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Wenn Superstars Klartext reden ...

Erstellt von Torsten, 30.04.2002, 20:18 Uhr · 14 Antworten · 2.643 Aufrufe

  1. #1
    Benutzerbild von Torsten

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    Christoph hat vor einigen Wochen im "Spiegel" einen sehr bemerkenswerten Artikel entdeckt und mir mal eine Kopie davon zugeschickt. Er ist von den Pet Shop Boys, sprich Chris Lowe und Neil Tennant, persönlich verfasst und sehr aufschlussreich. Da er außerdem voll auf meiner Wellenlänge liegt, zitiere ich ihn hier einmal ...

    Überschrift: "Karrieristen sind nicht cool"

    "Es gibt drei Regeln für angehende Popstars. Erstens: Du solltest gut aussehen. Zweitens: Du solltest gut aussehen und drittens ... nein, so simpel ist es eben gerade nicht.
    Popmusik ist die Kunst, dem Zuhörer, dem Fan einen glitzernden Traum zu präsentieren und seine Phantasie zum Schwingen zu bringen. Doch was findet derjenige, der in den aktuellen Hitparaden nach dieser Art Popmusik sucht? Er trifft auf die Jungs und Mädchen von Hear'Say, S Club 7, Steps, No Angels oder Bro'Sis: auf junge Karrieristen, geboren in Fernsehshows und Talentwettbewerben; ausgesucht von Marketingleuten, die sich einbilden, sie könnten Musiker ersetzen. Der Hitparadenpop von heute gibt sich berechenbar und illusionslos, er hat nichts mehr mit Kreativität zu tun - und das ist katastrophal.
    Wir produzieren nicht nur Popmusik, sondern wir lieben sie auch. Nur leider findet sich in den Hitparaden derzeit wenig Liebenswertes.
    Vielleicht erstaunt Sie unser Zorn. Schließlich wurden die Pet Shop Boys einst selber von vielen Kritikern als Inbegriff der Künstlichkeit und der puren Berechnung geschildert. Wir Pet Shop Boys haben uns nie als Musiker präsentiert, wir verstanden uns immer mehr als Multimedia-Aktivisten - mit einer großen Vorliebe für aufwändige Bühnenbilder, Videos und Spektakel. Das hat leider dazu geführt, dass selbst unsere Freunde irgendwann dachten, wir gingen einfach ins Studio und pfiffen irgendwelchen Technikern vor, wie sie unsere Lieder programmieren sollten.
    So haut es bis heute viele um, dass wir Noten lesen können, Instrumente spielen und Songs schreiben. Viele Kritiker staunen, dass auf unserem neuen Album "Release" an Stelle von Disco-Beats nun mehr Gitarren zu hören sind. Warum? Wir haben immer unseren individuellen Stil gepflegt und gewusst, wie man einen guten Song schreibt.
    Vor allem wussten wir immer, dass gute Popmusik vor allem eines braucht: eine Idee. Was aber ist die Idee von Hear'Say, S Club 7, Steps, No Angels oder Bro'Sis? Die Antwort lautet: Es gibt keine. Die wollen alle nur Profis sein. Pop ist für diese Art Bands nur ein Karrieristenprodukt; heutzutage besucht man erst eine Showschule und entscheidet sich dann, ob man Fernsehmoderator oder Popstar werden soll. Die letzte große britische Popband mit einer Idee waren die Spice Girls. Neunmalschlaue Feuilletonisten beschimpften sie als vorfabrizierte Einwegpopstars, aber das war Blödsinn.
    Die Idee der Spice Girls war Girl Power. Zugegeben, kein sonderlich origineller Einfall, aber ein effektiver. Ein Konzept, das die ganze Welt kapierte; der Papst und Nelson Mandela und ein Junge in einer Shopping Mall in der amerikanischen Provinz konnten sich etwas unter Girl Power vorstellen: Fünf coole Frauen, die sich von Männern absolut nichts bieten lassen.
    Auch die Beatles hatten eine Idee, oder zumindest ihr Manager Brian Epstein. Boy George und Culture Club hatten eine. Und natürlich hatten auch die PET SHOP BOYS einen Plan: nämlich banale Popmusik und intelligenten Spaß, eingängige Discobeats und aussagekräftige Texte zu kombinieren - also Frivolität und Ernsthaftigkeit.
    Heute ist der Zauber neuer Pop-Acts spätestens nach zwei Alben meist endgültig vorbei. TV-Talentshows wie "Popstars" bieten perfektes Fernsehen mit elender Musik. Diese Shows sind die panische Reaktion einer Musikindustrie, die ums Überleben kämpft - und versucht, das Risiko so überschaubar wie möglich zu halten.
    Die Figuren, die zurzeit die Hitparaden dominieren, wollen meist das Gleiche wie die Industrie: sehr schnell sehr viel Geld verdienen. Vielleicht wollen sie dabei tatsächlich auch gut aussehen. Aber ehrlich gesagt, den meisten dieser Bands gelingt nicht mal das. Die Jungs und Mädchen von Hear'Say etwa sind hässlich wie Vogelscheuchen, sie können nicht sonderlich gut tanzen - und sie haben Allerweltsstimmen. Wir würden jedenfalls keinen von denen als Backgroundsänger einstellen.
    Jetzt werden Sie vielleicht sagen: Neil Tennant soll mal den Mund nicht so weit aufreißen, denn so ein toller Sänger ist er nun auch nicht. Stimmt. Na und? Darum geht es nicht. Denn gute Sänger gibt es wie Sand am Meer. Jeder Postbote singt unter der Dusche, und viele von ihnen besser als Bob Dylan oder Neil Young. Aber Tatsache ist nun mal: Einige der besten und einflussreichsten Platten der Popgeschichte wurden von Menschen gesungen, die das defintiv nicht besonders gut können.
    Guter Pop hat mit Charisma zu tun und mit Stilbewusstsein. Guter Pop ist immer auch elitär. Die Pet Sho Boys waren immer elitär, auch was die Mode anging. Wir entdeckten mit viel Mühe ein cooles Modelabel, eine japanische Jeansmarke oder so was; das trugen wir auf der Bühne und waren stolz darauf, dass die Menschen, die diese Sachen dann auch alle gern haben würden, sie nicht so schnell finden würden.
    Heute ist die Hitparadenmode vom Stylisten ausgetüftelt und am nächsten Tag in jedem Kaufhaus zu haben. Sobald eine dieser Deppenbands im Fernsehen bei "Top Of The Pops" irgendwas trägt, das man selber auch zu Hause hat, bleibt einem nur eines: die Sachen in den Müll stopfen."

