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Wonach sehnt ihr euch am meisten zurück?

Erstellt von Babooshka, 18.11.2004, 21:37 Uhr · 62 Antworten · 6.170 Aufrufe

  1. #11
    Benutzerbild von Babooshka

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    Ich sehe Peter, wir verstehen uns. Ich habe wirklich den Eindruck, dass das zunehmende Alter und die damit verbundenen geänderten Lebensumstände die Dinge schwieriger macht, was das Kennenlernen neuer Leute angeht.

    Auch Waschbär scheint da ganz ähnliche Gedanken zu haben. Waschbär, wenn ich eines Tages mal keine Eltern mehr habe, mit denen ich Weihnachten feiere, dann trommeln wir einen Clan Leute zusammen, denen es genauso geht, und dann schmeißen wir sie, unsere Weihnachtsfeier auf der Hütte! Mit ganz laut Last Christmas!

    Sadistica, das mit dem handschriftlichen Brief hat mir gut gefallen und ich muss ehrlich zugeben, mein letzter liegt auch schon etliche Zeit zurück. Ich habe neulich erstmals wieder eine Karte handgeschrieben, so richtig schön mit Füller - und ich habe ewig oft auf einem Blatt Papier trainiert, damit meine Handschrift überhaupt wieder leserlich wird. Die hat nämlich durch die ganze Tipperei mächtig gelitten. Aber du hast mir einen Antoß gegeben: Etwas anderes, was mir aus den 80-ern schmerzlich fehlt, das sind bestimmte Freunde. Unter anderem ein sehr guter französischer Freund. Ich habe rausbekommen, er ist inzwischen von seiner eifersüchtigen Frau geschieden. Niemand wird mehr seine Post kontrollieren. Er wird der Erste sein, der wieder einen handgeschriebenen Brief von mir bekommen wird - ganz so wie früher! Und nein, ich war nicht im K17, so alleine weggehen liegt mir nicht.

    Und Sonny, da denke ich genau wie du - nee, bloß nicht nochmal Pubertät und erste Liebeskummer zurück!

    Wenn ich mal etwas detailliert zurückdenke, so hatte ich auch schon in den 80-ern bisweilen "Einsamkeitsattacken", vor allem im Winter. Ich habe mich immer aus meiner Stadt weggesehnt, weshalb ich ja dann auch gegangen bin, sobald es mir möglich war. Und dennoch war es so leicht, dem Alleinsein zu entkommen, wenn ich es wirklich wollte.

    (Meine Laune ist übrigens seit heute wieder besser; ich hoffe, ich habe in meinem Eingangsposting nicht allzu wehleidig geklungen )

  2.  
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  3. #12
    Benutzerbild von Pallas

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    Nein, das hast du nicht, denn solche Gedanken habe ich auch schon des öfteren gehabt.

    Ich vermisse auch vieles von früher. Die schon öfters erwähnte Unbefangenheit, die Sorglosigkeit und die größere Sicherheit (beruflich gesehen). Und auch das Preis-Leistungsverhältnis - immer mehr und öfter wird mir schmerzlich bewußt, daß 20 Euro heute so schnell weg sind wie früher 20 Mark.

    Musikmäßig finde ich es auch wesentlich mauer... was heute aus den Hitparaden kommt, finde ich oft nur grenzenlos schmalzig und oberflächlich. Auch die guten Coverversionen werden weniger... Das betrifft jetzt aber den Mainstream. Ich habe andere "Fluchten" entdeckt: Jazz zum Beispiel. Gerade von neuen Interpreten gibt es dort viel Gutes. Viele interessante Sachen. Und es gibt ja auch hin und wieder noch ein paar Pop- und Rock-Perlen. Aber irgendwie immer weniger...

    Was Muggi schreibt, das kann ich auch sehr gut nachfühlen. Damit beziehe ich mich auf sein Jugendradio mit verhältnismäßig vielen Wortbeiträgen. So was vermisse ich in der deutschen Radiolandschaft immer mehr. Jetzt geht mit HR1 wieder ein ehemals guter "Labersender" vor die Hunde... und scheinbar haben viele Sendestationen nur 10 CDs in ihrem Shuffle-Computer.
    Und daß Muggi dann die Verzweiflung packt, kann ich sehr gut verstehen, wenn ich mal Sender wie SAW oder den Thüringer Dudelfunk reinkriege.
    So weiche ich aus auf HR2, Deutschlandfunk und Deutschland-Radio Berlin. Da kriegt man noch was für die Rundfunkgebühren.

