JENNIFER RUSH
Am 5. März melden Sie sich, fast zwölf Jahre nach Ihrem letzten Studioalbum „Classics“, mit Ihrem neuen Album „Now Is The Hour“ zurück. Warum haben Sie sich Ende der 90er zurückgezogen? Sie waren doch sehr erfolgreich?
Dafür gibt es viele Gründe. Wie wir alle wissen, hat sich in der Musikbranche viel verändert. Ich habe die Plattenfirmen gewechselt, habe meinen Vertrag mit EMI beendet, mein „Classics“-Album bei Virgin aufgenommen, eine erfolgreiche Tournee absolviert und danach diverse Verhandlungen aufgenommen. Das hat etwas länger gedauert, weil ich nur etwas veröffentlichen wollte, zu dem ich stehen kann, nichts Mittelmäßiges, und das braucht seine Zeit.
Außerdem gab es private Veränderungen: Ariels Vater und ich haben uns getrennt, er ist aus unserem gemeinsamen Haus in New York ausgezogen, und ich hatte das Gefühl, nachdem ich so viele Jahre so erfolgreich war, nun extrem für meine Tochter da sein zu müssen. Aber ich war in der Zwischenzeit nicht untätig, hatte meine Auftritte bei Galas und diverse Aufnahmen – nur eingeschränkt, weil ich mich um meine Tochter kümmern wollte. Inzwischen ist Ariel 16, schon sehr selbstständig, d.h. ich kann wieder mehr arbeiten.
Wer kümmert sich heute um Ariel, wenn Sie unterwegs sind?
Glücklicherweise habe ich Familie und enge Freunde in New York, wir sind eine gute Gemeinschaft, so dass Ariel immer bei ihren Freundinnen bleiben kann, wenn ich unterwegs bin. Umgekehrt übernachten Kinder meiner Freunde auch häufig bei uns. Wir haben immer ein offenes Haus, und ich befürworte es sehr, wenn Ariel ihre Freundinnen und Freunde mit nach Hause bringt, damit ich weiß, wo sie ist. Ausserdem wohnt Ariels Vater, zu dem sie regelmäßigen Kontakt hat, nicht weit entfernt. Sie ist für ihr Alter sehr unabhängig und verantwortungsbewusst und macht nächstes Jahr bereits ihr Abitur.
Wie findet sie es, dass Mama wieder arbeiten geht?
Dass ihre Mama arbeiten geht, ist nichts Neues für Ariel. Selbst während meiner Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt stand ich im Studio und bin aufgetreten. Ariel hat als Kleinkind bereits mitbekommen, dass ich unterwegs sein musste, um zu arbeiten. Es ist eine Frage der Organisation, alles unter einen Hut zu bekommen, aber natürlich habe ich meine Termine eingeschränkt, um für meine Tochter da sein zu können. Meine goldenen Schallplatten und Preise habe ich allerdings in den Keller geräumt, um Ariel nach und nach daran zu gewöhnen, was ich beruflich mache. Heute ist es das Normalste der Welt für sie, dass ich auftrete und Musik mache. Dank Handy und Internet sind wir ständig in Verbindung, wünschen uns gegenseitig per SMS viel Glück für unsere „Jobs“ und erzählen uns anschliessend unsere Erlebnisse.
Wo leben Sie heute?
2006 sind meine Tochter und ich nach London gezogen. Aber wir waren nur zwei Jahre dort, weil wir Sehnsucht nach New York hatten und sind im September 2008 wieder in die USA zurückgekehrt. Ich habe ja sehr lange, d.h. seit 1986, in New York gelebt, mein Apartment dort auch nie aufgegeben und die Stadt immer als meine zweite Heimat angesehen. Auch Ariel hatte Heimweh nach New York und ihren Freunden. Aber in meinem Beruf führt man sowieso eher ein Vagabundenleben. Insofern kann ich mich auch schnell woanders eingewöhnen.
