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Wonach sehnt ihr euch am meisten zurück?

Erstellt von Babooshka, 18.11.2004, 21:37 Uhr · 62 Antworten · 6.164 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von waschbaer

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    Babooshka postete

    Und es ist auch heute ganz leicht, Menschen kennenzulernen.
    Eben nicht. Weil...

    Dass wir das nicht mehr (oder nicht mehr so stark) wahrnehmen, liegt wohl daran, dass wir altersbedingt nicht mehr so viel unter neue Menschen gehen.
    Das ist nicht nur eine Wahrnehmung, das empfinde ich als Tatsache. Klar geht man "in meinem Alter" (Babooshka spricht wieder einmal) nicht mehr jedes Wochenende auf die Piste. Aber wenn ich mal Lust dazu habe, dann muss ich gucken: 1) Wo gehe ich hin, wo nicht so viele Kids sind und ich als grufti raussteche, 2) wo spielen sie Musik, die mir gefällt - beide Arten von Läden gibt es, keine Frage, aber dann 3) wer kommt mit. Und das ist die große Frage! Die meisten Leute um mein Alter rum haben dazu keine große Lust mehr, meistens hängen sie in irgendwelchen Beziehungen oder haben auf Kinder aufzupassen. Nun will ich ja auch wirklich nicht jedes Wochenende weg, aber gelegentlich mal gut abtanzen auf Musik, die mir gefällt, das würde ich gerne. Nur alleine weggehen, dazu habe ich keine Lust. Noch mit Anfang 30 war das alles überhaupt kein Problem!
    Da muss ich dir absolut Recht geben. In Augsburg gibt es leider nicht die Auswahl wie in Berlin. Also bleibt mir nur, die ein bis zwei Läden zu wählen, die meinen Musikgeschmack treffen (80er, Rock, Wave) oder aber dann doch der Exit nach München. Allerdings sind auch in meinem Bekanntenkreis immer weniger Leute bereit, die paar Kilometer von Augsburg nach München auf sich zu nehmen (selbst wenn ich anbiete, dass ich fahre).

    Ich sehe es an meinem Bruder. Jahrgang 73. Hat im Juli geheiratet. Bis jetzt keine Kinder. Keine beruflichen Veränderungen zu vorher, aber trotzdem. So dumm es klingt. Mit dem Anstecken des Eherings wurde er quasi ein "Biedermann", der jetzt nicht mehr weggehen möchte, sondern eher träge geworden ist. Er hat selbst keine große Lust, wenn man ihm anbietet, dass seine Frau mitgehen könnte.

    Ja, und wo lernt der Mensch in meinem Alter sonst noch neue Leute kennen? Im Internet natürlich, wo sonst. Aber wenn man nicht gerade eine "echte" Kontaktanzeige irgendwo zu laufen hat, gestaltet sich auch dies schleppend. Obwohl es ja offensichtlich doch noch einige andere gibt, denen es so geht wie mir. Und doch kommt man irgendwie nicht zusammen.
    Wird von mir ebenfalls unterschrieben.

    Aber wisst ihr, was ich am bedenklichsten finde: Wenn Leute so um die 20 oder noch jünger bereits Kontaktanzeigen zu laufen haben. Also bitte, in dem Alter sollte man das doch nun wirklich nicht nötig haben! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die alle eine eierlegende Wollmilchsau suchen, die sie im richtigen Leben nicht treffen.
    Lach dich krank. Ich habe bereits Schüler, die rumerzählen, dass sie ihren neuen Freund / ihre neue Freundin im Internet gesucht haben und bei irgendwelchen Singlebörsen gefunden haben.



    Aber zurück zu den 1980-er-Jahren selbst. Ja, an denen vermisse ich auch manches. Gerade heutzutage fällt mir vor allem eines ein: Die hohe soziale und wirtschaftliche Sicherheit. Ich halte es ernsthaft für möglich, dass wir für den Rest unseres Lebens so etwas nicht wieder erleben werden und dass sich die Situation noch weiter verschlechtern könnte.
    Das hätte ich auch nicht gedacht. Wie formulierte es kürzlich ein Kollege von mir so passend (und der ist bereits über 60): "Das letzte vernünftige Jahrzehnt waren die 80er. Wir hatten ein offensichtliches Feindbild und dadurch ging es uns auch wirtschaftlich gut. Seit den 90ern sind wir doch nur noch dabei, den wirtschaftlichen Niedergang zu verwalten." Sicherlich extrem, aber im Kern auch ein Funken Wahrheit drin.

    Heute spielt Wirtschaft eine zentrale Rolle und ist beruflicher Erfolg eine echte Kategorie. Zügig eine von der Privatwirtschaft nachgefragte Ausbildung zu absolvieren scheint ausgesprochen gesellschaftsfähig zu sein, ja sogar wünschenswert.
    Ja, das ist so. Ich spreche hierbei immer von der Ökonomokratur.

    Und wie! Ich weiß nicht, wie das in anderen Bundesländern ist, aber hier in Berlin läuft gerade das Projekt "Abitur in 11 Jahren". ich kann mir nicht ganz vorstellen, wie das gehen soll. Entweder werden die Gymnasiasten mit Lehrstoff gemästet wie ungarische Gänse und es wird mehr Spreu vom Weiten getrennt, als es ohnehin schon der Fall ist oder aber das Abitur wird so eine lockere Sache wie in Nordamerika, wo es nichts bedeutet, weil wirklich jeder einen Highschool-Abschluss macht und wer ihn nicht macht, dann zu den absoluten Prolls zählt. Vor etlichen Jahren, genauer gesagt zu meiner Oberstufenzeit, gab es keine vollständige 11. Klasse, sondern nur 1/2 Jahr "Einführungsphase", kurz E-Phase genannt. Danach begann dann das Kurssystem (sofern man die E-Phase halt geschafft hatte). Mit anderen Worten, die Oberstufe in Berlin dauerte 2 1/2 Jahre; mein Jahrgang war der letzte, für den dies galt. Dann wurde die E-Phase auf ein ganzes Jahr ausgeweitet, denn es würde ja "wichtiger Lernstoff verloren gehen" (oder so ähnlich hieß es). Tja, und jetzt sollen die Schüler plötzlich in 11 Jahren Abi machen können. Jetzt also auf einmal Abi im Schnelldurchlauf?
    Fragt mich mal. Ich habe ja täglich damit zu tun. Meine persönliche Befürchtung ist eher, dass es auf den von dir angesprochenen "High School Abschluss" herausläuft. Es geht mir schon jetzt so, dass ich wohl Arbeiten, die ich noch vor fast zehn Jahren geschrieben hätte, jetzt nicht mehr schreiben könnte. Definitiv, weil ich sie als "zu schwer" ansehen würde.

    Auch die derzeitige Diskussion über die erneute PISA-Studie zeigt dies auch wieder. Bildung braucht Zeit (und nicht nur den Schnell-für-die-Wirtschaft-als-Arbeitspferd-zur-Verfügung-stehen-damit-wir-wieder-Dampf-machen-können-Aspekt).

    "Zu meiner Zeit" war Kritikfähigkeit und Kritik ein viel höher eingeschätzter Wert, und der Gelderwerb musste sich dem weit unterordnen. Lineare Ausbildungskarrieren waren nicht so die Regel, man konnte auch zwischendurch einmal Philosophie studieren oder gar aussteigen, und das wurde nicht als Versagen gewertet, sondern als Bildung. Bildung - ein Wort, das man immer mehr für die Beherrschung geldwerter Handwerkstechniken verwendet.
    Absolut richtig formuliert. Meine vollste Zustimmung.

    Ist das wahr!? Davon habe ich ja noch nie was gehört! Oh Gott, was für eine Entwicklung... auch ich kann mich noch sehr gut an die "Antifaschistischen Tage" in unserer Schule erinnern... Betriebswirtschaft? Was war das?
    Ja, so etwas ist mittlerweile Gang und Gebe. Die Ökonomokratur geht mittlerweile wirklich früh los. Es kommt auch immer mehr die Frage bei gewissen Schulfächern (Deutsch, Religion, Geschichte, Musik) die Frage: "Was bringt das eigentlich?" Gut, darüber kann man sicherlich diskutieren, aber eine Schule, die nur auf Mathe, Naturwissenschaften, eine Fremdsprache (in den meisten Fällen eben Englisch) und Wirtschaft abgestellt ist, ist definitiv nicht das, was ich mir unter Bildung vorstelle. Aber darauf steuern wir zu.

