Bastian Sick ist auch Journalist. Ich übrigens auch. Und wenn du "Zwiebelfisch" mal liest, wirst du merken, dass es nicht nur um Kritik von Journalisten oder Politikern geht.[/quote]Wie in jedem Berufsstand gibt es da auch Unterschiede. Und wie in jedem Berufsstand betreffen die auch grundlegende Dinge der Berufsauffassung. Und natürlich habe ich etliches aus "Zwiebelfisch" gelesen, sonst würde ich mich hier nicht so äußern.
Dass die Kritik dort durchaus in mehrere Richtungen geht, weiß ich wohl. Weiteres dazu siehe unten.
[quote]bubu postete
Aber ich habe nicht den Anspruch, die Sprache dadurch zu säubern. Dass ich mich über Prolls und deren Webseiten lustig mache, ist mein Privatvergnügen.[/quote]Bei den Prolls geht es ja auch keineswegs nur um deren Sprache. Und Du selbst hast beklagt, dass (unter anderem auch in diesem Forum) Leute wegen ihrer Rechtschreibung angegriffen werden. Zumindest in diesem Forum habe ich dabei jedenfalls keine belehrende Funktion entdecken können. Unterschied zu den von Dir bespotteten Prolls? Nicht vorhanden.
[quote]bubu postete
Die Legastheniekeule habe ich in meinem Posting nicht bemüht.[/quote]Stimmt. Das war auch rein prophylaktisch, denn so was kommt dann meistens.
[quote]bubu postete
Da bin ich anderer Meinung. Es ist nicht Aufgabe des "Spiegels", den Sprachhüter zu spielen. Das ist - immer noch - Aufgabe der Schulen.[/quote]Das ist immer noch ein Wirtschaftsunternehmen, und die dürfen im Rahmen der Legalität alles machen, was sie verkaufen können. Da gibt es im Bereich des Journalismus weitaus bedenklichere Dinge.
Die Schulen erreichen prinzipiell nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Warum darf sich der Rest der Bevölkerung denn nicht auf unterhaltsame Weise über häufige sprachliche Fehler informieren? Nur weil Dir das nicht passt? Hast Du noch nix von informationeller Selbstbestimmung gehört?
[quote]bubu postete
Ich frage mich, wer darüber richten darf/soll/kann, was Evolution oder Regression der Sprache ist. Goethe würde sich sicher auch im Grabe herum drehen, wenn er den "Spiegel" lesen würde...[/quote]Jetzt fragst Du es Dich immerhin. Gesternn hast Du es Dir noch selbst angemaßt. Immerhin eine positive Entwicklung.
[quote]bubu postete
Ach der Duden. Die deutsche Sprache hat jahrhundertelang ohne Duden funktioniert. Und irgendwann achtzehnhundertschießmichtot trat dann der erste selbsternannte Sprachwächter auf den Plan, der in das - zugegegebenermaßen - schlimme ortografische Chaos des Vielvölkerstaates Deutschland mal Ordnung gebracht hat. Toll. Aber mich nervt das ja schon, dass eine kleine Anzahl von Leuten darüber entscheiden darf, welche Wörter in den achsoheiligen Duden aufgenommen werden und welche nicht. Sprache entwickelt sich. 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr, überall und dauernd und vor allen Dingen fernab des kleinen Kämmerleins, wo ein paar studierte Leute sich den Kopf darüber zerbrechen, ob sie "dissen" jetzt in den Duden aufnehmen sollen oder nicht. Ich finde es peinlich, dass der Duden heutzutage eigentlich nur noch reagieren kann, aber gar nicht mehr selbst Maßstäbe setzt, wie eigentlich zu Konrad Dudens Zeiten noch. Damit ist doch bewiesen, dass er der immer schnelleren Sprachentwicklung eigentlich nur noch hinterherhecheln kann. Und ob jetzt "dissen" im Duden steht oder nicht, wird Millionen von Jugendlichen (und späteren Erwachsenen) nicht daran hindern, das Wort zu benutzen. Ob dir oder mir das gefällt, ist dabei völlig irrelevant. Du hast das aber nunmal zur Kenntnis zu nehmen. Ob du das in deinen eigenen Sprachschatz hingegen integrierst oder nicht, bleibt natürlich deine Entscheidung. Aber das sollte eine persönliche bleiben und nicht zum Imperativ für andere werden. Und das ist nämlich genau der Punkt, den ich bei meiner Kritik an "Zwiebelfisch" meinte: es ist ja in Ordnung, wenn man sich belustigt über so manche sprachlichen Auswüchse. Bei "Zwiebelfisch" stecken aber ein weitaus tiefgreifendere Absichten dahinter. Erzieherische möchte ich sie fast schon nennen. Und die Legitimitität dafür spreche ich Bastian Sick und dem "Spiegel" ab.[/quote]Na ja, Duden-Bashing ( ja, ich weiß, dass dieser Begriff schon in sich absurd ist) ist in manchen Kreisen sehr beliebt. Such doch mal wirklich nach einigen typischen Wörtern in einem aktuellen Duden. Du wirst Dich wundern, wieviele äußerst fragwürdige Begriffe und Bedeutungswandlungen Du da findest. So realitätsfern sind die Dudens gar nicht, teilweise sind sie dem Sprachgebrauch sogar voraus (was ich gar nicht gut finde).
[quote]bubu postete
Ich habe ja für einen bewussten und verantwortlichen Umgang mit der Sprache plädiert. Aber ich vertrete auch eine liberalere Auffassung als du und Torsten: die deutsche Sprache gehört jedem einzelnen Deutschen und nicht nur dem "Spiegel" und nicht nur dem "Duden". Im übrigen ist das Ganze hier eine vollkommen akademische Diskussion: Sprache verändert sich und dagegen werden weder du noch ich irgendetwas ausrichten können.[/quote]Die Sprache gehört aber eben auch den ganz normalen Menschen, die für das von Torsten genannte Blendertum und inhaltsleere Phrasen nicht viel übrig haben. Sie gehört eben nicht nur den Journalisten und Politikern. Genau die sind es aber, die den Verfall der Sprache wesentlich vorantreiben. Umgangssprachliche Mängel hat es immer schon gegegeben, die sind nicht das eigentliche Problem.
Und noch was zum ursprünglichen Beitrag: Sprachliche Klugscheißerei ist keineswegs eine rein deutsche Angelegenheit. Das gibts in anderen Ländern auch (mag sein, dass die englische Sprache da verschont bleibt). Es ist aber typisch deutsch, jede Form von Klugscheißerei oder was einem sonst alles nicht passt, als typisch deutsch zu bezeichnen.
[quote]Torsten postete
Hat da etwa noch jemand "Im Vorfeld wird zurückgeschossen" von Karl H. Pruys gelesen?
[quote]Torsten postete
Denn die kritisierten Verhunzungen sind ja nicht das Resultat willkürlicher Sprachverbiegung, sondern puren Unwissens...[/quote]In diesem einen Punkt muss ich Dir widersprechen. Es geht da durchaus um verschiedene Themen; zum einen sind das echte umgangssprachliche Fehler, die zum Teil auch landschaftlichen Ursprungs sind, zum anderen sind es Sprachverhunzungen aus Wichtigtuerei. Auch diese landen im normalen Sprachgebrauch, so dass auch zwischen den beiden Extremen vieles vertreten ist. Die Journalisten, die ihre Muttersprache vergewaltigen, wissen, was sie tun. Zumindest die Urheber. Und auch ansonsten sind Unwissen und Gedankenlosigkiet ja nun keineswegs das selbe.