@ bubu:
[quote]Musste diesen alten Thread doch noch mal rauskramen, (...).[/quote]Willst uns hier offenbar ein bisschen provozieren, wa? Nun, dazu bedarf es bei mir nicht viel...
Das Thema dieses Threads lautet: Überschätzte Rock-/Pop-Acts. Was
Madonna in diesem Zusammenhang hier zu suchen hat, ist mir schleierhaft. Der Ruhm dieser Frau gründet in erster Linie auf ihrer großen Anzahl an zeitlosen Hits, daneben noch auf ihr Talent zur Selbstvermarktung bzw. –inszenierung und der Bedeutung als Trendsetterin. Anzweifeln kann man allenfalls Letztgenanntes, da sie speziell für ihre jüngsten Alben geschickt die Underground-Szene ausspioniert und zu ihren Zwecken genutzt hat.
Ansonsten trägt sie ihren Ruf "Queen Of Pop" völlig zu Recht - auch wenn ich der Meinung bin, dass ihre Zeit vorbei ist und sie von der Pop-Bühne abtreten sollte. Über ihre gesanglichen Fähigkeiten könnte man streiten – aber die sind auch zu keiner Zeit überschätzt worden und können daher nicht Gegenstand der Diskussion sein. Ihr Unterhaltungswert und Repertoire an Pop-Klassikern ist für mich hingegen genauso unzweifelhaft wie das, was ein
Michael Jackson bis 1991 ablieferte.
Eine
Britney Spears kann ebenfalls nicht überschätzt sein, weil sie bisher kaum was auf die Beine gestellt hat, das über die Gebühr gefeiert wird. Und was der ihr oft verliehene Titel "Princess Of Pop" angeht – dazu fällt mir nur ein Satz von
DeeTee ein, der sinngemäß lautete:
"In einer Wüste wird schon die kleinste Pfütze als Oase empfunden."...
[quote]Musste diesen alten Thread doch noch mal rauskramen, da meiner Meinung nach die jüngsten Ereignisse mittlerweile meine Theorie untermauert haben, dass Britney Spears (und evt. Christina Aguilera) die inoffizielle(n) Nachfolgerin(nen) von Madonna sind.[/quote]Das zugegebenermaßen merkwürdig anbiedernde Verhalten
Madonnas gegenüber
Britney als ein Zeichen zu werten, dass Erstgenannte ihre Nachfolgerin küren möchte, halte ich für eine völlige Fehleinschätzung. Diesem ganzen Bohei dürften in erster Linie kommerzielle Absichten zugrunde liegen.
Und überhaupt: Wer kann angesichts der künstlich aufgeblähten, fast nur noch durch Optik ihre Waren verkaufenden Musikbranche, die so gut wie keine
echten, zeitlosen Hits und Ohrwürmer mehr hervorbringt, hier allen Ernstes von einer
Nachfolgerin Madonnas sprechen???
Gut, vergleichen wir doch mal das Schaffen
Madonnas in den ersten fünf Jahren mit dem annähernd gleichen Zeitraum bei
Britney.
Madonna eröffnete ihren Hit-Reigen in den deutschen Charts 1984 mit
"Holiday". Es folgten bis Frühjahr 1989 u. a.
"Borderline",
"Like A Virgin",
"Material Girl",
"Crazy For You",
"Into The Groove",
"Dress You Up",
"Gambler",
"Live To Tell",
"Papa Don't Preach",
"True Blue",
"Open Your Heart",
"La Isla Bonita",
"Who's That Girl",
"Causing A Commotion" und
"Like A Prayer".
Jeder, der sich mit Musik a bisserl beschäftigt und auch nur einen Hauch Gefühl für Hits und Ohrwürmer hat, wird wissen, dass es sich bei den genannten Titeln zweifelsohne bereits jetzt um Klassiker handelt, die den "test of time" längst bestanden haben. Mit einem derartigen Arsenal an Evergreens können höchstens noch Kaliber wie die
Beatles,
ABBA oder
Michael Jackson aufwarten. Man muss nur die
"Immaculate Collection" durchlaufen lassen (auf der sogar noch einige Hits fehlen), um sich die Ausnahmestellung des Energiebündels vor Augen zu führen...
