Hab
beim Schmökern in der Musik Szene (8/83) noch einen wunderbaren Bericht über Roskilde 1983 gefunden - alles was dort steht war 3 Jahre später, bei meinem ersten Besuch, genauso schön!
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Uber 60 Gruppen feierten drei Tage lang mit 60 000 Open-airlern unweit des kleinen dänischen Städtchens Roskilde (30 Kilometer von Kopenhagen) eine gigantische Party. Einst an Woodstock angelehnt, etablierte sich das unkommerzielle (alle Überschüsse fließen caritativen Organisationen zu!) „Roskilde Festival" Im Laufe seines 12jährigen Bestehens zu einem der größten und zugleich weltweit bedeutendsten Musikereignisse unserer Zeit.
Es war faszinierend zu erleben, wie der Geist von Woodstock seine unsichtbaren Schwingen auch noch über das „Roskilde Festival '83" ausbreitete:
Drei Tage lang lebten die Musikfreaks in einer anderen Welt. Harmonie, Spontanität und Solidarität waren die Stichworte. Die von Anfang an sprühende Atmosphäre ist aber auch dem ungemein sympathischen Völkchen der Dänen zu verdanken. Selbst die Ordnungskräfte und sogar die Polizei fügten sich nahtlos in dieses friedliche Bild ein. Eindrucksvoll und für den deutschen Beobachter ungewohnt bewiesen die Sicherheitskräfte, daß man auch ohne künstliche Machtdemonstrationen sowie gewalt- und aggressionsfrei diese Art von „Völkerbewegung" unter Kontrolle bekommen kann.
Die Musik war zwar der Magnet, aber beileibe nicht das ein und alles. Ein „alternatives Dorf", ein riesiger Trödelmarkt, viele Cafes, Treffpunkte, Performance-Aktivitäten, Workshops, spontane Jam-Sessions und die Zelte unzähliger Initiativen boten dem bunten Internationalen und zum Teil sehr skurrilen Festivalern drei mal 24 Stunden permanente „Actlon".
Über 60 Gruppen auf vier Bühnen in teilweise überdurchschnittlicher Qualität gerecht zu werden, ist nicht möglich. Deshalb seien stellvertretend einige Hightlights erwähnt:
Der erste musikalische Höhepunkt war zweifelsfrei die schottische Band „Marillion". Das anfängliche Zögern der Musikfreunde (vielen war „Marillion" noch unbekannt) wich sehr schnell einer stürmischen Begeisterung. Dazu trug nicht nur „Marillions" ausgezeichnete Musik, sondern auch in erster Linie die unglaublich (!) ausdrucksstarke und mitreißende Präsentation von Leadsänger Fish bei.
„We Have A Party" sangen „Southside Johnny & The Jukes" aus den USA. Mit zusätzlicher Unterstützung einer Bläser-Section, zwei Schlagzeugern und zwei Key-boardern räumte Southside Johnny im Stile eines sich völlig verausgabenden Burce Springsteen tierisch ab. Zehntausende auf dem Festivalgrund dankten es ihm mit einem Tanzgelage.
Auch die nächste „Big-Party" ließ nicht lange auf sich warten. Zu morgendlich früher Stunde (2 Uhr!) wiegten sich etwa 50 000 Musikjünger zu den afrikanisch-europäischen Rhythmen von „King Sunny Ade & His African Beats" (Nigeria).
Musikalisch die „absolute Sahne" war der Auftritt der mittlerweile schon legendären Truppe „10cc". 15 Jahre Routine und ein SuperSound . . . was für ein Konzert!
Nicht zu verachtende Leckerbissen waren auf der Rhythmstage die niederländische Band „The Nits" (hoffentlich erfahren wir bald auch in Deutschland etwas über diese phantastische Gruppe) und der Schweizer Andreas Vollenweider.
Auf der Folkstage erwartete die Besucher eine besonders angenehme Überraschung: Dougie MacLean, Schotte seines Zeichens und den Folk-Freaks aus seiner Zeit mit den „Tannahill Weavers" kein Unbekannter mehr, zog während zweier Konzerte etwa je 3000 bis 5000 Zuhörer durch seinen jungenhaften Charme und durch sein virtuoses Spiel in den Bann.
Roskilde Festival '83 ... das bedeutete drei Tage lang Harmonie, unheimlich dufte Musik, für dänische aber auch für Festival-Verhältnisse erstaunlich niedrige Preise für Getränke und Essen, viel Sonnenschein und eine leichte Brise vom nahegelegenen Meer. Was will man mehr?
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Lutz