@waschbär
bitte, extra für dich!!
mittwoch, 8. september 2004 - - um halb 10 treten ich und mein mitbewohner endlich die fahrt an, der wir schon schon seit monaten entgegen fiebern. dieser eine tag, der uns aufgrund seines sündhaft-teuren anlasses einen strich durch unseren strandurlaub '04 gemacht hat: denn es geht auf's madonna-konzert nach arnheim an der deutsch-holländischen grenze!
frau ritchie hat beschlossen, auf ihrer 2004er "re-invention" tournee mal keinen abstecher in deutschland zu machen, sondern sich zum ersten mal seit vieelen jahren in holland zu "re-inventen". gott sei dank ist die fahrt von kassel nicht all zu weit und nach knapp 2 1/2 stunden fahrt kamen wir am mittag am gelredome in armheim an.
und wer glaubt, wir seien die einzigen irren gewesen, die sich bereits um diese uhrzeit für ein konzert, dass abends um 20h beginnen soll, anstellt, der irrt: schon rund 100 leute warteten an beiden eingängen der halle auf die ankunft ihrer göttin. gott sei dank war das wetter spätsommerlich schön und sonnig. gleich erledigten wir die merchandising-käufe und auf dem weg zurück zum eingang kreuzte plötzlich eine flotte von bestimmt 10 oder 11 mini-vans mit verspiegelten scheiben unseren weg! vorneweg ein schwarzer mercedes, inklusive polizei-begleitung fuhren aus des halle richtung innenstadt...genau an mir vorbei!!!

ob ihre hoheit allerdings drinnen sass, konnte ich nicht erkennen...
die warteschlange am eingang glich mittlerweile mehr einem campingplatz. und im laufe des nachmittags wurde es zunehmend heisser - und voller! bald war das 10fache an menschen anwesend. eine richtige kleine massenveranstaltung. und um 18h sollte einlass in die halle sein. die zeit zog sich und zog sich und langsam hatten wir wirklich keine lust mehr. dann plötzlich ging ein raunen durch die menge, die leute standen auf und alle stürzten auf den eingang zu - wir natürlich mit, gott sei dank standen wir fast ganz vorne. aber nichts geschah!! so mussten wir noch 1 geschlagene stunde dicht an dicht stehen, bis endlich die tore zur halle aufgingen... wie die wahnsinnigen fielen die fans in die halle ein, ich natürlich mitten drin

wir waren schnell genug, einen platz direkt vor der bühne zu ergattern, so dass nur ungefähr 4-5 leute vor uns standen. dann ging die warterei erneut los, madonna sollte ja erst um 20h auftreten... ich sage euch, selbst für mich als absoluten fan war diese warterei echt unerträglich. und als es dann endlich auf 20h zuging, war ich schon fast am ende meiner kräfte...
um 20:15 gingen die lichter aus. (natürlich kommt eine echte diva nie pünktlich!) frenetischer applaus geht durch die ausverkaufte halle. auf den bildschirmen, die überall auf der bühne montiert waren, erschienen jüdische symbole, feuer und wölfe. als man vom band madonna's stimme die ersten worte zu
"the beast within'", der intro-nummer, hörte und ihr gesicht riesig auf den monitoren erschien, flippte die halle völlig aus. sakrale stimmung für die pop-priesterin.
dann wurde es dunkel. und zu den klängen zu
"vogue" erhob sich ein säulenartiges podest aus der mitte der bühne, auf dem madonna lag. das gesicht nach unten, regungslos. die musik ging völlig unter im hysterischen gekreische der leute um mich herum. dann erhob sie den kopf - und die leute drehten völlig durch, nur durch diese kleine bewegung ihres idols. und gleich wird a pose gestriked: madonna vollführt die merkwürdigsten verrenkungen auf ihrem podest: inklusive der "beine hoch"-figur, die auf vielen presse-fotos erschien. "vogue" endete dann klassisch in marie-antoinette-outfit mit tanzensemble vor barockem hintergrund, eine "re-invention" ihres berühmten auftrittes zu dem MTV music awards im jahre 1991.
nahtlos wurde übergeleitet zu
"nobody knows me", eine nummer ihres jüngsten albums "american life". madonna wirbelt von links nach rechts über die bühne, ihre stimme von einem vocoter-effekt verzogen wird die von einem riesigen laufband quer über die bühne gezogen. dazu erscheinen riesige buchstaben und worte auf den leinwänden: das barockschloss vom anfang der show hat sich in eine szenenkulisse aus "tron" verwandelt. und während ihrer tanzeinlage auf einem podest an der rechten seite der bühne hat sie uns direkt angesehen. wir beide haben schon ein wenig rausgestochen aus der menge: um uns herum fast nur frauen und da fallen zwei typen mit glatze natürlich sofort ins auge - das anscheinend sogar madonna!

