@bubu:
Hast meine Antowort an Dich in Post 106 gelesen?[/quote]Ja, wieso?
[quote]Das Beispiel ist verlockend und hübsch ausgedacht
Wäre das nicht überheblich und ungerecht?
[quote]Zwischen Bewusstsein bezogen auf die Umwelt (Hunger => Essen, Lust =>Fortpflanzung, Müdigkeit=> Schlaf, etc.) und Selbstbewusstsein bezogen auf die Interessen für die Zukunft besteht ein entscheidener qualitativer Unterschied. Mensch besitzt Bewusstsein und Selbstbewusstsein. Letzteres ist im Evolutionsprozess später entstanden, scheint aber ein Evolutionsvorteil zu sein (Fähigkeit zur - begrenzten
Was ist besser: als Sklave seiner Gene zu überleben oder mit freiem Willen sterben zu können, wenn man angegriffen wird?
Was ist besser: das Facettenauge einer Fliege oder das Auge eines Menschen?
Was ist besser: der Huf eines Pferdes oder die Tatze eines Bären?
Unter evolutionären Gesichtspunkten sind alle diese Fragen gleich sinnlos. Das Auge eines Menschen kann sicher mehr als das Auge eines Wurmes. Aber was hätte der Wurm davon, wenn er ein Menschenauge besäße? Er hat das beste Auge, das er für seine Welt benötigt. Ist der Mensch nun besser, weil er ein Auge besitzt, das viel mehr kann? Wenn ja - warum ist dann ein Hund nicht besser als ein Mensch - schließlich kann seine Nase viel mehr als die eines Menschen?
[quote]Und ich nehme an, dass Du das in der Praxis auch so siehst.
Beispiel: Ein Haus brennt. Die Mutter schreit: "Hilfe! Mein Baby und meine Katze sind noch drinnen." Das Haus wird gleich einstürzen. Du hast nur die Chance, entweder das Baby oder die Katze zu retten. Was rettest Du? (Und wie denkst Du über denjenigen, der sich für die Katze entschieden hat?)
[/quote]Natürlich rette ich das Baby. Aber ich begründe es anders als du. Ich sage nicht, die Katze ist weniger wert als das Menschenbaby. Sondern ich sage: mir als Menschenindividuum ist die Katze nicht so wichtig wie das Menschenbaby. Das sehe ich aber nur so, weil ich ein Mensch bin. Somit ist das eine rein subjektive Wertung. Jemanden, der die Katze statt des Babys rettete, würde ich verurteilen, weil ich davon ausgehe, dass er als Mensch es genauso sieht.
Gegenfrage: stell dir vor, ein Baby und ein Affenweibchen befänden sich im brennenden Haus. Das Männchen des Affenweibchens rennt hinein (nehmen wir mal an, es ist ein genügend großer und kräftiger Affe).
Stell dir nun vor, das Affenmännchen wäre für einen kurzen Augenblick mit dem Geist und dem Verstand eines Menschen gesegnet. Wenn deine Argumentation objektiv wäre, müsste es dann doch vernünftigerweise einsehen, dass es das Baby retten muss. Denn ein Mensch ist doch mehr wert als ein Affe! Warum wird es dennoch das Affenweibchen retten? Und warum wirst du kein Recht haben, den Affen für diese (bewusste!) Entscheidung zu verurteilen?
[quote]Tiere besitzen kein individuelles Überlebensinteresse. Sie "wollen" leben, weil sie gar nicht anders können. Tiere können nicht nicht-leben wollen (im Gegensatz zum lebensmüden Menschen). Folglich wehren sich Kuh oder Schwein gegen einen erkannten Angreifer, weil ihr evolutionäres biologisches Programm so beschaffen ist. Dieses Verteidigen gegen Feinde ist keine wahlfreie Entscheidung.[/quote]Nochmal die Frage: ist es besser, als Sklave seiner Gene zu überleben, oder mit freiem Willen sterben zu können?
[quote]Ja, darüber mir ich mir sehr wohl im klaren. Bei Säuglingen ist die Tötung nicht ohne weiteres erlaubt, weil sie potentielle Träger von von Interessen für die Zukunft sind und ich ihren potentiellen Interessen also schaden würde. [/quote]Hier wieder das Problem: du kannst evt. potenzielle Interessen nur erkennen, weil du zufälligerweise die nötige Hirnausstattung hast. Aber wer sagt dir, dass deine Erkenntnis von evt. Interessen das Ende der Weisheit ist? Vielleicht gibt es ein noch viel tieferes "Interesse" der Gene, das wir wissenschaftlich noch gar nicht entdeckt haben?
Wie stehst du eigentlich zu Abtreibungen?
[quote]Dies trifft auf die Tiere nicht zu - sie besitzen auch keine potentiellen Interessen (Menschenaffen einmal ausgenommen). [/quote]Auch hier nochmal der Einwand: Tiere haben ein einziges Interesse - ihre Gene weiter zu geben. Ob das bewusst passiert oder nicht, spielt für mich keine Rolle. Wieso ist es für dich wertvoller, darüber entscheiden zu können, ob ich nächsten Monat in den Urlaub fahre, als dass ich mein ganzes Handeln unbewusst darauf verwende, mich fortzupflanzen?
Und weiterhin - um irgendeine Wertung hineinzubringen, müsstest du auch fragen, welche Handlungen wertvoller sind. Wertvoller für wen? Für die Natur? Für deine Mitmenschen? Für dich selbst? Ist es für die Natur wertvoller, wenn ich plane, nächsten Monat in Urlaub zu fahren, oder ist es wertvoller, wenn die Kuh sich - ohne zu planen - fortpflanzen will.