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Zeitmaschine

Erstellt von Sven Hoëk, 26.03.2002, 08:51 Uhr · 59 Antworten · 8.137 Aufrufe

  1. #21
    Benutzerbild von BlitzKid

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    Unbedingt Cherry! Ins Wembley Stadium zuerst, und bei einem erneuten Trip landen wir dann halt in Philadelphia. Es hat 10 Jahre gebraucht, jemanden zu finden, der das Konzert aufgenommen gehabt hat und es mir überspielt hat, aber dieses Event live mitzuerleben, wäre sicher ein Wahnsinn!

  2.  
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  3. #22
    Sven Hoëk
    Benutzerbild von Sven Hoëk
    Na ja, wenn wir erst mal da sind, dann könnt ihr machen was ihr wollt. Nur: Year-Hopping ist (aus o. g. Gründen ) nicht möglich. Wir müssen schon 10 Jahre lang da bleiben

    Also ich werde mir wohl als erstes mal den Spßa gönnen und die Firma Microsoft in die Luft sprengen Wär ja spannend, zu sehen, um wie viel weiter die Welt heute dann wäre und ob es den Commodore 64 immer noch gäbe (mit 1,6 GHz).

    Dann wrede ich wohl als nächstes ein Lied namens "99 Luftballons" schreiben, um ein bisschen Geld zu verdienen.

    Sven Hoëk

  4. #23
    Benutzerbild von Cherry

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    Das eröffnet ja ganz neue Dimensionen (obwohl mir das aus "Zurück in die Zukunft" doch schon irgendwie bekannt vorkommt...*g*)!

    Hmmm.. ich würde mich dann wahrscheinlich in der Zauberwürfel- oder Jojo-Branche selbständig machen...oder sollte ich doch lieber Cowboystiefel vertreiben??

    Aber so´n C64er mit 1,6 Ghz ist auch ne nette Vorstellung *grins* - aber wo baut man da denn das CD-ROM-Laufwerk ein?

    Cherry

  5. #24
    Sven Hoëk
    Benutzerbild von Sven Hoëk


    Wie du siehst, wäre da noch ein 5,25-Zoll-Schacht für CD/DVD frei

    Sven Hoëk

  6. #25
    Benutzerbild von Cherry

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    Das ist doch kein C64er, oder? Meiner im Keller sieht irgendwie anders aus...
    aber Du hast recht, da paßt noch was rein und wenn man das 5 1/4"-LW auch noch rausnimmt, kann man sogar noch ein DVD-LW reinpacken!! Allerdings befürchte ich bei dem Monitor auf Dauer schwere Augenschäden...


    Bleibt eigentlich noch die Frage zu klären, wieviel Geld wir eigentlich bei unserer Zeitreise mitnehmen dürfen! Denn wenn ich an mein früheres Taschengeld aus der Zeit denke, dann komme ich da nicht weit...(und mit der Zauberwürfelproduktion wirds auch nix). Oder ...*überleg* auch nee, ich brauch eigentlich nur ein Blatt Papier mitzunehmen...da krieg ich ein paar Lottozahlen unter *gggg*

    Cherry

  7. #26
    Benutzerbild von oermel

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    Moin Moin...
    Also ich würd ganz bestimmt nicht mitkommen, da müsst ich ja noch 5 ganze Jahre warten, bis ich endlich mal wieder "Too Young For Promises" (Koo De Tah" hören könnte....

    Und vor allem ..... noch mindestens 10 Jahre, bis ich einen vernünftigen Internet-Provider finde (hab ich grad vernünftig geschrieben???). Und ich würd mich freuen, wenn sich Buchstabe für Buchstabe mein BTX-Startfenster auftut. Da muss ich doch glatt mal mein Wählscheibentelefon und den Akustik-Koppler suchen.

    Grüsse,
    oermel

  8. #27
    Benutzerbild von Thinkman

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    Ich komm auch mit ins Jahr `85 und hau mir selber eine rein für den mist den ich damals verbockt hatte. " if i had a photograph of you..."

