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Und weg war der Doktor...

Erstellt von lautlos, 21.07.2011, 17:06 Uhr · 3 Antworten · 969 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von lautlos

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    Und weg war der Doktor...

    Ein neuer Thread, da ich bisher keinen alten finden konnte, der sich ausschließlich mit der (nicht so ganz taufrischen) Problematik der Abschreiberei beschäftigt.

    Ich habe letztens einen schönen Artikel dazu gefunden und wollte ihn gern verlinken:

    Guttenbergs Erben (Hintergrund, Wissenschaft, NZZ Online)

    Ich verfolge die Debatte nun schon seit Guttenbergs Abgang, weniger aus wissenschaftlichen, sondern mehr aus unterhaltenden Gründen. Die ganze Sache erinnert mich ein wenig an das gute alte Domino. Mit Uwe Brinkmann hat die Aberkennung von Doktortitel wohl nun auch das politisch linke Spektrum erreicht.

    Jemand sonst hier, der sich damit auseinander setzt?

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von PostMortem

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    AW: Und weg war der Doktor...

    Zitat Zitat von lautlos Beitrag anzeigen
    Ich habe letztens einen schönen Artikel dazu gefunden und wollte ihn gern verlinken:

    Guttenbergs Erben (Hintergrund, Wissenschaft, NZZ Online)

    Ich verfolge die Debatte nun schon seit Guttenbergs Abgang, weniger aus wissenschaftlichen, sondern mehr aus unterhaltenden Gründen. Die ganze Sache erinnert mich ein wenig an das gute alte Domino. Mit Uwe Brinkmann hat die Aberkennung von Doktortitel wohl nun auch das politisch linke Spektrum erreicht.

    Jemand sonst hier, der sich damit auseinander setzt?
    Ich verfolge die ganze Entwicklung und bin ohnehin mit dem deutschen Titelwahn absolut nicht einverstanden. Wahnsinnig viele Leute behandeln einen Doktorgrad wie einen Adelstitel und Namensbestandteil. Das ist er lt. Gesetz und Namensrecht aber nicht. Diese unterwürfige, selbstverständliche Anrede als "Herr/Frau Dr. So und So", nervt mich deshalb jedes Mal wenn ich sie erlebe. Schlimmer ist es nur, wenn Leute sich selbst mit "Ich bin DOKTOR!!! Hans Mustermann" vorstellen.

    Gleichzeitig sind wir damit beim Hauptproblem: Der Doktorgrad wird in Deutschland behandelt wie ein Adelstitel, den man sich selbst erarbeiten kann. Dabei stellt dieser Doktorgrad in den allermeisten Fällen in der freien Wirtschaft und Politik gar keine höhere Qualifikation für die ausgeübte Funktion dar. Deshalb sollte der ganze Zirkus m. E. auf das ursprüngliche gedachte Gebiet der Wissenschaften zurückgedrängt und der Dr. im alltäglichen Umgang nicht anders behandelt werden als ein Diplom. Niemand sagt "Oh, schönen Guten Tag sehr geehrte Diplom-Mechatronikerin Gisela Schanze!" und so sollte es beim Doktor auch sein. Frau Schanze ist Frau Schanze, ihre Abschlüsse gehören in ihre Bewerbung und fertig. Dann hat sich schon die Hälfte des Problems erledigt, weil es einfach nicht mehr so attraktiv ist sich durch ein Plagiat einen "Titel" zu erschleichen. Leider sind Politiker mit die Hauptkundschaft des Theaters und deshalb wird das wohl ein Wunschtraum bleiben.... So wie ein Vorgehen gegen den Abmahnwahn, durch ein größtenteils aus Anwälten bestehenden Parlament.

    Deshalb ist sowas wie VroniPlag super! Ich mag den "Pranger-Aspekt" dieser Plattform zwar nicht. Aber es entsteht so eine neue regulierende Kraft in der Demokratie. Sie war und ist wohl dringend nötig.

  4. #3
    Benutzerbild von Lutz

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    AW: Und weg war der Doktor...

    Zitat Zitat von PostMortem Beitrag anzeigen
    Gleichzeitig sind wir damit beim Hauptproblem: Der Doktorgrad wird in Deutschland behandelt wie ein Adelstitel, den man sich selbst erarbeiten kann. .
    Zieh Dir beispielsweise mal die Doktorarbeit von Helmut Kohl rein, sowas relativiert vieles. Jeder der mal ne Uni von innen gesehen hat wird Dir bestätigen, daß man kein Einstein für sowas, etc sein muss.
    Jemand aus meiner Clique hat auch so ein Teil, aber der will gar nicht damit irgendwie angeredet werden...

    Lutz

  5. #4
    Benutzerbild von bubu

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    AW: Und weg war der Doktor...

    Der Doktortitel ist, wie PM richtig sagt, zum Lametta geworden. Und damit entwertet. In der Medizin ging lange Zeit ohne Doktor gar nichts, ein Arzt hatte gefälligst einen zu haben. Tatsächlich lachen sich "echte" Naturwissenschaftler über die Promotion der Mediziner schlapp. Der Dr. med. wird im Studium nebenbei mitgemacht, meistens ist er eine reine Statistik-Auswertung.

    Es ist eine ähnliche Entwicklung wie mit dem Abi, nur weniger existenziell. Der Dr. gilt als schick, hilft der Karriere auf die Sprünge. Will man was sein, hat man ihn eben. Dass er eigentlich eine wissenschaftliche und arbeitsaufwändige Arbeit ist, rückt immer mehr in den Hintergrund.

    Leute, die glauben, sie könnten sich mal nebenbei einen Doc ergaunern, sind ein Schlag ins Gesicht aller ordentlichen Wissenschaftler, die sich diesen Titel hart und redlich erarbeitet haben! Und sie machen das Plagiieren, das ohnehin schon ein großes Problem ist, salonfähig. Von daher habe ich überhaupt kein Mitleid mit Guttenberg und Co. Umso armseliger fand ich es, dass unsere Kanzlerin, eine promovierte Physikerin (!), dies auch noch herunterspielen wollte mit der Bemerkung, sie habe ja keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter gewollt, sondern einen Minister.