    Naja ich sag's ja... heute nochmal Schulabgänger sein? Na bloß nicht!
    Ich möchte es heute auch nicht mehr sein. Vor allem schon wegen der anstehenden Berufswahl.

  2.  
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  3. #22
    Benutzerbild von vg8010

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    Babooshka postete
    Und es ist auch heute ganz leicht, Menschen kennenzulernen.
    Eben nicht. Weil...

    wenn ich mal Lust dazu habe, dann muss ich gucken: 1) Wo gehe ich hin, wo nicht so viele Kids sind und ich als grufti raussteche, 2) wo spielen sie Musik, die mir gefällt - beide Arten von Läden gibt es, keine Frage, aber dann 3) wer kommt mit. Und das ist die große Frage!
    Für mich selbst habe ich doch die Erfahrung gemacht, dass die Punkte 1 und 2 nicht das ausschlaggebende Problem sind. Punkt 1 wird teilweise von Punkt 2 abgeschwächt - 25 Jahre alte Musik ist ohnedies nicht der Hauptschwerpunkt der ganz Jungen. ;-) Aber ganz abgesehen davon: Junge Leute sind auch nur Menschen, ehrlich. Es gibt Lokale, wo man in älteren Jahren ganz gut hinpasst, selbst dann, wenn der Altersdurchschnitt niedrig ist. Das ist vielleicht doch sehr stark eine Frage der eigenen Haltung - wobei ich natürlich schon einräume: Mit 60 ist man in einer Disco vielleicht nicht optimal gut aufgehoben. Bis dahin haben wir aber noch Zeit.

    Punkt 3 ist auch so eine Sache. Ich selbst gehe echt nur dann aus, wenn ich tanzen möchte;zum Sprechen ist die Musik da ohnedies zu laut oder zumindest zu präsent. Von daher habe ich kein großes Problem, alleine hin zu gehen. Das ist Gewöhnungssache, stimmt schon, aber wenn man es ein wenig ausprobiert hat, dann macht einem das nichts aus. Und alleine lernt man auch leichter Menschen kennen.



    Die meisten Leute um mein Alter rum haben dazu keine große Lust mehr, meistens hängen sie in irgendwelchen Beziehungen oder haben auf Kinder aufzupassen.
    ...und meistens genießen sie das. Ich befürchte einmal, dass das der in gewisser Weise normale Lebensvollzug ist ("normal" vor allem im Sinn von "üblich", aber vielleicht nicht nur - das wäre aber eine eigene, längere Diskussion). Insoferne sind wir vielleicht Spätzünder (und darüber, ob ich ein Blindgänger bin, denke ich erst in zehn, zwanzig Jahren nach). Macht aber nichts, es ist doch eigentlich ziemlich schön so. Man sollte halt vermutlich aufpassen, dass man dabei nicht vereinsamt, denn diese Gefahr ist auf Dauer vielleicht größer, als man so denkt.

    Noch mit Anfang 30 war das alles überhaupt kein Problem!
    Okay, da machst du mir ein bisschen Angst. Ich bin nämlich Mitte 30. Sollte mein ganzes fragmentarisches Sozialleben in den nächsten Jahren zusammenbrechen...? (Und ja, Warnzeichen gibt es schon: Alle Freunde und Bekannten heiraten und zerstreuen sich in der Welt.)

    Ja, und wo lernt der Mensch in meinem Alter sonst noch neue Leute kennen? Im Internet natürlich, wo sonst.
    Ich weiß nicht, ob das Internet eine so gute Lösung ist - ich selbst bin da jedenfalls ein bisschen vorurteilsbehaftet. Ein gutes Argument dagegen habe ich jedenfalls: Vor nur zehn Jahren waren die sozialen Verhältnisse noch nicht so viel anders; damals aber gab es kein Internet, und das Ausmaß an Einsamkeit war ziemlich sicher nicht höher als heute.

    Im Grunde -aber das ist mehr ein Vorurteil- halte ich das Internet eher für ein Risiko, weil es einem sehr leicht die Illusion von zwischenmenschlichen Beziehungen vermittelt. Mehr noch, es vermittelt das Gefühl, zwischenmenschliche Beziehungen nach Bedarf ein- und ausschalten zu können (eine Art "Supermarktprinzip" des zwischenmenschlichen Umgangs). Ich befürchte, dass man in diesem Umfeld besonders leicht alleine sein kann, und zwar ganz grundsätzlich alleine. Das wäre aber auch wieder ein komplexes, eigenes Thema...

    Aber wisst ihr, was ich am bedenklichsten finde: Wenn Leute so um die 20 oder noch jünger bereits Kontaktanzeigen zu laufen haben. Also bitte, in dem Alter sollte man das doch nun wirklich nicht nötig haben!
    Stimmt, auf den ersten Blick schluckt man da schon ganz heftig. Andererseits habe ich aber auch ein wenig darüber nachgedacht und sehe es nicht mehr ganz so düster: Wenn man ein neues Medium bewusst und als Ergänzung nutzt, dann kann es doch auch genau das sein - eine sinnvolle Ergänzung, kein Ersatz für reale Kontakte. Das gilt natürlich auch für unsere Altersklasse, aber die heute 20-Jährigen sind mit diesen Dingen aufgewachsen und haben sie sich ganz natürlich angeeignet und gehen damit viel unbefangener um. Und im Normalfall scheint es für sie tatsächlich Ergänzung und nicht Ersatz zu sein. In unserem Alter schätze ich die Gefahr, dass das Internet zu einem Ersatz werden kann, höher ein.

    Aber nee, meine sämtlichen Kunden (Agenturen) haben keine Arbeit für mich, wahrscheinlich, weil der Endkunde nicht mehr für deutsche Wertarbeit zahlen will, sondern stattdessen indischen Pfusch bevorzugt, der aber nur 1/3 vom westeuropäischen Standardpreis kostet.
    Ja, das ist das nächste große Problem, das auf uns zurollt. In den 70-er-, 80-er- und noch 90-er-Jahren war es die Produktion (und da vor allem die Produktion niederwertigerer Güter), die massiv verlagert und in derem Bereich in großen Ausmaßen entlassen wurde. In den 90-er-Jahren hat das auf die höherwertigen Bereiche übergegriffen (z.B. Unterhaltungselektronik kommt praktisch nur mehr aus China), und jetzt -neueste Entwicklung- sind auch die Dienstleistungen an der Reihe.

    Wobei die Qualität "off shore" ja nicht notwendigerweise schlechter ist und obendrein immer besser wird. "Made in Japan" war in den 50-er-Jahren kein Qualitätsprädikat. Heute ist es das. "Made in China" war noch in den 80-er-Jahren ein absolutes "Zerfällt bei Gebrauch". Heute kommen dort hochwertig verarbeitete Produkte her. Das Problem ist der niedrige soziale Standard in diesen Ländern, der die Arbeitskraft dort so billig macht. Damit können wir niemals konkurrieren, solange wir europäische Mieten und Lebensmittelpreise zahlen müssen... Für die wirtschafliche Zukunft sehe ich nur eine Lösung: Den Lebensstandard in den Schwellenländern massiv anzuheben. Oder von mir aus extremer Protektionismus, aber der ist inzwischen nach EU- und internationalem Recht schlechthin unmöglich.