  9. #28
    Benutzerbild von MiamiVice

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    Hallo,

    ich will auch mit. Ich fliege dann erst mal nach Belfast und werde John DeLorean aus der Miesere helfen . Dann fliege ich nach Deutschland zurück. Ich werde mir dann im Jahre 1981 einen nagelneuen DeLorean DMC12 zulegen. Dann mal einen abstecher in die DDR usw. . Und dann hole ich mir ne Wohnung in Bochum oder Castrop-Rauxel und arbeite irgendwo im Pott.

    Miami Vice

  10. #29
    Benutzerbild von Mixi

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    Sven Hoëk postete
    Die Jungs: Mac-Jeans (beige), ogange-pastell-farbenes Seidenhemd, anthrazitfarbene Lederkrawatte (dünn), weiße Tennissocken und schwarze Lederslipper, dazu mintgrüne Sakkos und ne gespiegelte BOSS-Sonnenbrille (Alternativ: Breakdance-Kluft mit Netzhemd und Adidas-Turnschuhen)
    Ist schon geklärt, mit welchem Alter wir im Jahr 1980 landen?
    Ich werd bald 40... und in diesem Alter schaut 1980 sicherlich auch anders aus...
    Besonders wenn ich dann 1984, also mit 44, im obengenannten Outfit in der italienischen Disco in Rimini stehe! Bauch einziehen...

    Ich fahr mit!

    Gruß, Mixi

  11. #30
    Benutzerbild von musicola

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    Was könnte man alles tun, wenn man durch eine Zeitreise noch einmal die Chance dazu erhält?

    Die folgende Geschichte habe ich vor etwa zwei Jahren schon einmal hier gepostet:

    ****************
    War es ein Traum?
    Hatte ich mein gesamtes Erwachsenwerden nur geträumt? Nein - es sei denn, man konnte im Traum lesen, schreiben, reden, programmieren, handeln lernen.

    Eines Tages wachte ich auf und war wieder ein Junge. Ein kleiner Junge. Der beim Aufwachen über die Verifizierung von elektronisch versandten Datenpaketen nachdachte. Elektronisch versandte Datenpakete! In meinem Geburtsdorf dachte 100 Prozent aller Einwohner bei Paketen noch an die Deutsche Bundespost. Aber da stand ich - in meinem Pinocchio Schlafanzug, das kleine Fenster mit dem Blick auf den Wendelstein, die Märklin Modelleisenbahn, die die gesamte Längsseite des kleinen Zimmers einnahm.

    Wie betäubt stieg ich aus dem Bett, tapste auf meinen kleinen Füssen die Holztreppe herunter. Als 25jähriger hatte ich einmal meinen alten Kindergarten besucht. Es war wie das Auffrischen vergilbter Fotografien. Das gleiche Gefühl hatte ich jetzt. Das alte Bauernhaus... es war 1983 abgerissen und an ein Museumshaus verkauft worden. Wirklich? Aber warum lief ich dann die Treppe herunter. Warum reichte ich gerade bis zur Fensterbank.

    Ich betrat die Küche. Die alte Bauernküche. Meine Mutter. Höchstens dreißig Jahre alt. Eher jünger. Ich setzte mich auf die Küchenbank. Nein - ich kletterte die Küchenbank hoch. Die Tageszeitung. Das Datum.

    Es war der 16. April 1973.

    Israel war gerade von seinen arabischen Nachbarn überfallen worden. Der Yom-Kippur-Krieg.

    Und ich wusste wie er ausgehen würde.

    September 1973 - Erste Schritte

    "Was tust Du denn da?" fragte Mutter belustigt. Klar - für Sie musste es drollig aussehen, wie ein vierjähriger Junge die Tageszeitung in der Hand hält.

    "Der Schreiber hier meint, dass die Israelis keine Chancen gegen die Araber haben. Der Mann hat keine Ahnung." antwortete ich trocken und blätterte zu den Inlandsberichten. Das Deutsch... es war so altmodisch. So primitiv. So...

    Es war ganz einfach Deutsch. Keine Anglizismen. Das Airport Terminal hieß hier noch Abflughalle. Die Telekom war noch die Deutsche Bundespost.

    Breschnew zu Besuch in Bonn. Helmut Kohl zum CDU-Chef gewählt. Vielleicht sollte ich Wetten darauf abschließen, dass er noch neun Jahre braucht, um ins Kanzleramt einzuziehen. Erst jetzt merkte ich, dass meine Mutter mich sprachlos anstarrte.