    Angesichts der heutigen Zeiten kann man - gerade im grau-nachdenklichen November - auch wirklich melancholisch werden.

  4. #13
    Benutzerbild von frasier

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    Computer und Internet tragen einen großen Anteil zu dieser Entwicklung bei, denn früher musste man raus aus der Wohnung, um jemanden kennenzulernen.

    Und so wird es zur Regel, zu Hause zu bleiben und zur Ausnahme, sich mit Leuten zu treffen. Eigentlich sollte das Internet Leute verbinden, aber am Ende ist eher das Gegenteil der Fall.

  5. #14
    Benutzerbild von Feenwelt

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    Ich habe Babooshkas Eingangspost wenig hinzu zu fügen: die Unbeschwertheit ist genau das, was ich heute an mir vermisse. Aber dazu gehört noch etwas: meine Ausdauer. Und damit meine ich die rein physische Kraft.
    In den 80ern trieb ich viel Sport und mein Körper war insgesamt deutlich fitter. Ich hatte kaum Probleme damit, Sonntag nachts in die Disco zu gehen und nach 2 Stunden Schlaf wieder in die Schule, zur Bundeswehr oder zu meinem Studentenjob. Dafür hatte ich ne Menge Spaß.
    Genauso konnte ich mich nachts, wenn ich ein paar schöne Gedanken für mich alleine haben wollte, ins Auto setzen, um 4 Uhr morgens rauf zum Dachauer Schloß fahren, aufs entfernte München schauen und ein bißchen melancholisch abhängen.

    Heute würde ich mir an den Kopf greifen, wenn ich nachts weg müßte. Ich bin Freitags abends so kaputt, daß der Weg zum Fernseher schon beschwerlich ist und ich gegen 22 Uhr davor einschlafe. Der Samstag dient dazu, "endlich mal wieder Klarschiff zu machen", da man es unter der Woche nicht geschafft hat, und abends weggehen ist zwar denkbar, aber angesichts der Alternative mit seiner Freundin einen langen, ruhigen Abend zu verbringen, wird das auch selten wahrgenommen.
    Traute Zweisamkeit ist mir wichtiger geworden als Action zu zweit, weil ich weiß, daß ich es mit Übermüdung und Unkonzentration während der Arbeitswoche bezahlen muß.
    Ich will nicht zu viel jammern. Ich bin noch kein alter Sack und bin auch nicht dick. Ich fühle mich nur viel schneller "erschöpft".
    Ich habe eben die Unbeschwertheit eingetauscht gegen eine 50-Stunden-Woche, die mir allerdings auch einen gewissen Lebensstil ermöglicht. Diesen Lebensstil möchte ich nicht missen.

    Insofern sage ich eher resigniert: Das Lebensgefühl der 80er war toll, das jetzige ist es aber auch und passt besser zu mir. Beides haben kann ich nicht, das gibt weder mein Körper her noch die lächerlichen 24 Stunden eines Tages. Also mache ich das Beste daraus: Weiterleben und hin und wieder etwas Träumen. Vor allem hier im Forum.

  6. #15
    Benutzerbild von waschbaer

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    @Feenwelt

    Ich muss dir recht geben. Ich würde mich jetzt mit meinen 75 kg bei 1,80 m Größe auch nicht als dick bezeichnen, aber ich merke es einfach, dass ich nicht mehr die Kondition habe wie beispielsweise in den 80ern oder frühen 90ern. Zwar treibe ich mittlerweile mehr Sport als damals, aber ich möchte gar nicht dran denken, wie es wäre, wenn ich nicts machen würde. Das wäre dann wohl der körperliche Verfall.

    @Babooshka

    An der Berghütte soll es nicht liegen. Da hätte ich Möglichkeiten (ist halt ´ne Finanzfrage. Man braucht ca. 15 bis 20 Leute, um das Ganze finanzierbar zu machen).

