Waschbär:
[quote]Da muss ich dir absolut Recht geben. In Augsburg gibt es leider nicht die Auswahl wie in Berlin. Also bleibt mir nur, die ein bis zwei Läden zu wählen, die meinen Musikgeschmack treffen (80er, Rock, Wave) oder aber dann doch der Exit nach München. Allerdings sind auch in meinem Bekanntenkreis immer weniger Leute bereit, die paar Kilometer von Augsburg nach München auf sich zu nehmen (selbst wenn ich anbiete, dass ich fahre).[/quote]Komm du mir mal nach Berlin! Wenn es dann noch an einem Tag ist, an dem Knochn im K17 auflegt, werden wir unsere helle Freude haben, schon alleine deshalb, weil wir endlich jemanden haben, der uns beim Weggehen begleitet

Aber auch sonst ließe sich da garantiert eine Lokalität finden. Und am nächsten Tag gibt's dann Leber!
[quote]Ich sehe es an meinem Bruder. Jahrgang 73. Hat im Juli geheiratet. Bis jetzt keine Kinder. Keine beruflichen Veränderungen zu vorher, aber trotzdem. So dumm es klingt. Mit dem Anstecken des Eherings wurde er quasi ein "Biedermann", der jetzt nicht mehr weggehen möchte, sondern eher träge geworden ist. Er hat selbst keine große Lust, wenn man ihm anbietet, dass seine Frau mitgehen könnte. [/quote]Was meine Vermutung bestärkt, dass die meisten Leute eben doch nur weggehen, um anzubaggern oder angebaggert zu werden (oder, weniger krass ausgedrückt, Leute des anderen Geschlechts kennen zu lernen). Ich möchte gar nicht mal leugnen, dass ich nicht so werden würde! Naja, ich denke, am Wochenende mal mit einer Freundin wegzugehen, dazu hätte ich sicher auch Lust, wenn ich kein Single wäre. Meine Weggeh-Freundinnen (ebenfalls singles) habe ich nun aber leider alle in München gelassen. Jedoch, selbst da gestaltete es sich bisweilen schwierig, mal zusammenzukommen. Wenn wir dann weg waren, hatten wir auch oft Spaß - nicht immer, denn ab und zu machten uns ja ein paar Kotzbrocken von Türstehern einen Strich durch die Rechnung. Und unsere angestammten Clubs gab es mit der Zeit nicht mehr bzw. nicht mehr in dieser Form - wir waren früher oft beim Salsa - sodass wir uns direkt ein bisschen heimatlos fühlten, was das Weggehen anging. Aber wenigstens, wir hatten uns und somit war's dann doch meistens kein versauter Abend.
[quote]Fragt mich mal. Ich habe ja täglich damit zu tun. Meine persönliche Befürchtung ist eher, dass es auf den von dir angesprochenen "High School Abschluss" herausläuft. Es geht mir schon jetzt so, dass ich wohl Arbeiten, die ich noch vor fast zehn Jahren geschrieben hätte, jetzt nicht mehr schreiben könnte. Definitiv, weil ich sie als "zu schwer" ansehen würde.[/quote]Das ist wirklich interessant. Also mit anderen Worten, du musst Klassenarbeiten und Klausuren jetzt einfacher machen als früher, damit nicht ein Klassenspiegel von 4,5 oder schlechter entsteht? Hast du eine Erklärung dafür? Ich hatte eher den Eindruck, die Schule würde jetzt schwieriger werden als früher, eben wegen des allgemein stärkeren Leistungsdrucks.
[quote]Auch die derzeitige Diskussion über die erneute PISA-Studie zeigt dies auch wieder. Bildung braucht Zeit (und nicht nur den Schnell-für-die-Wirtschaft-als-Arbeitspferd-zur-Verfügung-stehen-damit-wir-wieder-Dampf-machen-können-Aspekt).[/quote]Hahaha, da lache ich aber laut auf! Wie sollen diese Schulabgänger denn der Wirtschaft zugeführt werden, wenn es gar keine Arbeitsplätze für sie gibt? Bzw. Allenfalls finden sie noch einen Ausbildungsplatz, aber dann werden sie nicht übernommen und stehen als Arbeitslose da. Das beste Beispiel hierfür ist McFly.