    "Sag mal.... s- seit w-wann kannst Du lesen?" stotterte sie verblüfft.

    "Seitdem sich mein Bildungsbedürfnis nicht mehr durch den Konsum von bunten Bildchen befriedigen ließ." Mir war alles egal. Wenn ich träumen sollte, dann war es ohnehin egal. Wenn nicht, sollte ich rechtzeitig klare Verhältnisse schaffen und zeigen, wer hier das Sagen hatte.

    "Stefan kannja garnicht lesen! Stefan ist eine kleine Pupsnase!" lachte eine Stimme hinter mir. Vor Schreck ließ ich die Zeitung fallen und drehte mich um. Vor mir stand meine Schwester. Meine kleine, über alles geliebte Schwester. Naja - eigentlich meine große Schwester - schließlich war sie ein Jahr älter als ich. Gewesen.

    Meine Schwester starb im Alter von zwölf Jahren an Leukämie.

    Und auf einmal begriff ich die ungeheure Chance, die mir das Leben geschenkt hatte. Ich wusste, dass es kein Traum war. Irgendetwas war geschehen - und ich hatte vor, diese Fügung zu nutzen.

    April 1974 - Grundlagen schaffen

    "Und jetzt sag mal, Stefan." Dieter Thomas Heck beugte sich zu mir herunter. "Und Du hast das Liedchen wirklich selbst geschrieben?"

    "Ja, habe ich!" Neun Jahre Vorträge an internationalen Universitäten, Schulungen, Kongresse, Meetings. Und jetzt das - als neuer "Kinderstar" in der ZDF Hitparade. Es wurde wirklich Zeit, dass endlich Privatfernsehen eingeführt wurde. Und diese Gesetze - ich durfte am Tag höchstens eine Stunde "arbeiten". Kinderschutzgesetze eben. Nicht unbedingt für Zeitreisende wie mich geschaffen. "Weil dem Josef seine Eltern die lassen sich scheiden und da war er so traurig und da hab ich ihm das Lied geschrieben."

    Irgendeines Kindes Eltern lassen sich immer scheiden - auch wenn das im urbayrischen Brannenburg etwas schwierig war. Auf jeden Fall musste Josef (übrigens ein kleiner, unausstehlicher Klotz der mir 1980 beim Werkunterricht aus Blödheit ein glühendes Brandeisen in den Arm gejagt hatte... jagen wird) jetzt für meine "Und dabei liebe ich Euch beide" Schmonzette hinhalten.

    Verdammt - ein Kinderstar zu sein konnte einen zum reinen Zyniker reifen lassen. Für die Medien (das hieß hier übrigens noch Presse und Rundfunk) legte ich meine "Kindersprech" Scheibe auf - zuhause lief das ein wenig anders. Mein Vater hatte zwar nicht genau kapiert, was Sache war (Er ging wohl irgendwie von einer Mutation durch Verstrahlung aus - er liebte diese Perry Rhodan Schmöker), aber er hatte schnell geschaltet. Stefan Zaisserer war mittlerweile ein eingetragenes Warenzeichen, um dass sich zwei Anwälte kümmerten.

    Neben der "offiziellen Kinderarbeit" ackerte ich zuhause wie ein Tier. Es schien geradezu eine Sucht zu sein ja kein Quentchen Wissen, dass ich um die Vorgänge der nächsten Jahrzehnte hatte, zu verschwenden. Da ich mit den Kindern in meinem Alter ohnehin nicht viel anfangen konnte (Ich war einfach zu "väterlich" meinte der Pfarrer), vertrieb ich mir die Zeit an einer nagelneuen elektrischen Schreibmaschine.

    Erste Priorität: Ich benötigte Geld. Viel Geld.

    Der einfachste Weg: Ich kannte jeden verdammten Hit der nächsten 25 Jahre. Und als erstes musste Andrea Jürgens dran glauben.

    August 1974 - Siebenstellig.

    "Ich weiß nicht, woher Deine Kreativität kommt." sagte Vater leise, während er sich einen Kaffee einschenkte. "Aber Du solltest Dir für Deine Veröffentlichungen vielleicht andere Kanäle suchen. Wenn das so weitergeht, wirst Du den Menschen noch unheimlich."

