Nun, frage ich mich, was geht mir denn nun wirklich so aus jener Zeit ab? Die Schulzeit ganz bestimmt nicht - das hatten wir ja schon mal, ich bin bekanntlich ziemlich schultraumatisiert. Da geht's mir heute sehr viel besser, heute brauche ich nur noch das zu machen, was ich gerne mache, nämlich mit Sprachen jonglieren, anstatt mich mit Mathe, Physik, Chemie, deutscher Literatur, Politischer Weltkunde und anderen höchstgradig uninteressanten Dingen rumzuquälen. Ich brauche keine Hausaufgaben mehr zu machen, nicht auf Klausuren zu pauken und keine Prüfungsangst mehr zu haben. Auch brauche ich nicht mehr in aller Herrgottsfrühe aufzustehen - der Horror schlechthin gerade um diese Jahreszeit - um um 6:30 Uhr an der Bushaltestelle zu stehen, sondern ich kann jeden Morgen ausschlafen und mir meine Arbeitszeiten so einteilen, wie ich es möchte. Andererseits, ich brauchte mich damals nicht mit dem Zusammenstellen von Steuerunterlagen für die Steuererklärung zu befassen (die ich wieder einmal heroisch hinter mich gebracht habe!) und mich mit zu bezahlenden Rechnungen rumzuärgern.
Natürlich, damals gab's geile Musik. Man brauchte nur das Radio anzumachen und es lief gute Musik. Fast immer. Naja, wenn man den richtigen Sender zur richtigen Uhrzeit drin hatte jedenfalls; nicht jede Stadt war ja mit AFN gesegnet. Für die anderen Zeiten hatte man ja genügend Musik auf Cassette und Platte. Aber andererseits, Vieles habe ich damals noch gar nicht richtig zu schätzen gewusst. Depeche Mode fand ich doof, OMD ebenfalls. So manches andere habe ich als kommerzielle Kacke betitelt, was ich heute gerne höre, weil es zu meinem 80s Soundtrack gehört (bei anderen Musikstücken und Musikern habe ich, wie man weiß, meine Meinung wiederum nie revidiert
Aber was mir wirklich fehlt... das ist das allgemeine Lebensgefühl in den 80-ern. Genauer gesagt, die Unbefangenheit, mit der man aufeinander zugegangen ist und die Leichtigkeit, neue Leute kennen zu lernen. Von der Klassenfahrt nach Amsterdam zurückkommen und einen ganzen Stapel Adressen von Leuten aus Italien und Frankreich mitbringen. Diese Leute dann besuchen fahren und auf diese Weise ganz neue Orte und Dinge, ja eine ganz neue Sprache kennen lernen. Durch die Straßen von Paris latschen und ganz ungezwungen mit Leuten ins Gespräch kommen. In einen internationalen Jugendclub gehen und in kurzer Zeit mit allen Leuten bekannt sein. Zusammen wilde Feten feiern und andere Dinge unternehmen.
Heute dagegen: Die meisten Leute in meinem Alter sind alle furchtbar etabliert, sie haben Familie und sind nur noch auf diesen Familienkern konzentriert. Oder aber sie treiben ihre berufliche Karriere voran. Ihre ganze Extrovertiertheit und Spontaneität ist verschwunden und es wird immer schwieriger, neue Leute kennen zu lernen. Ich spreche vom persönlichen Kennenlernen, nicht vom Internet. Ja, mir scheint das Internet momentan die einzige Möglichkeit, um überhaupt noch Leute kennen zu lernen...
Jene Unbefangenheit von damals, jene Leichtigkeit, aufeinander zuzugehen und neue Leute kennen zu lernen, nach der sehne ich mich zurück... bis ca. Mitte der 90-er war bei mir davon noch einiges zu spüren, aber seit einigen Jahren ist es vollkommen weg. Auf einmal kann ich verstehen, wie es passieren kann, dass viele alte Menschen mit der Zeit vereinsamen. Manchmal habe ich heute schon das Gefühl, zu vereinsamen - mit noch nicht mal 40, Hilfe!
Geht es euch vielleicht ähnlich wie mir, was das Lebensgefühl angeht? Was fehlt euch am meisten aus den 80-ern? Wonach habt ihr "Heimweh"?