Verfasst: Mo Jul 21, 2003 1:15 am
Juten Tach,
lang ist's her, als ich zum letzten Mal hier war. Inzwischen bin ich in meine Heimatstadt Berlin gezogen und melde mich nun mit einer Club-Rezension zurück.
Sie hängen überall in der Stadt, die Plakate, die die 80-er Nacht im Linientreu alle zwei Wochen ankündigen. So begab ich mich gestern sehr neugierig vor Ort, kenne ich das Linientreu doch noch von früher, als es DER angesagte Laden für dunkere Musik à la Depeche Mode, The Cure, Anne Clark usw. war. Legendär die Damentoilette, zu der man sich durch Wolken von Haarspray den Weg bahnen musste, weshalb es dort auch nie naturgemäß roch
Mein erster Eindruck ist positiv: Hier hat sich ja tatsächlich nichts verändert. Immer noch die selben Sitzreihen, das selbe Schwarzlicht, nur ist jetzt auch buntes Licht dabei, was es früher wegen der Musikrichtung ja nicht gab. Das Publikum ist gemischt; einige sehen tatsächlich noch ein bisschen so aus wie damals, nur von diesem extremen Dark Wave-Look von einst ist nichts mehr zu sehen. Anderen wiederum sieht man an, in welchen Discos sie damals abgetanzt haben. Die Altersspanne reicht von ca. 25-jährigen neueren Fans der Musik bis hin zu den alten 80-er Fans um die 40. Es ist heiß hier drin, die Ventilation funktioniert schlecht bis gar nicht. Man braucht sich gar nicht groß zu bewegen und schwitzt bereits.
Die Musik ist zwar ganz nett, will mich aber dennoch nicht so richtig überzeugen. Ich warte auf DEN Knaller, der mich auf die Tanzfläche zieht, aber er kommt nicht. Ein bisschen Hypnotic Tango, ein bisschen "Hey hey hey" Simple Minds, dann eine Phase mit Depeche Mode und Camouflage (fast ein bisschen wie früher), dann was Deutsches - Ärzte oder sowas? Natürlich dürfen auch Nena und Major Tom nicht fehlen... aber ansonsten fehlt was. Wo bleiben Duran Duran? Soft Cell? Michael Jackson? Madonna? All die Lieder, die wir damals so liebten und die auch heute noch so geil sind? Dann schließlich die ersten Töne von "Living on Video", na das fetzt ja ganz gut, jetzt habe ich endlich Lust zu tanzen. Ich hoffe, dass noch einige Knaller folgen, die mich auf der Tanzfläche halten, aber nein... auf Trans X folgt "Moi Lolita" - was bitte hat das denn in einer 80-er Disco verloren? Schon zuvor wurden einige jahrzehntefremde Stücke gespielt. Gut, "Entre dos tierras" lasse ich mir noch gefallen, das fetzt nicht schlecht. Aber was bitte machen "We will rock you" und Wolfsheim dort?
Ich verziehe mich in Raum Nr. 2, ein kleines Gewölbe, sehr gruftig mit künstlichen Spinnweben aufgemacht, in dem die entsprechende Musik gespielt wird. Ob von heute oder aus den 80-ern, kann ich nicht beurteilen; es ist kein Dark Wave, wie er früher im Linientreu lief, es ist knallharter Gothic - glaube ich jedenfalls. Der Raum ist fast leer, wenn ich mir jedoch die skurrilen Gestalten ansehe, die draußen vor der Tür stehen, denke ich, wird es hier erst später richtig losgehen.
Wieder zurück an der Haupttanzfläche, warte ich vergeblich auf den nächsten Knaller, der mich aufspringen und zur Tanzfläche flitzen lässt. Keine Eurythmics, kein Precious Little Diamond, noch nicht einmal Tainted Love. Stattdessen immer wieder Heutiges. Wie langweilig...
Etwas enttäuscht verlasse ich gegen 2 Uhr das Linientreu. Dafür, dass diese 80-er Samstage in der ganzen Stadt so gehyped werden, war's nicht so besonders. Wenn ich in einen Laden gehe, der ausdrücklich für "80s Night" wirbt, dann möchte ich bitte 80s, 80s und 80s und nichts Anderes hören! In Nutella ist ja schließlich auch das drin, was draufsteht.
lang ist's her, als ich zum letzten Mal hier war. Inzwischen bin ich in meine Heimatstadt Berlin gezogen und melde mich nun mit einer Club-Rezension zurück.