Christian:
[quote]Für mich selbst habe ich doch die Erfahrung gemacht, dass die Punkte 1 und 2 nicht das ausschlaggebende Problem sind. Punkt 1 wird teilweise von Punkt 2 abgeschwächt - 25 Jahre alte Musik ist ohnedies nicht der Hauptschwerpunkt der ganz Jungen. ;-)[/quote]Ja, das ist klar. Nur muss man eben gucken, wo die gespielt wird. Sehr oft hat sich auch die Marotte durchgesetzt, alte Musik UND neue zu spielen. Sprich, wo 80s drauf steht, ist nicht immer 80s drin. Ich habe hier mal eine Rezension zu einem Berliner Club geschrieben, bei dem genau das der Fall war. Und in München, in jenem Club, in den meine Freundin und ich zuletzt nicht mehr reingelassen wurden, sollten sie sogar Techno gespielt haben - in einem Club, der sich "Formel 1 Night" auf die Fahne geschrieben hatte!
[quote]Aber ganz abgesehen davon: Junge Leute sind auch nur Menschen, ehrlich. Es gibt Lokale, wo man in älteren Jahren ganz gut hinpasst, selbst dann, wenn der Altersdurchschnitt niedrig ist.[/quote]Ja, du als Mann kannst das leicht sagen. Wenn du dort 20-jährige Mädels kennen lernst und die dich dann vielleicht auch noch interessant finden (und/oder umgekehrt), dann ist das ziemlich normal. Aber stell dir mal mich vor: fast 40 Jahre und dann tanze ich mit 20-jährigen. Sowas würde ich nur mit McFly auf ein ganz bestimmtes Lied machen, weil wir uns das schon lange versprochen haben...

und weil wir uns eben kennen. Aber in so einem Club, mit lauter Leuten in dem Alter, die ich nicht kenne - also da würde ich mir höchstgradig albern vorkommen! Naja und davon abgesehen, dass in solchen Läden absolut nicht die Musik gespielt wird, auf die ich stehe.
[quote]Punkt 3 ist auch so eine Sache. Ich selbst gehe echt nur dann aus, wenn ich tanzen möchte;zum Sprechen ist die Musik da ohnedies zu laut oder zumindest zu präsent. Von daher habe ich kein großes Problem, alleine hin zu gehen. Das ist Gewöhnungssache, stimmt schon, aber wenn man es ein wenig ausprobiert hat, dann macht einem das nichts aus. Und alleine lernt man auch leichter Menschen kennen.[/quote]Das ist wohl wahr. Ich versuche ja auch immer, mich zu überwinden, aber irgendwie habe ich's noch nicht geschafft. Früher habe ich das öfter gemacht, aber da fiel mir das noch leichter. Von wegen der Leichtigkeit! Du verstehst...?
[quote]Insoferne sind wir vielleicht Spätzünder (und darüber, ob ich ein Blindgänger bin, denke ich erst in zehn, zwanzig Jahren nach). Macht aber nichts, es ist doch eigentlich ziemlich schön so. Man sollte halt vermutlich aufpassen, dass man dabei nicht vereinsamt, denn diese Gefahr ist auf Dauer vielleicht größer, als man so denkt.[/quote]Na das ist ja gerade der Punkt. Blindgänger? Bevölkerungspolitischer? Der bin ich bereits. Dazu stehe ich auch, ich wollte es nie anders. Aber manchmal wünsche ich mir schon, "normal" zu sein, dann würde ich mir solche Gedanken wie in meinem Eingangsposting über Vereinsamung usw. vielleicht gar nicht machen. Machen müssen.
[quote]Okay, da machst du mir ein bisschen Angst. Ich bin nämlich Mitte 30. Sollte mein ganzes fragmentarisches Sozialleben in den nächsten Jahren zusammenbrechen...? (Und ja, Warnzeichen gibt es schon: Alle Freunde und Bekannten heiraten und zerstreuen sich in der Welt.)[/quote]Nun ja, nicht alle Leute um einen herum heiraten zwangsweise oder "versacken" in einer Beziehung. Und mit denen, die es tun, kann man nach wie vor eine Freundschaft aufrecht erhalten, nur wird die sich ändern, weil die gemeinsame Basis wegfällt. Wird man auch dann noch Themen haben, über die man reden kann? Oder werden dir die Geschichten deiner Freunde über ihre Kinder und deinen Freunden deine Erzählungen über das, was du in deinem Singleleben so machst, nicht bald langweilig werden? Außerdem gehe ich mal davon aus, dass es gar nicht sicher ist, dass auch du Single bleibst. Also ich würde das nicht ganz so pessimistisch sehen.
[quote]Vor nur zehn Jahren waren die sozialen Verhältnisse noch nicht so viel anders; damals aber gab es kein Internet, und das Ausmaß an Einsamkeit war ziemlich sicher nicht höher als heute.[/quote]Gutes Thema. Wie machten es die Singles in unserem Alter damals? Ich nehme an, sie haben vermehrt Kontaktanzeigen in Stadtzeitungen usw. aufgegeben?