weiter ging's mit
"frozen", ders ersten live gesungenen titels des abends. "vogue" war aufgrund der herausfordernden tanzeinlagen komplett-playback und "nobody knows me" besteht sowieso nur aus roboter-effekt.
jedenfalls wird's jetzt sakral: madonna steht in der mitte der bühne. spärliche bis gar keine effekte auf der bühne. blaues licht, eisige stimmung reflektieren die aussage des songs - und die ersten tränen fliessen im publikum. erst jetzt realisiert man wirklich die person oben auf der bühne.
hier verschwindet madonna von der bühne und es baut sich ein kriegsszenario auf: helikopter, bombenexplosionen und schwerbewaffnete soldaten robben über die bühne. aus diesem inferno baut sich das intro zu
"american life" zusammen, die bühne dreht sich und madonna erscheint auf einer wand aus fernsehern sitzend, komplett im military-look. im gegensatz zur bekannten version auf dem album, wird "american life" hier als rock-version vorgetragen - massive gitarren und eine hysterisch-kreischende madonna, die mittlerweile einen spaziergang bis in die mitte der halle auf einem catwalk macht, der von der decke der halle heruntergelassen wurde. völlige hysterie natürlich auch bei den fans. sie ist übrigens genau über mir lang gelaufen!

der track endet mit einer einblendung von george bush, der sich an einer gezündeten handgranate, die ihm von saddam hussein gereicht wird, eine zigarre anzündet...
eins meiner persönlichen highlights war das folgende
"express yourself": disco-fieber in camouflage-hosen, eine wunderschöne synchron-tanznummer, wie man sie aus madonna's alten tagen kennt. madonna und ihre mannen choreograhieren mit handgranaten und gewehren: madonna's art, ein anti-
kriegs-statement abzugeben.
das kriegs-szenario verwandelt sich im handumdrehen in einen 80er-jahre underground-club, als madonna zur gitarre greift und
"burning up" vorträgt. auch eins meiner highlights. madonna steht hier vor einer wand aus blinkenden und blitzenden fernsehern und rockt die halle bis zum überkochen.
die gitarre lässt sie umgeschnallt und leitet gleich über zu
"material girl" - eines jener lieder, von denen sie eins gesagt hat, sie würde es nie wieder live spielen wollen. zu diesem zeitpunkt hat sie wirklich jeden einzelnen in der halle erreicht, eine riesige madonna-party ist im gange: alle tanzen, singen mit und madonna interagiert mit dem publikum, lässt einzelne zeilen von den zuschauern singen und feixt dazwischen.
anschliessend verschwindet madonna ein zweites mal von der bühne. dieselbige verwandelt sich nun zu einer instrumental vorgetragenen version von
"hollywood" in ein zirkus-szenario: jonleure, feuerspucker, bauchtänzerinnen - sogar ein skateboarder inklusive half-pipe (!) sind auf der bühne zu sehen. auf den leinwänden bilder von tarot-karten und mittelalterlichen szenen.
dann ist madonna wieder da: im rot-weiss-gestreiften showgirl-outfit der 20er jahre performt sie zusammen mit jahrelanger background-sängerin donna de lori und einer neuen kollegin (nikki harris macht baby-pause!) den fan-liebling
"hanky panky" - ganz in der manier von der legendären "blond ambition"-tour von 1990.
ganz im stil von moulin rouge erscheint die kulisse von paris auf den leinwänden. die ersten klänge von
"don't tell me" lassen das publikum erneut ausrasten, während madonna mit ensemble eine burlesque tanznummer erster klasse bietet.
die bühne verwandelt sich nun in ein riesiges sternenzelt und madonna trägt nun ein schmachtendes
"deeper and deeper" vor, dass sich in eine
fingerschnips-nummer im stil von marilyn monroe entwickelt - völlig anders und neu als die bekannte version.
die stimmung wechselt: zirkus-girl madonna wird während sie ihr
"die another day" vorträgt in einen kampf verwickelt und landet am ende des songs auf einem elektrischen stuhl!
gefesselt auf demselbigen und nur von einem einzelnen spotlight erfasst trägt sie ein unglaublich intensives
"lament" (vom evita-soundtrack) vor. zu diesem zeitpunkt hat auch keiner mehr zweifel an madonna's stimmlicher qualität. sie singt glockenklar und das definitiv live, ich hab's gesehen!