    Er hatte recht. Drei Nummer 1 Hits hintereinander, ein Platin-Album. Ich hatte bereits öffentlich zugegeben, dass mein Vater mir bei den Liedern (Das hieß tatsächlich noch "Lieder" - nicht Songs) helfen würde. ein Witz - mein Vater konnte noch nicht einmal rhythmisch auf einen Topfdeckel schlagen. Aber die Öffentlichkeit war zufrieden und kaufte meine Platten.

    Mit einer gewissen Zufriedenheit las ich den Kontoauszug. Die Fußballwetten hatten mein Vermögen schlagartig verdoppelt. Die Deutschen waren Weltmeister geworden. Deutschland im Freudentaumel. Stefan einen Schritt weiter.

    Juni 1975 - Schulfrei.

    Sehr geehrter Herr Zaisserer,
    hiermit entsprechen wir Ihrem Wunsch, für Ihren Sohn einen Privatlehrer zu engagieren. Stefan hat alle Prüfungen mit den besten jemals gemessenen Leistungen mit Bravour bestanden. Da es sich als schwierig erweisen dürfte, einen sechsjährigen in die fünfte Klasse einzuschulen - so die Mindestempfehlung unseres Schulpsychologen - gestatten wir den Privatunterricht.
    Mit Bedauern mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass Sie einer Teilnahme Stefans an unseren Testprogrammen nicht zustimmen. Wir bitten Sie nochmals, diesen Entschluss zu überdenken, da Stefan unserer Schulforschung von enormen Nutzen sein kann.
    Mit freundlichen Gruessen
    Walter Hettmeyer
    Kultusminister des Freistaates Bayern.

    Januar 1976

    Ich fiel doch glatt vor Lachen vom Stuhl. Vor mir die neueste Ausgabe des Spiegels, auf der Titelseite meine Eltern und mein Lieblingsonkel Dieter. Darunter, in großen Blockbuchstaben "Die Multimedia-Familie!" Ich hatte den Begriff aus Spaß bei dem Interview meiner Eltern fallen lassen - der Reporter hatte den Begriff eilends aufgegriffen. Die würden sich wundern, wenn sie merken, dass der Begriff "Multimedia" seit drei Monaten auf unsere Firma geschützt war. Offiziell schrieb Vater Drehbücher, Mutter Lieder, Dieter verfasste Kinderbücher. Und ich sehnte mich verzweifelt nach einem Notebook.

    Selbstverständlich verfilmten wir auch die Drehbücher meines Vaters. Und einige andere auch - ich hatte mich gerade an der neuesten Produktion eines amerikanischen Spinners beteiligt. So eines dieser Weltraummärchen. Aber eigentlich war dieser George Lucas ein wirklich netter Kerl. Genauso wie Mr. Spielberg, mit dem ich gerade das Drehbuch zu einem Film besprach, in dem ein großer, weißer Hai die Hauptrolle spielen sollte.

    Hey - das machte Spaß.

    Zaisserer Multimedia beschäftigte bereits 173 Personen und hatte bereits eine Auszeichnung als "modernstes Unternehmen Deutschlands" erhalten. Immerhin lief bereits die komplette Verwaltung auf Computermaschinen.

    November 1976

    Mister Gates bedankt sich für die gute Zusammenarbeit und die schnelle Überweisung der vereinbarten Summe. Zaisserer Multimedia hält einen Anteil von 24,6 Prozent an der Firma Microsoft, Redmont, USA. Dieser Anteil wird von Zaisserer Multimedia mit jeder Kapitalerhöhung gehalten. Ein aktives Stimmrecht wird in den nächsten 15 Jahren nicht ausgeübt, es werden nur Empfehlungen ausgegeben.

    *

    Wie besprochen wurde der Vertrag mit der Intel Corporation heute unterzeichnet. Für die Summe von 12 Millionen Dollar überträgt Ihnen MorganBush 16 Prozent der Stimmrechtsaktien an der Intel Corporation.

