Zunächst ist zu sagen, dass SACD schlicht "Super Audio Compact Disc" bedeutet. Es handelt sich hierbei also um eine Weiterentwicklung der CD und nicht um ein vollkommen neues System. Der erste SACD-Spieler (Sony SCD-1) kam bereits Ende 1999 auf den Markt, die ganze Sache ist demnach nicht erst seit gestern akut. Dass dieses neue Medium bisher jedoch so unbekannt ist, liegt erstens am bisher quasi nicht vorhandenen Marketing und zweitens an der Tatsache, dass mit der DVD-Audio ein derzeit wesentlich verbreiteteres Konkurrenzsystem für einen Systemstreit sorgt, der noch längst nicht geklärt ist. Einige Firmen wie die Entwickler Sony und Philips setzen auf SACD, andere wiederum haben sich für die DVD-Audio entschieden. Wenn wir Konsumenten Pech haben, entwickelt sich da ein Grabenkrieg wie seinerzeit der Konflikt zwischen VHS / Betamax / Video 2000. Allein deshalb ist vom derzeitigen Kauf eines SACD- oder DVD-Audio-Gerätes abzuraten, ganz abgesehen von den Kinderkrankheiten, die bei Neuentwicklungen fast zwangsläufig sind. Vor allem Sony ist ja hinreichend dafür bekannt, seine Kunden quasi als Tester zu missbrauchen. Außerdem gibt es bisher noch viel zu wenig Software, die auch noch so teuer ist, dass sich für uns Otto Normalverbraucher das Thema eh ersma erledigt hat...
Nun zu einigen technischen Daten der SACD (für die, die damit was anfangen können). Im Gegensatz zu der CD, die sich mit einer Abtastfrequenz von 44100 Hertz begnügen muss, kommt die SACD mit einer D/A-Wandlung von 2,8 Millionen Hertz daher, also fast das 64-fache. Aufgrund dieser gigantischen Abtastgeschwindigkeit wird ein Dynamikumfang von mehr als 120 Dezibel und ein übertragbares Frequenzspektrum von 0 Hertz bis 100 Kilohertz erreicht. Während die DVD-Audio mit einer 24-Bit-Wortlänge arbeitet, erfolgt die Übertragung bei der SACD mit einem 1-Bit-Datenstrom. Die Informationsdichte beträgt dabei das Vierfache der CD. Für das Auslesen einer SACD-Schicht wird daher auch ein Laser mit höherer Wellenlänge benötigt (780 nm im Gegensatz zu 650 nm bei der CD). SACD-Spieler sind aber dennoch abwärtskompatibel, d. h. sie können auch normale CDs abspielen. Im Übrigen gibt es auch so genannte Hybrid-SACDs, die aus zwei voneinander unabhängigen Informationsschichten bestehen: die obere enthält das CD-, die untere das SACD-Format. Aus diesem Grunde laufen diese Hybrid-Discs auch auf ganz normalen CD-Playern, was ein kleiner Vorteil gegenüber der DVD ist...
