Mauerfall 1989 - was hatten wir für ein Glück!

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synmaster
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Mauerfall 1989 - was hatten wir f

Beitrag von synmaster »

Und zwar in jeder Hinsicht. Darüber möchte ich gerade zum kommenden 20. Jahrestag (vielleicht besser ein paar Tage vorher, sonst taucht das wieder überall gleichzeitig auf ;)) mal was schreiben.

Wie mein ich das mit dem "Glück"?

Dass die Mauer fiel?

Ja, das auch, aber da waren noch viel mehr Faktoren:

- die Deppschigkeit eines Egon Krenz (der manchmal eher wie ein hilfloser Schuljunge wirkte als wie ein *hust* "Staatsmann")
- Schabowskis Fehlen in den Sitzungen vom 8. und 9. November (Krenz nahm an, dass Schabowski auf dem neuesten Informationsstand war; war er aber nicht, nämlich auf dem vom 7.11., sodass es in der "historischen" Pressekonferenz zu einigen Überraschungen kam)
- der italienische Journalist, der Schabowski glücklicherweise an die wohl sonst vergessene Ausreiseregelung erinnerte, die er "eigentlich" vorlesen wollte!
- die sich noch in den Kinderschuhen befindliche Mobilfunk- und Digitaltechnik!

Habt ihr an letzteres mal gedacht? *DAS* meine ich hauptsächlich mit "Glück"!
Wenn man die Geschichte genau kennt - zugegeben, einiges hat mir der SPIEGEL in seiner fantastischen Ausgabe 45/2009 wieder in Erinnerung gerufen, ist ja doch schon etwas her -, dann weiß man dass sich bei den meisten entscheidenden Ereignissen die Funktionäre ahnungslos für etliche Stunden im ZK-Plenum befanden, und von "draußen" in der GESAMTEN Zeit nichts mitkriegten!

Jetzt nehmen wir an, das ganze wäre 1999 abgelaufen, nicht 1989.
Hätte das genauso funktioniert?

Wahrscheinlich nicht! 1999 hatten die meisten schon ein Handy, und wenn da irgendwas nicht staatskonformes abgegangen wär, hätte sicher mindestens ein Teilnehmer im Plenum eine SMS aufs Handy bekommen!!

Folge: ZK-Plenum wäre nicht bis spät abends gegangen, sondern wahrscheinlich abgebrochen worden!
D. h. die (noch) Machthabenden hätten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit genug Zeit gehabt, noch etwas zu verhindern! Beziehungsweise irgendwelche Führungskräfte zu erreichen. Um halb 11 uhr abends war es damit natürlich bereits vorbei, da war ein Teil bereits im Bett am poofen, und dann entschlossen sich z. T. Stellvertreter, auf eigene Faust Entscheidungen zu treffen! (und damit natürlich ihre Kompetenzen weit zu überschreiten - das dürfen sie natürlich eigentlich gar nicht!)

Also bleib ich dabei: GERADE die noch stiefmütterliche Technik hat uns u. U. diese historische Kehrtwendung erst ermöglicht!! Heute sind eben auch die Gegner "viel zu informiert", weil jeder in Sekundenschnelle über Handy erreichbar ist!
Kohl - am entscheidenden Tag in Warschau, nichtsahnend wie seine Berater - hat das ja mal erzählt, wie er noch wie bei uns in den 30er Jahren (!) mit Kurbel (!!) die Telefonanlage bedienen musste! Ja, im Polen der 80er Jahre!
Heute kriegt er das in wenigen Sekunden übers Handy mit.

Unsere digitale Welt mag viel Angenehmes gebracht haben; aber natürlich können auch solche notwendigen Putsche durch "zuviel Informationsvernetzung" durch das derzeitig noch amtierende Regime vereitelt werden!

Also war es gut so, dass 1989 alles noch so einfach und (fast) "von Hand" war. Wer weiß, wie das sonst abgelaufen wäre...!
Zuletzt geändert von synmaster am Do Jan 01, 1970 1:00 am, insgesamt 0-mal geändert.
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PostMortem
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AW: Mauerfall 1989 - was hatten wir f

Beitrag von PostMortem »

[quote=synmaster;269014]Und zwar in jeder Hinsicht. Darüber möchte ich gerade zum kommenden 20. Jahrestag (vielleicht besser ein paar Tage vorher, sonst taucht das wieder überall gleichzeitig auf ;)) mal was schreiben.

Wie mein ich das mit dem "Glück"?

Dass die Mauer fiel?

Ja, das auch, aber da waren noch viel mehr Faktoren:
- die sich noch in den Kinderschuhen befindliche Mobilfunk- und Digitaltechnik!

