Ich muss sagen, ich war nie einer von der Sorte, der sein Abendbrot zu sich nahm, in die Programm-Zeitschrift schaute und den Fernseher anschaltete, um "Lachen auf Knopfdruck" zu erleben. Den Einzigen, den ich wirklich gegen alle Widerstände verteidige, ist Harald Schmidt. Eben weil auf wenig Konfetti und Bohei bedacht und großes (politisches) Spektrum.
Ansonsten finde ich an der ganzen Hau-Drauf-Fraktion, in bunten Gewändern, mit ihren Grimassen und Verrenkungen, einfach kein Gefallen. Billigstes Alltagsgeschehen mit Zusatzeffekten, auf Boulevard-Niveau. Ist weder lachens- noch hörenswert. In den meisten Fällen. Jeder halbwegs begabte TV-Comedian hat auch seine lichten Momente. Bestimmt. Aber durch die Bank weg empfinde auch ich 95% (sic!) als untauglich.
HaPe Kerkeling ist sicherlich ein Verwandlungskünstler und seine Paraderollen gefielen auch mir sehr gut (Beatrix, Fußballtrainer in Graz [beides ganz hervorragend!] oder Horst Schlämmer). Insgesamt würde ich ihn aber gerne sarkastischer sehen.
Das was Mario Barth thematisiert, das kann ich auch mit ein paar Bier in der Kneipe erleben - nur da zotiger. Außerdem finde ich das Ausschöpfen seiner Quellen eh nicht gerade kreativ. Das kommt mir nur so vor, als sei es eine "Der-kleinste-gemeinsame-Nenner"-Nummer. Deswegen füllt er wohl auch Fußballstadien ...
Irgendwer schrieb hier, man könne die ganze "Schillerstraße" in die Tonne kloppen. Sehe ich auch so. Für was stehen eigentlich so Leute wie Cordula Stratmann (ihr Auftritte bei "Zimmer frei!" allerdings fand ich ganz gut)? Oder eben dieser Ralf Schmitz? Oder Mirja Boes? Tut mir leid. Da brauch ich eine abgewetzte Bild-Zeitung (alternativ Kölner Express) und zwei, drei lustig-kreative-humorvolle Leutchen in'ner Frühstückspause und kann da wahrscheinlich Lustigeres draus stricken.
Viel Positives hab' ich hier über Oliver Kalkofe gelesen, kann ich überhaupt nicht teilen. Ich find den einfach nur groß, laut und plump.
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Bei welchen Mainstream-Komikern ich wenigstens nicht sofort wegschalte:
- Michael Mittermeier (ist mir aber schon ewig nicht mehr über den Weg gelaufen)
- Olaf Schubert (der ist so scheiße, dass er schon wieder geil ist)
- Piet Klocke fand ich zu RTL-Samstag-Nacht-Zeiten auch ganz gut (aber siehe Mittermeier)
- Christian Ulmen (bin ich zwiegespalten. Finde seinen Internetauftritt mit "Alexander von Eich" etc. aber nicht schlecht)
- Telefon-Verarsche war schon immer gut. Stellv. dafür Bodo Bach und natürlich das "Studio Braun".
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Mit der "alten Garde" kann ich da teilweise sogar mehr anfangen, obwohl ich wohl viele zu ihren Lebzeiten nicht mehr mitbekommen habe.
- "Ein Herz und eine Seele" - absolut liebenswert und teilweise einfach nur dreist-lustig. Für mich als jüngerer Jahrgang auch sehr interessant, wie gewisse politische Diskussionen gehändelt werden.
- Heinz Erhardt - mit dem kann ich auch was anfangen. Einerseits mit seiner Paraderolle als Oberhaupt einer Großfamilie à la "Onkel Willi". Und andererseits auch als Wortakrobat. Hier schrieb jemand von dem Gag mit den Wörtern, die nur mit "G" anfangen durften. Finde ich auch gigantisch; das ist ja auch ein Sketch zum Miträtseln und jedesmal wurde man auf's Neue überrascht.
- Mike Krüger(/Karl Dall) - ist so eine Sache. Mike Krügers Altwerke sind teilweise wirklich nicht übel. "Mein Gott Walter" zB echt unterhaltsam. Krüger ist einfach ein Altmeister der coolen Sprüche, das muss man ihm lassen. Ähnliches trifft auch auf Karl Dall zu, wobei aber eigentlich dessen Erscheinung das Hauptargument darstellt ;-).
- Herbert Feuerstein - da will ich mich gar nicht groß zu äußern, zu seine Inhalten. Als Person an sich find ich ihn einfach witzig. Einfach seinen Duktus.
- Diether Krebs - konnte einfach herrlich den einfachen, "schmuddligen" kleinen Mann darstellen. Mein Lieblingsketch ist der, wo er mit seiner Partnerin (Name entfallen) am Essenstisch sitzt und die Zeitung (erfolglos) nach Stellenangeboten durchwühlt. Irgendwann nimmt seine Frau die Zeitung in die Hand und ließt eine aus dem Kontext gerissene Meldung vor: "Mensch, Polizei sucht etwa 40-jährigen Mann, der nachts im Park Frauen belästigt". Krebs daraufhin: "Ja, das doch 'ne Arbeit für mich!"

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- Ohnsorg-Theater - sogar daran kann ich mich belustigen. Ist aber wohl auch zum Teil meiner Herkunft geschuldet. Aber Heidi Kabel als resolute Hamburger Mutti - dafür schäme ich mich nicht.
Loriot ... ja, ihn finde ich jedenfalls nicht schlecht. Ist mir manchmal aber arg lakonisch.
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Außer Konkurrenz läuft Fips Asmussen. Weil der hier zusammen mit mir hier auf'm Lande im gleichen Dörfchen gewohnt hat. Riesiges Anwesen mit Reetdachhaus; seine Töchter waren oft hier bei uns auf'm Hof und haben mit meiner Cousine gespielt

. Außerdem trat er bei diversen Schützen- und Kinderfesten auf.
Fips Asmussen fällt auch in die Kategorie "Karl Dall"; der ist so ausgelutscht, dass man schon wieder Gefallen an ihm findet. In meinem ersten Auto (was ja naturgemäß noch nicht lange zurückliegt ...) hatte ich ein Kassettenradio - und hab's nicht eingesehen mir da ein modernes CD-Deck oder so so einzubauen. Also habe ich mir - wie früher - selber Kassetten zusammengestellt. Und mir auf einem Flohmarkt damals eine Fips-Asmussen-Kassette gekauft. Eigtl. nur zum Spaß, aber es hat echt Laune gemacht sich die alten Kalauer reinzuziehen

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"Kommt ein Paar zum Italiener. Sagt die Frau zum Ober: 'Einmal bidde Tortellini für meinen Macker!'. Sagt der Mann zum Kellner: 'Für meine Torte bidde einmal Makkeroni'." ^^
Außerdem - siehe Ohnsorg-Theater: Hamburger Idiom. Dafür hat man als Eingeborener einfach eine Schwäche ;-).
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Ouh, da hätte ich beinahe Dittsche vergessen! Das ist wirklich eine der ganz wenigen Sendungen, die ich recht regelmäßig verfolge. Ich finde den Humor nun nicht unbedingt bahnbrechend (ist schon manchmal zu sehr auf die Höhe getrieben, von Olli Dietrich & co), aber die Machart und Konzeption, die Hamburger Färbung, ist schon nahe der Weltklasse.
Stromberg finde ich auch gut. Schön politische-unkorrekt, sehr gut von C.M. Herbst dargestellt, tolle Stereotypen!