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Wo bleibt Euer Aufschrei?

Erstellt von DeeTee, 11.11.2004, 16:59 Uhr · 23 Antworten · 2.002 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von
    Pallas postete
    wenn alle Welt von DVD spricht und man als Arbeitsloser mit wenig Kohle irgendwie mithalten will, dann kann es eben nur ein Billiggerät sein (oder man wartet, bis man genug für ein hochwertigeres zusammen hat, und dann ist das oft auch aus Korea).
    Wie gesagt, mir gehts lediglich darum mal drüber nachzudenken. Wer nach dem nachdenken merkt, dass er ja arbeitslos ist und sich nichts leisten kann (da dürfte es mit dem Nachdenken also sehr schnell gehen), den meine ich gar nicht.
    Ich lebe allerdings immer noch in einem Land, in dem sich sehr viele Menschen immer noch sehr viel leisten können. Und ich stelle mir bei Leuten, denen die Preisdifferenz von 20-40 Euro zu einem Player von z. B. Philips oder Sony zu teuer ist, die Frage, wie sie ihren Player (legal) füttern wollen (was sehr schnell den mehrfachen Gerätepreis kostet).

    Wie dem auch sei: Die 20-30 Euro Preisdifferenz gehen gerade beim DVD-Player nichtmal auf die unterschiedlichen Lohnkosten zurück, sondern allein für "gesparte" Lizenzkosten an Sony, Philips und das MPEG Konsortium. Das sind Firmen die entwickeln und das schafft höherbezahlte Arbeit und Kaufkraft in Deutschland wirtschaftlich vergleichbaren Ländern. Chinesische Billiganbieter, die sich dieses Know How einfach abzocken, sind a) kriminell, kosten b) Arbeitsplätze in Entwicklungsstandorten und sägen damit c) am Ast auf dem man sitzt (denn die Markenhersteller müssen so selbst an der Kostenschraube drehen und verlagern Betriebsstätten).

    Dieser Falschgeiz funktioniert also nach den gleichen Prinzipien und hat die gleichen Auswirkungen wie eine Betriebsverlagerung.Für ein Hochlohn-, Export- und Entwicklungsland ist das auf Dauer tödlich. Selbst viel kosten und nur billigstes kaufen, kann nicht lange gut gehen. Das müsste dem Dümmsten einsichtig sein.

    Weiteres Phänomen: Es ging schon vor einiger Zeit los, als Saturn und Media Markt noch neu waren. Da rannten alle zum etwas teureren Fachhändler, ließen sich von vorne bis hinten beraten und gingen anschließend in den Discounter einkaufen. Heute wird jedes Kaufvorhaben erstmal bei guenstiger.de durch die Suche gejagt. Doch auch da bleibts dann nicht dabei... man geht wieder zum Händler des Vertrauens, lässt sich das Gerät ausgiebig vorführen, fachsimpelt noch nett mit dem kundigen Verkäufer und geht dann nach Hause um bei xyz.de 30 Euro zu sparen. Und oh wunder..... den gleichen Leuten fällt nach einiger Zeit auf, dass es in Deutschland ja immer schlimmer wird und selbst in den Innenstädten immer mehr Geschäfte zu machen! Ach?! Es ist doch klar, dass die Händler, die dieses Abzockerverhalten bisher noch halbwegs überstanden haben, nun, wo die Kaufzurückhaltung größer wird, langsam aber sicher über den Jordan gehen. Von welchen Umsätzen sollen sie denn noch leben? Man gönnt ihnen ja nur noch die (Beratungs)kosten...

    Man kann diese Diskussion nicht immer nur mit dem Blickwinkel auf jene führen, die sich nichts leisten können. Sie stellen m. E. heute immer noch (ein Glück) den kleineren Teil der Bevölkerung. Mich stört schon bei der Rentendebatte, dass die bei den heutigen Rentnern immer auf die kleine arme Oma mit ein paar hundert Euro Rente reduziert wird. Die Wahrheit ist doch, dass die erdrückende Mehrheit der Rentner heute normale und gute Renten kassiert, von denen wir, die wir irgendwann in 20, 25 oder 30 Jahren mal ins Rentenalter kommen, nur noch träumen können. So ist es auch mit der normalen Bevölkerung: Solange sich ein 3er BMW in den Top3-5 der Zulassungsstatistik tummelt, kanns so schlimm noch nicht sein. Und so sehen wir das ganze ja auch auseinander driften: Auf der einen Seite Leute die sich nichts leisten können und auf der anderen Seite Leute die nur noch Premium kaufen. Dazwischen tummelt sich die hierzulande immer noch relativ stark vorhandene Mittelschicht. Und sie orientiert sich permanent nach unten und kauft so, als wäre sie schon arm - ganz so, als wäre dieses Schicksal ja unvermeidbar. Es mag daran liegen, dass es in diesem Land seit 20 Jahren bergab geht. Aber wenn man dieses Verhalten nicht ändert, kann die Wirtschaft sich auch auf den Kopf stellen, es würde nichts bringen.

