Verfasst: Fr Dez 20, 2002 11:31 pm
Da das Thema "Talkshows" ja auch in diesem Forum schon hin und wieder diskutiert worden ist, gibt's hier mal einen ausführlichen Hinweis auf eine dreiteilige Sendung, die Anfang Januar in der ARD gezeigt wird: "Das Ganze eine Rederei", so der Titel eines großen Streitgesprächs von zehn Talkmastern zu "Sinn und Unsinn der TV-Quasselei". Als Appetithappen hab ich einfach mal flux den Text aus der "TV Spielfilm" runtergetippt, der dieses offensichtliche Highlight ankündigt:
Beim Thema Sex wird's heiß: "Bei so viel Bigotterie kommt mir der Kotz hoch", kommentiert TV-Talker Roger Willemsen den Umstand, dass ausgerechnet Sexpertin Erika Berger einst in einer Sendung von Frank Elstner jammern durfte, es gäbe zu wenig Romantik im Leben. Und Margarethe Schreinemakers gesteht in der Stunde der Wahrheit: "Wir haben uns doch alle so manche Dame eingeladen, damit die Quote stimmt."
Thema Talkshow: In einem Fernsehstudio in Köln-Bocklemünd hat sich an diesem langen Abend im Herbst eine illustre Gruppe von aktuellen und nicht mehr ganz so aktuellen Unterhaltungskünstlern der Sparte "Talkmaster" eingefunden. Zehn der bekanntesten sind anwesend, und so mancher Name ist Programm: Schreinemakers, Türck, Beckmann, Kerner, Schlingensief, Willemsen. Sie alle sind gekommen, um über "ihr" Format zu diskutieren. Anlass ist ein runder Geburtstag: Die Talkshow wird 30.
Bis Mitternacht will der Zehner-Rat mit Moderatorin Anne Will die Geschichte der TV-Quasselei nach Möglichkeit selbstkritisch aufarbeiten. Die Erinnerung auffrischen helfen sollen Ausschnitte aus drei Jahrzehnten, die Klaus Michael Heinz gesammelt hat. Der WDR-Redakteur hat in anderthalbjähriger Arbeit über 200 TV-Talks gesichtet, Highlights ausgewählt und in thematische Blöcke à neun Minuten zusammengeschnitten, die er jetzt auf Studiomonitoren einspielen lässt.
Darunter unvergessene Auftritte wie der von Klaus Kinski, als er 1985 in der "NDR Talkshow" Alida Gundlach anbaggerte. Oder Dietmar Schönherrs erste "Je später der Abend"-Ausgabe von 1973, in der Inge Meysel erzählt, wie sie ihre Unschuld verlor. Nicht zu vergessen, die sich anbahnende zarte Romanze zwischen Romy Schneider und Burkhard Driest, aber auch die täglichen Peinlichkeiten aus unzähligen Daily-Talkshows.
Die Talkrunde ist mich sich allein. Keine Zuschauer, keine Gäste. Die Master geben sich gelassen, konzentriert. Redakteur Heinz, der den Mammuttalk aus dem Ü-Wagen vor dem Studio verfolgt, wird später aus der sechsstündigen Sitzung drei jeweils einstündige, thematisch geordnete Sendungen schneiden, die abends um 23.00 Uhr im Ersten gesendet werden. Auch die Titel stehen bereits fest. "Vom Sex und von der Liebe" läuft am 6. Januar, "Vom schwierigen Leben und vom Ende auf Erden" am 7. Januar und "Von Frauen und anderen Politikern" am 8. Januar.
Gerade flimmert eine Szene aus Christoph Schlingensiefs "Talk 2000" über die Bildschirme. Der Krawalltalker versucht, die Erotik-Händlerin Beate Uhse mit aus der Luft gegriffenen Provokationen aus der Reserve zu locken. Vergebens. Die alte Dame bleibt souverän.
