Cock Robin waren meiner Meinung nach die einzige reale New-Romantic-Band, die nicht aus Großbritannien, sondern aus den USA stammte.
Ich kenne alle drei Alben des Duos und finde, daß Pete und Anna seit ihrem Debüt "Cock Robin" qualitativ kontinuierlich abgebaut haben.
Damals, im Juni 1986, habe ich stets die A-Seite des LP-Debüts 'rauf und runter' gehört. Auf der A-Seite befinden sich die drei Singlehits "When your Heart is weak", "The Promise you made" und "Thought you were on my Side" sowie die sehr temporeichen, etwas nervösen Songs "Just when you're having Fun" und "Because it keeps on working". Die A-Seite trifft den einerseits (wg. Tschernobyl) betroffenen und ängstlichen, andererseits (wegen Wirtschaftsaufschwung in der BRD) zunehmend hedonistischeren, fun-orientierteren Zeitgeist des Sommers 1986 haargenau. Neben Stan Ridgways "The Big Heat"und "The Queen is dead" von The Smiths ist "Cock Robin" für mich DIE Platte des Sommers 1986 - auch, wenn mich die B-Seite nie so richtig vom Hocker reißen konnte. Die grandiosen Lieder auf Seite-1 machen dieses Manko schnell wieder wett.
Cock Robin gastierten am 7. Juni 1986 (mit Trio Rio im Vorprogramm) "open Air" im Hamburger Stadtpark. Das düster-schwüle Wetter "kurz vor dem Regnen" verlieh den feurig-melancholischen Songs von Cock Robin eine besondere Ausstrahlung - auch wenn ihr Gig mit nur einer Stunde recht kurz ausgefallen war. Allgemein fiel auf, daß die Band auf der Bühne weitaus rockiger und gitarrenlastiger zur Sache ging, als auf der doch eher sanft und keyboardorientiert arrangierten LP.
Da ich "Cock Robin" das gesamte Jahr 1986 schätzte und immer wieder auflegte (wie gesagt, meist nur die A-Seite), freute ich mich entsprechend intensiv auf das Folgealbum. Im Mai 1987 kam als erste Single daraus "Just around the Corner" auf den Markt, das mich weiterhin mitriß und mir sehr aus der Seele sprach. Bald darauf, ich glaube, Mitte Juni 1987, erschien LP Numero II - "Aftere here through Midland". Doch ich merkte bald, daß mir eigentlich nur die drei Singles "Just around the Corner", "The Biggest Fool of All" und "El Norte" so wirklich aus dem Herzen sprachen. Die restlichen Songs wirkten auf mich zunehmend blutleer und austauschbar.
Am 23. Oktober 1987 gastierten Cock Robin im kühlen CCH (Kongreßzentrum Hamburg) und vermochten es nicht mehr, diese typische 80er-Stimmung (Mischung aus Romantik, Melancholie, Angst und Fun), die ihnen im Stadtpark ein Jahr zuvor eindeutig geglückt war, nochmals auf die Bühne zu bringen.
Irgendwann begann das Konzert zu langweilen
Das 89er-Album "First Love - Last Rites" hat mich gar nicht mehr interessiert. Ich hörte es - mir fehlten sogleich die Ohrwürmer, für mich war es nur ein düsteres, hoffnungsloses Gewaber, wenn ich ehrlich bin. Entsprechend besuchte ich auch nicht das dazugehörige Konzert im DOCKS, das im Februar oder März 1990 von statten ging.
Meiner Meinung nach gelangen Cock Robin ein paar grandiose, unvergeßliche Glanzlichter, die noch heute beim Hören Gänsehaut erzeugen. Leider aber steht die Band auch für eine Vielzahl unausgegorener (Album-)Songs, die bei weitem nicht die Seele, das Feuer und die Emotionen besitzen, die genannte Klassiker in sich tragen!
Gruß aus HH