[quote=PostMortem;256980]Irgendwie habe ich das Gefühl, Du bist noch nicht dahinter gekommen warum die das machen...[/quote]
Man muss sich nicht für allzu intelligent halten, das zu wissen - es wird einem ja auf allen Sendern um die Ohren gepustet: Wenn das Öl mal weg ist, soll der Tourismus herhalten.
Tourismus für Reiche und Superreiche, sollte dann dazugesagt werden - denn ansonsten scheint es dort nix zu geben, was für den Normalbürger interessant ist. Wird mir jedenfalls von allen bestätigt, die sich dort mal kürzer oder etwas länger aufgehalten haben: Eigentlich ein stinklangweiliger Flecken Erde, und die wirklichen Attraktionen kann man sich eh nur leisten, wenn das Konto mindestens siebenstellige Beträge vor dem Komma ausweist.
Nun ist ja ersma nix dagegen zu sagen, wenn Millionäre ihr Geld ausgeben - im Gegenteil. Dumm nur, wenn sich die Bevölkerung weltweit zunehmend in schwerreiche Rolexträger und bettelarme Schlucker spaltet und man ausgerechnet in solchen Zeiten abstruse Reichenghettos hochzieht, wo die immensen Geldsummen dann auch größtenteils immer schön unter ihresgleichen rotieren. Vom zynischen Symbolcharakter, den solche Projekte angesichts der globalen Verhältnisse ausstrahlen, gar nicht zu reden. Auch hier sollte man abseits irgendwelcher Zahlenspielereien den psychologischen Effekt beachten: Wenn man den Superreichen Refugien schafft, wo sie sich vom Elend dieser Welt völlig abkapseln können, ist das einem notwendigen Umdenken in Richtung globaler Solidarität nicht gerade förderlich.
[quote=PostMortem;256980]
Und das Geld ist ja auch nicht rausgeworfen, denn Immobilien steigen eh immer im wert[/quote]
... wie uns die US-Finanzkrise gerade zeigt?
Ich halte es für fatal, das mit Arbeitsplätzen oft der größte Stuss gerechtfertigt wird. Hauptsache, ein paar Menschen haben an einigen Standorten einen Job, dann ist kritisches Hinterfragen der Quelle nur kleingeistiges Geschwätz. Ob das, was hergestellt oder an Dienstleistungen angeboten wird, in einem größeren Kontext überhaupt vernünftig ist, wird dabei gerne ignoriert. Ähnlich hat die Automobilindustrie "argumentiert", wenn's Kritik an den Produkten im Hinblick auf Energie- und Umweltprobleme gab - und bekommt jetzt nach und nach die Rechnung präsentiert. Aber was soll's, dafür hatten in der Zwischenzeit wenigstens einige Menschen Arbeit und noch mehr die Gelegenheit, über Jahrmillionen gewachsene Ressourcen in Rekordzeit zu verpulvern.
[quote=PostMortem;256980]
Ich muss immer mehr beim demonstrativen klein-klein hierzulande kotzen und muss mich schon wundern, dass man es überhaupt gewagt und geschafft hat so ein großes, repräsentatives Kanzleramt zu bauen (ob man es nun schön findet oder nicht). Für mich ist das etwas wo die "Entnazifizierung" klar übers Ziel hinausgeschossen ist. In unserem Land werden große Bauten immer gleich mit nationalsozialistischem Größenwahn gleichgesetzt. Gleichzeitig fahren deutschee Touris staunend ins Ausland, gucken sich die großen Brocken in der Landschaft bewundernd an. Die finden bei ihrer Rückkehr dann hier alles so provinziell und schwärmen von "ganz anderen Dimensionen!".[/quote]
Es gibt auch genügend ausländische Touristen, denen gerade die deutsche "Provinzialität" gefällt, für monströse Bauwerke war dieses Land bis auf ein paar Ausnahmen eh noch nie berühmt. Und zwischen zurüchaltendem "Klein-Klein" und irrwitzigen Projekten ist noch eine weite Spanne. Beeindruckende Bauten gibt es auf der ganzen Welt - hier mal etwas mehr, dort mal etwas weniger. Kaum welche davon sind allerdings dazu gedacht, nur Superreiche zu beherbergen, das hat in diesem Ausmaß völlig neue Dimensionen erreicht.
[quote=PostMortem;256980]
Aber grundsätzlich hat die Bevölkerung dort großen Anteil am Reichtum. Man hat die höchste Millionärsdichte der Welt, fast keine Steuern und dafür ganz ordentliche Durchschnittseinkommen bei vielerlei anderen Annehmlichkeiten. Also geschieht das alles nicht auf Kosten der Bevölkerung, im Gegenteil auch für ihren zukünftigen Ersatz-Job in der Tourismusbranche. Was ist denn nur dagegen zu sagen?[/quote]
Siehe oben.