    Ich weiß nicht, wie das in anderen Bundesländern ist, aber hier in Berlin läuft gerade das Projekt "Abitur in 11 Jahren". ich kann mir nicht ganz vorstellen, wie das gehen soll.
    In Österreich sind es traditionell 12 Jahre, und das 12. Jahr ist eigentlich ziemlich überflüssig (oder war es "zu meiner Zeit"). Ich glaube schon, dass man mit 12 oder auch 11 Jahren auskommen kann; das Hauptproblem am Schulsystem sehe ich eher im sturen und massenhaften (Auswendig-) Lernen von Fakten. Und das war schon in meiner Schulzeit ziemlich gefragt (ich konnte mich ganz gut entziehen allerdings und hatte nur jedes Jahr eine Entscheidungsprüfung in Geografie), dürfte aber immer ärger werden. Wichtig wäre es, mehr Fähigkeiten zu vermitteln statt lauter Fakten einzutrichtern - Kritikfähigkeit. Logisches Denken. Selbstständiges Denken und Arbeiten.

    Bei uns gab es -lang nach meiner Schulzeit- mit den Fachbereichsarbeiten zur Matura einen theoretisch interessanten Schritt in diese Richtung; es ist aber bei diesem einen Schritt geblieben, und ich weiß auch nicht, wie gut diese Idee in der Praxis gelebt wird.


    Naja, die Dinge verändern sich. Im Großen und Ganzen würde ich sagen, dass die Gegenwart keine ganz unangenehme Zeit ist, oder -um ehrlich zu sein:- Sie ist eigentlich sogar ziemlich angenehm für mich. Das Problem ist, dass man in meinem Alter nicht mehr rein unbefangen in der Gegenwart lebt, sondern aus Erfahrung weiß, dass es Veränderung und Zukunft gibt. Und die Zukunft erscheint aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so rosa, wie sie es in den 1980-er-Jahren tat - sofern man damals überhaupt an das Konzept "Zukunft" dachte, was nur in Ausnahmefällen geschah.

    Viele Grüße,
    Christian

  4. #23
    Benutzerbild von Muggi

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    waschbaer postete
    Babooshka postete

    Aber zurück zu den 1980-er-Jahren selbst. Ja, an denen vermisse ich auch manches. Gerade heutzutage fällt mir vor allem eines ein: Die hohe soziale und wirtschaftliche Sicherheit. Ich halte es ernsthaft für möglich, dass wir für den Rest unseres Lebens so etwas nicht wieder erleben werden und dass sich die Situation noch weiter verschlechtern könnte.
    Das hätte ich auch nicht gedacht. Wie formulierte es kürzlich ein Kollege von mir so passend (und der ist bereits über 60): "Das letzte vernünftige Jahrzehnt waren die 80er. Wir hatten ein offensichtliches Feindbild und dadurch ging es uns auch wirtschaftlich gut. Seit den 90ern sind wir doch nur noch dabei, den wirtschaftlichen Niedergang zu verwalten." Sicherlich extrem, aber im Kern auch ein Funken Wahrheit drin.
    Da muß ich allerdings etwas Einspruch einlegen. Für den subjektiven Eindruck mag das zutreffen, allerdings sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass diese soziale Sicherheit spätestens seit Mitte der 70er zu Lasten der Zukunft erkauft wurde. Die Grundlagen für einige der gravierendsten aktuellen Probleme wurden bereits damals gelegt, nachzulesen bei Helmut Schmidt. Also eine sehr trügerische Sicherheit in meinen Augen. Bei uns in der DDR lief das ja ähnlich, der forcierte Ausbau des Sozialstaates seit Anfang der 70er führte langsam aber sicher in die Pleite, die DDR hatte 1989 49 Milliarden DM Auslandsschulden.

  5. #24
    Benutzerbild von Petra67

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    Ich entdecke hier so viele Punkte, die ich voll unterstreichen kann... Mir fehlt auch die gute Musik von damals, die schönen Radioprogramme als WDR1 noch nicht Einslive hiess und mehr Nischenmusik spielte (tagsüber und nicht nachts versteckt!); dass ich sehr viel fitter war, essen konnte soviel ich wollte, ohne zuzunehmen... (war zwar nie eine Sportskanone, aber mich erschreckt schon, dass ich, wenn ich mal um Mitternacht zu Bett gehe, am nächsten Tag so fertig bin wie früher nach einer durchgemachten Nacht, dabei heisst "früher" in diesem Fall sogar "bis vor ein paar Jahren").
    Ich konnte Musik auch sehr viel mehr geniessen als heute. Dadurch, dass ich immer mühsam alles vom Radio auf Cassette aufgenommen oder mit dem bisschen Geld, dass ich besass, nur mal ab und zu eine Platte oder später CD gekauft habe, wurde das einzelne Stück sehr viel mehr geschätzt und intensiver gehört. Heute kauf ich so viele CDs und manche hab ich noch nicht mal gehört...!

    Was ich aber nicht vermisse: das olle Kuhkaff, in dem ich meine Jugend verbringen durfte, wo nie etwas los war, wo jeder jeden kennt und beäugt und über andere besser Bescheid weiss als über sich selbst. Meine Unsicherheit, Komplexe, Pubertätsprobleme, doofe Schulkollegen die mich schikanierten.
    Die Kämpfe, die ich mit meinen Eltern auszustehen hatte. Ich versteh mich zwar heute gut mit ihnen, aber hauptsächlich dank der Distanz...
    Die blöde Schule und die z.T. noch blöderen Lehrer vermisse ich auch kein bisschen.

    Liebeskummer hatte ich damals und auch noch vor 5-6 Jahren, das war bei mir nie an ein Jahrzehnt gebunden... Ich finde sogar, dass sie im Laufe der Zeit immer schlimmer wurden, weil ich auch noch glaubte, danach niemanden mehr zu finden...

    Heute bin ich glücklicher, aber das was mir damals gefiel, verkläre ich sehr und denke dann auch immer "früher war alles besser".
    Einen grossen Teil meiner Träume habe ich verwirklicht und darauf bin ich ziemlich stolz. Ich habe es geschafft, mich so weit wie möglich von meinen Eltern zu emanzipieren, was mir wohl keiner jemals zugetraut hätte. Ich verdiene mein eigenes Geld und keiner kann mir dreinreden, was ich damit anzustellen habe, keiner kann mir Vorwürfe machen, weil ich zu viel Geld für Reisen, Putzfrau, Restaurants oder Kneipen ausgebe, ich muss mir auch nicht den blöden Spruch mit den Füssen unter'm Tisch anhören (Lieblingssatz meines Vaters). Seit einem Jahr bin ich mit einem tollen Mann verheiratet, ich hätte nie gedacht, dass ich überhaupt mal einen abkriege.

    Ich will damit nicht sagen, dass ich nun die Fröhlichkeit in Person bin. Schiebe immer noch oft genug Frustattacken, im Moment hauptsächlich wegen der Tretmühle "Job" mit nervigen Kollegen, aber meine Arbeit möchte ich auf keinen Fall missen, nur die garantiert mir meine Unabhängigkeit.

    Ich glaube, ich konnte die 80er nie so geniessen, wie es andere konnten (zu jung, zu autoritäre Eltern), das ist ganz schön traurig!
    Richtig angefangen zu Leben habe ich erst Ende 1989, als ich wegzog und meine erste Stelle antrat.

    Nachdenkliche Grüsse
    von Petra

  6. #25
    Benutzerbild von Babooshka

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    Waschbär:

    Da muss ich dir absolut Recht geben. In Augsburg gibt es leider nicht die Auswahl wie in Berlin. Also bleibt mir nur, die ein bis zwei Läden zu wählen, die meinen Musikgeschmack treffen (80er, Rock, Wave) oder aber dann doch der Exit nach München. Allerdings sind auch in meinem Bekanntenkreis immer weniger Leute bereit, die paar Kilometer von Augsburg nach München auf sich zu nehmen (selbst wenn ich anbiete, dass ich fahre).
    Komm du mir mal nach Berlin! Wenn es dann noch an einem Tag ist, an dem Knochn im K17 auflegt, werden wir unsere helle Freude haben, schon alleine deshalb, weil wir endlich jemanden haben, der uns beim Weggehen begleitet Aber auch sonst ließe sich da garantiert eine Lokalität finden. Und am nächsten Tag gibt's dann Leber!