    Also abgesehen vom Inhalt gefällt mir an diesem Artikel vor allem eines: Dass es nämlich Gott sei Dank noch Leute gibt (in diesem Fall sogar die Köpfe der Pet Shop Boys, die von vielen Kritikern als beste Pop-Band der Gegenwart angesehen werden), die ohne Rücksicht auf Verluste Klartext sprechen! Wahrscheinlich werden aber auch sie von vielen als arrogante Rechthaber und Maulhelden bezeichnet, die aufhören sollten, "voreilig alberne Schlüsse zu ziehen" ...

  2.  
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  3. #2
    Benutzerbild von DeeTee

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    Pet Shop Boys, die von vielen Kritikern als beste Pop-Band der Gegenwart angesehen werden
    Sorry, Torsten, aber da kann ich Dir echt nicht zustimmen. Nicht, dass ich die Pet Shop Boys nun grauenvoll fände, aber mehr als guter Durchschnitt sind sie meines Erachtens auch nicht.
    Ich denke, ein Zitat von Jim Jarmusch dürfte das Phänomen auf den Punkt bringen:
    "Wenn man erst eine kulturelle Wüste geschaffen hat, kann man in ihr alles als Kultur darbieten, denn in der Wüste wird jedes Ding als Wunder empfunden."

    In diesem Sinne
    DeeTee

  4. #3
    Benutzerbild von
    Torsten postete
    Wahrscheinlich werden aber auch sie von vielen als arrogante Rechthaber und Maulhelden bezeichnet, die aufhören sollten, "voreilig alberne Schlüsse zu ziehen" ...
    Du hast gerufen...

