10 Jahre 'Agenda 2010' (längerer Telepolis-Artikel)

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Die Luftgitarre
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10 Jahre 'Agenda 2010' (l

Beitrag von Die Luftgitarre »

2003 schien es bei den Arbeitsmarktreformen von SPD und Grünen "nur" um die Erwerbslosen zu gehen. Heute wird immer klarer erkennbar, dass diese Reformen die wichtigste wirtschafts- und sozialhistorische Zäsur seit der Nachkriegszeit überhaupt waren, im Grunde die Aufkündigung des mit dem Begriff Sozialpartnerschaft bezeichneten Interessenkompromisses der alten Bonner Republik. Und die derzeitigen deutschen Krisendiktate in Europa sind in gewisser Weise auch die Fortsetzung der Agenda-Politik auf europäischer Ebene.

Hierzu ein längerer Telepolis-Artikel, der Bogen schlägt von den Bundestagsbeschlüssen 2003 zur Bundesrepublik des Jahres 2013.:


Teil 1: Happy Birthday, Schweinesystem! | Telepolis

Teil 2: Happy Birthday, Schweinesystem! | Telepolis

Teil 3: Happy Birthday, Schweinesystem! | Telepolis

Teil 4: Happy Birthday, Schweinesystem! | Telepolis
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Lutz
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Beitrag von Lutz »

Repost - weil es so schön passt...

Arno Luik, dessen Buch "Wer zum Teufel sind Sie nun? 60 Jahre Bundesrepublik" ich sehr schätze, hat folgendes (kurz nach den Reformen) geschrieben:

-snip-

Der Putsch von ganz oben

Wirtschaft und Politik bauen diesen Staat rücksichtslos um. Was der SPD gestern noch heilig war, ist heute Teufelszeug. Die Reformen zertrümmern das Land - es wird kalt in Deutschland.

(...)

"Notwendige Reformen", die "ohne Alternativen" sind - dieses Reden hat einen totalitären Charakter. Ein Verdacht: Die Reformer argumentieren so apodiktisch, weil sie genau wissen, mit dieser Politik zertrümmern sie so ziemlich alles, wofür die "Soziale Marktwirtschaft" der Bundesrepublik Deutschland einst stand: ein sozialer Staat, der dafür sorgte, daß die privaten Risiken Alter, Arbeitslosigkeit, Krankheit, grundsätzlich kollektiv abgesichert wurden. "Modell Deutschland" nannte das voller Stolz der sozialdemokratische Kanzler Helmut Schmidt.

(...)

Sie glauben, die Folgen ihrer Politik, die immer tiefer gehende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich, das rücksichtslose Zertrümmern vertrauter Strukturen, ignorieren zu können.

(...)

Eines hat sich also in den vergangenen Jahren in diesem Land erschreckend geändert: Es ist kälter geworden. McKinsey-kalt. Das Mitgefühl mit Benachteiligten - es wird entsorgt von jenen, die nach Reformen rufen, die ihnen nicht schaden.

-snap-

Der Putsch von ganz oben
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Beitrag von Lutz »

Aus dem von Luftgitarre geposteten Artikel:

"Für die Arbeitslosen, die Opfer dieses Systems, gleicht Hartz IV einem institutionalisierten Spießrutenlaufen"

Wer Obiges für total übertrieben hält, möge sich mal bitte 5 Minuten Zeit nehmen, und sich diesen Clip reinziehen....
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