    Ich sehe es an meinem Bruder. Jahrgang 73. Hat im Juli geheiratet. Bis jetzt keine Kinder. Keine beruflichen Veränderungen zu vorher, aber trotzdem. So dumm es klingt. Mit dem Anstecken des Eherings wurde er quasi ein "Biedermann", der jetzt nicht mehr weggehen möchte, sondern eher träge geworden ist. Er hat selbst keine große Lust, wenn man ihm anbietet, dass seine Frau mitgehen könnte.
    Was meine Vermutung bestärkt, dass die meisten Leute eben doch nur weggehen, um anzubaggern oder angebaggert zu werden (oder, weniger krass ausgedrückt, Leute des anderen Geschlechts kennen zu lernen). Ich möchte gar nicht mal leugnen, dass ich nicht so werden würde! Naja, ich denke, am Wochenende mal mit einer Freundin wegzugehen, dazu hätte ich sicher auch Lust, wenn ich kein Single wäre. Meine Weggeh-Freundinnen (ebenfalls singles) habe ich nun aber leider alle in München gelassen. Jedoch, selbst da gestaltete es sich bisweilen schwierig, mal zusammenzukommen. Wenn wir dann weg waren, hatten wir auch oft Spaß - nicht immer, denn ab und zu machten uns ja ein paar Kotzbrocken von Türstehern einen Strich durch die Rechnung. Und unsere angestammten Clubs gab es mit der Zeit nicht mehr bzw. nicht mehr in dieser Form - wir waren früher oft beim Salsa - sodass wir uns direkt ein bisschen heimatlos fühlten, was das Weggehen anging. Aber wenigstens, wir hatten uns und somit war's dann doch meistens kein versauter Abend.

    Fragt mich mal. Ich habe ja täglich damit zu tun. Meine persönliche Befürchtung ist eher, dass es auf den von dir angesprochenen "High School Abschluss" herausläuft. Es geht mir schon jetzt so, dass ich wohl Arbeiten, die ich noch vor fast zehn Jahren geschrieben hätte, jetzt nicht mehr schreiben könnte. Definitiv, weil ich sie als "zu schwer" ansehen würde.
    Das ist wirklich interessant. Also mit anderen Worten, du musst Klassenarbeiten und Klausuren jetzt einfacher machen als früher, damit nicht ein Klassenspiegel von 4,5 oder schlechter entsteht? Hast du eine Erklärung dafür? Ich hatte eher den Eindruck, die Schule würde jetzt schwieriger werden als früher, eben wegen des allgemein stärkeren Leistungsdrucks.

    Auch die derzeitige Diskussion über die erneute PISA-Studie zeigt dies auch wieder. Bildung braucht Zeit (und nicht nur den Schnell-für-die-Wirtschaft-als-Arbeitspferd-zur-Verfügung-stehen-damit-wir-wieder-Dampf-machen-können-Aspekt).
    Hahaha, da lache ich aber laut auf! Wie sollen diese Schulabgänger denn der Wirtschaft zugeführt werden, wenn es gar keine Arbeitsplätze für sie gibt? Bzw. Allenfalls finden sie noch einen Ausbildungsplatz, aber dann werden sie nicht übernommen und stehen als Arbeitslose da. Das beste Beispiel hierfür ist McFly.


    Christian:

    Für mich selbst habe ich doch die Erfahrung gemacht, dass die Punkte 1 und 2 nicht das ausschlaggebende Problem sind. Punkt 1 wird teilweise von Punkt 2 abgeschwächt - 25 Jahre alte Musik ist ohnedies nicht der Hauptschwerpunkt der ganz Jungen. ;-)
    Ja, das ist klar. Nur muss man eben gucken, wo die gespielt wird. Sehr oft hat sich auch die Marotte durchgesetzt, alte Musik UND neue zu spielen. Sprich, wo 80s drauf steht, ist nicht immer 80s drin. Ich habe hier mal eine Rezension zu einem Berliner Club geschrieben, bei dem genau das der Fall war. Und in München, in jenem Club, in den meine Freundin und ich zuletzt nicht mehr reingelassen wurden, sollten sie sogar Techno gespielt haben - in einem Club, der sich "Formel 1 Night" auf die Fahne geschrieben hatte!

    Aber ganz abgesehen davon: Junge Leute sind auch nur Menschen, ehrlich. Es gibt Lokale, wo man in älteren Jahren ganz gut hinpasst, selbst dann, wenn der Altersdurchschnitt niedrig ist.
    Ja, du als Mann kannst das leicht sagen. Wenn du dort 20-jährige Mädels kennen lernst und die dich dann vielleicht auch noch interessant finden (und/oder umgekehrt), dann ist das ziemlich normal. Aber stell dir mal mich vor: fast 40 Jahre und dann tanze ich mit 20-jährigen. Sowas würde ich nur mit McFly auf ein ganz bestimmtes Lied machen, weil wir uns das schon lange versprochen haben... und weil wir uns eben kennen. Aber in so einem Club, mit lauter Leuten in dem Alter, die ich nicht kenne - also da würde ich mir höchstgradig albern vorkommen! Naja und davon abgesehen, dass in solchen Läden absolut nicht die Musik gespielt wird, auf die ich stehe.

    Punkt 3 ist auch so eine Sache. Ich selbst gehe echt nur dann aus, wenn ich tanzen möchte;zum Sprechen ist die Musik da ohnedies zu laut oder zumindest zu präsent. Von daher habe ich kein großes Problem, alleine hin zu gehen. Das ist Gewöhnungssache, stimmt schon, aber wenn man es ein wenig ausprobiert hat, dann macht einem das nichts aus. Und alleine lernt man auch leichter Menschen kennen.
    Das ist wohl wahr. Ich versuche ja auch immer, mich zu überwinden, aber irgendwie habe ich's noch nicht geschafft. Früher habe ich das öfter gemacht, aber da fiel mir das noch leichter. Von wegen der Leichtigkeit! Du verstehst...?

    Insoferne sind wir vielleicht Spätzünder (und darüber, ob ich ein Blindgänger bin, denke ich erst in zehn, zwanzig Jahren nach). Macht aber nichts, es ist doch eigentlich ziemlich schön so. Man sollte halt vermutlich aufpassen, dass man dabei nicht vereinsamt, denn diese Gefahr ist auf Dauer vielleicht größer, als man so denkt.
    Na das ist ja gerade der Punkt. Blindgänger? Bevölkerungspolitischer? Der bin ich bereits. Dazu stehe ich auch, ich wollte es nie anders. Aber manchmal wünsche ich mir schon, "normal" zu sein, dann würde ich mir solche Gedanken wie in meinem Eingangsposting über Vereinsamung usw. vielleicht gar nicht machen. Machen müssen.

    Okay, da machst du mir ein bisschen Angst. Ich bin nämlich Mitte 30. Sollte mein ganzes fragmentarisches Sozialleben in den nächsten Jahren zusammenbrechen...? (Und ja, Warnzeichen gibt es schon: Alle Freunde und Bekannten heiraten und zerstreuen sich in der Welt.)
    Nun ja, nicht alle Leute um einen herum heiraten zwangsweise oder "versacken" in einer Beziehung. Und mit denen, die es tun, kann man nach wie vor eine Freundschaft aufrecht erhalten, nur wird die sich ändern, weil die gemeinsame Basis wegfällt. Wird man auch dann noch Themen haben, über die man reden kann? Oder werden dir die Geschichten deiner Freunde über ihre Kinder und deinen Freunden deine Erzählungen über das, was du in deinem Singleleben so machst, nicht bald langweilig werden? Außerdem gehe ich mal davon aus, dass es gar nicht sicher ist, dass auch du Single bleibst. Also ich würde das nicht ganz so pessimistisch sehen.

    Vor nur zehn Jahren waren die sozialen Verhältnisse noch nicht so viel anders; damals aber gab es kein Internet, und das Ausmaß an Einsamkeit war ziemlich sicher nicht höher als heute.
    Gutes Thema. Wie machten es die Singles in unserem Alter damals? Ich nehme an, sie haben vermehrt Kontaktanzeigen in Stadtzeitungen usw. aufgegeben?