aber all das scheint ihr nichts zu nützen, denn der hebel wird umgelegt und in einem funkenmeer verschwindet die leicht angeröstete madonna von der bühne.
auf den leinwänden erscheint nun eine völlig neu eingespielte video-version von
"bedtime story": madonna räkelt sich im weissen abendkleid in ebensolch weisser kulisse. dazu hängen tänzer an seilen von decke und vollführen eine zirkusreife choreographie, dass die langeweile überhaupt keine möglichkeit hat.
madonna kehrt zurück, in einfachem schwarzen hose-top-outfit und trägt eine akustik-version von
"nothing fails" vor. show-effekte treten hier absolut in den hintergund, sie interagiert eine menge mit dem publikum, welches sich in ein singendes meer an feuerzeugen verwandelt hat.
mit den worten "this is the all time number one dance song" fordert madonna die leute heraus, die "ärsche hochzukriegen und mitzumachen": dass das bei dem folgenden
"like a prayer" nicht ausbleibt, ist ja wohl überflüssig zu erwähnen: die leute singen und klatschen aus vollen halse mit. an diesem zeitpunkt des konzertes verabschiedet sich bei mir die stimme zu einem heiseren krächzen und mein körper verlangt nach flüssigkeit...
...dieses verlangen erreicht bei dem folgenden
"mother & father" seinen höhepunkt: ich achte skurrilerweise mehr auf die flasche evian, aus der madonna ständig trinkt, als auf sie selbst!