    *

    ... halte ich es dennoch für reinen Wahnsinn, in Tokyo für dreissig Millionen DM Grundstücke aufzukaufen. Der Trend der Japaner, ihre Verwaltungen aus der Hauptstadt in andere Grossstädte auszulagern ist ungebrochen. Ich bitte sie nochmals, ihre Entscheidung...

    *

    ... und Du bist Dir sicher, dass Du die Filmmusik zu "Saturday Night Fever" von den BeeGees einpielen lassen willst? Die Schwuchtelstimmen will doch kein Mensch mehr hören...

    September 1977

    "... wurden bei der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin Schleyer vier Polizisten getötet. Diese grausame..." Ich schaltete den Fernseher ab. Das war eine der bisher schwersten Entscheidungen gewesen. Aber das Attentat zu verhindern hätte bedeutet die deutsche Geschichte erheblich zu verändern. Damit klebte erstmals Blut an meinen Händen. Mir war schlecht. Ich kroch in mein Bett und dachte noch lange nach, bevor ich in einen unruhigen Schlaf versank.

    Weihnachten 1979

    Ich war müde. So müde. Einsam. Da saß ich nun, mit meiner Familie vor dem Weihnachtsbaum. Zehn Jahre alt, psychisch gerade vierzig geworden. Zaisserer International beschäftigte viertausend Beschäftigte in dreißig Ländern. Mein Vermögen belief sich auf fast zehn Milliarden Dollar. Jetzt konnte das Spiel richtig beginnen. Doch ich hatte die Lust daran verloren. Ich wollte wieder Kind sein. Das Leben genießen, spielen können.

    Gestern waren die Russen in Afghanistan einmarschiert. Ich hatte bereits in den letzten Monaten für eine Milliarde Gold eingekauft. Der Wert würde sich in der nächsten Woche verdreifachen. Wieder reicher.

    Doch es war bedeutungslos.

    Sommer 1984

    Ich war zufrieden. Verliebt. Glücklich. Betrunken. Anfang 1980 hatte ich die laufenden Geschäfte einem kompetenten Aufsichtsrat übertragen und... mich eingeschult. Ich hatte mich auf neue Fächer gestürzt, hatte Sprachen gelernt, Spanisch, Französisch (diesmal OHNE meiner Lehrerin die Handtasche anzuzünden), Latein. Klar - ab und zu konnte ich es nicht lassen. Die DaVinci AG agierte nur noch als reine Holding für sehr, sehr erfolgreiche Unternehmen in den Bereichen Elektronik, Telekommunikation, Luft- und Raumfahrt, Versicherungen.

    Meine Schwester lebte. Ich hatte sie Anfang 81 zu einem Krebsspezialisten geschleppt. Der Mann war etwas erstaunt, als er Leukämie im frühesten Stadium diagnostizierte, das er jemals erlebt hatte. Es war nicht einmal eine Chemotherapie nötig.

    Mit meiner Schulband "Die Toten Hosen" machte ich enorm erfolglosen Punkrock - aber es machte Spaß.
    Anderen Bands die guten Songs wegzunehmen... das wollte ich nicht mehr. Aber einen neuen Namen... Campino würde das verkraften. Vielleicht sollte ich Fortuna Düsseldorf als Ausgleich eine Million schenken.

    Und da war Sabine. Ein Traum. Ich war furchtbar verliebt. Furchtbar pickelig. Die Pubertät hatte ihre Vorteile - der furchtbar unausgeglichene Hormonhaushalt hatte meine innere Lethargie besiegt - ich war aufgekratzt wie ein... naja - wie ein fünfzehnjähriger eben.

    Alles war gut.

    November 1988

    Ich setzte mich auf die Mauer und betrachtete die Menschenmenge. Dann zog ich mein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer des Berliner Büros der ARD. "Ihr solltet mal zum Grenzübergang Charlottenburg kommen - da geht gleich die Grenze auf." Grinsend steckte ich das kleine Telefon, übrigens ein Produkt (Zeiss 6150 Dualband), dass meiner "damaligen Zeit" um mindestens zehn Jahre voraus war, zurück in die Tasche. Ich machte oft solche Anrufe. Einmal, bei der Nasa, hatten sie mir nicht glauben wollen. Dennoch war das Shuttle nicht explodiert.