    Das Problem ist eben, daß verschiedene Regionen dieser Welt sich auf verschiedenen Entwicklungsstufen befinden. Das wird von der Wirtschaft mehr und mehr hemmungslos ausgenutzt.
    Ja, das ist das Problem. Mit dem Problem wäre man aber klar gekommen. Als die Japaner vor 20 Jahren ihre Autos bei uns in den Markt drückten, hat sich die ganze Geschichte recht bald relativiert und geregelt. "Made in Hong Kong" war früher das Synonym für billig. Wen juckt heute noch "Made in Hong Kong"? Das hat sich alles eingespielt. Aber dann ging der eiserne Vorhang auf und im Eiltempo kamen sämtliche Beschränkungen weg. Heute ist Polen in der EU, jegliche Möglichkeit die absolut ungleichen Lohn- und Lebensbedingungen auszugleichen ist dahin. Dabei ist gerade Polen der Staat der schon am weitesten fortgeschritten ist. In Osteuropa tummeln sich weitaus mehr Staaten, die sich hervorragend für Verlagerungen nutzen lassen und die uns die Jobs kosten. Das hätte man anders angehen müssen, aber uns Deutschen war dies aus historischen Gründen ja nicht erlaubt.... wir hatten in Ordnung zu bringen, was wir vor 60 Jahren ausgelöst hatten. Für mich spielt der Sondereffekt, der durch die Öffnung des eisernen Vorhangs kam, jedenfalls die Hauptrolle an der aktuellen Entwicklung. Es ging alles zu schnell und zu unreguliert. Heutzutage wird es ja sogar mit EU-Millionen gefördert, dass Fabriken hier zu und in Tschechien aufgemacht werden... die Politik hat also nicht vor hier etwas zu ändern. D. h. jetzt kann daran nur noch der Konsument etwas ändern.

    @ raabi2000

    Ich hoffe doch, dass du immer auch den Nachweis verlangst, dass nicht nur eine Umverpackung und/oder Reinigung der Produkte in dem Land vorgenommen wird, worauf sich das "Made in" bezieht.

    Man kann alles klein- und sinnlos reden und Dinge auch immer irgendwie ins lächerliche ziehen. Ich habe mich eben irgendwann entschieden, dass nur rummeckern, auf die da oben schimpfen und Manager/Politikerschelte nichts bringt. Ich achte in meinem kleinen Leben auf ein paar Dinge und ich bin mir relativ sicher, dass es etwas bringen würde, wenn viele Leute auf diese Dinge achten. Und es ist ja auch nicht ganz neu. Es hat schon früher Leute gegebene, die es sich z. B. vertraglich haben zusichern lassen, dass ihr neuer VW in Wolfsburg vom Band rollt. Was tust Du denn persönlich außer meckern?

    Meckern und auf Politiker oder Manager schimpfen ist hierzulande immer einfach und beliebt. Wenn man nur markig genug schimpft und die Schuld nach "oben" schiebt, hat man ganz schnell ganz viele Sympathisanten um sich herum. Aber wehe man schlägt etwas vor, was man selbst tun kann.... dann wird sofort alles wieder so lange zerpflückt, bis es ja sowieso sinnlos zu sein scheint und man es sich sparen kann - klasse, bleibt mehr Zeit zum meckern!

    Des weiteren stellt sich die Frage, was zivilisierte Löhne sind? Welchen Maßstab muss man da anlegen, welcher sollte angelegt werden und vor alle, welche Konsequenzen würde eine solche Angleichung für dieses Land bedeuten.