    Nein, die Pet Shop Boys ziehen keine voreiligen Schlüsse, dazu haben deren Aussagen zu viel argumentative Substanz und es steckt ganz offensichtlich viel eigene Erfahrung dahinter. Ausserdem haben Sie vor allem mit einem Recht: Was sie der heutigen Pop-Welt vorwerfen, traf einst sie selbst. Und nun haben sie allen Grund zu sagen: "Seht her, ihr hattet schon Recht mit dem was ihr damals gesagt habt, aber in Wahrheit meintet ihr nicht uns, sondern DIE!" Albern ist es auch nicht, allerdings ist es eine sehr einseitige Sichtweise. Denn wenn man mal die heutige Musik-Szene mit der von Anfang bis Mitte der 90er vergleicht, dann kann man trotz aller Retorten-Bands und schlechten Coverversionen sagen, dass die Musikszene das schlimmste erstmal wieder hinter sich hat. Die Zeiten als Euro-Dance und Techno alles plattwalzten und die "handgemachte Musik mit Seele" fast ausgestorben zu sein schien sind vorbei. Wer Musik zudem ausschließlich auf die Top100 begrenzt ist selbst Schuld. Allerdings tummeln sich auch dort eine ganze Menge Bands die den Vorstellungen der Pet Shop Boys entsprechen. Sie schaffen es momentan selten in die Top10 oder Top20, aber alles darauf zu beschränken kann auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. VIVA ZWEI weilt nicht mehr unter uns, aber wenn es um die Musik der letzten 10 Jahre so schlimm gestanden hätte, wie hier immer behauptet wird, hätte es diesen Sender gar nicht erst gegeben. An seine Stelle treten nach wie vor eine ganze Menge Online- und Printmagazine und die bilden dann doch etwas mehr als eine Sub-Kultur für einige wenige Musikliebhaber mit Geschmack.

    Von daher: Ja, dieser Bericht ist aus meiner Sicht etwas einseitig, aber er sollte auch nicht von den Bands und Entwicklungen handeln, die den Pet Shop Boys gefällt, sondern davon was ihnen nicht gefällt. Hätten sie Statements zur positiven Seite abgeben müssen, wäre das Resultat vielleicht genauso einseitig ausgefallen. Nicht jede Meinungsäußerung muss schließlich ausgewogen sein. Mit zwei Dingen haben sie allerdings auf jeden Fall nicht Recht: 1) "Die wollen alle nur Profis sein." Man kann über "Bro'Sis" und "No Angels" sagen was man will, aber Profis wollen sie nicht nur sein, Profis sind sie und müssen sie sein. Vielleicht mehr, als so mancher, der bei vielen als Vollblut-Popstar durchgehen würde. Das Programm was die abzuspulen haben, die kurzen Lernphasen zwischen zwei in den Markt gedrückten Singles, diese Promo-Touren und das ganze Drumherum wären mit manchem "echten" Pop- und Rockstar aufgrund mangelnder Professionalität gar nicht möglich. 2) Es sollte einem mit fast noch neuwertigen Klamotten etwas besseres einfallen als diese in den Müll zu schmeissen. Es gibt da diese Rot-Kreuz-Container, aber an denen kommen echte Popstars natürlich wohl nicht so oft vorbei...

    Abschließend kann ich nur sagen: Subjektiv wird heutzutage vieles (auch und vor allem aufgrund von einzelnen, herausragenden Dingen/Ereignissen) negativer wahrgenommen, als es in Wahrheit ist. Wir Deutschen haben den Hang dazu zu glauben, alles würde immer schlimmer. Dabei zeigen die Dinge (die man statistisch über Jahrzehnte messen kann), dass (unterm Strich) eigentlich eine gegenteilige Entwicklung in unserem Land im Gange ist.
    Das gilt für die Musik (trotz Bro'Sis) genauso wie für die Häufigkeit von schweren Kriminaldelikten (trotz Erfurt). Das kann mal wohl leugnen und jeden passenden Zeitungsbericht und jede nicht genehme TV-Sendung als Beweis dafür vor sich hertragen, an den messbaren Tatsachen ändert es allerdings nichts.

    Gruß
    Q*Bert

  5. #4
    Benutzerbild von musicola

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    erstmal, ich mag die Pet Shop Boys und auch die meisten ihrer Singles...

    mir stellt sich nur die Frage ob sie ihre Meinung über die oben genannten
    "Acts" genauso brutal und (klingt so) frustriert kundgetan hätten, wenn
    ihre letzte Single "home and dry" in den Charts ganz oben unter den
    ersten 5 gelandet wäre...