    Stimmt, auf den ersten Blick schluckt man da schon ganz heftig. Andererseits habe ich aber auch ein wenig darüber nachgedacht und sehe es nicht mehr ganz so düster: Wenn man ein neues Medium bewusst und als Ergänzung nutzt, dann kann es doch auch genau das sein - eine sinnvolle Ergänzung, kein Ersatz für reale Kontakte. Das gilt natürlich auch für unsere Altersklasse, aber die heute 20-Jährigen sind mit diesen Dingen aufgewachsen und haben sie sich ganz natürlich angeeignet und gehen damit viel unbefangener um. Und im Normalfall scheint es für sie tatsächlich Ergänzung und nicht Ersatz zu sein.
    Klar, wenn man in dem Alter ist und das Internet sozusagen zusätzlich benutzt, dann ist das ja auch OK. Wenn man sich z. B. Gruppen von Freunden außerhalb von Schule, Uni oder Ausbildungsplatz sucht. Das nenne ich dann eine Horizonterweiterung. Aber in dem Alter gezielt einen Partner im Internet zu suchen, anstatt sich zu sagen "ich werde jetzt was mit den Leuten unternehmen und wer weiß, vielleicht ist ja jemand dabei, der/die mir gefällt", das finde ich bedenklich.

    In unserem Alter schätze ich die Gefahr, dass das Internet zu einem Ersatz werden kann, höher ein.
    Nun ja, Ersatz vielleicht nicht. Ersatz wäre es für solche Leute, die im richtigen Leben überhaupt niemanden kennen oder kennen lernen wollen. Zu denen gehöre ich nicht; ich würde das Internet gerne dazu nutzen, Leute so um mein Alter rum kennen zu lernen, die mit mir auf einer Wellenlänge sind. Zuerst virtuell und dann in echt Nur wie gesagt, das gestaltet sich nicht so einfach.

    Ja, das ist das nächste große Problem, das auf uns zurollt. In den 70-er-, 80-er- und noch 90-er-Jahren war es die Produktion (und da vor allem die Produktion niederwertigerer Güter), die massiv verlagert und in derem Bereich in großen Ausmaßen entlassen wurde. In den 90-er-Jahren hat das auf die höherwertigen Bereiche übergegriffen (z.B. Unterhaltungselektronik kommt praktisch nur mehr aus China), und jetzt -neueste Entwicklung- sind auch die Dienstleistungen an der Reihe.
    Ja, sowas kann einen schon mächtig runterziehen. Fester Arbeitsplatz ist nicht zu finden in der heutigen Zeit, oder aber ein "McJob", der so saumäßig bezahlt wird, dass man davon gar nicht leben kann, aber freiberuflich geht's auch nicht immer gut. Naja, andere Kollegen scheinen ja was zu arbeiten zu haben, da wird's auch bei mir hoffentlich nicht mehr lange dauern, bis ich wieder eingedeckt bin. Die schlechte Wirtschaftslage ist ja nicht erst seit gestern, aber bislang habe ich's immer wieder geschafft, Aufträge zu bekommen.

    In Österreich sind es traditionell 12 Jahre, und das 12. Jahr ist eigentlich ziemlich überflüssig (oder war es "zu meiner Zeit"). Ich glaube schon, dass man mit 12 oder auch 11 Jahren auskommen kann;
    Das sehe ich anders. Du warst anscheinend ein guter Schüler, der leicht gelernt hat, oder?

    das Hauptproblem am Schulsystem sehe ich eher im sturen und massenhaften (Auswendig-) Lernen von Fakten. Und das war schon in meiner Schulzeit ziemlich gefragt (ich konnte mich ganz gut entziehen allerdings und hatte nur jedes Jahr eine Entscheidungsprüfung in Geografie), dürfte aber immer ärger werden. Wichtig wäre es, mehr Fähigkeiten zu vermitteln statt lauter Fakten einzutrichtern - Kritikfähigkeit. Logisches Denken. Selbstständiges Denken und Arbeiten.
    Siehst du, bei mir war's genau umgekehrt: Ich "musste" in meiner Berliner Sschulzeit lernen, logisch zu denken, kritisch an Diskussionen teilzunehmen usw... ehrlich wahr, in Berlin wurde das immer schon groß geschrieben. Das mit dem auswendig Lernen muss eine "Südsache" sein, ich habe auch von Bayern gehört, dass dort viel auswendig gelernt wird. Ich gebe zu, ich habe mich schwer damit getan, an Diskussionen teilzunehmen (die mich meistens gar nicht interessiert haben), drum hatte ich ja auch immer durchweg schlechte mündliche Noten. Abstrakt denken habe ich nie wirklich gelernt (Stichwort deutsche Literatur und deren Interpretation!). Ich persönlich wäre wahrscheinlich in einem Schulsystem besser gefahren, in dem ich mehr Fakten hätte auswendig lernen müssen


    Petra:

    dass ich sehr viel fitter war, essen konnte soviel ich wollte, ohne zuzunehmen... (war zwar nie eine Sportskanone, aber mich erschreckt schon, dass ich, wenn ich mal um Mitternacht zu Bett gehe, am nächsten Tag so fertig bin wie früher nach einer durchgemachten Nacht, dabei heisst "früher" in diesem Fall sogar "bis vor ein paar Jahren").
    Geht mir ganz ähnlich Aber das macht mir nicht unbedingt viel aus. Klar, früher konnte ich Schokolade und Burger und alles Mögliche in mich reinfuttern, ich nahm nicht zu. Heute muss ich schon aufpassen, was ich esse und dass ich mich auch mal bewege, um wieder ein paar Kalorien loszuwerden. Aber meine so genannte knabenhafte Figur von damals möchte ich auch keinesfalls wiederhaben, da sehe ich lieber richtig weiblich aus so wie jetzt. Nur meinen flachen Bauch möchte ich verdammt nochmal zurück!
    Sportlich war ich noch nie richtig, immer nur in verträglichen Dosen, demnach war ich auch noch nie ein Ausbund an Fitness. Da mache ich jetzt sogar mehr als damals. Vor allem im Sommer, wenn man wieder skaten und radeln kann.

    Die Kämpfe, die ich mit meinen Eltern auszustehen hatte. Ich versteh mich zwar heute gut mit ihnen, aber hauptsächlich dank der Distanz...
    Die blöde Schule und die z.T. noch blöderen Lehrer vermisse ich auch kein bisschen.
    Vollste Zustimmung! Auch ich musste erst einmal auf Distanz gehen (nach München eben), um es zu schaffen, meine Eltern, respektive meine Mutter von mir abzunabeln Bist du auch Einzelkind? Jetzt, nach über 16 Jahren, bin ich wieder zurück in Berlin und habe keinerlei Probleme mehr mit meinen Eltern. Aber in den 80-ern hatte ich so manche Kämpfe mit meiner Mutter auszufechten, was meine Freiheit anging. Nix von wegen, ich bin jetzt 18 und kann machen, was ich will! Nein, das alles will ich auch nicht zurück

    Liebeskummer hatte ich damals und auch noch vor 5-6 Jahren, das war bei mir nie an ein Jahrzehnt gebunden... Ich finde sogar, dass sie im Laufe der Zeit immer schlimmer wurden, weil ich auch noch glaubte, danach niemanden mehr zu finden...
    Ooooh ja! tiefer Seufzer Genau so und nicht anders ist es! Damals hatte man ab und zu mal Liebeskummer, es traf einen schwer, man litt, aber nach 2-3 Wochen war die Sache gegessen und man blickte wieder nach vorne - man war ja schließlich jung und konnte noch so viele andere kennen lernen. Heute dagegen? Man versucht, nach vorne zu blicken, aber da sieht man nichts!

