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Unterschicht-TV ... Bericht

Erstellt von DeeTee, 18.04.2005, 22:40 Uhr · 80 Antworten · 5.676 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von DeeTee

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    Ein recht interessanter Artikel aus der Süddeutschen Zeitung über das Fernsehen der Unterschicht.

    Link: http://www.sueddeutsche.de/deutschla...3/9/print.html

    DeeTee

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von Torsten

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    Danke für den Hinweis - sehr guter Artikel.

    Besonders treffend diese Passage:
    Wer sich sein Weltbild im Privatfernsehen zusammenzimmert, wird bei Pro7 einen Menschen namens Elton sehen, der nicht singen kann und nicht tanzen kann und nicht moderieren kann. Der nichts kann. Er sieht ein bisschen aus wie Elton John, deshalb heißt er so. Ihm länger als fünf Minuten zuzusehen ist eine Qual. Dass ihm trotzdem so viele länger zusehen, beweist, dass er Bedürfnisse befriedigt.

    Vielleicht ist es doch so, wie die Soziologen sagen, dass das Privatfernsehen denen da draußen, die so ähnlich sind wie Elton, das Gefühl gibt, trotz allem irgendwie durchzukommen. Und dass ein Fernsehen mit einem Bildungsauftrag bei den Eltons da draußen das Gefühl verstärkt, ein Verlierer zu sein. Dass am Ende die Gesellschaft immer weiter auseinander driftet. Und daran ist doch auch das Fernsehen schuld, Brandts Fernsehen. Weil es mehr erzieht, als er zugeben will. Und weil es nicht darauf angelegt ist, etwas zu verändern.
    Genau dies ist der Punkt: Das "Unterschichtenfernsehen" lässt seinen Zuschauern ihr ödes Leben erträglicher erscheinen und bedient damit auf subtile Weise deren Geisteslethargie.

    Oder wie sonst wäre es zu erklären, dass das Publikum von "Big Brother" Gefallen daran findet, anderen Menschen bei deren Langeweile zuzuschauen? Und wenn man dann noch über Insassen lästern kann, die vielleicht noch dümmer als man selbst sind, fühlt man sich doch gleich viel besser...

  4. #3
    Benutzerbild von waschbaer

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    @DeeTee

    Danke. Dieser Artikel war wirklich äußerst lesenswert. Nur schade, dass die "Missstände" bekannt sind aber es trotzdem "Brandt-"gefärlich in die gleiche Richtung weitergeht. In diesem Sinne graust es mir schon vor der nächsten PISA-Studie.

  5. #4
    Benutzerbild von röschmich

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    Erschreckend ist ja, dass man offenbar nicht mehr in der Lage ist, einen Tag oder einen Abend ohne Fernseher zu verbringen. Im Fernsehen kommt so oft Müll. Interessante Veranstaltungen im wirklichen Leben finden offenbar immer weniger Interessenten. Die Straßen sind am Abend fast menschenleer (gut, ist ein wenig übertrieben)

  6. #5
    Benutzerbild von frasier

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    Mal ne Frage, ab wieviel Stunden Privatfernsehen pro Tag gehört man eigentlich zur Unterschicht?

    Ich hab diesen Begriff zum ersten mal von Harald Schmidt nach seinem Wechsel zur ARD gehört. Dort war es wohl als Witz gemeint, andernfalls würde er sich wohl aufgrund seiner 8-jährigen Sat1-Zeit selbst in Frage stellen.

    Wird dieser Begriff jetzt ernsthaft zur Bewertung von Zuschauern verwendet?

    Funktioniert das ungefähr so: Soziale Unterschicht hat wenig Geld, deshalb schlecht Ausbildung, deshalb ist das öffentlich-rechtliche Programm ihnen zu hoch, deshalb wird das Private Fernsehen bevorzugt?

    Zur Erinnerung, Intelligenz hat nichts mit Bildung zu tun.

  7. #6
    Benutzerbild von bubu

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    Sehr guter Artikel!

    Dass die Kluft zwischen Bildungsober- und -unterschicht immer größer wird, sehe ich genauso. Die genannten Kanäle und Medien wie "Bild" sind da Katalysatoren. Das Schlimme ist, dass sie die so genannten Unterschichtler in einer trügerischen Sicherheit wiegen, dass sie ihnen suggerieren, es sei ja alles ok, mach dir keine Sorgen, du bist wer, Leute wie du werden gesehen. Was sie ihnen allerdings nicht vermitteln, ist, dass sie und vor allem ihre Kinder keine Zukunft haben werden. So gesehen sind sie tatsächlich "Opium für das Volk". Im übrigen ist auch das Internet eine riesige Opium-Quelle. Ich kenne Arbeitslose - und nicht nur Arbeitslose, aber bei ihnen ist es viel ausgeprägter - die mittlerweile fast ihre gesamte Zeit bei Partnerbörsen, Foren, Online-Spielseiten oder sonstwo verplempern. Klar, früher gab es noch nicht so viele Möglichkeiten die unbequeme Realität auszublenden. Ehrlich gesagt macht mich das manchmal richtig wütend und ich verliere die Geduld mit meinen Bekannten.