    Dieser Kommentar der beiden kommt mir irgendwie vor wie ein Verarbeiten
    der Tatsache dass ihnen schon seit Jahren kein Megahit mehr gelingen will
    wie damals mit "west end girls", "it´s a sin", "domino dancing", "always on my mind" usw....


    musicolaChris

  6. #5
    Benutzerbild von UnknownPleasure

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    374
    @ Torsten:

    Amüsanter Artikel...ich kann mir gut vorstellen, daß er von Neil Tennant geschrieben wurde, schließlich war er ja mal Musikjournalist, und Chris Lowe hat ja eh nur selten die Zähne auseinanderbekommen.
    Eine recht charmante Beschreibung der heutigen Musikszene, trifft den Nagel auf den Kopf. Und die geäußerten Vorwürfe wurden in den 80ern so oder ähnlich auch an die Pet Shop Boys gerichtet. Allerdings besaßen und besitzen die Pet Shop Boys etwas, was all den Popsurrogatkonglomeraten zu 99,9% abgeht: eigene Ideen und Substanz...

    @ QBert:

    Äähm...wo fange ich da nur an?
    Gut...nehmen wir VIVA II: mit Sicherheit existierte dieses Format nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit und Anteilnahme für das kleine Häuflein, deren Hirne noch nicht von der Flut irgendwelcher Megadanceboygroupgirlpophiphoptechno-Acts völlig vernebelt war. Unglücklicherweise war diese Zielgruppe zuwenig angepaßt, um sich am vom Muttersender ständig propagierten Konsumterror zu beteiligen, mit anderen Worten, Quote und Werbeeinahmen blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Und als dann auch noch der Konkurrent MTV sein anspruchvolleres Format VH-1 zugunsten einer gnadenlos auf die kaufkräftigste Zielgruppe getrimmten Dauerwerbesendung namens MTV2Pop eingedampft hatte, gab es auch für VIVA keinen Grund mehr, weiterhin Defizite einzufahren. Flugs wurden die einigermaßen erfolgreichen Subformate in das bereits bestehende und neue Schema übernommen, und jetzt hat VIVA sein erwünschtes zweites kommerzielles Standbein für den 14 - 19jährigen Handybesitzer mit jeder Menge Kohle - in den 80s hätten sich die Yuppies wahrscheinlich ein zweites Loch in den A.... gefreut ob der Aufmachung mit Laufbändern.
    Mit Recht - da kann ich Dir nur schwer widersprechen - kannst Du jetzt behaupten, daß dies nun einmal Marktwirtschaft ist. Unwiederlegbar bleibt, daß die Musiklandschaft in Deutschland mit dem Verlust von VH-1 und VIVA II um zwei wichtige Kulturträger ärmer geworden ist. Und auch das sollte eigentlich die Aufgabe eines Musiksenders sein...bei äußerst kleinlicher Auslegung (um ein gernzitiertes Vorurteil über Deutsche zu bemühen) des Rundfunkstaatsvertrages und der Auflagen der jeweiligen Landesmedienanstalten müßten VIVA und MTV sofort ihre "Mirrorsites" dichtmachen.

    Das bringt mich nahezu nahtlos zum zweiten Punkt...wie und vor allem wo soll an sich bitteschön über Musik außerhalb der Charts informieren, wenn diese die entsprechenden Medien nahezu vollständig in Beschlag nehmen?
    Wäre ich nicht in einer Zeit relativer kultureller Vielfalt aufgewachsen, würde ich den heutigen Zustand als status quo hinnehmen und wahrscheinlich erst gar nicht auf die Idee kommen, mal über den Tellerrand zu schauen.
    Beispiel gefällig? In den 80s konnte man im Radio neben den Chartbreakern auch noch viele andere Songs verschiedener Couleur hören, die dann ihrerseits eine gute Chance hatten, in die Charts zu gelangen. Heute findet zumindest in Deutschland ein Track abseits von Techno, Boy- und Girliepop, Hip Hop und Nu-Metal nur noch dann einen Platz in den Charts, wenn die Werbung oder der dazugehörige Film einigermaßen gut waren.
    Das Internet ist - obwohl von vielen benutzt - keine wirkliche Alternative, weil die Angebote zu breit gestreut sind, um sie noch bewußt wahrnehmen zu können, im Gegensatz zu dem gebündelten Medium eines Musiksenders. Und auch die Printmedien weichen auf...wenn ich bespielsweise im Zillo eine Rezension über Oasis lese, dann frage ich mich, inwieweit das noch etwas mit der ursprünglichen Auslegung des Blattes zu tun hat. Dies kann man jetzt natürlich als Scheuklappendenken meinerseits auslegen, allerdings sehe ich hier beim besten Willen keine Verbindung mehr zu einer Publikation, die sich dem Independent (in der von mir verstandenen Form) verschrieben hat.