[quote]Stimmt, auf den ersten Blick schluckt man da schon ganz heftig. Andererseits habe ich aber auch ein wenig darüber nachgedacht und sehe es nicht mehr ganz so düster: Wenn man ein neues Medium bewusst und als Ergänzung nutzt, dann kann es doch auch genau das sein - eine sinnvolle Ergänzung, kein Ersatz für reale Kontakte. Das gilt natürlich auch für unsere Altersklasse, aber die heute 20-Jährigen sind mit diesen Dingen aufgewachsen und haben sie sich ganz natürlich angeeignet und gehen damit viel unbefangener um. Und im Normalfall scheint es für sie tatsächlich Ergänzung und nicht Ersatz zu sein.[/quote]Klar, wenn man in dem Alter ist und das Internet sozusagen zusätzlich benutzt, dann ist das ja auch OK. Wenn man sich z. B. Gruppen von Freunden außerhalb von Schule, Uni oder Ausbildungsplatz sucht. Das nenne ich dann eine Horizonterweiterung. Aber in dem Alter gezielt einen Partner im Internet zu suchen, anstatt sich zu sagen "ich werde jetzt was mit den Leuten unternehmen und wer weiß, vielleicht ist ja jemand dabei, der/die mir gefällt", das finde ich bedenklich.
[quote]In unserem Alter schätze ich die Gefahr, dass das Internet zu einem Ersatz werden kann, höher ein.[/quote]Nun ja, Ersatz vielleicht nicht. Ersatz wäre es für solche Leute, die im richtigen Leben überhaupt niemanden kennen oder kennen lernen wollen. Zu denen gehöre ich nicht; ich würde das Internet gerne dazu nutzen, Leute so um mein Alter rum kennen zu lernen, die mit mir auf einer Wellenlänge sind. Zuerst virtuell und dann in echt

Nur wie gesagt, das gestaltet sich nicht so einfach.
[quote]Ja, das ist das nächste große Problem, das auf uns zurollt. In den 70-er-, 80-er- und noch 90-er-Jahren war es die Produktion (und da vor allem die Produktion niederwertigerer Güter), die massiv verlagert und in derem Bereich in großen Ausmaßen entlassen wurde. In den 90-er-Jahren hat das auf die höherwertigen Bereiche übergegriffen (z.B. Unterhaltungselektronik kommt praktisch nur mehr aus China), und jetzt -neueste Entwicklung- sind auch die Dienstleistungen an der Reihe.[/quote]Ja, sowas kann einen schon mächtig runterziehen. Fester Arbeitsplatz ist nicht zu finden in der heutigen Zeit, oder aber ein "McJob", der so saumäßig bezahlt wird, dass man davon gar nicht leben kann, aber freiberuflich geht's auch nicht immer gut. Naja, andere Kollegen scheinen ja was zu arbeiten zu haben, da wird's auch bei mir hoffentlich nicht mehr lange dauern, bis ich wieder eingedeckt bin. Die schlechte Wirtschaftslage ist ja nicht erst seit gestern, aber bislang habe ich's immer wieder geschafft, Aufträge zu bekommen.
[quote]In Österreich sind es traditionell 12 Jahre, und das 12. Jahr ist eigentlich ziemlich überflüssig (oder war es "zu meiner Zeit"). Ich glaube schon, dass man mit 12 oder auch 11 Jahren auskommen kann;[/quote]Das sehe ich anders. Du warst anscheinend ein guter Schüler, der leicht gelernt hat, oder?
[quote]das Hauptproblem am Schulsystem sehe ich eher im sturen und massenhaften (Auswendig-) Lernen von Fakten. Und das war schon in meiner Schulzeit ziemlich gefragt (ich konnte mich ganz gut entziehen allerdings und hatte nur jedes Jahr eine Entscheidungsprüfung in Geografie), dürfte aber immer ärger werden. Wichtig wäre es, mehr Fähigkeiten zu vermitteln statt lauter Fakten einzutrichtern - Kritikfähigkeit. Logisches Denken. Selbstständiges Denken und Arbeiten.[/quote]Siehst du, bei mir war's genau umgekehrt: Ich "musste" in meiner Berliner Sschulzeit lernen, logisch zu denken, kritisch an Diskussionen teilzunehmen usw... ehrlich wahr, in Berlin wurde das immer schon groß geschrieben. Das mit dem auswendig Lernen muss eine "Südsache" sein, ich habe auch von Bayern gehört, dass dort viel auswendig gelernt wird. Ich gebe zu, ich habe mich schwer damit getan, an Diskussionen teilzunehmen (die mich meistens gar nicht interessiert haben), drum hatte ich ja auch immer durchweg schlechte mündliche Noten. Abstrakt denken habe ich nie wirklich gelernt (Stichwort deutsche Literatur und deren Interpretation!). Ich persönlich wäre wahrscheinlich in einem Schulsystem besser gefahren, in dem ich mehr Fakten hätte auswendig lernen müssen
Petra:
[quote]dass ich sehr viel fitter war, essen konnte soviel ich wollte, ohne zuzunehmen... (war zwar nie eine Sportskanone, aber mich erschreckt schon, dass ich, wenn ich mal um Mitternacht zu Bett gehe, am nächsten Tag so fertig bin wie früher nach einer durchgemachten Nacht, dabei heisst "früher" in diesem Fall sogar "bis vor ein paar Jahren").[/quote]Geht mir ganz ähnlich

Aber das macht mir nicht unbedingt viel aus. Klar, früher konnte ich Schokolade und Burger und alles Mögliche in mich reinfuttern, ich nahm nicht zu. Heute muss ich schon aufpassen, was ich esse und dass ich mich auch mal bewege, um wieder ein paar Kalorien loszuwerden. Aber meine so genannte knabenhafte Figur von damals möchte ich auch keinesfalls wiederhaben, da sehe ich lieber richtig weiblich aus so wie jetzt. Nur meinen flachen Bauch möchte ich verdammt nochmal zurück!

