@ musicolaChris : wie bereits gesagt, ich fand die Links interessant (oder witzisch

), ob sie inhaltlich richtig sind, kann ich natürlich nicht sagen.
@ QBert: Wahrscheinlich bin ich zu alt.

Davon mal abgesehen...ich habe damit nicht unbedingt die künstlerische Leistung Shakiras angesprochen - aber dass sie bis vor kurzem noch in Deutschland weitestgehend unbekannt war, dürfte wohl unbestritten sein.
Aber das war auch nicht der Punkt...vielmehr wundert es anscheinend nicht nur mich, daß in der letzten Zeit auffällig viele Interpreten gleich "mal eben" auf Platz 1 in die Charts einsteigen. Sicherlich dürfte auch das breitere Infomationsangebot dafür mitverantwortlich sein, trotzdem beschleichen mich da doch so einige Zweifel an der Richtigkeit der Ermittlungsmethode. Immerhin reden wir hier von einem der größten Märkte der Welt, relativiert man die Zahlen auf die Bevölkerung, ist Deutschland sogar der größte Markt für Tonträger.
Noch ein Beispiel: No Angels vs Bro'Sis. 2 Bands aus der Retorte. Okay, so etwas gab es schon immer, siehe Sex Pistols oder Sigue Sigue Sputnik. Aber noch nie zuvor wurde ein derartiges Produkt dermaßen öffentlich auf eine bestimmte Zielgruppe getrimmt, und noch nie zuvor war die Message so eindeutig: we want your money!
Okay, angeblich haben die No Angels ihre erste Single in der ersten Woche gleich 500.000 Mal verkauft. Gut - kann eh niemand nachprüfen. Dann erschienen Bro'Sis auf der Bildfläche...genauso Plastik, genauso Retorte, genauso unecht. Und genauso gehypt - aber gleich 800.000 Verkäufe in der ersten Woche??? Wow...die müssen ja bei BlödMarkt Schlange gestanden haben, immerhin reden wir von annähernd 1% der deutschen Bevölkerung!
Kein Wunder, daß sich die "Produzenten" die Auszeichnungen für goldene und Platin-Tonträger kilometerweise an die Wand hängen können für 250.000 "verkaufte" Singles gibt es Gold, für 500.000 Platin ( siehe auch
http://www.ifpi.de/service/se-gold_neu.htm ). In dem Zusammenhang wundert es mich auch, daß sich diese Titel so lange in den Charts halten können, da ja irgendwann einmal ein bestimmter Sättigungseffekt eintreten müßte - je mehr Verkäufe in den ersten Wochen, desto schneller. Trotzdem sieht man diese Titel über Wochen in den Top 20, bevor sie langsam den Weg nach unten beschreiten. Eine Nation im Boygroup- und Girliepop-Fieber? Wohl kaum...oder anscheinend doch.
Irgendwo habe ich mal gelesen, daß Modern Talking (gehören zu den weltweit erfolgreichsten Interpreten, ob man sie mag oder nicht) über 30 Millionen Tonträger abgesetzt haben - über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren. Würde man das jetzt mal auf die aktuellen Interpreten, die sich derzeit vorne in den Charts tummeln, umrechnen (natürlich bezogen auf die Verkaufs-Statements der Labels)...jedem Inuit seine Boy-/Girlband?
Ein weiteres "Wunder": laut diverser Statistiken ist die Gruppe der 14 - 19jährigen mit am stärksten an den Tonträgerkäufen beteiligt. Und der Rest? Bei aller Toleranz, aber erfahrungsgemäß ändert sich der Musikgeschmack im Laufe der Jahre, und spätestens die 30somethings dürften bei diesen gigantischen 'Verkaufszahlen' der Boy- und Girlgroups doch eher die Minderheit stellen. Andersherum fragt man sich schon, warum etablierte Megaacts es zunehmend schwerer haben, entweder in die relevanten Top-Positionen vorzustoßen oder sich dort länger zu halten (fairerweise muß man hier anmerken, daß diese im Durchschnitt allgemein länger in den Charts verbleiben).
Entweder haben wir hier das "Modern Talking-Syndrom" - keiner hat sie hören wollen, aber jeder hat sich ihre Scheiben gekauft, oder es wird eben halt doch (auf Initiative der Labels) beschissen, was das Zeug hält.
Last but not least, die künstlerische Leistung (Minenfeld, ich weiß!):
Shakira mag hier die Ausnahme sein...aber wenn jemand für mich die komplette Produktion übernimmt, vom Songwriting bis zu den Arrangements, hätte ich nach meinem eigenen Verständnis große Probleme, mich noch als Künstler zu bezeichnen. Zumindest
Singen können...aber selbst da hapert es mittlerweile vielfach (..."und jetzt nehme ich auch Gesangsunterricht..." - ein oft gehörtes Zitat!). Das ist für mich ein Schlag ins Gesicht für all diejenigen, die sich teilweise schon über Jahrzehnte bemühen, ihr Instrument zu beherrschen, und dafür vieles aufgegeben haben (mittlerweile inklusive Hoffnung).
Auf den Punkt gebracht...wer einmal die unglaublich schlechte Coverversion des Eurythmics-Titels "There Must Be An Angel" von den No Angels gehört hat, weiß vielleicht, wovon ich spreche. Hätte der Produzent meine Stimme derart grausam abgemischt (bzw. in diesem Fall wohl eher im Original belassen), würde er jetzt mit dem Mikro im A.... herumlaufen.