    Zuguterletzt...Vorsicht mit Statistiken, die Du nicht selbst gefälscht hast!
    Was die Musik angeht, nun, das ist zugegebenermaßen eine subjektive Angelegenheit, die sich - was die Qualität angeht - nur schwer in Zahlen ausdrücken läßt. Mein subjektives Gefühl sagt mir jedenfalls, daß sich die Dinge nicht zum besseren entwickelt haben, und dies wird mir jede Woche aufs Neue vom VIVAText ab Seite 150 ff. bestätigt.
    Und was andere Punkte angeht...würden reale Zahlen veröffentlicht, die nicht auf wirklichkeitsfremden Zählmethoden oder ungenauen Schätzungen basieren, würden nicht wenige ihre Koffer packen und sofort nach Grönland auswandern.
    Noch ein Beispiel...eine "repräsentative" Umfrage/Erhebung von 1.234 Personen in Deutschland kann wohl kaum als Maßstab für die Wirklichkeit herangezogen werden, selbst wenn man die irrelevanten Faktoren vorher herausgenommen hat. Bei rund 80.000.000 Einwohnern macht das kaum mehr als 0,0001% aus...aber dies wird immer wieder mit dem Schlagwort "repräsentativ" verkauft.

  7. #6
    Benutzerbild von Veja

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    @ QBert
    Das Schlimmste erst mal hinter uns?
    Sorry, aber ich kann dazu nur sagen, daß zwischen der heutigen Musik und der der frühen 90er Welten liegen... wobei das positiv für letzteres gemeint ist. Vor 10 Jahren gab es zwar zugegebenermaßen ziemlich viel Dancefloor, aber neben 10 Dancefloortiteln in den Top 20 gab es meist auch immer 10 Pop/Rocksongs, die häufig guter Qualität waren. Ich möchte jetzt keine Riesenliste aufführen, aber Künstler wie Roxette, Bon Jovi, Chris Isaak, Clouseau, Duran Duran, A-HA, Depeche Mode, Bryan Adams, Crowded House, Annie Lennox, Bruce Springsteen, Queen, Eric Clapton, Elton John, Dusty Springfield, Dire Straits, Garland Jeffreys, Richard Marx, Meat Loaf, Fury in the Slaughterhouse, Sting, Eros Ramazotti, Paul Young, Bee Gees, Paula Abdul, Joe Cocker, The Cure, Sandra, Guns n Roses, Jimmy Somerville, Wet Wet Wet, Scorpions, Bonnie Tyler, Tina Turner, Gipsy Kings, Pet Shop Boys, U2, Enigma, Billy Joel, Belinda Carlisle, Zucchero, Rick Astley, Londonbeat, Right Said Fred, Sophie B. Hawkins, Bette Midler, Simply Red, Vangelis, Phil Collins, UB40, Michael Jackson, Janet Jackson, R.E.M., Red Hot Chili Peppers, Paul Mc Cartney, Madonna, Prince, Lisa Stansfield, Whitney Houston, Michael learns to rock, Rod Stewart, Kiss, Laid Back, Maggie Reilly, Genesis, Tom Petty, Metallica, OMD, Ace of Base, Cher, Mike & the Mechanics, INXS oder One Hit Wonder wie Chesney Hawkes, Soul Asylum, 4 non Blondes, Jesus loves you, Sinead o Connor, Vanessa Williams, Pasadenas, Rembrandts, Ten Sharp, Undercover, Crash Test Dummies, Marc Cohen, Alannah Miles, Heroes del Silencio, Charles & Eddie, Wilson Phillips, Martika, Seal, Joshua Kadison, Scarlet, Mr. Big, Shakespeare`s Sister, Stevie B., Sparks, Extreme, The Connells, Tasmin Archer und viele andere ( jetzt hab ich doch ne lange Liste gemacht, das kommt davon, wenn man nichts zu tun hat, man möge mir verzeihen ) haben in den frühen 90ern alle das gemacht, was man unter "klassischem Rock bzw. Pop" versteht und landeten damit auch alle in den Top 10 oder Top 20. Viele der 80er-Stars waren noch immer erfolgreich in den Charts vertreten und neue Bands, die einem den 80ern noch ziemlich ähnlichen Stil verfolgten, gabs damals auch zu Genüge.

