Fifty shades of grey - Was soll der Hype?

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waschbaer
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Fifty shades of grey - Was soll der Hype?

Beitrag von waschbaer »

Ich wundere mich in der letzten Zeit immer mehr darüber, dass irgendwelche Bücher in den Himmel gelobt werden und sich immens gut verkaufen, so dass man immer häufiger mit Rekorden à la "Das am schnellsten verkaufte Buch seit ..." bombardiert wird.

In meinem privaten Umfeld haben mehrere Frauen dieses Buch gelesen und eine gab es mir und empfahl es mir, weil es ja so viel über die intimen Wünsche von Frauen aussagen würde und dieses Buch genau ihren Gefühlszustand beschreibt.

Also habe ich als berufsmäßiger Vielleser, auch dieses Buch in die Hand genommen und mich durch die ersten 200 Seiten gequält. Schon allein die Tatsache, dass eine 21-jährige Literaturstudentin (die zudem auch noch Jungfrau ist), sich in einen 27-jährigen Milliardär verliebt, zeigt, dass jeder Science-Fiction-Roman da an Realität locker mithalten kann und ich somit eher geneigt bin an Warp 10 zu glauben, als an dieses Liebesszenario.

Aber dass diese Geschichte dann in einem sadomasochistischen Unterwerfungsszenario weitergeführt wird, welches sich über mehrere hundert Seiten in einem relativ schlechten Schreibstil ausgebreitet wird, erscheint mir dann doch so wahrscheinlich wie ein neuer Haarschnitt von Frau Merkel.

Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist das erste Buch, welches ich seit langem vor dem Beenden aus der Hand gelegt habe, weil ich es einfach tödlich langweilig und einfach nur literarisch schlecht fand. Ich kann auch gut verstehen, dass die englische Presse den Begriff "Mummy porn" kreiert hat.

Was finden also Frauen an diesen Unterwerfungsfantasien? Warum lesen sie das gerne? Eine Bekannte von mir, die in einem Buchladen arbeitet meinte zu mir, dass das Hauptkundenklientel Frauen der Generation 30+ sind, die meistens noch irgendein Kind am Arm haben und dann ganz verschlagen an der Kasse sagen: "Das kaufe ich für eine Freundin". Oh Mann, wie feige ist das denn?

Aber zurück zu meiner eigentlichen Frage: Wie kommt es zu diesem Hype? Und wie kann man ihn erklären? Wahrscheinlich ist die ganze "Biss-Reihe" oder auch "The hunger games" ein ähnliches Phänomen, oder?
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Babooshka
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Beitrag von Babooshka »

Tja, vielleicht die Tatsache, dass mal ein so genanntes "Tabuthema" Gegenstand dieses Buchs ist. Deine kurze Inhaltsbeschreibung war das erste Konkrete, was ich zu dem Buch erfahren habe, und war ich vorher schon der Meinung, dass ich das nicht brauche, so bin ich jetzt der Meinung, dass ich es wirklich überhaupt nicht brauche. Aber wir beide sind auch keine 30 mehr, vielleicht liegt's daran, dass wir dem nichts abgewinnen können :)
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musicola
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Beitrag von musicola »

[QUOTE=waschbaer;297239]
und eine gab es mir und empfahl es mir, weil es ja so viel über die intimen Wünsche von Frauen aussagen würde und dieses Buch genau ihren Gefühlszustand beschreibt.[/QUOTE]

Botschaft, waschbaer, Botschaft! Booootschaft!!! :zahn:
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Beitrag von J.B. »

[QUOTE=musicola;297248]Botschaft, waschbaer, Botschaft! Booootschaft!!! :zahn:[/QUOTE]

Nein! Zaunpfahl! Ach, was sag ich da......ein ganzer Zaun!

:wald:
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waschbaer
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Beitrag von waschbaer »

Ich hab schon mit solchen Bemerkungen gerechnet, aber diejenige, die mir das Buch gegeben hat, ist eine ehemalige Studienkollegin von mir, die mittlerweile glücklich verheiratet (zumindest nach eigenen Angaben) ist. Da würde ich mich nicht einmischen, auch wenn ich finde, dass sie hübsch und nett ist.

Und wie gesagt: Mich würde eher interessieren, warum tausende von Frauen auf einmal schlechte Literatur über Sadomaso lesen und dieses Thema nun irgendwie "salonfähig" machen.
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Babooshka
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Beitrag von Babooshka »

[QUOTE=waschbaer;297252]
Und wie gesagt: Mich würde eher interessieren, warum tausende von Frauen auf einmal schlechte Literatur über Sadomaso lesen und dieses Thema nun irgendwie "salonfähig" machen.[/QUOTE]

Ja, mich auch. Ich kann Sadomaso so gar nichts abgewinnen, und ob ich aus dem Buch wohl noch was lernen könnte, was Sexualität angeht? Genau diese Frage stellte meine Freundin, ihres Zeichens 50+, einer anderen Freundin, als es um das Buch ging, und diese antwortete ihr mit einem lapidaren "Nö".