Sie hängen überall in der Stadt, die Plakate, die die 80-er Nacht im Linientreu alle zwei Wochen ankündigen. So begab ich mich gestern sehr neugierig vor Ort, kenne ich das Linientreu doch noch von früher, als es DER angesagte Laden für dunkere Musik à la Depeche Mode, The Cure, Anne Clark usw. war. Legendär die Damentoilette, zu der man sich durch Wolken von Haarspray den Weg bahnen musste, weshalb es dort auch nie naturgemäß roch
Mein erster Eindruck ist positiv: Hier hat sich ja tatsächlich nichts verändert. Immer noch die selben Sitzreihen, das selbe Schwarzlicht, nur ist jetzt auch buntes Licht dabei, was es früher wegen der Musikrichtung ja nicht gab. Das Publikum ist gemischt; einige sehen tatsächlich noch ein bisschen so aus wie damals, nur von diesem extremen Dark Wave-Look von einst ist nichts mehr zu sehen. Anderen wiederum sieht man an, in welchen Discos sie damals abgetanzt haben. Die Altersspanne reicht von ca. 25-jährigen neueren Fans der Musik bis hin zu den alten 80-er Fans um die 40. Es ist heiß hier drin, die Ventilation funktioniert schlecht bis gar nicht. Man braucht sich gar nicht groß zu bewegen und schwitzt bereits.
Die Musik ist zwar ganz nett, will mich aber dennoch nicht so richtig überzeugen. Ich warte auf DEN Knaller, der mich auf die Tanzfläche zieht, aber er kommt nicht. Ein bisschen Hypnotic Tango, ein bisschen "Hey hey hey" Simple Minds, dann eine Phase mit Depeche Mode und Camouflage (fast ein bisschen wie früher), dann was Deutsches - Ärzte oder sowas? Natürlich dürfen auch Nena und Major Tom nicht fehlen... aber ansonsten fehlt was. Wo bleiben Duran Duran? Soft Cell? Michael Jackson? Madonna? All die Lieder, die wir damals so liebten und die auch heute noch so geil sind? Dann schließlich die ersten Töne von "Living on Video", na das fetzt ja ganz gut, jetzt habe ich endlich Lust zu tanzen. Ich hoffe, dass noch einige Knaller folgen, die mich auf der Tanzfläche halten, aber nein... auf Trans X folgt "Moi Lolita" - was bitte hat das denn in einer 80-er Disco verloren? Schon zuvor wurden einige jahrzehntefremde Stücke gespielt. Gut, "Entre dos tierras" lasse ich mir noch gefallen, das fetzt nicht schlecht. Aber was bitte machen "We will rock you" und Wolfsheim dort?
Ich verziehe mich in Raum Nr. 2, ein kleines Gewölbe, sehr gruftig mit künstlichen Spinnweben aufgemacht, in dem die entsprechende Musik gespielt wird. Ob von heute oder aus den 80-ern, kann ich nicht beurteilen; es ist kein Dark Wave, wie er früher im Linientreu lief, es ist knallharter Gothic - glaube ich jedenfalls. Der Raum ist fast leer, wenn ich mir jedoch die skurrilen Gestalten ansehe, die draußen vor der Tür stehen, denke ich, wird es hier erst später richtig losgehen.
Wieder zurück an der Haupttanzfläche, warte ich vergeblich auf den nächsten Knaller, der mich aufspringen und zur Tanzfläche flitzen lässt. Keine Eurythmics, kein Precious Little Diamond, noch nicht einmal Tainted Love. Stattdessen immer wieder Heutiges. Wie langweilig...
Etwas enttäuscht verlasse ich gegen 2 Uhr das Linientreu. Dafür, dass diese 80-er Samstage in der ganzen Stadt so gehyped werden, war's nicht so besonders. Wenn ich in einen Laden gehe, der ausdrücklich für "80s Night" wirbt, dann möchte ich bitte 80s, 80s und 80s und nichts Anderes hören! In Nutella ist ja schließlich auch das drin, was draufsteht.