Und
Britney? Da bekomm' ich gerade mal zwei schlappe Titelchen zusammen, denen ich ein gewisses zeitloses Hit-Potenzial zugestehe: Ihre Debütsingle
"...Baby One More Time" und
"Oops!... I Did It Again". Vielleicht auch noch ein dritter Song, der mir gerade nicht einfällt.
Das war es! Ansonsten ist da Essig im Karton, der Rest ist schlaffer Einheitsbrei, wie man ihn zu Hunderten im Radio hört. Und ein beliebig austauschbares Püppchen mit so wenig musikalischem Potenzial soll allen Ernstes die Nachfolgerin der charismatischsten und erfolgreichsten Pop-Künstlerin der letzten 20 Jahre sein?
*ROFL*
Im Übrigen hat auch eine
Aguilera nicht viel mehr zu bieten außer Optik und Pseudo-Skandälchen. Das setzte auch
Madonna ihrerzeit schon geschickt zur Vermarktung ein – nur hatte sie auch ein echtes
musikalisches Fundament zu bieten! Ich behaupte: Wären die Promotions-Waffe Musikvideo und damit entsprechende TV-Kanäle nie erfunden worden, hätten die Titel solcher Pop-Lolitas höchstens einen Bruchteil des Erfolges gehabt, den sie durch die Dauerberieselung auf sämtlichen Musiksendern eingefahren haben.
Madonnas Titel dagegen hätten sich ganz locker auch ohne visuelle Unterstützung durchgesetzt! Aber wie wussten es die
Buggles 1979 bereits:
"Video Killed The Radio Star"...

[quote]ich kann mich noch sehr gut an die diskussionen und an unzählige beiträge, kritikermeinungen, etc. aus den 80ern erinnern, wo ihr talent (möglicherweise zu recht) angezweifelt wurde. kann man nicht sagen, sie war die britney der 80er , zumindest in den ersten jahren?[/quote]Nein, sehe ich nicht so. Als Gegenbeweis reicht einzig und allein der obige Vergleich der Hit-Titel aus. Und
nur das ist es am Ende, was zählt – alles andere ist kalter Kaffee und interessiert schon jetzt niemanden mehr. Aber die
zeitlosen Melodien, die werden bleiben. Und ich wette meinen Hintern darauf, dass
Britney da in 10 Jahren in keinster Weise mithalten kann!
Im Übrigen hatte
Madonna eigentlich schon nach drei Jahren keine Konkurrenz mehr, was den Anspruch "Queen Of Pop" angeht. Heutzutage streiten sich die Medien ja fast täglich neu darüber, wen man denn nun gerade in derlei Würden sieht. Lachhaft.
[quote]doch wenn du mein posting aufmerksam gelesen hast, wirst du bemerkt haben, dass mein vergleich mit britney spears sich auf madonnas anfangsjahre bezog, wo man noch gar nicht sagen konnte, wo ihre reise hinging und man ihre kreativität, ihr geschick und gespür für das business noch gar nicht einschätzen konnte.[/quote]Mag sein, spielt in meinen Augen aber keine Rolle. Nochmals: Wer ein Gefühl für zeitlose Hits hat, wusste bereits in den Anfangsjahren, dass sie einen ganzen Haufen an Pop-Klassikern abgeliefert hatte – das ist es, was einen Ausnahme-Interpreten auszeichnet. Derlei kann man von
Britney Spears nicht mal annähernd behaupten.