    Heutzutage gibt`s da vielleicht noch eine Celine Dion oder eine Enya, aber der Rest ist größtenteils Dance, Trance, Hip Hop, diese ganzen Retortenbands Marke Bro`Sis, RnB oder New Metal. Und dazu auch meist ziemlich unmelodisch. Insofern habe ich leider gar nicht das Gefühl, daß das Schlimmste hinter uns liegt, sondern daß wir das Schlimmste momentan gerade durchmachen. Selbst die Stars von Damals setzen inzwischen Rhythmen ein, die man bisher nur aus der Black Music kannte und gar nicht mehr so erfrischend poppig klingen, und wenn sie eine eher "altmodische" (positiv gemeint) Platte rausbringen, wird`s meistens ein Flop.

    Ich hätte es auch in einem Satz sagen können: Im Vergleich zu den 80ern sind die frühen 90er schlecht, im Vergleich zu heute sind sie super (musikalisch gesehen)!

    Und um einer "Schlammschlacht" vorzubeugen: Das ist halt meine Meinung, wenn jemand die Musik von heute besser findet als die frühen 90er, ist das okay, jeder hat eben seinen eigenen Geschmack.

    Und bevor ich hier noch vom Thema abschweife (denn um die Musik der 90er ging`s ja eigentlich gar nicht): Im Großen und Ganzen kann ich den Aussagen der Pet Shop Boys zustimmen, und ich finde es echt schade, wie sehr alles immer mehr und mehr in Richtung Kommerz "abdriftet". Die meisten neuen "Stars" sind austauschbar, die Musik kommt ja ohnehin von irgendwelchen Produzenten. Ich hoffe, daß es sich nach und nach wieder zum Besseren ändern wird, denn die Musik hat sich bisher im Laufe der Zeit immer verändert und momentan kann`s ja eigentlich nur besser werden.

  8. #7
    Benutzerbild von DeeTee

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    Hi, Ihr Lieben!

    Wenn ich das so lese, komme ich wieder auf eine meiner Standardfragen an zeitgemäße Musikkritiker (und solche, die es werden wollen) zurück:
    Hätten ein Musikbarde wie Van Morrisson oder ein Selbstdarsteller mit Ecken und Kanten wie David Bowie heute noch die Chance, ein STAR zu werden? Hätten solche zweifelsohne begabten und begnadeten Musiker - wären sie noch einmal jung - heute noch die Chance, ihr Talent zu entwickeln und reifen zu lassen. Beide haben für ihre besten PLatten mindestens 5 Jahren Anlauf gebraucht und dann ihr Niveau aber über mindestens ein Jahrzehnt gehalten (so meine ich).
    Die Reaktionen der Musikkritiker lassen sich dann in drei Hauptrichtungen einteilen:
    1. Wer gut ist und einen guten Agenten hat, der schafft es schon. Natürlich nur die besten. (no comment -DT)
    2. Ja, vielleicht muss man heute anpassungsfähiger sein. Dafür kann man aber echt mehr Kohle machen als damals.
    3. Wer ist David Bowie?

    Ich stimme ansonsten meinen Vorrednern zu: Die Musik der 90er mag Geschmackssache sein (und ich mag sie nur seeehr wenig), aber sicher ist, dass die 80er erheblich abwechslungsreicher, vielschichtiger und musikalisch interessanter waren.