Für seinen Auftritt bezieht Schlingensief an diesem Abend heftig Prügel. Kerner will wissen: "Habe Sie Ihre Vorwürfe vorher recherchiert?" Schlingensief verneint. Überraschende Schützenhilfe erhält der Angegriffene von Amelie Fried ("III nach 9"): "Ich finde es spannend, dass Sie den Mut haben, sich penetrant widerwärtig und unsympathisch zu verhalten und damit umzukehren, was wir alle versuchen: charmant und sensibel rüberzukommen."
Je später der Abend, desto heftiger die Attacken. Johannes B. Kerner muss sich für seine Live-Sendung zum Amoklauf in der Erfurter Schule verantworten, Roger Willemsen greift Reinhold Beckmann für dessen schlampige Recherche vor dem "Samenraub"-Interview mit Boris Becker an.
Das Aufschlussreichste am Talk der Talker aber sind die Mienen der Beteiligten. In ihren eigenen Sendungen können sie sich hinter einer Maske aus interessierter Freundlichkeit verstecken. Hier, von Kollegen ins Kreuzfeuer genommen, zeigen sie ein anderes, entlarvendes Gesicht.
Als hätte er genau das befürchtet, formuliert Geert Müller-Gerbes die Aufgabe eines Talkmasters: "Es gibt nichts Interessanteres als das sprechende Gesicht eines Menschen. Die Kunst des Fragenden ist es rauszufinden: Wo lügt er? Und ihn dann an die Hand zu nehmen, über das Glatteis zu führen und ihn an entscheidender Stelle fallen zu lassen, damit er ausrutscht."
An diesem Abend rutscht auch so mancher TV-Profi aus. Ein überraschendes Bild.
Tja, das klingt ja alles schon mal recht vielversprechend. Von mir aus könnte man von solchen Sendungen auch die komplette "Rohfassung" zeigen...
Hier die Liste der Beteiligten:
- Roger Willemsen
- Margarethe Schreinemakers
- Amelie Fried
- Erich Böhme
- Johannes B. Kerner
- Geert Müller-Gerbes
- Dietmar Schönherr
- Christoph Schlingensief
- Andreas Türck
- Reinhold Beckmann
Besonders gespannt darf man wohl auf Willemsen, Müller-Geerbes, Schönherr, Schlingensief und die kluge Amelie Fried sein. Mal sehen, wie sich die anderen Schnarchnasen dagegen behaupten werden...
Das Ganze eine Rederei
6. / 7. / 8. Januar, jeweils um 23.00 Uhr in der ARD
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Beim Thema Sex wird's heiß: "Bei so viel Bigotterie kommt mir der Kotz hoch", kommentiert TV-Talker Roger Willemsen den Umstand, dass ausgerechnet Sexpertin Erika Berger einst in einer Sendung von Frank Elstner jammern durfte, es gäbe zu wenig Romantik im Leben. Und Margarethe Schreinemakers gesteht in der Stunde der Wahrheit: "Wir haben uns doch alle so manche Dame eingeladen, damit die Quote stimmt."
Thema Talkshow: In einem Fernsehstudio in Köln-Bocklemünd hat sich an diesem langen Abend im Herbst eine illustre Gruppe von aktuellen und nicht mehr ganz so aktuellen Unterhaltungskünstlern der Sparte "Talkmaster" eingefunden. Zehn der bekanntesten sind anwesend, und so mancher Name ist Programm: Schreinemakers, Türck, Beckmann, Kerner, Schlingensief, Willemsen. Sie alle sind gekommen, um über "ihr" Format zu diskutieren. Anlass ist ein runder Geburtstag: Die Talkshow wird 30.
Bis Mitternacht will der Zehner-Rat mit Moderatorin Anne Will die Geschichte der TV-Quasselei nach Möglichkeit selbstkritisch aufarbeiten. Die Erinnerung auffrischen helfen sollen Ausschnitte aus drei Jahrzehnten, die Klaus Michael Heinz gesammelt hat. Der WDR-Redakteur hat in anderthalbjähriger Arbeit über 200 TV-Talks gesichtet, Highlights ausgewählt und in thematische Blöcke à neun Minuten zusammengeschnitten, die er jetzt auf Studiomonitoren einspielen lässt.
