Gestern Abend hab ich mir das gehypte 3-D-Spektakel "Avatar" angesehen.
Inhaltlich kann ich mich der Einfachheit halber den Worten eines "cinefacts"-Users anschließen:
[quote]AVATAR war genau das, was ich erwartet habe: ein wichtigtuerisches Ökomärchen, gesegnet von einer dermaßen hemmungslosen Naivität, dass die Grenze zur unfreiwilligen Komik mehr als einmal überschritten wird, vorhersehbar von der ersten bis der letzten Sekunde, dennoch prahlerisch auf Überlänge aufgeblasen, strotzend von Klischeefiguren, -dialogen und -situationen, dessen einzige Daseinsberechtigung in seiner beispiellosen technischen Überlegenheit liegt, in seiner gigantischen visuellen Reizüberflutung, die sicher auf lange Zeit konkurrenzlos bleiben wird.
Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte man eine tatsächlich gute Geschichte gehabt...[/quote]
Die Worte "naiv" und "wichtigtuerisch" treffen für mich dabei den Kern. Wenngleich "Avatar" zwar genauso naiv ist wie "Star Wars", aber immerhin nicht so einfältig anmaßend wie "Matrix" - dazu sind die Botschaften auch zu plakativ und weniger philosophisch als die Frage nach dem menschlichen Bewusstsein. Und "Avatar" hat nunma den Trumpf, die reichlichen Augenroll- und Fremdschammomente mit faszinierender Optik einigermaßen erträglich zu gestalten.
Am ärgerlichsten fand ich den letzten Teil des Films, wenn es zur finalen Schlacht kommt - da haben es sich Cameron und seine Crew geradezu lächerlich einfach gemacht, um dem Zuschauer einen Sieg der Na'vi zu servieren. Für mich war dieses Szenario jedenfalls völlig unglaubwürdig und lieblos zusammengeschustert. Sogar die 3-D-Effekte fand ich in dieser Passage am schwächsten, vor allem bei den Luftkämpfen.
Emotional hat mich die Geschichte überhaupt nicht gepackt; dafür sind Plot und Figuren zu platt, die Dialoge zu kitschig. Und hier fehlt auch der Charme wie z. B. der anbetungswürdigen Kate Winslet, in die ich mich bei "Titanic" auf der Stelle verknallt hatte.
Apropos Schauspieler: Unter normalen Umständen wäre die aalglatte Charismalosigkeit von Sam Worthington genauso schwer zu ertragen wie die seines trandrüsigen Look-alikes Ben Affleck. Glücklicherweise wird das durch die Na'vi-Maskerade und seine flapsige Art, die ein paar nette Sprüche bereithält, halbwegs übertüncht. Der Rest der Besetzung ist solide, ohne besonders herauszuragen, und für ihre Klischeefiguren können sie ja nix (allen voran Colonel Quaritch, den kann man ja nur noch als Karikatur bezeichnen). Die von mir verehrte Sigourney Weaver ist in diesem Film aber blanke Verschwendung und demnächst dann hoffentlich wieder in geistreicheren Produktionen zu sehen.
Mit dem Design der Na'vi wurde ich kaum warm. Irgendwie macht das den Eindruck, als hätten da viele Köche den Brei verdorben, vor allem die Gesichtszüge finde ich sehr unharmonisch (von der blauen Farbe ganz zu schweigen). Andererseits sieht mir das auch wieder alles zu sehr nach Mensch aus - aber das ist ja das Problem fast aller Sci-Fi-Filme, die außerirdische Lebensformen darstellen. Ich glaube, die Viecher aus den "Alien"-Filmen sind die einzigen, die ich da einigermaßen gelungen finde, auch wenn die natürlich genauso wenig über die Grenzen der menschlichen Vorstellungskraft hinauskommen.
Was die Optik betrifft: Es war mein erster 3-D-Film, dementsprechend groß die Faszination und Begeisterung. Erfreulicherweise stellte sich der Effekt von der ersten Sekunde an ein und hat meine Augen auch nicht übermäßig angestrengt. Die Technik in unserem Krefelder "CinemaxX" scheint dabei auf sehr gutem Stand zu sein (da hat man ja schon andere Erfahrungen gelesen), hab da jedenfalls keine Fehler erkennen können. Die 3-D-Brillen haben mich überrascht - dachte, das wären ganz billige Pappteile, aber wir bekamen solide Kunststoffexemplare, mit denen man sich glatt als Blues Brother fühlen kann.

Allerdings sind die nicht besonders groß und passen so gerade noch über meine recht kleine Normalbrille.
Besonders begeistert war ich in Szenen, in denen Bildelemente quasi in den Kinoraum hineinragen und direkt vor einem erscheinen. Und besonders realistisch wirkte es, wenn man im Vordergrund z. B. eine Glasscheibe und das dahinter liegende Geschehen sieht - kann mich beispielsweise an die Szene mit Jake und Grace in der Arrestzelle erinnern, da ist das sehr gut zu sehen.
Bei aller Faszination konnte man aber auch die Schwächen dieser 3-D-Technik erkennen. Neben dem schon öfter angesprochenen Unschärfe-Effekt, der z. B. im Hintergrund stehende Personen undeutlicher als üblich erscheinen lässt, fiel mir in manchen Szenen eine Art Bildebenen-Staffelung auf - da sieht es dann nicht nach griffiger Raumtiefe aus, sondern als wären verschiedene Bildteile übereinander projeziert worden. Heftig fand ich das bei Quaritchs Ansprache vor der letzten Schlacht; wenn die Kamera die vor ihm sitzenden Soldaten zeigt, sieht das aus, als hätte man dort flache Pappfiguren platziert.
Aber das konnte den Spaß an der Optik kaum trüben, jedenfalls für einen 3-D-Anfänger wie mich nicht. Natürlich stellt sich nach gewisser Zeit ein Gewöhnungseffekt ein, aber in Zukunft werde ich mir das sicher öfter mal gönnen.