    Es grüßt
    DeeTee

  9. #8
    Benutzerbild von Stingray

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    QBert postete
    Mit zwei Dingen haben sie allerdings auf jeden Fall nicht Recht: 1) "Die wollen alle nur Profis sein." Man kann über "Bro'Sis" und "No Angels" sagen was man will, aber Profis wollen sie nicht nur sein, Profis sind sie und müssen sie sein. Vielleicht mehr, als so mancher, der bei vielen als Vollblut-Popstar durchgehen würde. Das Programm was die abzuspulen haben, die kurzen Lernphasen zwischen zwei in den Markt gedrückten Singles, diese Promo-Touren und das ganze Drumherum wären mit manchem "echten" Pop- und Rockstar aufgrund mangelnder Professionalität gar nicht möglich. [/i]
    Also, ich denke, du hast die aussage 'Die wollen alle nur Profis sein' gar nicht so genau verstanden, bzw, eventuell den ganzen artikel aus einer anderen perspektive wahrgenommen.
    Ich maße mir mal an ;-) das verstanden zu haben und reduziere den artikel mal auf wenige sätze.
    Ich denke, das die pet shop boys eben keine profis haben wollen, keine, wie aus dem nichts hervorgehobenen popgrößen. Keine nervenstarken, ausgesuchten und durchtrainierten hupfdolen, die als repräsentativ produkt ihrer manager, für die massen wirken. Was die jungs von den psb sagen wollen, ist meiner meinung nach, das sie mal wieder dschungs (und mädels) mit eigenen ideen und herzblut in den charts sehen wollen. Leute, die eventuell schon 5 jahre ziemlich unprofessionell an ihren songs gebastelt haben, bevor sie jemand mal richtig wahrgenommen hat. Musiker, die zwar auch gutes geld verdienen wollen, aber dies mit ihrem eigenen willen und kreativität erreichen wollen.
    Für mich ist das ganz eindeutig die kernaussage dieses artikels und ich kann dem nur voll und ganz zustimmen

  10. #9
    Benutzerbild von
    Hi @ all!

    Stöhn, dass wir nun über die musikalische Güte der frühen 90s diskutieren müssen, hätte ich nicht gedacht. ;-) Ich muss wohl zwischen 1990 und 1995 in einem Parallel-Universum gelebt haben. Bei mir gabs zu dieser Zeit zu 80% Boybands, Eurodance, Techno und dann vieles was eine Mischung aus allem möglichen war, jedoch garantiert immer irgendeine Heulboje und einen (sogennannten) Rapper mit an Bord hatte. Auf jeden Fall machten diese 3, 4 Arten von Musik alles platt, es gab kaum noch offensichtliche Vielfalt und vor allem wenig von der Musik die eine echte Gitarre beinhaltete. Und weil nicht wenige von denen sich auch noch als "Pop"-Act verstanden, begannen die "echten" Musiker geradezu panikartig flüchten und wollten fortan alles möglich sein, aber bloß nicht Pop. Das liess sich auch sehr schön bei den Einspielern von prominenten Zeitzeugen in der Reihe "20 Jahre MTV" nachvollziehen. Zumindest ich finde mich in dem Angebot das sich erst seit Mitte/Ende der 90er wieder mehr durchsetzte weitaus besser wieder. Aber vielleicht bin ich der einzige, dem gar nichtmal so kommerzielle Un-Karrieristen-Bands und Künstler (was nicht heisst, dass sie keine Karriere gemacht haben) wie Portishead, Blumfeld, Creed, Staind, Boy Hits Car, Die Happy, Lambretta, Dandy Warhols, Third eye blind, Garbage, Foo Fighters, Incubus, Nickelback, No doubt, Donots, Everlast, Zweiraumwohnung, P.O.D, System of a down, Kay's Choice, KORN, Tool, Daft Punk, Air, Therion, Chemical Brothers, Macy Gray, Bush, Fatboy Slim, Limp Bizkit, Missy Elliot, Radiohead, Ian Brown, Starsailor, Travis, Uncle Cracker, Puddle of Mudd, Sportfreunde Stiller, Peaches, Mary J. Blige, Chilly Gonzales, Verve, Richard Ashcroft, Weezer, Clawfinger, 4hero, Moby, Alanis Morisette, Nelly, Marcy Playground uuuuuuuuuuuuuuuuund und und (uuuuuuund natürlich könnte ich jetzt wie in der 90s-Liste weiter oben auch hier noch die ganzen Bands und Künstler mit einfügen, die eigentlich aus den 80ern stammen und es sogar bis heute geschafft haben wie A-ha, Depeche Mode usw.) einfach das Gefühl geben, das Musik heute wieder vielfältiger und vor allem mehr ist, als ne' johlende Tülle mit nem' Rapper schwarzafrikanischer Abstammung und ein bisschen humba humba. Genau das war Anfang der 90er der Großteil der Musik (wahrscheinlich alle irgendwie inspiriert von Snap) begleitet von vielen großen und kleinen Take That's sowie den Menthal Theo's und Hyper Hypers. Aber wie Stingray schon schreibt, vielleicht habe ich das auch aus einer anderen Perspektive wahrgenommen bzw. nehme es immer noch wahr, hehehe. Darüber bin ich dann allerdings nicht besonders traurig, denn ich fühle mich musikalisch im Vergleich zu 1992, zehn Jahre später, im Jahr 2002 sehr gut bedient und kann die Retorten-Band und "Karrieristen"-Flut ziemlich gut tolerieren, denn im Vergleich zu damals erdrücken sie den restlichen Markt nicht mit ihrer Präsenz und sie haben eine eigene Zielgruppe. Und nur weil deren Musik anders produziert wird, wächst der heutigen Jugend (ist eben die vornehmliche Zielgruppe von No Angels, Bro'sis und Co.) nicht gleich Gammel am und im Kopp. Vor allem kann ich aber die Ansicht nicht nachvollziehen, die heutige, nennen wir sie "offensichtliche, medienbeachtete Musikwelt" bestünde fast nur noch aus lauter "Bro'Sissen" und schlechten 80er Covern, denn das ist m. E. schlicht und ergreifend falsch (siehe oben).