    Einen handschriftlichen Brief habe ich - ich weiß nicht, ob wegen des Anstoßes hier - gestern wieder geschrieben und mir ging es auch so, dass mir mein Schriftbild früher viel besser gefallen hat als jetzt.

  7. #16
    Otto
    Benutzerbild von Otto
    Das meiste wünsche ich mir nicht zurück. Die Pubertät schon mal auf keinen Fall, denn das war für mich keine einfache Zeit. Auch ein Leben ohne Auto und eigene Wohnung kann ich mir heute nicht mehr vorstellen.

    Dass die Schulzeit eine schöne Zeit war (bei mir vor allem ab der 11. Klasse), habe ich erst in den 90ern zu schätzen gelernt. Die 90er waren bei mir nämlich ein in jeder Hinsicht ein sehr graues Jahrzehnt. Es bestand aus viel Arbeit, Verzicht auf vieles (wie z.B. Party, Freizeit, Sommerurlaub). Und da das auch noch eine Arbeit war, die ich nicht mein Leben lang ausüben möchte, änderte ich Ende der 90er meine Pläne komplett. Ich bin tatsächlich mit über 30 noch mal Student geworden. Daher habe ich derzeit noch mehr Freiheiten als in den 90ern, kann aktiv am Party-Leben teilnehmen, habe noch keine 50- bis 60-Stunden-Woche (arbeitete in den 90ern ca. 45 Stunden/Woche im Durchschnitt, für ein kleines Gehalt). Kurz gesagt ich hole gerade etwas nach, was viele meiner Altersgenossen noch in den 90ern hatten. Die Unbeschwertheit bleibt mir noch für ein paar Jahre erhalten.

    Was ich aber ganz klar vermisse, ist alles was mit Musik zu tun hat. Zum einen die Qualität der Musik, darauf gehe ich jetzt nicht mehr näher ein, da das schon ausgiebig hier besprochen wurde (handgemachte Musik etc.).
    Wer hat uns eigentlich gefragt, ob wir den 38. oder auch den 49. Club-Remix von DJ XYZ des Charthits ABC überhaupt haben wollen? Eine gute Melodie wird oft so aufs Unkenntliche entstellt, dass einem das Hauptlied auch nicht mehr gefällt. Wenn mir heute das eine oder andere Lied aus den Charts mal gefällt, so wäre ich doch froh, wenn ich es mir heute noch für 2 bis 3 Euro kaufen könnte, dann auf den Plattenspieler (!) legen und am Ende des Liedes einfach umdrehen, bei einer vielleicht zwar nicht ganz so guten B-Seite, aber zumindest keine 10 entstellenden Remixe am Stück. Und wo sind die guten Sampler geblieben, mit 16 bis 20 wirklich bekannten Songs, anstatt heute 2 bekannte Lieder und 38 grottenschlechte, und das für 25 Euro.
    Auch wenn ich mir die Audiokassette nicht mehr zurückwünsche, so hätte ich doch gern auch heute noch Hitsendungen im Radio, von denen man (natürlich auf modernere Medien) mitschneiden könnte. Damals wurden die Titel auch noch namentlich angesagt.
    Ich habe auch oft den Eindruck, dass mein Musikarchiv um ein Vielfaches größer ist als das der heutigen Radiosender. Damals war das auch noch ganz anders. Sogar als Anfang der 90er die ersten NRW-Lokalradios starteten, spielten die noch öfter z.B. "Stop 'n Go" von Peter Kent oder "Tu" von Umberto Tozzi. Heute kräht Britney Spears dort bis zu 5mal am Tag dasselbe Liedchen.

    Ich gehe zwar gern mal auf Studentenpartys, aber ganz so oft ist das ja nun auch wieder nicht. Früher ging ich abends mal öfter ins Schwimmbad, auch bis zu 3mal die Woche, wobei ich mich heute nur noch alle 2 bis 4 Wochen mal dazu aufraffen kann. Mit zunehmendem Alter wird man wohl oft bequemer.