Es gibt irgendwie immer mal Bücher oder Buchreihen, die unglaublich gehypt werden. Harry Potter, weil es wirklich fantasievoll ist und Millionen Kinder (wieder) ans Lesen gebracht hat; "Biss", weil es um einen Vampir geht, der aber ein gutes Herz hat und die Geschichte sooo romantisch ist (die Autorin ist ja Mormonin, da muss es natürlich auch sauber und rein zugehen in ihren Büchern); Feuchtgebiete wegen der expliziten Sprache - ja, und nun eben dieses Sadomaso-Epos.
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Beitrag von Kuddel Daddeldu »

ob das hier geschilderte Buch oder Harry Potter:

mich läßt so ein Rummel absolut kalt-ich habe bis heute noch kein Harry Potter-Buch gelesen und auch noch keinen Film davon gesehen.
warum ??
weil´s mich einfach nicht interessiert.
und das gilt auch für dieses "Fifty shades of grey"

ich bevorzuge meist Biographien von Politikern,Schauspielern oder Sportlern.

als Kind habe ich Astrid Lindgren´s "wir Kinder von Bullerbü" gelesen-ist zwar nicht biographisch-aber lustig
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Torsten
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Beitrag von Torsten »

[QUOTE=waschbaer;297252]
Und wie gesagt: Mich würde eher interessieren, warum tausende von Frauen auf einmal schlechte Literatur über Sadomaso lesen und dieses Thema nun irgendwie "salonfähig" machen.[/QUOTE]
Ich sag dir mal was, das feministisch angehauchten Damen nicht gefallen wird: Ich hab Anfang der 90er, als ich in einer Buchhandlung arbeitete, in der Mittagspause mal in einem Taschenbuchwälzer einer Autorin geblättert, die über Jahre hinweg erotische Phantasien von Frauen gesammelt hatte (mündlich, per Briefzuschriften usw.). Darin war auch ein ziemlich umfangreiches Kapitel zum Thema Vergewaltigungsphantasien enthalten, bei denen mir teilweise die Kinnlade runterfiel. Meine Vermutung: Die auch heute noch in vielen Frauen schlummernde Sehnsucht nach dem starken, dominanten Mann wird durch den Zeitgeist von Emanzipation und Feminismus offenbar derart unterdrückt, dass sich diese Wünsche dann durch Phänomene wie S/M und entsprechender Literatur Bahn brechen.

Dazu würde auch die Interpretation für die männliche Gegenseite passen, die Norbert Bolz mal in einer "nachtstudio"-Ausgabe zum Thema Pornographie erwähnte: Es sei schon auffällig, dass der klassische Hetero-Porno das Bild vom dominanten, sexuell aggressiven Mann und der willigen, devoten Frau bediene - offenbar würde damit etwas kompensiert, das in der heutigen Gesellschaft verpönt sei. Allein zu erwähnen, dass da noch Urinstinkte in uns stecken, die auch die (vermeintliche) Zivilisation nicht einfach wegwischen kann, gilt ja fast schon als Tabu ...
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waschbaer
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Beitrag von waschbaer »

@Torsten

Das glaube ich sofort. Ich hatte kürzlich auch mal so ein Erlebnis, bei dem es mir fast die Ohren abgefault hätte. Eine ehemalige Schülerin von mir, die mittlerweile selber in meinem Beruf tätig ist (daran merke ich immer wieder, wie alt ich eigentlich schon bin), traf mich bei einer mehrtägigen Fortbildung.

Klar man setzt sich zusammen und quatscht über vergangene Zeitung. Sie erzählt mir von ihrem Studium und u.a. auch von ihrer zerstörten Beziehung. Man sitzt also zusammen, trinkt zwei bis drei Gläser Wein und eigentlich wäre es ein netter Abend, ich begleite sie an (man achte genau auf die Ortsangabe: an und nicht in) ihr Zimmer und sie meinte - zwar ein wenig angesäuselt, aber durchaus fragend - ob ich ihr einen Wunsch erfüllen könnte. Sie würde gerne mal von ihrem ehemaligen Lehrer "verhauen" werden. Die ganze Stimmung des netten Abends war für mich - Achtung subtiles Wortspiel - mit einem Schlag dahin, denn irgendwie gehört es nicht zu meinem Naturell Frauen zu schlagen.

Aber es scheint mir wieder ein Indiz zu sein, wie du geschrieben hast, dass ein gewisser Teil der heutigen Frauen doch noch zu einem gewissen Grad den dominanten Mann wollen, dies aber gesellschaftlich gesehen tabu ist.
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Conny2808
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Beitrag von Conny2808 »

Oje waschbaer, du scheinst ja öfter mal solche Erlebnisse zu haben ;)...

Aber Scherz beiseite, ich hatte ja, als ich noch arbeiten ging, auch gelegentlich ähnliche Erlebnisse wie du, unter anderem mit einem Pharmavertreter, schon etwas älter, der nach langem Hin und Her wegen eines Termines zu mir sagte: "Nun sagen Sie jetzt einen Termin, sonst schlagen Sie mich noch." Ich antwortete: "Ich schlage niemanden." Darauf er wieder: "Sie können mich ruhig schlagen, ich halte Sie auch fest dabei." Ich wusste auch erst nicht, was ich sagen sollte, aber ich musste ja freundlich bleiben, also hab ich ihn auf meine Weise in die Schranken gewiesen. Meine Kollegin saß ja neben mir, ihr blieb auch erst mal die Sprache weg.

Ich lese ehrlich gesagt keine Literatur über Sadomaso, und ich brauch es auch nicht. Ich bin so zufrieden, wie es momentan ist, zumindest für meinen Zustand. Früher war ich auch so zufrieden. Und ich finde es auch schön, wenn mein Mann und ich darüber reden können, was dem anderen gefällt. Sicher habe ich da auch öfter mal gewisse Phantasien (auch mein Mann), aber das geht auf keinen Fall in die sadomasochistische Richtung. Man sagt zwar öfter mal so: "Schlag mich, ich war böse", aber das ist dann eher scherzhaft gemeint. Ich kann den Hype um gewisse Themen eh nicht so richtig nachvollziehen.
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