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Wenn schon keine elektronischen Fußfesseln ...

Erstellt von Die Luftgitarre, 23.05.2005, 21:18 Uhr · 5 Antworten · 582 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Die Luftgitarre

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    ... dann sollen "Langzeitarbeitslose" aber bitteschön Auskunft über ihr soziales Umfeld geben, konkret über Freundeskreis, Nachbarschaftskontakte und Vereinsmitgliedschaften. Das Arbeitsamt plant allen Erntes solche Fragebögen - natürlich nur, um "Vermittlungsblockierungen" aufzuspüren und besser helfen zu können - und diese Skandal-Nachricht ist gestern weitgehend wegen dem Wahl-Thema untergegangen.

    Man weiß gar nicht, worüber man bestürtzter sein soll:

    - Die dreiste Beiläufigkeit, mit der man hier - gegenüber Leuten, die, was ihre Rechte angeht, i. d. R. wenig versiert sind - mal so eben das Recht auf Privatsphäre links liegen läßt (Die Beantwortung der Fragen soll erstmal freiwillig bleiben, aber wer will schon gegenüber seinem "Arbeitsberater" als "unkooperativ" auffallen?)

    - die unterschwellige demagogische Botschaft an die Öffentlichkeit: Die "Langzeitarbeitslosen" sind ja wahrscheinlich eh alles "Asoziale"! - was erstens den Spießer in seinem Weltbild bestätigt und zweitens aus der wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Problematik ein scheinbar sozialtherapeutisches Problem macht. Von dort aus ist es nicht mehr allzu weit bis zur Forderung nach Zwangstherapien und Besserungsanstalten (immerhin die Idee, "Langzeitarbeitslose" zu Sportprogrammen zu verpflichten war vor ein paar Monaten schon mal aus der Behörde zu vernehmen!)

    - oder die anscheinende Gleichgültigkeit, mit der die Öffentlichkeit auf diese Nachricht reagiert, bzw. eben gerade nicht reagiert hat, die ausgebliebene Skandalisierung?

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    So dreist, wie ich diese Verlautbarung auch finde, so muss man doch relativieren (Quelle: www.bildblog.de):

    Arbeitslose zum Intim-Verhör

    Unter obiger Überschrift berichtete die "Bild am Sonntag" gestern, dass die Agentur für Arbeit plane, zukünftig "detaillierte Gespräche mit jedem Arbeitslosengeld-II-Empfänger" zu führen. Genauer gesagt hieß es in der "BamS":

    "Bevor sie eine Stelle vermittelt bekommen, sollen alle Empfänger von Arbeitslosengeld II bei ihrer Arbeitsagentur zum Intim-Verhör!"

    Das ist falsch.

    Die "Fragen nach privaten Details" ("Wie eng sind Ihre Beziehungen zu Freunden? Gehen Sie regelmäßig zum Arzt? Welche Kontakte zu Ihren Nachbarn pflegen Sie?"), die von der "BamS" aus einem durchaus umstrittenen, internen "Fachkonzept Beschäftigungsorientiertes Fallmanagement im SGB II" zitiert werden, sollen nicht, wie die "BamS" pauschal behauptet, "die Hartz-IV-Betroffenen beantworten, wenn sie einen neuen Job wollen".

    Die Fragen stammen vielmehr aus einer knapp 100-seitigen "Handlungsempfehlung" der Arbeitsagentur und seien "nur für Langzeitarbeitslose mit ganz massiven Problemen" gedacht bzw. "Langzeitarbeitslose mit massiven Schwierigkeiten, zum Beispiel Suchtproblemen" bzw. "Menschen, die wegen teils massiver persönlicher Problemsituationen von so genannten Fallmanagern betreut werden" und betreffen "nur wenige ALG-II-Empfänger" - (...)
    Mit anderen Worten: Diese Richtlinie betrifft nicht die Arbeitslosen, die für asozial gehalten werden, sondern die (mehr oder weniger) Asozialen unter den Arbeitslosen. Ob dieses Gesetz mal ausgebaut wird, sei dahingestellt.

  4. #3
    Benutzerbild von musicola

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    Laut BILD sind eh' alle Arbeitslosen asozial...

  5. #4
    Benutzerbild von röschmich

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    Ja irgendwann werden mal wieder "Lager" eingerichtet. Da haben wir doch Erfahrung, müssen ja nur unsere Opas fragen.

  6. #5
    Benutzerbild von ihkawimsns

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    musicola postete
    Laut BILD sind eh' alle Arbeitslosen asozial...
    Sofern der BILD gerade an dieser Darstellung gelegen ist. Ansonsten spielt sie sich auch gerne mal als (zweifelhafte) Schutzmacht des kleinen Mannes auf...

  7. #6
    Benutzerbild von DeeTee

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    ihkawimsns postete
    Mit anderen Worten: Diese Richtlinie betrifft nicht die Arbeitslosen, die für asozial gehalten werden, sondern die (mehr oder weniger) Asozialen unter den Arbeitslosen.
    That's it. Und das es letztere gibt, ist ja zweifellos richtig. Nichtsdestoweniger halte ich diese Medienpanikmache schlicht für völlig unsachlich und das Anliegen der Arbeitsagentur in dieser Form für verfassungsrechtlich bedenklich.

    Aber es stimmt: die Gruppe der Arbeitslosen gehört sicherlich zu Stammklientel der BILD-Leser. Daher die Meldung (an einem Wahlsonntag ...).

    Grüße!
    DeeTee

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