    Noch schlimmer jedoch finde ich die Tatsache, dass auch das Niveau des Mainstreams stetig sinkt. Die immer noch als Bastionen des Bildungsbürgertums zitierten öffentlich-rechtlichen Sender sind - getrieben vom knallharten Wettbewerb mit den Privaten um die Käufer-Zielgruppen - auch schon lange nicht mehr das, was sie mal waren. Natürlich kann man sich jetzt fragen, ob sie die PISA-Henne sind oder das Ei... wahrscheinlich ist es ein Rückkopplungsprozess.

    Hochwertige Inseln wie 3Sat oder Arte gibt es natürlich, aber diese muss man gezielt ansteuern bzw. braucht man eine Basis, um dort erst einmal Fuß zu fassen. Um Interesse und Ehrgeiz zu entfachen taugen sie nicht.

    Es gäbe heutzutage so viele Möglichkeiten, etwas auf eigene Faust zu tun, um seine Lage zu verbessern. Man muss nur mal in die Bibliotheken gehen - die quellen fast über vor erstklassigen Büchern, Software, Weiterbildungskursen, Sprachkursen, CDs, DVDs, Videos. Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, so einfach, so billig an so hervorragend aufbereitetes Wissen zu gelangen. Man muss es nur wollen. Aber das ist das eigentlich Problem: Ehrgeiz, Disziplin, Ordnung, Einfallsreichtum und vor allem: Bereitschaft zur Selbstverantwortung. Daran mangelt es. Wo da das Versagen liegt? An vielen Stellen: Falsches Sparen im Bildungssektor. Zunehmend überforderte Eltern, die ihre Kinder nicht mehr gescheit erziehen können, allgemein zunehmend harte wirtschaftliche und soziale Bedingungen. Ich hatte vor einiger Zeit auch einen Artikel zu Deutschlands "Unterschicht" gepostet - das reiht sich nahtlos dazu ein.


    http://www.best-of-80s.de/showtopic....ime=1113896894

  8. #7
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    frasier postete
    Zur Erinnerung, Intelligenz hat nichts mit Bildung zu tun.
    Nicht ganz. Damit sich Intelligenz entfalten kann, ist ein gewisses Maß an Bildung notwendig. Mit anderen Worten: Wird Intelligenz nie eingefordert, tritt sie auch nicht zutage, zumindest nicht in dem Maße, wie es mit einer gewissen Bildung möglich wäre.

  9. #8
    Benutzerbild von Pallas

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    Ihka, ist das nicht eher umgekehrt? Ist nicht erst eine gewisses Potential an vorhandener Intelligenz notwendig, um sich - durch kompetenten Umgang mit Medien und deren Auswahl - wirklich Bildung aneignen zu können?

  10. #9
    Benutzerbild von frasier

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    Pallas postete
    Ihka, ist das nicht eher umgekehrt? Ist nicht erst eine gewisses Potential an vorhandener Intelligenz notwendig, um sich - durch kompetenten Umgang mit Medien und deren Auswahl - wirklich Bildung aneignen zu können?
    Richtig. Endlich versteht das mal jemand.

    Es wird hier wie so oft Ursache mit Wirkung verwechselt.

    Zuerst ist man dumm, und deswegen ist man anfällig für bekloppte Talkshows, ernährt sich nur von Burgern mit Coke, ruft bei ständig bei RTL2 oder 9Live an und und ist Stammkunde bei Jamba.

    IHKA, nimm doch mal Albert Einstein als Beispiel. Kein Mensch hat von ihm verlangt, irgendwelche Relativitätstheorien aufzustellen. Er hat im Patentamt gearbeitet und hätte sich damit nicht beschäftigen müssen.

    Aber er hat gemerkt, dass er bestimmte Fähigkeiten hat. Diese hat er benutzt, um das zu tun, was ihn interessierte.

    Meinst du, wenn er in der heutigen Zeit Leben würde, dass das Fernsehen in der Lage wäre, ihn zu beeinflussen, zu erziehen, zu verdummen?

    Er würde Big Brother höchstens als soziologisches Experiment ansehen, darüber lachen oder es als Zeitverschwendung ansehen und abschalten.


    Man kann sich noch so sehr bilden, an der Intelligenz ändert das nicht das geringste. Wäre cool, wenn es so wäre, dann bräuchte man sich nur mit kompilizierten Aufgaben zu beschäftigen, diese lösen, um später noch kompliziertere zu lösen und irgendwann das Niveau von Einstein zu erreichen und zu übertreffen.

    Intelligenz ist nicht trainierbar, weder nach oben als auch nach unten.

    Und Fernsehen macht nicht dumm, es ist nur ein Indikator der eigenen Fähigkeiten und daraus abgeleiteten Interessen.

  11. #10
    Benutzerbild von Darkmere

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    Dann frag ich mich: Gibt es heute dann mehr Dumme als früher?
    Oder was haben die Dummen dann vor Privatfernsehen und Kingeltönen gemacht? Nur die Bildzeitung gelesen?

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