    Ich glaube, ich konnte die 80er nie so geniessen, wie es andere konnten (zu jung, zu autoritäre Eltern), das ist ganz schön traurig!
    Richtig angefangen zu Leben habe ich erst Ende 1989, als ich wegzog und meine erste Stelle antrat.
    Etwas Ähnliches könnte ich von mir auch sagen. Ich hatte zwar keine super-autoritären Eltern, aber ich durfte trotzdem viele Dinge nicht, die für die meisten Teenager normal waren, z. B. mit 16 in die Disco, auf Feten lange wegbleiben. Auch mit 18 hatte ich mich noch an derartige Dinge zu halten. Mit 19 wollte meine Mutter mir auch noch ausreden, bei meinem Freund zu übernachten! Jedoch, all diese Einschränkungen dienten dazu, mich zu beschützen und mich vor allem Übel abzuschirmen: vor Drogen in Discos, Zuhältern und rücksichtslosen Jungen, die mich 5exuell ausnutzten und dann mit gebrochenem Herzen fallen ließen. Vor Letzterem konnten sie mich auch nicht beschützen.

    Bei mir ist es umgekehrt: "Meine" 80-er gehen bis einschließlich 1986. Danach war ich in München und ja, ich nabelte mich ab. Aber ab da waren die 80-er mit ihrem typischen Feeling zu Ende für mich. Unbeschwertheit, Unbefangenheit und Leichtigkeit waren für einige Zeit verloren, aber sie kamen Anfang der 90-er wieder. Und hielten dann noch ca. 6 Jahre an...

  7. #26
    Benutzerbild von Petra67

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    Babooshka:

    Was meine Vermutung bestärkt, dass die meisten Leute eben doch nur weggehen, um anzubaggern oder angebaggert zu werden (oder, weniger krass ausgedrückt, Leute des anderen Geschlechts kennen zu lernen).
    Nö, das glaub ich aber nicht. Ich geh auch weniger aus, seit ich mit meinem Mann zusammen bin, leider, wir bedauern das beide. Aber bevor ich ihn traf, hab ich mit Freunden die hiesige Kneipenszene unsicher gemacht, nicht, um Männer kennenzulernen, sondern um mich abzulenken und mich zu amüsieren. Vielleicht sollte ich jedoch nicht von mir auf andere schliessen...


    Ich gebe zu, ich habe mich schwer damit getan, an Diskussionen teilzunehmen (die mich meistens gar nicht interessiert haben), drum hatte ich ja auch immer durchweg schlechte mündliche Noten.
    War bei mir genauso. Am schlimmsten fand ich immer die Laberfächer... (Sozialwissenschaften, Religion etc.). Gott hab ich die gehasst.


    Geht mir ganz ähnlich Aber das macht mir nicht unbedingt viel aus. Klar, früher konnte ich Schokolade und Burger und alles Mögliche in mich reinfuttern, ich nahm nicht zu. Heute muss ich schon aufpassen, was ich esse und dass ich mich auch mal bewege, um wieder ein paar Kalorien loszuwerden.
    Ich hatte innerhalb von eineinhalb Jahren 10 Kilo zugenommen, nicht so der Hit, wenn man plötzlich nicht mehr in die Klamotten passt
    Bin auch ganz stolz, mittlerweile die Hälfte wieder abgenommen zu haben, und das ohne grossartig zu leiden. Hat aber echt gedauert. Früher, das war'n noch Zeiten... Ich will auch meinen flachen Bauch zurück!
    Übrigens, früher hatte ich auch weniger Probleme mit einem Kater. Heute leide ich den ganzen Tag und vertrage viel weniger


    Vollste Zustimmung! Auch ich musste erst einmal auf Distanz gehen (nach München eben), um es zu schaffen, meine Eltern, respektive meine Mutter von mir abzunabeln Bist du auch Einzelkind? Jetzt, nach über 16 Jahren, bin ich wieder zurück in Berlin und habe keinerlei Probleme mehr mit meinen Eltern. Aber in den 80-ern hatte ich so manche Kämpfe mit meiner Mutter auszufechten, was meine Freiheit anging. Nix von wegen, ich bin jetzt 18 und kann machen, was ich will! Nein, das alles will ich auch nicht zurück
    Jep, ich bin auch Einzelkind ...


    ... und rücksichtslosen Jungen, die mich 5exuell ausnutzten und dann mit gebrochenem Herzen fallen ließen. Vor Letzterem konnten sie mich auch nicht beschützen.
    Höhöhö, das macht meinem katholischen Vater besonders zu schaffen. Ich glaube, er hätte es am liebsten gesehen, wenn ich als Jungfrau in die Ehe gegangen wäre. Dann hätte ich aber 36 Jahre warten müssen, doch auch langweilig, oder? Da bin ich schon lieber ein gefallenes Mädchen


    Gruss,
    Petra

  8. #27
    Benutzerbild von
    Hmmmm..... ich wollte schon länger was hierzu schreiben. Es scheint sich jetzt ja doch eher darauf einzuschießen, dass man früher jünger war und heute eben älter ist. Die typischen Alters- und/oder Alltagsprobleme scheinen den Hauptunterschied zu machen, zwischen den 80ern und heute.

    Auch wenn, wie Muggi schon anmerkte, der Wohlstand der 80er schon zu einem großen Teil einen Kredit auf die Zukunft bedeutete, sehe ich da doch ein paar Unterschiede, die nichts mit dem altern zu tun haben.

    Zu meiner Schulzeit (und die ist ja jetzt eigentlich noch gar nicht so lange her, bin Babooshka ca. ein Jahrzehnt hinterher), gabs noch relativ bodenständige Zukunftsaussichten und Ziele. Jungs wollten noch Polizisten, Lokführer oder Kfz-Mechaniker werden und Mädchen Friseurin, Arzthelferin oder Krankenschwester. Nicht für alle, aber für viele waren das annehmbare und angesehene Berufe. Heute beobachte ich folgendes: Die Voraussetzungen die die Schulabgänger mitbringen werden immer schlechter, die Erwartungen von Eltern und damit von den Schülern selbst, werden immer größer. Im Grunde sehen schon in der Wiege alle ihre Kinder BWL, Medizin oder Jura studieren. Der Druck ist von Anfang an viel höher, gleichzeitig wurden und werden die Zukunftsaussichten und auch die Bildungseinrichtungen aber immer schlechter. Diese Schere geht auseinander. Deshalb werden auch immer mehr dafür ungeeignete Schüler auf die Gymnasien "getreten", wo sie dann versagen. Da wars damals schon noch etwas beschaulicher und bodenständiger.... zumindest empfinde ich das so. Auch ich würde deshalb heute nicht gerne nochmal Schulabgänger sein.

    Es gab - trotz kaltem Krieg und irgendwie für mich immer unwirklich gebliebener atomarer Bedrohung - generell einfach noch ein positiveres Gefühl für die Zukunft. Ich hätte mir in den 80ern nicht vorstellen können, dass im Winter 2004 einmal 5 Mio. Menschen arbeitslos sein könnten. Damals hielt man 1,5 Mio. Arbeitslose für eine unhaltbare Katastrophe - und es gab in der BRD lediglich 1/4 weniger Einwohner als nach der Wiedervereinigung! Durch diese lange schleichenden Anstieg trat ein Gewöhnungseffekt daran ein, dass es "immer schlimmer wird". So hört man es seitdem ja auch immer wieder ganz lapidar, wenns um die Lage in unserem Land geht "Es wird alles immer schlimmer". Seitdem wird Zukunft und Veränderung eigentlich sofort damit in Verbindung gebracht, dass die Dinge sich weiter verschlechtern. Genauso wie eine "Reform" heutzutage jedem eigentlich nur noch sagt, dass er auf etwas verzichten wird müssen. Es scheint einfach so zu sein, dass wir auf dem absteigenden Ast sind und niemand tut so richtig was dagegen... so richtig kümmern und schocken tuts aber auch keinen, dafür ist der Zustand schon so lange so. Die Aussichten die ich 1988 mit der Zukunft verbandm hätte ich gerne zurück.