  8. #17
    Benutzerbild von Peter

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    Otto postete
    Und da das auch noch eine Arbeit war, die ich nicht mein Leben lang ausüben möchte, änderte ich Ende der 90er meine Pläne komplett. Ich bin tatsächlich mit über 30 noch mal Student geworden.
    Was ich aber ganz klar vermisse, ist alles was mit Musik zu tun hat. Wenn mir heute das eine oder andere Lied aus den Charts mal gefällt, so wäre ich doch froh, wenn ich es mir heute noch für 2 bis 3 Euro kaufen könnte, dann auf den Plattenspieler (!) legen und am Ende des Liedes einfach umdrehen, bei einer vielleicht zwar nicht ganz so guten B-Seite, aber zumindest keine 10 entstellenden Remixe am Stück. Und wo sind die guten Sampler geblieben, mit 16 bis 20 wirklich bekannten Songs, anstatt heute 2 bekannte Lieder und 38 grottenschlechte, und das für 25 Euro.
    Auch wenn ich mir die Audiokassette nicht mehr zurückwünsche, so hätte ich doch gern auch heute noch Hitsendungen im Radio, von denen man (natürlich auf modernere Medien) mitschneiden könnte. Damals wurden die Titel auch noch namentlich angesagt.
    Damals war das auch noch ganz anders. Sogar als Anfang der 90er die ersten NRW-Lokalradios starteten, spielten die noch öfter z.B. "Stop 'n Go" von Peter Kent oder "Tu" von Umberto Tozzi. Heute kräht Britney Spears dort bis zu 5mal am Tag dasselbe Liedchen.

    Mit zunehmendem Alter wird man wohl oft bequemer.
    Otto, Ich find es gut, dass du dich entschieden hattest, eine Weiterbildung einzuschlagen, dass ist nie verkehrt (habe ich auch bis 2001 gemacht).

    Was die Musik betrifft: da kann ich dir voll zustimmen. Früher bin ich in den Plattenladen genganen, habe mir für 6 DM eine Single oder für 10 DM eine Maxi gekauft, bei der (guten) Musik war mir die Scheibe das Wert. Wäre schön, wenn dies heut noch so einfach wäre - doch was soll man sich kaufen? Das Meiste gefällt mir eh nicht. Und wenn mir mal ein Song zusagt, so sehe ich nicht ein, für eine MCD über 6 € auszugeben, dass muss wirklich nicht sein.

    Was das Mitschneiden von Musiksendungen angeht:
    Ich habe früher viel SWF 3 gehört, da gab es jeden Wochentag die Sendung Musikbox, meist mit Elmi (Elmar Hörig) - da wurde alles gespielt, was sich die Leute gewünscht haben - Disco, Rock Pop, Oldies, Aktuelles, ...
    Da hab ich viel aufgenommen - schade, dass diese Sendung aus dem Programm genommen wurde.

    Und Babooshka - dein Eingangsposting klang wirklich nicht allzu wehleidig - es hat mich aber zum nachdenken angeregt - und ich habe festgestellt, dass es mir wie vielen Anderen geht - gewisse Dinge sind heute leider nicht mehr so wie in den 80ern.
    Übrigens- die Idee mit der Hütte gefällt mir sehr gut...

  9. #18
    Benutzerbild von Sadistica

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    Babooshka: freut mich, wenn es ein Anstoß gewesen ist
    Ich schreibe viel und gern, und Briefe werden grundsätzlich handgeschrieben, alles andere empfinde ich eher als unpersönlich...
    Hau' mich, gestern habe ich gaaanz spontan entschieden wieder tanzen zu gehen... es war aber echt zu spontan um Bescheid zu geben.
    Nächstes WE will ich wieder losziehen, (kleiner Nachholbedarf *g*) vielleicht K17, wenn da was los ist? Wenn du Lust hast mitzukommen, melde dich bei mir im Icq oder via Email

  10. #19
    Benutzerbild von vg8010

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    Der Thread beginnt tatsächlich melancholisch, und eine gewisse Dosis Melancholie beschleicht mich auch öfters, wenn ich diese Dinge überdenke.

