Du bist Deutschland!

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brandbrief
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Beitrag von brandbrief »

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Moppy01
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Beitrag von Moppy01 »

Deutschland hat immer noch ein großes problem und solange das nicht weg ist, wird sich nix Ändern.

Es ist ganz einfach:
Sagt ein Amerikaner, das er stolz auf sein Land ist, dann ist er ein Patriot

Sagt ein Deutscher, er ist stolz, ein Deutscher zu sein, ist er ein Nazi.....!

Solange den Leuten nicht klar ist: Das 3.Reich ist seit 60 Jahren tot...die Mörder von damals sind tot....
Man draf das nicht vergessen, aber ich finde es auch nicht ok, das uns, die wir nicht dafür können (Wir waren nicht dabei) das alles vorgeworfen wird.....schließlich:
Wir werfen den Amerikanern auch nicht ständig die Sklaverei und das Abschlachten der Indianer vor, oder?
oder:
Was haben die Briten mit den Schotten gemacht?
Auch kein Kavalierdelikt oder?

Und auch dies darf nicht vergessen werden.

Klar, Deutschland ist ein schönes Land und ich lebe gern hier, aber ich bringe nicht fertige, zu sagen, ich bin stolz, ein Deutscher zu sein......weil RECHTS bin ich keinesfalls, aber damit wird das immer und immer wieder verbunden.

Das geht mir immer wieder durch den Kopf, wenn ich diesen Werbeclip sehe...
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PostMortem
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Beitrag von PostMortem »

[quote]Moppy01 postete
Deutschland hat immer noch ein großes problem und solange das nicht weg ist, wird sich nix Ändern.

Es ist ganz einfach:
Sagt ein Amerikaner, das er stolz auf sein Land ist, dann ist er ein Patriot

Sagt ein Deutscher, er ist stolz, ein Deutscher zu sein, ist er ein Nazi.....![/quote]Der besonders negative Effekt dieser antinationalen Erziehung der Nachkriegsgeneration ist auch der, dass unsere Unternehmer sich deshalb besonders leicht damit tun, ihr eigenes Land in die Pfanne zu hauen. Es entbehrt deshalb nicht einer gewissen Ironie, dass z. B. selbst sozialdemokratische Politiker, Unternehmer schonmal als vaterlandslose Gesellen beschimpfen. Doch genau zu diesen vaterlandslosen Gesellen hat man sie ja erzogen und fand das auch ganz furchtbar richtig und anständig so.

Auf der anderen Seite stehen die vielen "Weltbürger", die Nationalstaaten sowieso für überholt halten, sich bestenfalls als ganz tolle Europäer fühlen und denen Deutschland am Allerwertesten vorbei geht..... wie egal Nationalstaaten heute sind, sehen wir ja an unseren Sozialsystemen (die zahlt nicht die Welt und die zahlt nicht Europa) und der Konkurrenz unter den Nationalstaaten (die anderen sehen das nämlich etwas anders, weil sie ihren Nationalstaat einfach als großes Team sehen, dass mit anderen Teams lediglich in einer gemeinsamen Liga spielt - WIR stehen nicht zu unserem Team, wir meinen wir könnten uns über die Liga definieren).

Genau diese Leute werden Dich vielleicht nicht als Nazi bezeichnen, wenn Du ein stolzer Deutscher sein willst. Aber sie werden Dir sagen, dass Du keinen Grund hast Stolz zu sein, weil Du ja nur zufällig als Deutscher geboren bist und deshalb auf nichts stolz zu sein hast. Auf genau diesen Zufall darfst Du Dich allerdings umgekehrt nicht berufen, wenn es um Deine besondere historische Verantwortung als Deutscher geht. Paradox? M. E. schon, denn niemand hat eigentlich vor auf den reinen Staatsbürgerschaftseintrag in seinem Pass Stolz zu sein. Man ist eher auf die "Teamleistung" Stolz, so wie ein Schalker Stolz auf seinen Verein ist, obwohl auch er ja irgendwann vielleicht mal eher zufällig Schalker wurde. Aber er hat eben etwas geleistet, hat zu einer Teamleistung beigetragen und so ist er ein stolzes Teammitglied. Stolzes Mitglied des Teams "Deutschland" darfst Du trotzdem nicht sein, aber frag mich nur nicht warum. Ich habe in den letzten Jahren nur noch schlechtes über unser Land gehört. Gleichzeitig sehe ich, wie es bei unseren Nachbarn aussieht. Und ich würde bis heute nicht darauf kommen, z. B. nach Frankreich oder England zu ziehen. Obwohl wir uns mit diesen Ländern wohl am ehesten vergleichen können, besteht da für mich ein fühlbarer Lebensstandardunterschied. Wenn ich dor typische Wohnungen normaler Menschen erlebe, sehne ich mich ehrlich gesagt sehr bald wieder nach Hause zurück und schätze ein optisch ansprechendes, modernes und dichtes Kunststofffenster. Das ist eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die ich wohl mit Angela Merkel habe. Wir Deutschen haben uns seit 1945 unglaublich weit nach vorne katapultiert und wir stemmen seit 1989 unvorstellbares. Wir leisten das als Deutsche und wir können deshalb sehr wohl begründet auf unsere als Deutsche erbrachte Leistung Stolz sein. Und weil diese Leistung nicht von irgendwem und irgendwelchen Ansammlungen von Menschen kommt, sondern klar abgrenzbar ist als Leistung von Deutschen, ist es auch in Ordnung Stolz darauf zu sein, einer dieser Deutschen zu sein. Deutsch zu sein, ist deshalb auch nicht ohne Grund bis heute im Ausland mit gewissen Tugenden verbunden. Es ist also mehr als Zufall, es ist das was wir draus machen.