    Eine nicht unwichtige Rolle für das Lebensgefühl in der damaligen Zeit, hat damals m. E. auch unsere absolut pro-Amerikanische Ausrichtung gehabt. Alles was aus den USA kam war cool, wir blickten schon ab und an neidisch über den großen Teich, denn dort spielte bei den neuen technischen Errgungenschaften zumeist die Musik. Die Unterhaltung im TV war damals zudem noch weitaus stärker von US-Ware geprägt. In gewisser Weise, hatte diese Rollenverteilung zwischen guten Amerikanern und bösen Russen für mich schon immer etwas "cooles". Vom BMX-Rad über meinen Commodore, klasse Filmen wie "Zurück in die Zukunft" & Co. bis zur Rap-Musik kam eben alles aus den USA. Mal in einen der damals noch nicht ganz so verbreiteten McDonald's zu gehen, war doch der Hit schlechthin für einen Teenager. Heute sehen wir das alles etwas weniger unbeschwert und haben den verflachenden Einfluss dieser Orientierung durchaus kritisch erkannt. Das ist auch gut so... trotzdem hat der Einfluss unseres "großen Bruders aus Übersee" damls m. E. nicht unwesentlich zum allgemein positiv empfundenen Lebensgefühl beigetragen.

    Die Menschen an sich, haben sich damals noch nicht so einfach gleichschalten und auf Linie bringen lassen. Geld, Produktivität und Effizienz spielten schon immer eine Rolle. Aber es war nicht bei allen Dingen die gemacht werden sollten permanent so, dass es ständig in Geld und Rendite ausgerechnet wurde. Und wenn die Menschen etwas nicht wollten, fanden sich genug Leute die auf die Straße gingen. Gegen frühere, von Wasserwerfern aufgelöste Demos, sind heutige Castor-Proteste doch nur noch eine Rand- und Ausnahmeerscheinung. Friedens-/Ostermärsche wurden zum überschaubaren Spaziergang von wenigen irgendwie Ewiggestrigen - Zulauf gibts seit langem nicht mehr. Ich kann nun nicht sagen, dass ich unbedingt Krawall gutheiße und mir wünsche, dass Steine werfende und nicht Steine werfende Demonstranten irgendwo von Wasserwerfern weggepustet werden sollen. Aber dieses engagierte Einstehen gegen Dinge, die man sich von "da oben" nicht aufdrücken lassen will, fehlt mir irgendwie. Heutzutage ist es ja schon ein aufsehenerregender Protest, wenn man mal einen Punk in der Fußgängerzone sieht...

    Ansonsten glaube ich, dass viele Dinge damals weniger perfekt sein mussten als heute, um zu begeistern. Das fängt schon beim Zwischenmenschlichen an und geht dann in Hobby und natürlich dem Beruf weiter. Früher hats gereicht einfach ein paar Bilder zu knippsen. Heute muss jeder begeisterte Digitalfotograf erstmal langwierig mit dem eigentlich mal als Profi-Tool gedachten Photoshop seine Blümchenbilder aufs Optimum trimmen. Früher wurde auf einer Hochzeit nur mit viel Glück mal ein halbwegs brauchbares Hochzeitsvideo gedreht - dazu musste man erstmal wen kennen, der eine Videokamera hat. Heute wird das Video digital aufgenommen und hinterher auf DVD neu abgemischt, geschnitten, der Ton optimiert und alles mit professionellem Vorspann, Ein- und Überblendungen versehen. Im Grunde wird dadurch heute so manches Hobby vom Amateuren bereits auf Kosten und Perfektion von Profis getrieben. Das erlebe ich als Hobby-Fotograf jedenfalls mittlerweile so - noch machts mir trotzdem Spaß, aber dieses "es auf die Spitze treiben", fällt mir seit einiger Zeit einfach bei einigen Hobbies ziemlich brutal auf.

    Da gäbe es sicherlich noch so viel mehr Unterschiede, die ich benennen könnte.
    Und jeweils fehlt mir das, was mir früher besser gefallen hat. Die als besser empfundene Zukunftsaussicht, die Unbeschwertheit, das Lebensgefühl, die etwas niedrigeren Erwartungen und Maßstäbe in vielen Bereichen und die geordneten Verhältnisse in der Welt (die wir damals natürlich schon als Bedrohung empfunden haben, doch der "Kalte Krieg", blieb größtenteils theoretisch und irgendwie doch weit weg und nicht greifbar).

    Es fällt mir gar nicht so leicht, dass so in Worte zu fassen, dass es Sinn macht und das man es nachvollziehen kann. Irgendwie vermischen sich die Dinge bei mir immer zu einem großen Brei, nachdem ich mich von einem Punkt ausgehend in eine gewisse Wehmut nach den Verhältnissen von damals manövriert habe.

    Dave

  9. #28
    Otto
    Benutzerbild von Otto
    Petra67 postete
    dass ich sehr viel fitter war, essen konnte soviel ich wollte, ohne zuzunehmen... (war zwar nie eine Sportskanone, aber mich erschreckt schon, dass ich, wenn ich mal um Mitternacht zu Bett gehe, am nächsten Tag so fertig bin wie früher nach einer durchgemachten Nacht, dabei heisst "früher" in diesem Fall sogar "bis vor ein paar Jahren").
    So geht es mir auch. Ich nehme sehr schnell zu, und auch fühle ich mich abends oft auch nicht mehr fit genug, um noch mal ins Schwimmbad zu fahren so wie in den frühen 90ern noch der Fall. Ich habe auch inzwischen daran etwas zu knacken, wenn ich mal erst nach Mitternacht ins Bett komme und am nächsten Morgen wieder früh raus muss. Wenn ich mich am anderen Morgen ausschlafen kann, dann ist das alles weiterhin kein Problem. Ein Arbeitstag mit besonders vielen Überstunden brachte schon mehrmals meine „innere Uhr“ durcheinander – da half nur Warten auf das Wochenende zum Erholen.

    Ich konnte Musik auch sehr viel mehr geniessen als heute. Dadurch, dass ich immer mühsam alles vom Radio auf Cassette aufgenommen oder mit dem bisschen Geld, dass ich besass, nur mal ab und zu eine Platte oder später CD gekauft habe, wurde das einzelne Stück sehr viel mehr geschätzt und intensiver gehört. Heute kauf ich so viele CDs und manche hab ich noch nicht mal gehört...!
    Das stimmt, früher kannte man die Charthits alle noch auswendig. Heute werden sie ja oft nur noch als Hintergrundberieselung eingesetzt. Zum einen hat das sicher auch mit der Verschlechterung der Musikqualität zu tun, aber eher liegt das an der "Überflutung" durch die Medien. Die Charts dudeln den ganzen Tag im Radio und TV, es werden mehr Tonträger (auch Sampler) als damals auf den Markt gebracht, an die sich 2 Monate später niemand mehr erinnert (im Gegensatz zur "High Life" von 1982), es existieren riesige MP3-Sammlungen auf Festplatten, etc.
    Sogar wusste man, wenn ein Lied zu Ende war, wie das nächste anfängt, oder dass gerade der Moderator noch mit auf dem Band gelandet ist. Wenn ich jetzt auf Partys z.B. öfter „Nobody’s Wife“ von Anouk höre (einer der Lichtblicke der 90er, auch in den 90ern verwendete ich noch Kassetten), klingt es etwas fremd, ich erwarte im letzten Drittel des Liedes immer das abrupte Ende dieser uralten BASF-Kassette…

    Was ich aber nicht vermisse: das olle Kuhkaff, in dem ich meine Jugend verbringen durfte, wo nie etwas los war, wo jeder jeden kennt und beäugt und über andere besser Bescheid weiss als über sich selbst. Meine Unsicherheit, Komplexe, Pubertätsprobleme, doofe Schulkollegen die mich schikanierten.
    Genau auch meine Erfahrung. Meine ersten ca. 10 Schuljahre waren ganz ähnlich, mit schikanierenden Schulkollegen, Pubertätsprobleme hatte ich natürlich auch, inkl. dem einen oder anderen nicht ausbleibenden größeren Krach zu Hause (obwohl mein Verhältnis zu den Eltern eigentlich immer sehr positiv war und heute noch ist), der von mir gehasste Schulsport. Diese Zeit wünsche ich mir niemals zurück. Richtig "gelebt" als Schüler habe ich erst ab der Oberstufe und dann auch danach in der kaufmännischen Schule. Das fiel aber dann schon in die Zeit Ende 80er/Anfang 90er Jahre.

