"Was Ihre Auswertung zeigt, ist, dass die heutigen Möchtegern-Superstars von No Angels bis Alexander überhaupt nicht auftauchen. Bei den Singles ist das jüngste Lied von 1996 und bei den LPs von 2001. Das spricht für die Qualität der Vergangenheit."
und
"Diese Liste der '100 besten Songs' ist stark an der 68er-Generation ausgerichtet. 65 Songs aus den 60ern und 70ern. Tut mir Leid, aber in meiner (Jahrgang 1979) Liste der besten 100 Songs wäre Ihre Nummer Eins nicht vorhanden. Unsere Stars wie Nirvana, AC/DC, Metallica, R.E.M., Pearl Jam, Lenny Kravitz, Die Ärzte, Die Toten Hosen, Guns N'Roses, Bon Jovi, Eminem und Jennifer Lopez sind sehr rar und haben viele gute Lieder rausgebracht. Und viele haben sich länger gehalten als Eintagsfliegen wie Marvin Gaye oder Soft Cell."
Tja, der Artikel und die darin enthaltene Liste bestätigen offensichtlich das Gefühl, das ich schon seit einigen Jahren habe: Die Zahl der modernen Titel, die das Zeug zu zeitlosen Klassikern und Ohrwürmern haben, wird immer geringer. Heutzutage verkauft sich Chart-Mucke nicht mehr aufgrund eingängiger und langlebiger Melodien, sondern vor allem durch permanente Dauerberieselung in Radio / TV und ihrer visuellen Präsentation. Nebenbei wird per Marketing-Maschinerie ein Hype kreiert, der in krassem Missverhältnis zur Qualität des eigentlichen Produkts steht. Da aber die junge Generation es ja nicht anders gewohnt ist und ihr sich - zumindest in Bezug auf stinknormalen Alltags-Pop - keine Alternativen bieten, stürzen sie sich auf alles, was ihnen die allgegenwärtigen Massenmedien zum Fraß vorwerfen. Als Fast-Food-Pop mag das vielleicht taugen - aber Songs, die man sich auch Jahre später noch gerne anhört, kommen auf diese Weise mit Sicherheit nicht heraus...
Oder werde ich (Jahrgang 1971) einfach nur alt und mag mich eben nicht mehr damit zufrieden geben, dass die Hits dieser Tage neben oben genannten Faktoren vor allem von Beat, Rhythmus und Tanzbarkeit anstatt von eingängigen Melodien leben? Will ich nur nicht einsehen, dass sich die Prioritäten eben verschoben haben? Aber ich kann mich ja schließlich nicht dazu zwingen, etwas gut zu finden, was mir zum einen Ohr rein- und zum anderen wieder rausgeht...
Es weise mich an dieser Stelle bitte keiner darauf hin, dass es ja auch noch Musik abseits der Hitparaden gibt - das weiß ich selbst. Aber ich vermisse seit längerer Zeit eben den schon erwähnten Alltagspop, der trotzdem gewissen Ansprüchen genügt und keine Halbwertszeit von wenigen Monaten hat...
Als hier vor einiger Zeit in einem Thread so ausführlich über t.A.T.u. diskutiert wurde, konnte ich nicht fassen, was für ein Geschiss um diese beiden pubertierenden Kyrillo-Gören gemacht wurde. Ihr ach so großer Hit ist für mich nix anderes als belangloses Gedudel. Wäre dieser Song vor 15 oder 20 Jahren im Sound der 80er erschienen, wäre das Teil mit Sicherheit nicht mal unter den Top-30 gelandet. Und sowas wird heute schon gefeiert, als hätten die beiden (bzw. ihre Produzenten) sonstwas vollbracht - lächerlich... :\
Wie seht ihr das Ganze?
Übrigens präsentiert uns RTLs Oberpfeife ja heute Abend die angeblich ultimative Chart-Show. Na, wenn das wieder so eine vollmundig angekündigte Peinlichkeit wie das Madonna-Special wird, ist der Abend ja mal wieder gerettet...