[quote]vielleicht ist es auch einfach so, dass die nächste fan- und kritikergeneration herangewachsen ist, für die unsere 80er-britneys die grandmas des pop, die würdenträger des old school darstellen - und dementsprechend mit respekt betrachtet werden. ich weiß es nicht...[/quote]Dies ist sicher ein durchaus relevantes Phänomen, ähnlich dem Generationenkonflikt – auch
Aristoteles behauptete ja schon, die Jugend sei schlecht und verdorben. Aber: Auch die Frage nach der Verschiebung der Ansprüche bzw. der kritischen Beurteilung wird letzten Endes durch die Zeitlosigkeit der Musik beantwortet. Was
Mozart,
Beethoven oder
Strauss für die Klassik darstellen, sind die
Beatles,
ABBA oder
Madonna für den Pop: Melodien, die kein Verfallsdatum haben. Der große Rest wird später immer nur für Fans und Freaks interessant sein.
Das ist der entscheidende Punkt, bei dem sich die Spreu vom Weizen trennt.
[quote]oder kylie minogue - auch so ein beispiel. in den 80ern ein kleines durchproduziertes stock-aitken-waterman-püppchen, da waren sich doch alle einig. alle haben über sie gelästert, keiner hat ihr auch nur ein fünkchen talent bescheinigt. und plötzlich ist sie wiedergeboren als superstar, der ungeheurer respekt entgegengebracht wird. meint ihr nicht, das ist gerade auch weil sie so lange in dem business tätig ist? glaubt wirklich jemand, sie hat auf einmal mehr talent als damals? vielleicht wären die rick astleys, jason donovans, bros's von einst die megastars von heute - hätten sie nur durchgehalten und sich keine größeren karriereschädlichen fehler erlaubt.[/quote]Der Witz ist: Die Zeit wird kommen, in der auch die bekannten Titel aus der
S/A/W-Schmiede als Pop-Klassiker gefeiert werden. Zu Recht, und warum? Weil sie eingängige Melodien bieten, deshalb. Und das war, ist und bleibt das wichtigste Kriterium. Vergiss anspruchsvolle Texte, vergiss virtuose Instrumenten-Beherrschung, vergiss auch innovative Ideen – alles Kappes, alles Makulatur, solange die Mucke nicht flott ins Ohr geht und dort für immer hängen bleibt. Da spielt der Bauch dem Verstand eben einen Streich: Eigentlich will man den flott und offensichtlich lieblos zusammengezimmerten Produktionen keinen Respekt zollen, weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf. Dumm nur, wenn derlei Fast-Food-Pop sich aber so harmonisch in die Gehörgänge windet, dass ihn selbst der größte
S/A/W- oder
Bohlen-Hasser nicht aus'm Kopp bekommt...
Was ich damit sagen will: Du hast durchaus Recht, wenn du den Faktor Zeit mit ins Spiel bringst. Eine
Martina Navratilova wurde auch erst zum Publikumsliebling, als sie schon viele Jahre im Tennis-Zirkus verbracht hatte und sich plötzlich einer neuen, aufstrebenden Spielerinnen-Generation gegenüber sah. Allerdings: Um einen solchen Hype wie
Kylie Minogue auszulösen, bedarf es eben auch wieder einer guten
Melodie – und die hatte sie mit
"Can't Get You Out Of My Head". Einzig der Erfolg dieses Titels und ihr viel zitiertes Äußeres verhalfen ihr zu einem solch immensen Comeback. Hat man sich so erst einmal wieder mitten ins Geschäft katapultiert, ist dies heutzutage schon ein gewisser Ruhmesvorschuss. Seien wir ehrlich: Was sie nach dem eben zitierten Hit herausbrachte, war eigentlich auch nicht mehr so dolle – fortan geilten sich die Medien in erster Linie an ihrem Outfit auf. Und da
Kylie und ihre Berater natürlich sehr genau um die optische Macht des Mediums Fernsehen wissen, windet sie sich in ihren Videos lasziv in den aufreizendsten Posen. Vermarktung at its best...