    Das habe ich nicht festzulegen. Trotzdem denke ich, dass zu "zivilisierten" Löhnen gehört, dass man davon nicht im Karton wohnen muss, seinen Kindern unabhängig vom Geschlecht Bildung ermöglichen kann und vor allem eine Chance hat, die Produkte die man den ganzen Tag herstellt, auch selbst kaufen zu können (jedenfalls, wenn man nicht gerade Luxusgüter herstellt, das wird auch für den Ferrari-Mitarbeiter schwierig). Und man soll eben die Umwelt- und Lebensstandards nicht vergessen. Wenn sich manche begeisterte H&M-Käuferin mal genau angucken würde, dass für diese Billigware viele indische Menschen in krebserregender Pisse stehen, um die Stoffe zu färben oder Leder zu gerben, davon Hautkrebs und andere Krankheiten bekommen, und sämtliche Flüsse und Böden der Umgebung verseucht sind, dann würden sie diese Sachen vielleicht nicht mehr kaufen und könnten sich nicht am billigen Preis freuen - und das spinne ich mir hier nicht zusammen. Diese Fertigungsmethoden sind bei Waren dieser Klasse die Regel und nicht die Ausnahme. Die westlichen Einkäufer machen es sich einfach, lassen die indischen Lieferanten irgendwelche Erklärungen unterschreiben und werden dann nie wieder zur Kontrolle gesehen... Nur deshalb gibt es hierzulande keine nennenswerte Textilindustrie mehr. Wer hat es also in der Hand? Der Käufer oder der Hersteller? Oder beide?

    Dave

  2.  
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  3. #22
    Benutzerbild von DeeTee

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    @Dave:

    Gelungener Aufschrei!

    Mich stört schon bei der Rentendebatte, dass die bei den heutigen Rentnern immer auf die kleine arme Oma mit ein paar hundert Euro Rente reduziert wird. Die Wahrheit ist doch, dass die erdrückende Mehrheit der Rentner heute normale und gute Renten kassiert ...
    Der Aspekt der Intragenerationengerechtigkeit spielt in der öffentlich-politischen Diskussion nur eine bemerkenswert geringe Rolle. Dabei gibt es viele Ruheständler, die netto mehr bekommen, als viele hart arbeitende Leute heute brutto haben. Davon sollte man einen größeren Anteil zum Ausgleich innerhalb der Altersgruppe verwenden. Damit könnte man auch die noch arbeitende (und konsumierende) Generation entlasten.

    Grüße!
    DeeTee

  4. #23
    raabi2000
    Benutzerbild von raabi2000
    Dave Bowman postete

    @ raabi2000

    Raabi2000 postete
    Ich hoffe doch, dass du immer auch den Nachweis verlangst, dass nicht nur eine Umverpackung und/oder Reinigung der Produkte in dem Land vorgenommen wird, worauf sich das "Made in" bezieht.
    Man kann alles klein- und sinnlos reden und Dinge auch immer irgendwie ins lächerliche ziehen. Ich habe mich eben irgendwann entschieden, dass nur rummeckern, auf die da oben schimpfen und Manager/Politikerschelte nichts bringt. Ich achte in meinem kleinen Leben auf ein paar Dinge und ich bin mir relativ sicher, dass es etwas bringen würde, wenn viele Leute auf diese Dinge achten. Und es ist ja auch nicht ganz neu. Es hat schon früher Leute gegebene, die es sich z. B. vertraglich haben zusichern lassen, dass ihr neuer VW in Wolfsburg vom Band rollt. Was tust Du denn persönlich außer meckern?
    Wie du hoffentlich festgestellt hast, bringe ich mich sowohl mit Kritik als auch mit eigenen Ideen in diese Diskussionen bezüglich der Zukunft Deutschlands ein. Von daher ist dein letzter Kommentar ein Spar-Kommentar, dass magst du doch eigentlich nicht.

    Des weiteren achte ich persönlich nicht primär auf den Preis eines Produktes, sondern auf die von mir gewünschten Funktionen und natürlich auf die Qualität. Wenn ich allerdings ein, sagen wir DVD-Player von Sony, bei abc billiger bekomme als bei xyz, dann kaufe ich diesen bei abc. Ob das nun deinen Ansprüchen genügt, ist mir gelinde gesagt völlig egal.