    vg8010 postete
    Wobei ich persönlich mich in diesem Punkt gar nicht wirklich beklagen kann: Ich lerne jetzt eher deutlich mehr Menschen kennen als früher - immer noch an der Universität (obwohl ich auch dafür langsam ein bisschen alt bin), vor allem aber beim Tanzen; das betreibe ich in den letzten Jahren etwas öfter. Nachteil: Die Leute, die man da kennen lernt, sind halt halb so alt wie ich. Vom Alter abgesehen, gibt es keine wesentlichen Unterschiede, wirklich nicht. Irgendwann, befürchte ich, ist man dafür aber vielleicht endgültig zu alt. Mit -sagen wir- deutlich mehr als 40 Jahren würde ich mir dann schon zunehmend unpassend vorkommen beim Tanzen. Wenn es so weit ist, öffnen wir am besten wieder einen Melancholie-Thread.
    So ist es auch bei mir. Seit ich Student bin (noch nicht so lange), gehe ich öfter wieder tanzen. Habe daran Gefallen gefunden, nachdem ich als Arbeitnehmer dazu nicht mehr so kam oder auch nicht mehr so die Lust hatte. Aber ich gebe zu, nur noch auf „interne“ Studentenpartys. Mit dem „halb so alt“ kommt fast hin, meine Kommilitonen sind im Schnitt zwischen 10 und 15 Jahre jünger als ich. Ich habe aber den Vorteil, dass ich immer noch relativ jung aussehe und meist noch auf unter 30 geschätzt werde – und ich muss zugeben, dass 20-jährige Studentinnen durchaus interessant sein können für mich als Mann.
    Aber ich muss immer wieder feststellen, dass auch so manche(r) 20-Jährige(r) sich mit „unserer“ Musik auskennt, viele singen „unsere“ Lieder mit auf solchen Feten, obwohl sie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht einmal annähernd „geplant“ waren. Aber wir hörten damals im Musikunterricht (2 verschiedene Schulen) auch schon Beatles…
    Meistens wird auf diesen Partys eine Mischung aus neuer und alter Musik gespielt.

    Oder die Groß-EDV der 80-er-Jahre: Rückblickend romantisiere ich sie sehr stark, die teuren und wirklich großen Computer in großen klimatisierten Hallen, die vielen Berufsbilder und -da haben wir es wieder:- die Jobsicherheit, die sie einem geboten hätten (ich war damals natürlich zu jung, um an Beruf interessiert gewesen zu sein).
    Einen Kultfaktor haben die Dinger sicherlich. Aber damit arbeiten? Nie wieder! Ich hatte Anfang/Mitte der 90er noch das Vergnügen, und das brachte viel Mehrarbeit, wie aufwändige Zahlenkolonnen eingeben ohne Korrekturmöglichkeit, die manuelle Datensicherung nach Feierabend, die „aggressiven“ flimmernden s/w-Monitore…, aber vielleicht war man zu der Zeit schon zu sehr verwöhnt von Excel & Co. als Bürohelfer. Der Rückschritt von Win9x/NT auf 3.1 (Volltextsuche, Kontextmenü…) in der nächsten Firma fiel mir auch schwer.

    Ab geht mir auch die Vielfalt der Hersteller von Unterhaltungselektronik. Da ist nicht mehr viel übrig, und Stereo-Komponentenanlagen werden immer seltener und nur noch von wenigen Firmen produziert. Viele Ikonen gibt es nicht mehr oder nicht mehr in diesem Bereich: Grundig, ITT, Siemens, Braun (was für ein Design!),... Plattenspieler generell. Da gibt es heute zwar immer noch sehr viele, aber keine neuen Platten mehr mit Musik, die für mich interessant ist.
    Das kann ich voll unterschreiben. Das waren schöne und vor allem auch langlebige und qualitativ gute Geräte. Wenn es eben möglich ist, nutze ich heute noch diese Komponenten, wie z.B. meinen alten Dual-Plattenspieler, oder meinen Tuner mit grüner Skalenbeleuchtung, welcher mein (digitales) Zweitgerät locker an die Wand spielt. Nur den Kassettenrecorder als Aufnahmegerät wünsche ich mir nicht zurück. Seit ich die CD-R nutze, kann ich meine Eigenaufnahmen in feinster Qualität genießen (stelle aber auch hohe Anforderungen an den Klang, der Nostalgieeffekt ist natürlich ganz weg, aber verdrängt wurde er auch schon in den 90ern bei den Kassettendecks mit nicht mehr sichtbarer Kassette).

  10. #29
    Benutzerbild von DeeTee

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    DAVE schrieb
    Hmmmm..... ich wollte schon länger was hierzu schreiben. Da wars damals schon noch etwas beschaulicher und bodenständiger.... zumindest empfinde ich das so. Auch ich würde deshalb heute nicht gerne nochmal Schulabgänger sein.

    Es gab - trotz kaltem Krieg und irgendwie für mich immer unwirklich gebliebener atomarer Bedrohung - generell einfach noch ein positiveres Gefühl für die Zukunft. ... Die Aussichten die ich 1988 mit der Zukunft verbandm hätte ich gerne zurück.

    Ansonsten glaube ich, dass viele Dinge damals weniger perfekt sein mussten als heute, um zu begeistern. Das fängt schon beim Zwischenmenschlichen an und geht dann in Hobby und natürlich dem Beruf weiter.

    Und jeweils fehlt mir das, was mir früher besser gefallen hat. Die als besser empfundene Zukunftsaussicht, die Unbeschwertheit, das Lebensgefühl, die etwas niedrigeren Erwartungen und Maßstäbe in vielen Bereichen und die geordneten Verhältnisse in der Welt
    @Dave & all:

    Das, was Du oben geschrieben hast, Dave, möchte ich gerne dick unterstreichen. Ziemlich genau so fühle ich mich auch.
    Obwohl es mir eigentlich nicht schlecht geht (wirtschaftlich, gesundheitlich, sozial) wäre meine Antwort auf Babooshkas Eingangsfrage: Weniger Sorgen!

    Mein damaliger Lehrer im Latein-Leistungskurs sagte einmal: "Mehr Wissen macht nicht glücklicher!" Dieser Satz verfolgt mich seit Jahren. Er hatte recht!!! Und ich merke das zunehmend öfter.
    Ein Freund von mir, den ich seit Schulzeiten kenne und der einen ähnlichen Weg wie ich eingeschlagen hat (allerdings viel weiter: ein Magister, zwei Staat5examima und zwei Doktortitel - mit 39 Jahren!) hat das 'mal trocken formuliert: "Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann hätte ich gerne mein Leben zurück." Betonung auf "mein"!
    Was viele von uns lähmt bis hin zur Depression, ist die Tatsache, dass wir keine Perspektive haben für die Zukunft. Wir leben mit dem begründeten Gefühl, dass es nicht mehr besser werden wird. Selbst wenn es mir nicht persönlich nicht schlecht geht, kenne ich zuviele Leute, Freunde, denen es schlecht geht (und die es nicht verdient haben).
    Uns fehlt Hoffnung und eine Vision für die Zukunft.

    Genau das haben wir in den 80ern gehabt. Deshalb möchte ich gerne zurück. Manchmal.

    DeeTee *ernst*

  11. #30
    Benutzerbild von Babooshka

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    DeeTee postete
    Was viele von uns lähmt bis hin zur Depression, ist die Tatsache, dass wir keine Perspektive haben für die Zukunft. Wir leben mit dem begründeten Gefühl, dass es nicht mehr besser werden wird. Selbst wenn es mir nicht persönlich nicht schlecht geht, kenne ich zuviele Leute, Freunde, denen es schlecht geht (und die es nicht verdient haben).
    Uns fehlt Hoffnung und eine Vision für die Zukunft.
    SO WAHR! Genau so fühle ich mich im Moment, und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

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