jedenfalls wird auch hier wieder an effekthascherei gespart: sie sitzt mit kleiner bandbesetzung in der mitte der bühne, spielt auch wieder die gitarre und zeigt auf der leinwand bilder ihrer kindheit...sehr intime einblicke in einer sehr öffentlichen situation.
diese intime grundstimmung wird beibehalten, als madonna zu john lennon's
"imagine" am bühnenrand steht. die leinwände zeigen immer wieder unverhohlen die schrecklichen bilder von kindern, die im krieg verwundet oder getötet worden sind. gegen ende des songs taucht das riesige konterfei von john lennon selbst auf, was riesige beisterung seitens des publikums erntet. in der letzten einstellung sieht man kinder verschiedener hautfarben, die sich einander die hand reichen und zusammen dem sonnenuntergang entgegengehen - und es folgt eine spendenaufforderung für "spituality for kids", einer organisation, für die madonna sich schon länger einsetzt. deren anliegen ist es, kindern schon in sehr frühem alter ethisch und spirituell zu erziehen: eine wie ich finde sehr sinnvolle einrichtung, aber das gehört hier nicht her...
die szenerie wechselt einmal wieder und es taucht eine schottische dudelsack-formation auf. madonna selbst ist wieder mal zum umziehen verschwunden. stattdessen gibt's ein wenig unterricht in sachen schottischer folklore: die tänzer führen klassische volkstänze auf, begleitet von dudelsack-musik. diese wird allerdings jäh unterbrochen von der markanten bassline von
"into the groove". auf den leinwänden erscheint riesengross missy elliott und kündigt in ihrer speziellen art und weise madonna wieder an, die komplett mit schottenrock und simplen weissen oberteil die bühne betritt. zusammen mit dudelsack-ensemble und tänzern performt sie ein göttliches "into the groove", das die leute wieder zum ausrasten bringt.
die bühne wird schwarz. und zur anfangsmelodie von
"papa don't preach" dreht sich madonna von links wieder zurück auf die bühne. ihr weisses shirt von eben hat sie gegen ein schwarzen getauscht, auf dem dick und fett "kabbalists do it better" steht - eine anleihe von dem berühmt-berüchtigten "italians do it better"-shirt, dass sie damals im videoclip zu "papa don't preach" getragen hat. auch hier kriegen wir wieder eine klassische choreographie zu sehen, wie sie so typisch für madonna ist/war.
gegen ende des liedes begibt sich madonna auf ein hohes podest an der linken seite der bühne und bedankt sich bei all ihren fans für's kommen und dafür, dass diese sie in den letzten 20 jahren begleitet haben. frenetischer applaus für madonna und jubelschreie, als das nächste lied als das intro für
"crazy for you" interpretiert wird. "this is for you", so madonna. spätestens hier gibt's wieder feuchte augen: feuerzeuge über feuerzeuge, man gibt stimmlich das letzte was man noch hat und denkt sehnlichst an die goldenen 80er jahre zurück. über allem tront madonna, immer noch auf dem podest und dirigiert lachend und strahlend die menge.
nach diesem emotionalen moment verwandelt sich die bühne in eine disco. in der mitte eines wirrwarrs an bunten quadraten auf den leinwänden steht auf der bühne eine treppe, an dessen fuss ist ein dj-pult erschienen. dahinter steht madonna's keyboarder und neuer producer für das kommende album - stuart price. nach etwas gescratche ertönen die ersten takte von
"music", was natürlich vom publikum mit hysterischem jubel aufgefangen wird. madonna erscheint oben auf der treppe und bietet mit ihrer tanz-gruppe eine atemberaubende choreographische höchstleitung und man fragt sich wirklich, wie diese frau es mit ihren mittlerweile fast schon stattlichen 45 jahren schafft, eine derartige power nach solch einer show zu haben.
die stimmung ist jetzt wieder auf dem absoluten höhepunkt angekommen und jeder wartet auf die absolution, und die wird auch alsbald erteilt: der catwalk wird wieder heruntergefahren und in einem gewitter an sound und licht ertönt der erste schlachtruf zur letzten runde:
"holiday". die menge rastet völlig aus. von der decke regnet es glitter und madonna und ihre mannen geben ihr letztes bisschen an das schreiende publikum. madonna blieb genau über mir stehen und ich war schnell genug ein foto unter ihrem schottenrock zu machen...

(sie hatte aber was drunter!)
mit diesem gewaltigen finale ging die show zuende und madonna verschwand langsam hinter den sich wieder schliessenden leinwänden, auf denen zum schluss in riesengrossen buchstaben stand: "re-invent yourself!" von dem frenetischen applaus brauche ich glaub ich gar nicht zu berichten.
mein erstes anliegen, nach dem ende der show, war es erstmal so schnell wie möglich aus der halle zu kommen. ich hatte so einen unbeschreiblichen durst. gott sei dank haben wir es relativ zügig geschafft und waren einer der ersten in der anstehschlange bei mcdonald's

als wir dann draussen auf dem parkplatzu sassen, unser wasser schlürften konnte man zum ersten mal über das nachdenken, was einem da eben geboten wurde. während des konzertes war es fast unmöglich, alles gleichzeitig aufzufassen und zu verarbeiten. was für eine hammer-show!! was für eine fülle an hits, die ja mittlerweile schon fast kultur-status haben! was für eine unglaublichkeit, so nah an jener frau dran gewesen zu sein, die man seit jahren verehrt!!
und doch stecken einem die strapazen der letzten stunden merklich in den knochen. ich weiss nicht, ob ich das in dieser form nochmal machen würde, denn ich war wirklich im eimer. 8 stunden anstehen, in einer masse von menschen - das ist selbst für madonna zu heftig! dennoch bin ich wirklich froh, es gemacht zu haben - einmal im leben ganz vorne bei madonna dabei zu sein. einmal mussten diese strapazen sein.
einmal, bis zum nächsten konzert...