    Dave Bowman postete
    Meckern und auf Politiker oder Manager schimpfen ist hierzulande immer einfach und beliebt. Wenn man nur markig genug schimpft und die Schuld nach "oben" schiebt, hat man ganz schnell ganz viele Sympathisanten um sich herum. Aber wehe man schlägt etwas vor, was man selbst tun kann.... dann wird sofort alles wieder so lange zerpflückt, bis es ja sowieso sinnlos zu sein scheint und man es sich sparen kann - klasse, bleibt mehr Zeit zum meckern!
    Dass lasse ich mal besser nahezu unkommentiert so stehen, aber ich kann dich verstehen und stimme deiner letzten Aussage zu.

    Dave Bowman postete
    Raabi2000 postete
    Des weiteren stellt sich die Frage, was zivilisierte Löhne sind? Welchen Maßstab muss man da anlegen, welcher sollte angelegt werden und vor alle, welche Konsequenzen würde eine solche Angleichung für dieses Land bedeuten.
    Das habe ich nicht festzulegen. Trotzdem denke ich, dass zu "zivilisierten" Löhnen gehört, dass man davon nicht im Karton wohnen muss, seinen Kindern unabhängig vom Geschlecht Bildung ermöglichen kann und vor allem eine Chance hat, die Produkte die man den ganzen Tag herstellt, auch selbst kaufen zu können (jedenfalls, wenn man nicht gerade Luxusgüter herstellt, das wird auch für den Ferrari-Mitarbeiter schwierig). Und man soll eben die Umwelt- und Lebensstandards nicht vergessen. Wenn sich manche begeisterte H&M-Käuferin mal genau angucken würde, dass für diese Billigware viele indische Menschen in krebserregender Pisse stehen, um die Stoffe zu färben oder Leder zu gerben, davon Hautkrebs und andere Krankheiten bekommen, und sämtliche Flüsse und Böden der Umgebung verseucht sind, dann würden sie diese Sachen vielleicht nicht mehr kaufen und könnten sich nicht am billigen Preis freuen - und das spinne ich mir hier nicht zusammen. Diese Fertigungsmethoden sind bei Waren dieser Klasse die Regel und nicht die Ausnahme. Die westlichen Einkäufer machen es sich einfach, lassen die indischen Lieferanten irgendwelche Erklärungen unterschreiben und werden dann nie wieder zur Kontrolle gesehen... Nur deshalb gibt es hierzulande keine nennenswerte Textilindustrie mehr. Wer hat es also in der Hand? Der Käufer oder der Hersteller? Oder beide?

    Dave
    Na ja, zumindest kannst du durch dein Verhalten dazu beitragen, dass die Maßstäbe sich in den sog. Entwicklungs- und Schwellenländern ändern. Wenn man nichts von dort kauft, wird dort auch nichts hergestellt. Nur, ob dass das Ziel sein soll, weiß ich nicht. Aber lassen wir dass, denn ansonsten stimme ich dir ja auch vollkommen zu, mit meinem Einwand habe ich lediglich versucht, wie ich oben bereits erwähnte, die Unwägbarkeiten aufzuzeigen.

    Des weiteren gebe ich dir natürlich recht, wir Deutsche jammern auf einem verdammt hohen Niveau, und das, obwohl wir im Durchschnitt wohl mit den höchsten Pro-Kopf-Reichtum weltweit besitzen. Die Frage die sich mir stellt, ist wie man die Menschen wieder dazu bringt, überhaupt erst mal wieder den Konsum anzukurbeln. Dabei geht es mir dann erst in zweiter Reihe um Produkte aus den sog. Industrieländern, in denen diverse Gesundheits- und Umweltstandards herrschen. Eine Aufgabe, um dies zu erreichen, ist den Standort Deutschland und auch das Leben in Deutschland nicht ununterbrochen schlecht zu reden. Ja, es gibt Dinge und Entwicklungen, die nicht gut sind und worüber sich die Menschen aufregen, aber alles in allem geht es der großen Mehrheit in diesem Land sehr gut. Nur herrscht eine allgemeine Verunsicherung, die zum einen aus eigener Unwissenheit der Menschen herrührt, zum anderen das Ergebnis völlig fehlverkaufter Politik ist. Es ist also a) die Aufgabe aller, Deutschland wieder positiver darzustellen und b) endlich den Arsch zu bewegen, um dieses Land wieder auf Vordermann zu bringen.

