Doch im Grunde währt diese Rettung nicht lange. Karstadt hat die kleinen Häuser ausgegliedert und ihnen den vor Jahren nach Übernahme der Konkurrenz eingemotteten Namen "Hertie" mit auf den Weg gegeben. Der Weg zum Einheitsbrei dürfte in diesen Häusern vorgezeichnet sein, denn da ist nicht viel hinter. Die verbliebenen großen Häuser sind jetzt dran: Einzelne Abteilungen werden ausgegliedert. Der Start erfolgt mit den Buchabteilungen und wird qualitativ sensationell aussehen: Weltbild wird sie übernehmen. Als nächstes wird die Abteilung Düfte anstehen. Dann heisst es evtl. auch bei Karstadt bald "Come in and find out". Die Elektro-Abteilung stand zu Anfang der Sanierungsüberlegungen schonmal zur Disposition. Am Ende wird es vielleicht aussehen wie bei Metro's Kaufhof. Dort wurden die Elektroabteilungen schon häufig durch den konzerneigenen Saturn ersetzt.
Überhaupt geht es auch dem Kaufhof nicht rosig. Die Kunden scheinen immer weniger Interesse an solchen Vollsortimentern zu haben. Doch ist das ein Wunder? Viele Karstadt- und Kaufhof-Häuser haben seit zwanzig Jahren keine Renovierung erfahren. Eingangsbereiche miefen und pusten dem willigen Kunden warme stickige Luft entgegen. Auf dem Weg von der Rolltreppe in die Bekleidungsabteilung muss man nicht selten an einer Fischtheke vorbei, die so gar nicht zum gefassten Gedanken an frische, schicke Klamotten passen will. Überall stehen Grabbelkisten und - palletten herum und ziehen höchstens anspruchsloseste Schnäppchenjäger an, die einem letztendlich in der Enge oft im Weg stehen. Die Sortimente sind Dank angesagter Fremd- und beachtlich frischer Eigenmarken oft ok, im Detail aber nicht selten schlecht gepflegt. Die gewünschte Klamotte ist in den gängigsten Größen meistens gerade nicht da, nur XS und XXXL hängen bereit und sehen wenigstens vom Prinzip her gut aus. Man will als Normalgewachsener Geld ausgeben und kann nicht, weil die Massenware so knapp im Regal liegt wie beim Designer.
Ab und an hübscht eine großzügig dekolletierte Azubine den traurigen Stilmix von 70er Jahre Bodenfliesen, 80er Jahre Holzböden und Grabbeltischambiente neben wäschebergverstopftem Umkleidebereich auf und spendet ein gewinnendes Lächeln. Die würde man gerne mal einlochen lassen und zwar in die Parkhauskarte, da man doch schonwieder die dritte Stunde angerissen hat um fast nichts zu finden und so bricht man nochmal in die CD und DVD Abteilung auf, die immerhin auch recht gut bestückt ist. Man schnappt sich was man früher oder später sowieso gekauft hätte, lässt seine Parkkarte lochen und fährt nach Hause um dort im Internet zu bestellen was man leider wiedermal im Kaufhaus nicht gefunden hat.
Echt schade was aus dem guten alten Kaufhaus geworden ist. Früher als Kind war das Kaufhaus für mich die große weite Welt
Schade, schade!
PM