Sie sind in Ihrer Kindheit von New York in die norddeutsche Stadt Flensburg gezogen…
Wir mussten aus beruflichen Gründen umziehen, weil mein Vater ein Engagement an der Oper in Flensburg hatte. Opernsänger müssen wie alle anderen Musiker flexibel sein. Mein Vater hatte als Tenor ein Engagement an der New York City Opera und danach Angebote aus Deutschland. Was viele Leute nicht wissen: In Amerika gibt es viel weniger Opernhäuser als in Deutschland, die noch dazu das ganze Jahr über geöffnet haben.
Wie haben Sie und Ihre Brüder Bobby und Steve auf den Umzug reagiert?
Es war für uns als Kinder ein Kulturschock und eine große Veränderung. Außerdem konnte ich kein Wort Deutsch. Aber wir waren nicht lange in Flensburg. Danach sind wir nach Wiesbaden, später Düsseldorf umgezogen, und da wir mittlerweile Deutsch sprachen, gefiel es uns auch immer besser. Als sich meine Eltern scheiden ließen, als ich 15 war, bin ich ja auch wieder mit meiner Mutter zurück nach New York gezogen.
Was empfinden Sie, wenn Sie, wie heute, für Aufnahmen nach München – sozusagen die Wiege Ihrer Karriere – zurückkehren?
Mit München verbinde ich sehr viel. Hier habe ich zwei Jahre lang gelebt und in den 80er Jahren meine ersten Platten aufgenommen. Hier hat alles angefangen…Dabei arbeitete ich damals als Sekretärin für die US-Militärbasis. Glücklicherweise war ich in der deutschen Abteilung und keiner hat etwas davon gemerkt, dass ich neben meinem Fulltimejob Ambitionen als Sängerin hatte, kurz davor stand, meinen Vertrag mit Sony Music zu unterschreiben und heimlich vom Posttelefon aus Verhandlungen führte. Bis mich nach zwei Auftritten als Backgroundsängern im Fernsehen, wo ich noch unter meinem bürgerlichen Namen Heidi Stern (…) auftrat, eine Kollegin ansprach: „Waren Sie gestern im Fernsehen?“, ich aber scheinheilig antwortete: „Meinen Sie, ich würde hier arbeiten, wenn ich im Fernsehen auftreten würde?“ Mein Chef fragte mich oft besorgt: „Heidi, was machst Du am Wochenende? Du solltest Dich weiterbilden und zur Uni gehen.“ Und ich erwiderte: „Ach, mir geht’s gut, so wie es ist.“ Bis mein Doppelleben eines Tages aufflog, als ich für einen Auftritt beim „Musikladen“, in dem ich meine erste Single vorstellte, einen Tag Urlaub beantragte. Als ich am nächsten Morgen zur Arbeit kam, hatte mich bereits ein Kollege von der anderen Abteilung „angeschwärzt“. Dabei hatte er es gar nicht böse gemeint, sondern stolz die Fotos herumgezeigt, die er von der Show im Fernsehen gemacht hatte. Danach war klar, dass ich meinen Job kündigen musste. Aber mein Boss war sehr einsichtig und hat sich mit mir über meinen Erfolg gefreut. Mit vielen dieser Kollegen stand ich noch Jahre später in Kontakt.
Welche Erinnerungen verbinden Sie außerdem mit München?
Gute. Aber es war sehr schwer, ein Apartment zu finden. Besonders als Ausländerin. Und wahnsinnig teuer. Ich habe lange gesucht, bis ich schließlich meinen Vater in Düsseldorf anrief und um Rat fragte und er mir den Tipp gab: „Vielleicht solltest Du mal ein Kleid tragen, dich ein bisschen eleganter anziehen.“ (lacht) Und tatsächlich: Es wirkte. Ich bekam eine Wohnung, zumindest für ein Jahr. Was für eine aufregende Zeit! Meine erste eigene Wohnung in einer so schönen Stadt! Leider habe ich damals nicht viel vom Münchner Umland gesehen, weil ich nur gearbeitet habe, aber ich bin immer gerne nach Hause, nach München, gekommen.