    Was jeder einzelne dazu beitragen kann wenn er will, muss er/sie für sich entscheiden, Möglichkeiten gibt es genug. Aber nur immer auf den „armen“ Verbraucher einzuprügeln, kann nicht die Lösung sein.

  5. #24
    Benutzerbild von
    raabi2000 postete
    Des weiteren achte ich persönlich nicht primär auf den Preis eines Produktes, sondern auf die von mir gewünschten Funktionen und natürlich auf die Qualität. Wenn ich allerdings ein, sagen wir DVD-Player von Sony, bei abc billiger bekomme als bei xyz, dann kaufe ich diesen bei abc. Ob das nun deinen Ansprüchen genügt, ist mir gelinde gesagt völlig egal.
    Es ist nicht erforderlich meinen Ansprüchen zu genügen. Meine Aussage dazu, unterscheidet auch durchaus zwischen "günstig einkaufen" und "den Einzel-/Fachhandel ausnutzen und ruinieren" Darum, dass Preisvergleiche verboten sind, ging es nicht. Nur kann man sich nicht wundern, dass der Fachhandel verschwindet, wenn man nur noch per Versand kauft (man muss dann einfach diesen "Och, alle Läden machen zu! Warum nur?"-Kram lassen, dann ist es ok!) und man braucht sich nicht wundern, wenn der einst alteingesessene Fachhändler spätestens beim dritten Mal gereizt ist, wenn man sich immer alles genau zeigen und erklären lässt, aber nie etwas dort kauft - es hat sich dann beim vierten Versuch auch erledigt, der Fachhändler ist futsch. Viele Einzelhandelsjobs fallen weg, ein paar Lageristen- und Paketausfahrjobs werden geschaffen...

    Na ja, zumindest kannst du durch dein Verhalten dazu beitragen, dass die Maßstäbe sich in den sog. Entwicklungs- und Schwellenländern ändern. Wenn man nichts von dort kauft, wird dort auch nichts hergestellt. Nur, ob dass das Ziel sein soll, weiß ich nicht.
    Es stört uns seit Jahrzehnten nur an Weihnachten, dass in der 3. Welt elendig verreckt wird. Das es in China ein paar Menschen schlechter gehen könnte, weil sie dort z. B. keine Playstation 2 mehr für Sony bauen, kann kein Grund sein, dass in den entwickelten Ländern immer mehr Menschen arbeitslos werden und in die Armut abrutschen - so kann man die Lebensverhältnisse natürlich auch angleichen.

    Nach dem zweiten Weltkrieg, kam auch keiner nach Europa und hat alle möglichen Fabriken hier gebaut, in denen unsere Vorfahren ihren Wohlstand aufbauen durften. So hätte es wohl auch nicht funktioniert, denn eine deutsche Wirtschaft, die nur von ausländischen Investoren aufgebaut worden wäre, hätte uns schon vor 20 Jahren wieder fallen lassen und wäre weiter gezogen. Es ist also die Frage, ob es für die Entwicklungs- und Schwellenländer so eine tolle Sache ist, dass die Weltunternehmen dort immer mehr Fertigungen hochziehen. Die sind auch schnell wieder geschlossen und zum nächstbilligeren verlagert.
    Langfristige Jobs sind also eigentlich eher solche, die auch eine eigene nationale Industrie schaffen. Für die ist es nicht notwendig vom Stand aus den Weltmarkt zu erobern und Milliardengewinne einzufahren. Ein Krupp ist auch nicht über Nacht zum Weltkonzern geworden. Muss ein Deutscher wirklich mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes für jahrzehntelangen Kommunismus in Staaten wie China und hinter dem eisernen Vorhang bluten, um Entwicklungshilfe zu leisten?