    Ich hatte die Zeit verändert. Die Elektronik hatte früher in die Haushalte Einzug gehalten. In Deutschland gab es bereits fünf Mobilfunkdienste - zwei davon gehörten, ohne dass es jemand recht wusste, mir. Wie nett. Durch das Investieren in die richtigen Industriezweige hatten sich gewaltige Kräfte verlagert, waren zahlreiche Fehlinvestitionen unterblieben.

    Allerdings gingen mir langsam die Ideen aus. Da sich die Geschichte aus den mir bekannten Schienen bewegte, konnte ich nicht mehr viel voraussagen.

    Die DDR noch. Ich hatte in den letzten zwei Jahren einige Anstrengungen unternommen, den Fall des Arbeiter- und Bauernstaates sanft aufzufangen. Die Bundesregierung war über die wirkliche Situation in Ostdeutschland informiert - bereits 1983 hatte ich einen Milliardenkredit verhindert und dadurch den Sturz Honeckers beschleunigt. Und jetzt, ein Jahr vor der Zeit, war es soweit. Die Mauer fiel.

    Alles war gut.

    2000 - heute

    Am 22. Mai 2000 gab ich ein Fest. Den Grund wussten nur meine Eltern - es war der letzte Tag in meinem alten Leben gewesen - am nächsten Morgen war ich als Kind aufgewacht. Ich war der Internet-König der Welt, Gründer von Yahoo, Altavista und AOL, der größte Songschreiber und Drehbuchautor, der größte Kunstmäzen und Wohltäter.

    Das Fest hielt sich im überschaubaren Rahmen. 1984 hatte ich verhindert, dass mein Geburtshaus an ein bayrisches Museumsdorf verkauft wurde. Ich wollte diesen Ort der Behaglichkeit, der Sicherheit nicht ein zweites Mal verlieren. Der wertvollste Dienst, den mir der Zeittransit erwiesen hatte war, dass ich die Menschen, denen ich begegnete, besser einschätzen konnte - und sei es nur, weil ich ihnen auf irgendeine Weise in meinem alten Leben bereits begegnet was. Meine Gäste hier - das war der größte Schnittpunkt zu meinem alten Leben. Ich hatte über die Jahre bewusst den Kontakt zu meinen alten Freunden gesucht - für mich ein Wiedersehen, für sie ein erstes Kennenlernen.

    Wir feierten bis vier Uhr nachts - dann waren die letzten Gäste zu Bett gegangen. Dann - im Dunkeln noch, verließ ich das Haus und ging über die Wiesen zur Kapelle St. Margarethen, um von dort aus den Sonnenaufgang zu erwarten.

    Während sich der Tag mit einem ersten, blauen Leuchten in der Ferne ankündigte, stellte ich mir zum tausendsten Mal die entscheidende Frage.

    Hatte ich die Welt besser gemacht?

    Ich wusste nicht, ob es ein Privileg war, dass mich in die Vergangenheit geschleudert hatte oder ein Unfall. Ich wusste nicht einmal, ob ich dieses Leben wirklich gelebt hatte oder ob es sich um eine Art Prophezeiung handelte. Sicher hatte ich einige Wege gerade gebogen. Aber dies war oftmals auf Kosten anderer geschehen. Statt den USA boomte die Wirtschaft heute im vereinigten Deutschland. Die Europäische Union, der Handelskoloss, der mit der Jahrtausendwende die ehemaligen Ostblockstaaten aufgenommen hatte. Russland, dass die Reformen vorsichtig und mit Bedacht angegangen war.

    Aber war dies wirklich eine bessere Welt?

    Es gab AIDS, Hunger in Afrika. Und - es gab immer noch die Apartheid in Süd-Afrika, einen schwelenden Bürgerkrieg in China, Krieg zwischen Indonesien und Malaysia.

    Wie immer waren die wahren Probleme die Erwartungen, die ich an mich selbst stellte.

    Es war keine bessere Welt.

    Sie war nur... anders.

    Vielleicht sollte das reichen - für den Anfang. Schließlich fing mein Leben heute erst an.

    Guten Morgen.

    *************

    Quelle: www.zeitenschmiede.de


    Und jetzt macht was draus, wenn ihr angekommen seid!


    Gruß

    musicola

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