@ Luftgitarre:
[quote]Es hieß immer, Madonna würde "schockieren". Gemach! Wenn das so ist, wieso hat man dann in den Medien eigentlich immer nur Lob für Madonna gehört.[/quote]Nun, wenn dem
nicht so war, warum hat sich dann meine eigentlich noch recht junge Mutter damals mit den Worten "Wenn ich diese ordinäre Schlampe sehe, krieg' ich 'nen Kotzreiz" über
Madonna immer so herrlich aufgeregt? Und sie war weiß Gott nicht die Einzige, die auf den provokanten Anblick derart reagierte. Und dass die Medien
"immer nur Lob" ausgesprochen haben sollen, möchte ich trotz mangelnder Beweise so nicht glauben. Ich denke schon, dass man sich über die Dame ordentlich das Maul zerrissen haben wird...
[quote]Es heißt immer Madonna wäre eine "Ikone der Frauenemanzipation". Aber die hatte doch schon weitgehend in den 70ern stattgefunden! Auch dieses Thema war, als Madonna 1985 berühmt wurde, im Grunde schon "durch" (von heute natürlich ganz zu schweigen!)[/quote]Mit diesem Satz würdest du auch heute noch bei mancher Frauenrechtlerin heftiges Kopfschütteln ernten. Die meisten Feministinnen sehen ihre Mission doch bis heute nicht endgültig erfüllt. Ob das seine Berechtigung hat, steht auf einem anderen Blatt – aber du sprichst schließlich davon, wie die Gesellschaft es damals
empfunden hat. Dass deine These nicht zutrifft, belegen auch Ausschnitte aus 80er-Talk-Sendungen, die z. B. vor einigen Monaten im Rahmen der dreiteiligen Plauder-Runde
"Das Ganze eine Rederei" gezeigt wurden. Da ging's vor 15 – 20 Jahren zum Thema Emanzipation noch richtig zur Sache und endeten entsprechend hitzige Debatten nicht selten in einem Eklat. War sehr amüsant zu beobachten...

[quote]Es heißt immer, Madonna wäre "sexy". Hä? Ich war damals, als Madonna groß rauskam, in der Pubertät. Ich fand ihre Songs toll, aber als FRAU hab ich Madonna im Grunde nicht registriert, weil ich sie einfach nicht hübsch fand. Und ich kenne keinen einzigen Mann, der Madonna sexy findet.[/quote]Dann frag' ich mich allerdings, was für merkwürdige Männer du kennst...
Darüber, ob
Madonna aktuell noch sexy ist, kann man vielleicht streiten (obwohl ich eigentlich ein Faible für reifere Frauen habe). Aber damals war sie es in meinen Augen zweifellos. Wenn ich mir allein das Foto vom
"Like A Virgin"-Cover ansehe, das
Lutz im
"Hässlich, aber erfolgreich"-Thread in Post 005 eingestellt hat – also da finde ich sie schon verdammt lecker! Für mich hatte die Frau immer das "gewisse Etwas" und war nicht bloß eine weitere 08/15-Schönheit am Pop-Himmel. Sie strahlt einfach etwas
Interessantes aus - und das ist für mich die
Grundlage, um überhaupt sexy zu wirken...
[quote]Achtet mal drauf: Die Artikel, in denen es heißt, Madonna wäre ja sooo "sexy" ... diese Artikel sind fast immer von Frauen geschrieben! *g* (D. h. die verwechseln Coolness und Star-Charisma mit Sex-Appeal!)[/quote]Vorsicht: Wenn man "cool" schlicht mit "kühl" übersetzt, ist das für meinen Geschmack die faszinierendste Form erotischer Ausstrahlung. Ich denke da immer sofort an
Andrea Parker, die fiese Agentin aus der ehemaligen VOX-Serie
"Pretender" – ein exemplarisches Beispiel für die "Erotik der Kälte". Oder auch die leicht unterkühlte Ausstrahlung der
"Tagesschau"-Sprecherinnen
Eva Herman und
Susanne Daubner (bei deren
Stimme mir allein schon die Hose zu eng wird

)...