    Zunächst einmal möchte ich eines einwerfen: Die Dinge, die wir wirklich vermissen, scheinen nicht so sehr Eigenschaften der 1980-er-Jahre zu sein, sondern mehr persönliche Eigenschaften: Worte wie "Leichtigkeit" oder "Unbeschwertheit" sind gefallen. Ja, dem schließe ich mich an - aber was wir hier vermissen, ist -glaube ich- nicht eine bestimmte historische Epoche oder deren Eigenschaften, sondern schlicht die eigene Jugend. Die gibt's kein zweites Mal. Als tröstliche Anmerkung will ich einwerfen, dass das bedeutet, dass auch die Schattenseiten des Jungseins damit endgültig überwunden sind.

    Ich glaube und bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass auch heute Leute in unserem damaligen Alter ungefähr genauso sind. ;-) Und es ist auch heute ganz leicht, Menschen kennenzulernen. Dass wir das nicht mehr (oder nicht mehr so stark) wahrnehmen, liegt wohl daran, dass wir altersbedingt nicht mehr so viel unter neue Menschen gehen.

    Wobei ich persönlich mich in diesem Punkt gar nicht wirklich beklagen kann: Ich lerne jetzt eher deutlich mehr Menschen kennen als früher - immer noch an der Universität (obwohl ich auch dafür langsam ein bisschen alt bin), vor allem aber beim Tanzen; das betreibe ich in den letzten Jahren etwas öfter. Nachteil: Die Leute, die man da kennen lernt, sind halt halb so alt wie ich. Vom Alter abgesehen, gibt es keine wesentlichen Unterschiede, wirklich nicht. Irgendwann, befürchte ich, ist man dafür aber vielleicht endgültig zu alt. Mit -sagen wir- deutlich mehr als 40 Jahren würde ich mir dann schon zunehmend unpassend vorkommen beim Tanzen. Wenn es so weit ist, öffnen wir am besten wieder einen Melancholie-Thread.


    Aber zurück zu den 1980-er-Jahren selbst. Ja, an denen vermisse ich auch manches. Gerade heutzutage fällt mir vor allem eines ein: Die hohe soziale und wirtschaftliche Sicherheit. Ich halte es ernsthaft für möglich, dass wir für den Rest unseres Lebens so etwas nicht wieder erleben werden und dass sich die Situation noch weiter verschlechtern könnte.

    Sonst gibt es natürlich auch vieles: Das Briefeschreiben, das ihr erwähnt habt, ist ein sehr guter Punkt. Das mache ich natürlich viel seltener, und die jetzigen Briefe werden gefaxt, nicht mit der Post versandt. Mit der Hand geschrieben habe ich natürlich im Studium viel, aber seither ist meine schöne Füllfeder weitgehend unbeschäftigt und wird nur selten hervorgeholt.

    Die Heimcomputer der damaligen Zeit sind ein weiterer Punkt: Gut, die waren viel schlechter als moderne PCs, aber gerade dadurch konnte man sie von oben bis unten und ins letzte Detail genau kennen und durchschauen. Heutige Computer sind viel komplexer. Eine moderne Grafikkarte ist komplizierter zu durchschauen als damals ein ganzer Computer.

    Oder die Groß-EDV der 80-er-Jahre: Rückblickend romantisiere ich sie sehr stark, die teuren und wirklich großen Computer in großen klimatisierten Hallen, die vielen Berufsbilder und -da haben wir es wieder:- die Jobsicherheit, die sie einem geboten hätten (ich war damals natürlich zu jung, um an Beruf interessiert gewesen zu sein).

    Naja, Mode und Musik - das ist aus meiner Sicht nicht so stark ein Punkt. Jede Zeit hat ihre Musik, und ich würde nicht sagen, dass sie damals genuin besser gewesen wäre. Wir waren in einem Alter, in dem man diese Dinge anders wahrnimmt und leichter geprägt wird. Es gibt auch heutzutage gute Musik, auch wenn jemand, der in den 80-ern geprägt wurde, vermutlich ganz besonders aufgeschlossen sein muss, um sich in bestimmte rezente Musikrichtungen einfühlen zu können. Bei anderen geht es ganz leicht.