Und was wir draus gemacht haben, beurteilen andere leider viel besser als wir. Unsere Nachbarn schütteln doch den Kopf drüber, wie sehr wir uns selbst fertig machen. Und das ist eben auch ein Teil des Problems. Grundlos optimistisch zu sein, ändert natürlich noch nicht automatisch etwas. Aber genauso wenig bringt es uns voran, wenn wir weiterhin übertrieben pessimistisch und miesepetrig in die Zukunft schauen. Das macht mutlos und lähmt uns. Es gilt da einen Spagat zu finden. Deshalb finde ich die Kampagne an sich immer noch richtig. Allerdings ist es schade, dass dieser Spot schon alles war. Wenn man mal von dem Alibi-Behinderten und ein, zwei anderen eingeblendeten Personen absieht, stehen die "Mutmacher" nunmal alle auf der Sonnenseite des Lebens und reissen letztendlich dann eben doch nur relativ einfach daher gesagte Sprüche. Da das so für sich stehen geblieben ist und keinen weiteren Tiefgang erfuhr, kann ich schon verstehen, dass sich viele Leute da verunglimpft fühlen.

Wenn es der einzige Zweck dieser Kampagne war einen einzigen Spot zu produzieren und diesen einige Wochen laufen zu lassen, um Leuten wieder ein wenig Optimismus und ein gutes Gefühl in Bezug auf ihr Land zu geben, hätte ich das wohl anders angestellt und auch anders viel sinnvoller gefunden. Die ganzen Köppe hätte man sich sparen können. Man hätte einfach nur einen Clip mit Positivbeispielen zusammenstellen müssen. Da hätte man dann gezeigt, was wir Deutschen schon alles erfunden und geschafft haben und was hierzulande auch heute noch alles großartiges geleistet wird. Schlichtweg ein bunter und nicht weniger flacher "Imagefilm" der "Deutschland AG". Dann hätte sich niemand auf den Schlips getreten fühlen müssen und der eine oder andere hätte vielleicht doch malwieder gedacht, dass wir hierzulande ja eigentlich doch noch ganz schön was auf die Beine stellen und Deutschland gar nicht so schlecht ist, wie man immer meint..... ein Beitrag zur Verbesserung des allgemein gestörten Verhältnisses zu unserem eigenen Land wäre es immerhin gewesen. Der Rest lässt sich nicht messen. Niemand würde erwarten, dass wegen eines solchen Filmchens jemand ein Unternehmen gründet, das 10 Jahre später 50.000 Leute beschäftigt. Aber es ist auch nicht auszuschließen, dass es beim einen oder anderen den Keim für die Zuversicht setzt sich selbstständig zu machen und was daraus einmal wird, kann man nie wissen. Es ist aber sicherlich nicht verkehrt in Deutschland nochmals die Diskussion darüber anzustoßen, ob in vielen Bereichen (und damit meine ich nicht in den Schlangen der Langzeitarbeitslosen, die aber eben ein Glück immerhin auch noch nicht die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen) die Stimmung nicht doch schlechter ist als die Lage. Die Kampagne war dazu offenbar nicht geeignet, da sie mehr Unmut als Nachdenken erzeugt hat. Aber damit muss man hierzulande rechnen, so ticken wir nunmal. Das muss man dann schon einkalkulieren und anders anstellen.....