    Und was mir gerade noch einfällt...

    "Udo rechnet mit dem Schlager ab

    Der Altstar kann den deutschen Schlager nicht mehr hören. Mit 67 Jahren rechnet der Sänger und Komponist mit dem Schlager ab. Die volkstümliche Musik von heute sei total abgenutzt und verbraucht, erklärte er in einem Interview mit der Zeitung „Frankfurter Neue Presse“ vom Dienstag.

    Die deutsche Schlagermusik habe für ihn überhaupt keinen Klang mehr, so Udo Jürgens. Sie sei nur noch erfolgreich, weil das Fernsehen damit Quote mache. Sein Vorbild sei stets Gilbert Becaud gewesen, der mit seiner Musik dem Volk aufs Maul schaue.

    Der Künstler stürmte in den 60er-Jahren mit Hits wie „Griechischer Wein“, „17 Jahr, Blondes Haar“ oder „Merci Cherie“ die Hitparaden. Ab Anfang der 70er-Jahre veröffentlichte er zunehmend Texte mit sozialkritischem Touch."

    http://www.focus.de/G/GV/GVA/gva.htm?snr=105007

    Scheint irgendwie gerade genreübergreifend in Mode zu sein...... Naja, so kann man noch was lernen. Ich dachte die "volkstümliche Musik" sei schon immer so gewesen, huaua.

    Grüße
    Q*bert

  11. #10
    Benutzerbild von Stingray

    Registriert seit
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    803
    @QBert :

    Stimmt. Ich kann dir da in einigen punkten nur zustimmen.
    Was die musik, anfang der 90er betrifft, so mag ich auch die sehr gerne, aba da war ich auch noch recht jung und man wächst ja immer mit der aktuellen musik auf :-). Allerdings flaute auch für mich das interesse an musik in den spätneunzigern ziemlich ab, was die chartmusi betrifft, aber es gab ja noch genügend independet, was hörenswert war.
    Aber seit 2-3 jahren war in den charts, für meinen geschmack einfach nur noch viel müll. Zum glück hat sich das aber in der letzten zeit wieder gelegt und einiges von den top 20 ist auch für mich wieder hörenswert. Wenn man sich aber musikalisch immer nur nach den charts ausrichten würde, dann bleibt der musikgeschmack aber doch eher eingeschränkt.
    Auf jeden fall braucht man gar nicht darüber zu reden, das solche gruppen, wie no angels, bro'schiss und konsorten, die allesamt von managern großgezogen werden, fast ausschliesslich für die heutige jugend interessant sind und deren musikgeschmack widerspiegeln, ich zumindest kann mit den wenigsten liedern dieser gruppen was anfangen, aber ich brauche es ja auch net zu hören. Und wenn man mal ehrlich ist, dann gabs solche gruppen ja immer schon (abba, milli vanilli), nur habe ich solche musik früher, als ich jung (bzw jünger :-) ) war eben auch gehört :-).
    Limp Bizkit, garbage, nickelback, korn und konsorten sind ja glücklicherweise immer gut in den charts platziert, aber wenn man statt bro'schiss u.ä., gruppen, wie leftfield, orbital, daft punk, fatboy slim, groove armada oder chemical brothers auf den vorderen plätzen hätte, also das ganze quasi austauschen würde, dann wäre ich vollkommen zufrieden :-). Aber man kann ja nicht alles haben.

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