    Mode fand ich damals als Thema nicht interessant, und ich habe halt angezogen, was praktisch war. Dauerwelle hatte ich keine. :-) Wirklich gefallen hat mir die relativ starke Barfuß-Mode. Gut, wenn man das Barfußgehen mag -und ich habe es damals schätzen gelernt-, dann kann man es beibehalten, was ich auch tatsächlich mache. Damals war es vielfach Ausdruck eines undefinierten Lifestyle, auch Provokation; heute, da es ziemliches Minderheitenprogramm ist, bleibt es weitgehend unbeachtet.

    Ab geht mir auch die Vielfalt der Hersteller von Unterhaltungselektronik. Da ist nicht mehr viel übrig, und Stereo-Komponentenanlagen werden immer seltener und nur noch von wenigen Firmen produziert. Viele Ikonen gibt es nicht mehr oder nicht mehr in diesem Bereich: Grundig, ITT, Siemens, Braun (was für ein Design!),... Plattenspieler generell. Da gibt es heute zwar immer noch sehr viele, aber keine neuen Platten mehr mit Musik, die für mich interessant ist.

    Wenn ich zur Frage der Mode zurückkehre, dann sind es eher gesellschaftliche Moden und Trends, die mir abgehen: Heute spielt Wirtschaft eine zentrale Rolle und ist beruflicher Erfolg eine echte Kategorie. Zügig eine von der Privatwirtschaft nachgefragte Ausbildung zu absolvieren scheint ausgesprochen gesellschaftsfähig zu sein, ja sogar wünschenswert.

    "Zu meiner Zeit" war Kritikfähigkeit und Kritik ein viel höher eingeschätzter Wert, und der Gelderwerb musste sich dem weit unterordnen. Lineare Ausbildungskarrieren waren nicht so die Regel, man konnte auch zwischendurch einmal Philosophie studieren oder gar aussteigen, und das wurde nicht als Versagen gewertet, sondern als Bildung. Bildung - ein Wort, das man immer mehr für die Beherrschung geldwerter Handwerkstechniken verwendet.

    Ein Beispiel, an das ich öfter denken muss: In den 80-er-Jahren hatten wir in der Schule Projektwochen zum Thema NS-Diktatur. Heute werden in den Schulen Projektwochen zum Thema Betriebswirtschaft organisiert und gibt es Partnerschaften zwischen Schulen und Firmen.


    Naja, das waren so meine Gedankensplitter zum Thema Vermissen und Melancholie. Ich bin schon etwas müde und hoffe, dass das Geschriebene einen Sinn ergibt.

    Viele Grüße,
    Christian

  11. #20
    Benutzerbild von Babooshka

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    Na klar ergibt das Sinn!

    Zunächst einmal möchte ich eines einwerfen: Die Dinge, die wir wirklich vermissen, scheinen nicht so sehr Eigenschaften der 1980-er-Jahre zu sein, sondern mehr persönliche Eigenschaften: Worte wie "Leichtigkeit" oder "Unbeschwertheit" sind gefallen. Ja, dem schließe ich mich an - aber was wir hier vermissen, ist -glaube ich- nicht eine bestimmte historische Epoche oder deren Eigenschaften, sondern schlicht die eigene Jugend.
    Ja und nein. Wie gesagt, die Pubertät wünscht sich wohl niemand von uns zurück Trotzdem verstehe ich diesen Verlust der Leichtigkeit nicht so ganz. Unbeschwertheit, das ist schon was Anderes, das ist in unserem Alter wahrscheinlich nicht mehr jedem gegeben. Das fängt damit an, dass sicherlich die Meisten von uns schon mit dem Tod konfrontiert wurden, dem der Großeltern und vielleicht sogar schon eines Elternteils, und hört mit ganz persönlichen Erfahrungen auf, die bisweilen Narben auf der Seele hinterlassen haben.

    Als tröstliche Anmerkung will ich einwerfen, dass das bedeutet, dass auch die Schattenseiten des Jungseins damit endgültig überwunden sind.
    Oh ja! Daran denke ich ja auch immer und das habe ich auch in meinem Eingangsposting bereits erwähnt. Ich möchte heute auch um nichts in der Welt mehr 20 sein. Aber eine Zeitreise, die würde ich schon ganz gerne unternehmen manchmal...

    Und es ist auch heute ganz leicht, Menschen kennenzulernen.
    Eben nicht. Weil...