Darunter unvergessene Auftritte wie der von Klaus Kinski, als er 1985 in der "NDR Talkshow" Alida Gundlach anbaggerte. Oder Dietmar Schönherrs erste "Je später der Abend"-Ausgabe von 1973, in der Inge Meysel erzählt, wie sie ihre Unschuld verlor. Nicht zu vergessen, die sich anbahnende zarte Romanze zwischen Romy Schneider und Burkhard Driest, aber auch die täglichen Peinlichkeiten aus unzähligen Daily-Talkshows.
Die Talkrunde ist mich sich allein. Keine Zuschauer, keine Gäste. Die Master geben sich gelassen, konzentriert. Redakteur Heinz, der den Mammuttalk aus dem Ü-Wagen vor dem Studio verfolgt, wird später aus der sechsstündigen Sitzung drei jeweils einstündige, thematisch geordnete Sendungen schneiden, die abends um 23.00 Uhr im Ersten gesendet werden. Auch die Titel stehen bereits fest. "Vom Sex und von der Liebe" läuft am 6. Januar, "Vom schwierigen Leben und vom Ende auf Erden" am 7. Januar und "Von Frauen und anderen Politikern" am 8. Januar.
Gerade flimmert eine Szene aus Christoph Schlingensiefs "Talk 2000" über die Bildschirme. Der Krawalltalker versucht, die Erotik-Händlerin Beate Uhse mit aus der Luft gegriffenen Provokationen aus der Reserve zu locken. Vergebens. Die alte Dame bleibt souverän.
Für seinen Auftritt bezieht Schlingensief an diesem Abend heftig Prügel. Kerner will wissen: "Habe Sie Ihre Vorwürfe vorher recherchiert?" Schlingensief verneint. Überraschende Schützenhilfe erhält der Angegriffene von Amelie Fried ("III nach 9"): "Ich finde es spannend, dass Sie den Mut haben, sich penetrant widerwärtig und unsympathisch zu verhalten und damit umzukehren, was wir alle versuchen: charmant und sensibel rüberzukommen."
Je später der Abend, desto heftiger die Attacken. Johannes B. Kerner muss sich für seine Live-Sendung zum Amoklauf in der Erfurter Schule verantworten, Roger Willemsen greift Reinhold Beckmann für dessen schlampige Recherche vor dem "Samenraub"-Interview mit Boris Becker an.
Das Aufschlussreichste am Talk der Talker aber sind die Mienen der Beteiligten. In ihren eigenen Sendungen können sie sich hinter einer Maske aus interessierter Freundlichkeit verstecken. Hier, von Kollegen ins Kreuzfeuer genommen, zeigen sie ein anderes, entlarvendes Gesicht.
Als hätte er genau das befürchtet, formuliert Geert Müller-Gerbes die Aufgabe eines Talkmasters: "Es gibt nichts Interessanteres als das sprechende Gesicht eines Menschen. Die Kunst des Fragenden ist es rauszufinden: Wo lügt er? Und ihn dann an die Hand zu nehmen, über das Glatteis zu führen und ihn an entscheidender Stelle fallen zu lassen, damit er ausrutscht."
An diesem Abend rutscht auch so mancher TV-Profi aus. Ein überraschendes Bild.
Tja, das klingt ja alles schon mal recht vielversprechend. Von mir aus könnte man von solchen Sendungen auch die komplette "Rohfassung" zeigen...
Hier die Liste der Beteiligten:
- Roger Willemsen
- Margarethe Schreinemakers
- Amelie Fried
- Erich Böhme
- Johannes B. Kerner
- Geert Müller-Gerbes
- Dietmar Schönherr
- Christoph Schlingensief
- Andreas Türck
- Reinhold Beckmann
Besonders gespannt darf man wohl auf Willemsen, Müller-Geerbes, Schönherr, Schlingensief und die kluge Amelie Fried sein. Mal sehen, wie sich die anderen Schnarchnasen dagegen behaupten werden...
Das Ganze eine Rederei
6. / 7. / 8. Januar, jeweils um 23.00 Uhr in der ARD
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