Soviel zu dem technischen Schnick-Schnack, kommen wir zu dem eigentlichen Klang - denn entscheidend is', was hinten rauskommt! Und dafür zitiere ich Auszüge aus zwei Testberichten: "... Dabei wurde schnell klar, dass die mittlerweile betagte CD auf hohem Leistungsstand ihren Meister gefunden hat. Im SACD-Betrieb klang der SCD-1 müheloser, luftiger und präziser, kam dem vielbeschworenen Live-Erlebnis atmosphärisch deutlich näher. Der Gewinn an Musikalität ist dramatisch. Man mochte eigentlich gar nicht mehr zur CD-Schicht zurückkehren, die weniger Struktur und Fluss sowie nachlässigeren Umgang mit Details offenbarte. Der Vorsprung liegt dabei eher im Bereich der Feindynamik und -auflösung, weniger in den grobdynamischen Fähigkeiten. Auch ungeübte Hörer, das sei hier ganz klar gesagt, werden den Unterschied problemlos wahrnehmen. Die Wiedergabe wird durch SACD schlicht selbstverständlicher und damit natürlicher, fast könnte man sagen ‚analoger'". - Dies waren die Worte beim Test des ersten SACD-Spielers. Das derzeit technisch Machbare markiert der Edel-Hersteller Accuphase: "Seit einigen Wochen sammelt die Redaktion Erfahrungen mit einer SACD-Kombination, die alle Hochrechnungen, wie gut SACD denn tatsächlich klinge, weit übertreffen sollte. Warmspielen durfte sich das Duo aus SACD-Laufwerk Accuphase DP-100 (um 26900 DM) und Hochleistungswandler DC-101 (um 29500 DM) zunächst in einer Anlage, in der die Schallplatte immer noch den Ton angibt. Hey, was bahnte sich hier an? Im Vergleich mit einem fürstlich ausstaffierten Analoglaufwerk wie dem Goldmund Reference spielte das Accuphase-Gespann derart ähnlich, dass selbst den abgebrühtesten Testern die Spucke wegblieb. Was Vinyl-Freunde an der schwarzen Scheibe so schätzen - das Timing, die Ausdrucksstärke, ja: die enorme emotionale Präsenz - schaffte Accuphase aus dem Stand. Rotierten gar identische Einspielungen auf dem Teller des Plattendrehwerks und im Schlund des DP-100, half allenfalls ein leichter Knackser auf dem Vinyl, Platte und SACD im Blindtest voneinander zu unterscheiden." Dieses Resultat animierte den Stellvertretenden Chefredakteur der Zeitschrift AUDIO zu folgendem Kommentar: "Wir hatten Recht, aber wir trauten uns kaum mehr, unsere Überzeugung zu beschreiben: Die Vinylplatte war und ist gegenüber der CD das bessere Format. Angesichts solch großartiger CD-Kombinationen, wie MBL, Burmester, Spectral und - last but not least - Wadia sie hervorbrachten, wurde unsere Kritik an der CD immer verhaltener. Ja, vielleicht dachten wir schon, wir seien im Irrtum mit unserer Vorliebe für das schwarze Gold. Wir - damit meine ich viele Kollegen der HiFi-Presse. Jetzt können WIR aufatmen: Die SACD und das gute alte Vinyl klingen beinahe zum Verwechseln ähnlich - besser als CD." - Soviel also zu den Stimmen aus der Fachpresse, die ich im Übrigen in vollkommen wertfreier Absicht hier zitiert habe. Zu den Aussagen in diesen Berichten möge sich jeder selbst einen Reim machen. Selbstverständlich denkt auch niemand von uns darüber nach, in eine Player-Wandler-Kombination zum Preise eines gehobenen Mittelklassewagens zu investieren, hier sollte nur der Stand der Technik demonstriert werden. Erfahrungsgemäß purzeln die Preise nach Etablierung eines Systems genauso schnell wie die entsprechende Technik reift, da muss man also einfach nur a bisserl Geduld aufbringen. Eine Investition lohnt sich zu diesem Zeitpunkt aber nicht, und ob die Speicherung von Musik auf Compact Discs oder DVDs überhaupt eine Zukunft hat, wage ich fast schon zu bezweifeln. Ich denke mal, dass Festplattenspeicher und Formate wie MP3 auf dem Vormarsch sind, auch wenn ich zu den Leuten gehöre, die diese absolut technoide und für mich auch emotional kalte Technik eigentlich ablehnen. Es ist doch immer noch was anderes, ob man seine Lieblings-Stücke auf für das Auge nicht sichtbaren Medien konserviert oder ob sich in den Regalen hübsch anzusehende CD-Reihen stapeln - denn nur so bleibt der eigentliche Charme einer Sammel-Leidenschaft erhalten. Aber wie auch immer: NIEMAND WEISS, WAS DIE ZUKUNFT BRINGT!!!
Gruß Torsten
P.S. Vor einiger Zeit habe ich mir mal ein paar alte HiFi-Zeitschriften aus den Anfangstagen der CD (Frühjahr 1983) gekauft. Die Kommentare der obligatorischen Bedenkenträger, die der CD kaum eine Chance einräumten, lesen sich heute um so amüsanter. Auch Christoph, dem ich davon mal Kopien zugeschickt habe, war von dem Unterhaltungswert dieser alten Verrisse sehr angetan...