Hatten Sie nach Ihrem Megaerfolg, während Ihrer Pause, das Bedürfnis, sich ganz aus der Musikbranche zurückzuziehen? Als Weltstar hätten Sie es nicht unbedingt nötig gehabt, weiter zu arbeiten.
Ich liebe meinen Beruf viel zu sehr, und es ist mir, ehrlich gesagt sogar, schwer gefallen, nicht ständig unterwegs zu sein. Als ich noch Kind war, haben meine Eltern immer gesagt: „In unserem Beruf ist man früh genug beurlaubt. Das entscheidest nicht du selbst, sondern das Publikum.“ Ich bin noch nicht an dem Punkt angelangt, wo ich das Bedürfnis habe, aufzuhören. Außerdem singe ich wahnsinnig gern. Ich hatte mein Comeback auch schon viel früher geplant. Aber ich wollte nicht mit irgendeiner Plattenfirma zusammen arbeiten, mit der ich mich nicht wohl gefühlt hätte. Es gibt eine Menge Verrückte in diesem Business. Ich hatte Meetings mit diversen Labels in New York, wo ich mir dachte: „Was für Chaoten! Die verstehen ja gar nichts vom Geschäft.“
Sind Sie nervös, was die Publikumsreaktion betrifft, nachdem Sie so lange nichts von sich hören lassen haben?
Natürlich bin ich sehr aufgeregt, was mein Comeback betrifft. Aber: „That’s Life! That’s fun!“ Ich bin jetzt in der perfekten Altersgruppe, muss nicht mehr wie eine 20-oder 30-Jährige agieren, und sehe auch an gleichaltrigen Kollegen, dass Reife sich bezahlt macht. Früher habe ich gedacht. „Wer will mich noch mit 30 oder 35 sehen?“ Diese Einstellung hat sich, Gott sei Dank, auch allgemein geändert. Ich finde, dass meine Stimme sogar runder, kräftiger und noch besser geworden ist. Ich fühle mich heute geerdeter, selbstbewusster und wohler in meiner Haut.
Was empfinden Sie anlässlich Ihres bevorstehen runden Geburtstags, im September 2010?
Ich habe kein Problem damit! Das Schöne daran ist, dass ich nicht die einzige bin, die älter wird. Ich finde, die 60er sind generell ein guter Jahrgang. (…). Man kann nicht in Würde altern, wenn man sich gegen das Älterwerden sträubt. Je älter man wird, umso sorgfältiger muss man mit sich umgehen. Heute muss ich mehr auf mein Gewicht achten und regelmäßig zum Workout gehen. Aber das macht mir auch Spaß, weil ich sehr viel Energie habe.
Erzählen Sie mir etwas über Ihr neues Album „Now Is The Hour“ mit dem Berliner Produzententeam Valicon (u.a Silbermond, Thomas Godoj).
Es ist eine stimmige Mischung aus wunderschönen Balladen – u.a. mein Lieblingslied „Still“, ein reines Klavierstück, fast ein Wiegenlied – und fetzigem Dance-Pop geworden. Die Stücke stammen von großartigen Songschreibern, wie z.B. dem schwedischen Songschreiber-Genie Jörgen Elofsson (Leona Lewis, Céline Dion), der britischen Sängerin/Songschreiberin Natasha Bedingfield („Soulmate“), Alex James (Backstreet Boys, Alexandra Burke) oder Nashvilles Songschreiber-Legende Sharon Vaughn (Trisha Yearwood, Agnes Carlsson). Ich denke, es ist ein sehr schöner, moderner Song-Mix geworden, der den Leuten gefallen wird, und auf den ich sehr stolz bin. Obwohl ich zum ersten Mal keinen Song davon selbst geschrieben habe(lacht). Meistens bin ich zu kritisch mit mir selber. Ich hatte das Gefühl, meine Stücke seien noch nicht fertig, obwohl mich die Leute bedrängt und gesagt haben: „Die sind doch super!“ Dafür spare ich sie mir für mein nächstes Album auf.
Planen Sie bereits Ihre nächste Tournee?