    Dass wir das nicht mehr (oder nicht mehr so stark) wahrnehmen, liegt wohl daran, dass wir altersbedingt nicht mehr so viel unter neue Menschen gehen.
    Das ist nicht nur eine Wahrnehmung, das empfinde ich als Tatsache. Klar geht man "in meinem Alter" (Babooshka spricht wieder einmal) nicht mehr jedes Wochenende auf die Piste. Aber wenn ich mal Lust dazu habe, dann muss ich gucken: 1) Wo gehe ich hin, wo nicht so viele Kids sind und ich als grufti raussteche, 2) wo spielen sie Musik, die mir gefällt - beide Arten von Läden gibt es, keine Frage, aber dann 3) wer kommt mit. Und das ist die große Frage! Die meisten Leute um mein Alter rum haben dazu keine große Lust mehr, meistens hängen sie in irgendwelchen Beziehungen oder haben auf Kinder aufzupassen. Nun will ich ja auch wirklich nicht jedes Wochenende weg, aber gelegentlich mal gut abtanzen auf Musik, die mir gefällt, das würde ich gerne. Nur alleine weggehen, dazu habe ich keine Lust. Noch mit Anfang 30 war das alles überhaupt kein Problem!

    Ja, und wo lernt der Mensch in meinem Alter sonst noch neue Leute kennen? Im Internet natürlich, wo sonst. Aber wenn man nicht gerade eine "echte" Kontaktanzeige irgendwo zu laufen hat, gestaltet sich auch dies schleppend. Obwohl es ja offensichtlich doch noch einige andere gibt, denen es so geht wie mir. Und doch kommt man irgendwie nicht zusammen.

    Aber wisst ihr, was ich am bedenklichsten finde: Wenn Leute so um die 20 oder noch jünger bereits Kontaktanzeigen zu laufen haben. Also bitte, in dem Alter sollte man das doch nun wirklich nicht nötig haben! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die alle eine eierlegende Wollmilchsau suchen, die sie im richtigen Leben nicht treffen.

    Ich lerne jetzt eher deutlich mehr Menschen kennen als früher (...) vor allem aber beim Tanzen; das betreibe ich in den letzten Jahren etwas öfter. Nachteil: Die Leute, die man da kennen lernt, sind halt halb so alt wie ich. Vom Alter abgesehen, gibt es keine wesentlichen Unterschiede, wirklich nicht. Irgendwann, befürchte ich, ist man dafür aber vielleicht endgültig zu alt. Mit -sagen wir- deutlich mehr als 40 Jahren würde ich mir dann schon zunehmend unpassend vorkommen beim Tanzen. Wenn es so weit ist, öffnen wir am besten wieder einen Melancholie-Thread.
    Siehste! Sag ich doch! Aber bevor wir dann noch so einen Novemberstimmungs-Thread eröffnen (dabei war heute wunderschönster Strahle-Sonnenschein hier), sollten wir lieber Lokalitäten wählen, wo mehr unsere Altersklasse vertreten ist. Muss ja nicht gleich Café Keese sein!

    Aber zurück zu den 1980-er-Jahren selbst. Ja, an denen vermisse ich auch manches. Gerade heutzutage fällt mir vor allem eines ein: Die hohe soziale und wirtschaftliche Sicherheit. Ich halte es ernsthaft für möglich, dass wir für den Rest unseres Lebens so etwas nicht wieder erleben werden und dass sich die Situation noch weiter verschlechtern könnte.
    Das kannst du laut sagen. Anlass für meine depressive Verstimmung in meinem Eingangsposting war ja, dass meine Auftragslage (Übersetzerin) zurzeit mehr als beschissen ist. Dabei lief es im ersten Halbjahr mehr als gut und ich hatte so gehofft, jetzt habe ich's geschafft, mich zu etablieren. Aber nee, meine sämtlichen Kunden (Agenturen) haben keine Arbeit für mich, wahrscheinlich, weil der Endkunde nicht mehr für deutsche Wertarbeit zahlen will, sondern stattdessen indischen Pfusch bevorzugt, der aber nur 1/3 vom westeuropäischen Standardpreis kostet.