PM
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Moppy01
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Beitrag von Moppy01 »

Gute und ausführlich beschrieben...bist du Politiker?:res
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PostMortem
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Beitrag von PostMortem »

[quote]Moppy01 postete
Gute und ausführlich beschrieben...bist du Politiker?:res[/quote]Ich befürchte, dass ich mich als Politiker nicht besonders gut eignen würde *g* Ich mache mir zu viele Gedanken und versuche Dinge viel zu ausführlich zu erklären. Wenn ich 20 Jahre eher auf die Welt gekommen wäre, wäre ich vermutlich auch lieber Gewerkschafter geworden und hätten die Arbeitskämpfe der 70er und 80er mit markigen Verteilungskampfreden befeuert ;-)))

PM
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brandbrief
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Beitrag von brandbrief »

Eine ziemlich peinliche Parallele zum derzeitigen Slogen:

[img]http://www.spreeblick.com/wp-content/im ... chland.jpg[/img]

Das Foto stammt aus dem Buch "Ludwigshafen - Ein Jahrhundert in Bildern"
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brandbrief
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Beitrag von brandbrief »

Allerdings kann man dieses Argument hier auch sehr gut nachvollziehen:

[quote]Bei fischerAppelt Kommunikation, dem zuständigen Pressebüro der Initiative, ist man "nicht besonders begeistert", wie Sprecher Lars Cords erklärte. Die Kampagne mache aber Missverständnisse unmöglich, so Cords. Allein der TV-Spot zeige mit einer Szene am Holocaust-Mahnmal deutlich, "dass wir für Werte wie Menschenwürde, Demokratie, Respekt vor der Persönlichkeit und Pluralismus eintreten". Es könne außerdem nicht sein, dass der Begriff Deutschland "für die Vergangenheit reserviert" sei: "Die Kampagne verurteilt aufs Schärfste Nationalsozialismus, Rassismus und neonazistisches Gedankengut."[/quote]Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 44,00.html
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PostMortem
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Beitrag von PostMortem »

[quote]brandbrief postete
Eine ziemlich peinliche Parallele zum derzeitigen Slogen
Das Foto stammt aus dem Buch "Ludwigshafen - Ein Jahrhundert in Bildern"[/quote]Ich finde das nicht peinlich... Peinlich finde ich es, wenn unliebsame Aussagen (so z. B. auch Lafontaines Fremdarbeiter-Aussagen, die sich niemals gegen die Menschen sondern gegen das mit ihnen betriebene Lohndumping richteten oder jegliche Kombinationen der Worte "Stolz" und "Deutschland" in einem Satz) gezielt auf nationalsozialistische Parallelen abgeklopft werden, um sie dann als "toitsch", als mehr oder weniger "braun" etc. diskreditieren zu können.
Ich bin da mit unserer neuen Kanzlerin ganz einer Meinung: Sie hat in einem SZ-Interview einmal gesagt, dass man solche Aussagen nicht den Nazis überlassen kann. Das heisst nichts anderes, als dass man sie durch völlig ungezwungenen und unkritisierten Umgang damit quasi "entnazifiziert". An der bloßen Aussage ist m. E. jedenfalls kein besonderes politisches Gedankengut geknüpft. Es ist schlichtweg wahr, dass letztendlich Deutschland (ein Volk) aus der Summe seiner Bestandteile (jedem einzelnen Bürger) besteht.

Dieser ständige "Nazi! Nazi! Nazi!"-Reflex in Deutschland wird jedenfalls zunehmend absurder, desto weiter wir uns von 1945 entfernen und desto ferner die in solche Ecken gedrängten Menschen braunem Gedankengut eigentlich stehen. M. E. sollte solche Empörung wahrhaft belasteten Formeln vorbehalten bleiben. Das wären dann Sprüche im Kaliber von "Arbeit macht frei". Andere, ideologisch an sich nicht belastete Aussagen, die zufällig auch einmal von Nazis benutzt wurden, sollten wir uns wieder zurück holen und uns auch nicht ständig mit irgendwelchen braunen Anspielungen überziehen.

PM
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Beitrag von brandbrief »

Deshalb auch mein Zusatz-Post ;)

Manchmal kann man ja wirklich den Eindruck bekommen, es sitzen irgendwo Assoziations-Geier, die nur drauf warten, bis jemand eine Aussage macht, in die man nationalsozialistische Ideen hineininterpretieren kann.
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musicola
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Beitrag von musicola »

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