpinglöhnen basiert ja im wesentlich der Exportmeister-Titel, auf den die Deutschen so stolz sind.

    Generell wundert es mich, dass so wenig Leute auf die Strasse gehen und protestieren (die Ausnahme AKWs bestätigt die Regel). Ich kann mir das nur durch ein Klima der Angst erklären, a la "ich kann ja noch froh sein diesen be**** Arbeitsplatz zu haben".
    Bei jüngeren Arbeitnehmern kommt noch hinzu, dass es unter ihnen als gaaanz abgeklärt und reif gilt, "die Dinge so zu nehmen wie sind". Warum sie so sind, diese Frage kommt ihnen nicht. Keine Generation in Deutschland vor ihnen hat den Kapitalismus so konsequent als quasi naturgesetzliche Notwendigkeit verinnerlicht. Deshalb lassen sie sich noch nicht einmal nicht durch die Streiks und Unruhen in anderen EU-Ländern in ihrer ruinösen Überanpassung beirren.

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