    Naja, Mode und Musik - das ist aus meiner Sicht nicht so stark ein Punkt. Jede Zeit hat ihre Musik, und ich würde nicht sagen, dass sie damals genuin besser gewesen wäre.
    Das steht außer Frage. Wie viel Müll es auch damals schon gab, das bringt ja unsree Shitparade gerade ans Tageslicht Aber irgendwann wächst man aus dem Chartmukkenalter genauso raus wie aus dem Barbie- und Matchboxautoalter (obwohl, bei manchen Leuten trifft nichts davon zu ).

    Mode fand ich damals als Thema nicht interessant, und ich habe halt angezogen, was praktisch war.
    Oh, darin sehe ich auch kein Problem. 1. ist meine Mode bisweilen immer noch aus früheren Zeiten geprägt (bei ebay sind gerade sooooo tolle Pikes drin, sowas wollte ich schon damals, ich MUSS die haben!) und 2. habe ich zwar in der Vergangenheit oft über die gängige Mode gemeckert - manch einer mag sich erinnern - aber zur Zeit habe ich kaum was zu meckern, denn es gibt Sachen, die ich wieder richtig toll finde.

    Heute spielt Wirtschaft eine zentrale Rolle und ist beruflicher Erfolg eine echte Kategorie. Zügig eine von der Privatwirtschaft nachgefragte Ausbildung zu absolvieren scheint ausgesprochen gesellschaftsfähig zu sein, ja sogar wünschenswert.
    Und wie! Ich weiß nicht, wie das in anderen Bundesländern ist, aber hier in Berlin läuft gerade das Projekt "Abitur in 11 Jahren". ich kann mir nicht ganz vorstellen, wie das gehen soll. Entweder werden die Gymnasiasten mit Lehrstoff gemästet wie ungarische Gänse und es wird mehr Spreu vom Weiten getrennt, als es ohnehin schon der Fall ist oder aber das Abitur wird so eine lockere Sache wie in Nordamerika, wo es nichts bedeutet, weil wirklich jeder einen Highschool-Abschluss macht und wer ihn nicht macht, dann zu den absoluten Prolls zählt. Vor etlichen Jahren, genauer gesagt zu meiner Oberstufenzeit, gab es keine vollständige 11. Klasse, sondern nur 1/2 Jahr "Einführungsphase", kurz E-Phase genannt. Danach begann dann das Kurssystem (sofern man die E-Phase halt geschafft hatte). Mit anderen Worten, die Oberstufe in Berlin dauerte 2 1/2 Jahre; mein Jahrgang war der letzte, für den dies galt. Dann wurde die E-Phase auf ein ganzes Jahr ausgeweitet, denn es würde ja "wichtiger Lernstoff verloren gehen" (oder so ähnlich hieß es). Tja, und jetzt sollen die Schüler plötzlich in 11 Jahren Abi machen können. Jetzt also auf einmal Abi im Schnelldurchlauf?

    "Zu meiner Zeit" war Kritikfähigkeit und Kritik ein viel höher eingeschätzter Wert, und der Gelderwerb musste sich dem weit unterordnen. Lineare Ausbildungskarrieren waren nicht so die Regel, man konnte auch zwischendurch einmal Philosophie studieren oder gar aussteigen, und das wurde nicht als Versagen gewertet, sondern als Bildung. Bildung - ein Wort, das man immer mehr für die Beherrschung geldwerter Handwerkstechniken verwendet.
    Sehr schön gesagt! Und so wahr!

    Ein Beispiel, an das ich öfter denken muss: In den 80-er-Jahren hatten wir in der Schule Projektwochen zum Thema NS-Diktatur. Heute werden in den Schulen Projektwochen zum Thema Betriebswirtschaft organisiert und gibt es Partnerschaften zwischen Schulen und Firmen.
    Ist das wahr!? Davon habe ich ja noch nie was gehört! Oh Gott, was für eine Entwicklung... auch ich kann mich noch sehr gut an die "Antifaschistischen Tage" in unserer Schule erinnern... Betriebswirtschaft? Was war das?

    Naja ich sag's ja... heute nochmal Schulabgänger sein? Na bloß nicht!

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