Sportlich war ich noch nie richtig, immer nur in verträglichen Dosen, demnach war ich auch noch nie ein Ausbund an Fitness. Da mache ich jetzt sogar mehr als damals. Vor allem im Sommer, wenn man wieder skaten und radeln kann.
[quote]Die Kämpfe, die ich mit meinen Eltern auszustehen hatte. Ich versteh mich zwar heute gut mit ihnen, aber hauptsächlich dank der Distanz...
Die blöde Schule und die z.T. noch blöderen Lehrer vermisse ich auch kein bisschen.[/quote]Vollste Zustimmung! Auch ich musste erst einmal auf Distanz gehen (nach München eben), um es zu schaffen, meine Eltern, respektive meine Mutter von mir abzunabeln

Bist du auch Einzelkind? Jetzt, nach über 16 Jahren, bin ich wieder zurück in Berlin und habe keinerlei Probleme mehr mit meinen Eltern. Aber in den 80-ern hatte ich so manche Kämpfe mit meiner Mutter auszufechten, was meine Freiheit anging. Nix von wegen, ich bin jetzt 18 und kann machen, was ich will! Nein, das alles will ich auch nicht zurück
[quote]Liebeskummer hatte ich damals und auch noch vor 5-6 Jahren, das war bei mir nie an ein Jahrzehnt gebunden... Ich finde sogar, dass sie im Laufe der Zeit immer schlimmer wurden, weil ich auch noch glaubte, danach niemanden mehr zu finden...[/quote]Ooooh ja!
tiefer Seufzer Genau so und nicht anders ist es! Damals hatte man ab und zu mal Liebeskummer, es traf einen schwer, man litt, aber nach 2-3 Wochen war die Sache gegessen und man blickte wieder nach vorne - man war ja schließlich jung und konnte noch so viele andere kennen lernen. Heute dagegen? Man versucht, nach vorne zu blicken, aber da sieht man nichts!
[quote]Ich glaube, ich konnte die 80er nie so geniessen, wie es andere konnten (zu jung, zu autoritäre Eltern), das ist ganz schön traurig!
Richtig angefangen zu Leben habe ich erst Ende 1989, als ich wegzog und meine erste Stelle antrat.[/quote]Etwas Ähnliches könnte ich von mir auch sagen. Ich hatte zwar keine super-autoritären Eltern, aber ich durfte trotzdem viele Dinge nicht, die für die meisten Teenager normal waren, z. B. mit 16 in die Disco, auf Feten lange wegbleiben. Auch mit 18 hatte ich mich noch an derartige Dinge zu halten. Mit 19 wollte meine Mutter mir auch noch ausreden, bei meinem Freund zu übernachten! Jedoch, all diese Einschränkungen dienten dazu, mich zu beschützen und mich vor allem Übel abzuschirmen: vor Drogen in Discos, Zuhältern und rücksichtslosen Jungen, die mich sexuell ausnutzten und dann mit gebrochenem Herzen fallen ließen. Vor Letzterem konnten sie mich auch nicht beschützen.
Bei mir ist es umgekehrt: "Meine" 80-er gehen bis einschließlich 1986. Danach war ich in München und ja, ich nabelte mich ab. Aber ab da waren die 80-er mit ihrem typischen Feeling zu Ende für mich. Unbeschwertheit, Unbefangenheit und Leichtigkeit waren für einige Zeit verloren, aber sie kamen Anfang der 90-er wieder. Und hielten dann noch ca. 6 Jahre an...