    Die Frage die sich mir stellt, ist wie man die Menschen wieder dazu bringt, überhaupt erst mal wieder den Konsum anzukurbeln. Dabei geht es mir dann erst in zweiter Reihe um Produkte aus den sog. Industrieländern, in denen diverse Gesundheits- und Umweltstandards herrschen. Eine Aufgabe, um dies zu erreichen, ist den Standort Deutschland und auch das Leben in Deutschland nicht ununterbrochen schlecht zu reden. Ja, es gibt Dinge und Entwicklungen, die nicht gut sind und worüber sich die Menschen aufregen, aber alles in allem geht es der großen Mehrheit in diesem Land sehr gut. Nur herrscht eine allgemeine Verunsicherung, die zum einen aus eigener Unwissenheit der Menschen herrührt, zum anderen das Ergebnis völlig fehlverkaufter Politik ist. Es ist also a) die Aufgabe aller, Deutschland wieder positiver darzustellen und b) endlich den Arsch zu bewegen, um dieses Land wieder auf Vordermann zu bringen.
    Man hätte meinen sollen, die Konzernlenker haben aus der gleichlautenden Diskussion Anfang der 90er etwas gelernt. Schon damals hatte man den Standort fast um Kopf und Kragen geredet. Dann war über Jahre Ruhe... niemand wollte mit dem Thema mehr was zu tun haben. Und plötzlich sind wieder alle Dämme gebrochen. M. E. ist dieses Mal die Politik der Brandstifter (um auch mal gegen Politiker zu meckern...). Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendwelche Vorschläge in dieser Richtung gemacht werden. Bei Feiertagsdiskussionen lasse ich es ja noch gelten, denn da haben Politiker das sagen. Bei Urlaub, Wochenstundenzahl, Pausen, Lohnerhöhungen usw., haben sie es jedoch nicht. Und deshalb sollten sie sich da auch bedeckt halten. Stattdessen wird aber erst heute wieder medienwirksam so eine Sau durchs Dorf gejagt, vonwegen "Arbeitgeber sollen Raucherpausen nicht mehr bezahlen". Klar, der Beifall von Millionen Nichtrauchern, die es schon immer unfair fanden, dass die Raucher durchs rauchen mehr Pause haben, ist sicher. Nur geht das a) die Politik nichts an, versuchen Politiker b) so seit Jahren nur von ihrem eigenen Unvermögen und ihrer eigenen Untätigkeit abzulenken und werden so c) die Menschen immer weiter auseinandergetrieben und verunsichert - genau das was Du beschreibst ist die Folge. Die täglichen Gespräche im Volk werden so immer negativ beeinflusst und am Ende bleibt allen nur ein gemeinsamer Schluss: "Es wird alles immer schlimmer, wer weiss was als nächstes kommt!". Vertrauen in die Wirtschaft, in die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes und Lust zum kaufen schafft das nicht! ABER: Wer belohnt denn die Lüge und das Aussitzen und wer bestraft die Wahrheit? Ist das nicht am Ende der Wähler? Wer hat denn Kohls blühende Landschaften gewählt? Wer schickt heute eine uralte Volkspartei bei Landtagswahlen in den einstelligen Prozentbereich, als Strafe dafür, dass überhaupt mal mit Reformen begonnen wird? Klar ist Hartz IV nicht das gelbe vom Ei... aber bessere und weitreichendere Reformen scheitern, weil die Oppsoition sich beim Wahlvolk durch Blockade einschleimt, weil der Wähler alle Einschnitte bestraft die ihn selbst betreffen, weil Lobbies ihre Pfründe sichern.... Der Kreis schließt sich letztendlich immer beim kleinen Mann - dem gleichen der sich beschwert.

    Was jeder einzelne dazu beitragen kann wenn er will, muss er/sie für sich entscheiden, Möglichkeiten gibt es genug. Aber nur immer auf den „armen“ Verbraucher einzuprügeln, kann nicht die Lösung sein.
    Naja, m. E. wird der Verbraucher eher fast immer verschont, weil der Verbraucher ja nunmal gleichzeitig das Volk ist und das Volk sich gerne damit beschäftigt zu meckern und die Schuld in Richtung Politik zu schieben. Wenn die Konsumenten endlich ihre Macht begreifen würden und sich besser organisieren würden, würden viele Dinge anders aussehen. Stattdessen wird sich beschwert, dass die Manager machen was sie wollen und ansonsten ja sowieso, dass die Dinge, die man gerne kaufen würde, gar nicht mehr verkauft werden (Mobiltelefone mit denen man telefonieren kann ohne in kostenpflichtigen Portalen zu landen, Klamotten die jedem passen, siehe "Damenmodethread" etc.)
    Letztendlich wird produziert was gekauft wird, was nicht gekauft wird, wird auch nicht mehr produziert.

    Dave

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