Auf jeden Fall würde ich gerne wieder auf Tournee gehen. Nach der Veröffentlichung des Albums werde ich jedoch erstmal diverse Fernsehauftritte in Deutschland, z. B. bei „Willkommen bei Carmen Nebel“, haben und freue mich darauf, meinen Fans hierzulande und danach europaweit mein neues Album und die Single vorzustellen.
Welche Musik hören Sie am liebsten privat?
In dieser Beziehung bin ich wie meine Eltern, die zwar auf Opernbühnen standen, aber privat alle Musikrichtungen, von Gospel bis Popmusik, hörten. Ich liebe alle Arten von Musik, werde dabei auch oft von meiner Tochter inspiriert. Zurzeit hört sie am liebsten heftigen Gitarrenrock – wie ich, als ich in ihrem Alter war.
Hat Ariel Ihr musikalisches Talent geerbt? Welche Interessen hat sie?
Ich bin mir nicht sicher. (…) Ariel scheint ihr musikalisches Talent vor mir zu verbergen. (lacht) Wir haben es mit Trompete versucht, mit Schlagzeug – nichts hat funktioniert (lacht). Dafür hat Ariel hat eine sehr schöne Stimme. Letzte Woche hat sie zwei Songs von Lenny Kravitz gesungen, und ich bin gespannt auf ihr Video. Aber sie soll das tun, was ihr Spaß macht. Sie schreibt sehr gern, ist ein cleveres und wissbegieriges Mädchen und hatte schon in der Vorschule ihren Lern-Laptop mit dabei. Und da sie darüber hinaus sehr sportlich ist, habe ich während der letzten Jahre viel Zeit auf Basketballplätzen und in diversen Sporthallen verbracht.
Waren Sie eine ähnlich gute Schülerin?
Sie werden es nicht glauben, aber Musiker können sehr gute Schüler sein. (lacht) Ich habe wie einige meiner Kollegen eine Klasse übersprungen. Aber damals war die Schule vielleicht auch noch einfacher. Heute ist es echt tough!
Wie verbringen Sie gerne Ihre Freizeit?
Ich verbringe sie gerne mit Freunden und der Familie: Wir machen Spaziergänge, reden, gehen ins Kino und lesen sehr viel. Nur Shopping ist für mich eher eine Qual als Spaß. Ich glaube, ich bin die einzige Frau, die Shopping hasst.
Sind Sie wieder liiert?
Nein, ich genieße mein Singleleben.
Welche Qualitäten sollte Ihr Traummann denn mitbringen?
Wir Frauen lieben doch alle gut aussehende Männer, oder? (lacht) (…). Er sollte auf jeden Fall ein freundliches Wesen haben, mich für das lieben, was ich tue und wie ich bin. Ganz normal. Ein Mensch, der das Leben liebt, seinen Job und der sich nicht über unnötige Dinge aufregt. Eigentlich ganz einfach, oder?
Abschließende Frage: Was wünschen Sie sich für 2010?
Freude und Zuversicht für uns alle. Die Nachrichten sind ja allgemein ziemlich traurig und deprimierend, da darf man seinen Optimismus nicht verlieren. Es sollte für uns, die wir auf der „sonnigen Seite des Lebens“ stehen dürfen, selbstverständlich sein, anderen von unserem Glück abzugeben und ihnen mit aller Kraft zu helfen.
Interview by Anke Sieker / Sony Music / 2010
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05.02.2010 PLAYLIST:
VICKY LARRAZ - "huracan", TEARS FOR FEARS - "elemental", HAZELL DEAN - "heart first", CHILLY -
"come to l.a.", FIVE STAR - "greatest hits", MODERN ENGLISH - "after the snow" -> WOLLI-Pause
-> DURAN DURAN - "big thing", ALEXANDER O'NEAL - "all true man", V.A. - "dance traxx volume 2",
-> 63 min. avec K. -> DEVICE - "22b3", DEN HARROW - "lies", FANCY - "all my loving", LAID BACK -
"play it straight", V.A. - "eurovision song contest dublin 1988", CLIFF RICHARD - "always guaranteed"
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