Habt ihr an letzteres mal gedacht? *DAS* meine ich hauptsächlich mit "Glück"![...]Unsere digitale Welt mag viel Angenehmes gebracht haben; aber natürlich können auch solche notwendigen Putsche durch "zuviel Informationsvernetzung" durch das derzeitig noch amtierende Regime vereitelt werden![/quote]

Moderne Kommunikationstechnik war und wäre in der DDR natürlich nicht vorhanden bzw. reglementiert, weil man damit in erster Linie die leichte Kommunikation zwischen Regimekritikern behindern wollte. Ich denke, dass sich Deine These erstmal nachvollziehbar liest. Aber das gilt nur, wenn man jeden Aspekt nur isoliert und nicht die allgemeine Auswirkung der Verfügbarkeit moderner, nicht so leicht zu kontrollierender Kommunikationsmittel, d. h. auch auf der anderen Seite, betrachtet. Nun nehmen wir mal an, bundesdeutsche Kommunikationsverhältnisse wären in der DDR gegeben gewesen. Dann denk mal über die Gegenthese nach: Wäre in einem Staat wie der DDR schon 1989 eine zeitnahe und flächendeckende Kommunikation wie heute möglich gewesen, hätten die Demonstranten wahrscheinlich von Anfang an viel zahlreicher auf der Straße gestanden und sich gegenseitig vor eintreffenden Sicherheitskräften gewarnt und über Ausweichrouten informiert. Es wäre alles sehr viel schneller gegangen.

Es wären gezielte, spontane Aktionen möglich gewesen. Schau Dir an wie das am Wochenende mit den Bandidos und den Hell's Angels abgelaufen ist. Die hatten bundesweit ihre "Generalmobilmachung" dank Mobilfunk in Minuten eingeläutet, während die Polizei sich überall mit der Rolle des Zuschauers begnügen musste, da man solchen gesteuerten Massenbewegungen nicht Schritt halten kann. Die Info per SMS an das ZK wäre dann vielleicht gekommen, doch die Reaktion wäre wiederum zu langsam gewesen, weil die Bewegung und Entwicklung draussen ebenfalls um den gleichen Faktor beschleunigt abgelaufen wäre.
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Beitrag von Babooshka »

Ich bezweifle genau wie PM stark, dass es in der DDR überhaupt ein Mobilfunknetz und die dazugehörigen Handys gegeben hätte.
Zuletzt geändert von Babooshka am Do Jan 01, 1970 1:00 am, insgesamt 0-mal geändert.
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lautlos
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Beitrag von lautlos »

Die fehlende Digitaltechnologie ist ein interessanter Gedanke, aber wahrscheinlich haben wir den gewaltlosen Umsturz einer Reihe von Faktoren zu verdanken, die damit denkbar wenig zu tun hatten.

Nur als Beispiel die Grenzer, die von der Situation völlig überrumpelt wurden und (zum Glück) recht besonnen auf die neue Situation reagiert haben. Oder aber die Tatsache, dass Deutsche nicht auf Deutsche schießen wollten, noch dazu in Mitteleuropa. Und dann, was wäre die Alternative gewesen? Die DDR war bankrott, sollte man hier ein 18 Mio. Menschen zählendes Ghetto einrichten?

Zu guter Letzt verdanken wir auch Hr. Gorbatschow und seinem Sinn für die neue Zeit unsere Freiheit. Er hat sich da rausgehalten, keine Panzer geschickt und sich überdies mit Kanzler Kohl gut verstanden. Zwei Männer in Strickjacken hatten also auch einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Sache.
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AW: Mauerfall 1989 - was hatten wir f

Beitrag von Krupunderstab »

Natürlich gab es in der ehemaligen DDR 1989 kein Mobilfunknetz.Auch hat nicht jeder Privathaushalt einen Telefonanschluss gehabt.
Daraus aber eine allgemeine Rückständigkeit abzuleiten,trifft den Kern nicht.
Am Arbeitsplatz hatten wir (Berliner Versorgungsbetrieb) in DDR-Zeiten seit 1987 moderne Rechentechnik.Ich hatte meinen eigenen PC.
Mit der Vereinigung des Westberliner Gegenstückes wurden die Dinger abgeschafft und die gute alte Schreibmaschine wurde wieder eingeführt.Erst 1992 wurden im gemeinsamen Betreib wieder PC's an den Arbeitsplätzen eingeführt.
Die "Rückständigkeit" in der Telekommunikation hatte einen einfachen Grund,der dem Überwachungswahn geschuldet war.
In der Computertechnik bestand dieses Problem nicht,dort wurde seit den 80'er Jahren viel ausgebildet.So erfreuten sich der C 64 , ZX Spectrum ua.in der DDR großer Beliebtheit und waren bei der entsprechenden Klientel weit verbreitet.
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Lutz
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AW: Mauerfall 1989 - was hatten wir f

Beitrag von Lutz »

(Ein wenig X-Posting)

Und wem haben wir es zu verdanken? Genau - The Hoff!!!!11! Was hatten wir für ein Glück, dass er zufällig auch in Berlin war!!!!111!

-snip-

A trip around the world - How David Hasselhoff brought down the Berlin Wall - The Boston Globe – LongJaunt

(...)

For some context, “Looking for Freedom” was competing for the number one spot with the likes of Fine Young Cannibals (“She Drives Me Crazy”), and Roxette (“The Look”) — needless to say, it was not the proudest moment in pop music.The album was not released in the United States — Hasselhoff, though popular, was already somewhat of a parody of himself.

(...)

Hasselhoff sat atop a moving platform, decked out in the most technologically advanced outfit of the moment, doing his best to sing along to the backing track. From the looks of the YouTube video, it may have been his greatest moment, and for many Germans, the performance symbolizes the most exciting period in recent German history.

-snap-

:geberdim:


[video=youtube;NxAd2sHtMf0]http://www.youtube.com/watch?v=NxAd2sHtMf0#![/video]

(Stealthy ist Dein Freund ;))
Zuletzt geändert von Lutz am Do Jan 01, 1970 1:00 am, insgesamt 0-mal geändert.
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