Der Grund für dieses Posting ist, dass ich in letzter Zeit -angeregt auch durch dieses Forum- ein bisschen herumgesurft bin, Erinnerungen aufzufrischen. Dabei habe ich mir zunächst einmal erlesen, dass das Jahr 1982 den Höhepunkt der Hobby-Spiegelreflexfotografie markierte: In diesem Jahr waren die Produktions- und Absatzzahlen von (Hobby-) Spiegelreflexkameras auf ihrem historischen Höhepunkt. Seither ging es bergab, und mit der zunehmenden Bedeutung der Digitalfotografie ist heute sogar ein echtes Ende dieses jahrzehntelangen und (mich) faszinierenden Themas absehbar, wenn auch natürlich nicht kurzfristig.
Und tatsächlich waren die Jahre 80-84 auch die Höhepunkte meiner Foto-Geschichte: Eine eigene Spiegelreflexkamera erschien finanziell völlig unerreichbar, und so habe ich mir die Nase an den Schaufenstern der Fotogeschäfte plattgedrückt und beeindruckt Prospekte und Kataloge gewälzt. Und was gab es damals für Apparate! Die Auswahl war schier endlos, und Hersteller, die sich heute längst aus diesen Gebieten zurückgezogen haben, boten ein vollständiges Programm an Spiegelreflex-Systemen, untereinander natürlich völlig inkompatibel.
Canon, Minolta, Nikon und Pentax haben (vom Mainstream) bis heute durchgehalten, aber erinnert sich noch jemand an Fujis Spiegelreflexserie? Ein Schulkollege hatte eine, eine Fujica AX-1, wenn ich mich nicht irre. Fujis Programm war eines der kleineren, aber ein wohlsortiertes Objektivangebot gab es schon, natürlich einen Winder und eine Handvoll Kleinigkeiten (Winkelsucher udgl.)
Natürlich gab es auch Yashica, damals wohl noch nicht Teil von Kyocera (bzw. zumindest noch selbstständig auftretend). Die Gehäuse waren solide, die Objektive zum Teil bemerkenswert gut, und das Yashica-Bajonett war mit dem Zeiss-Bajonett identisch, das bis heute von den manuell fokusierenden Contax-Kameras (auch aus dem Haus Kyocera) verwendet wird. Nicht, dass die Zeiss-Objektive damals weniger unerschwinglich gewesen wären als heute, aber einige davon wurden tatsächlich in Deutschland hergestellt und nicht im japanischen Kyocera-Werk.
An Konica erinnere ich mich nur noch dunkel, sie waren hier in Österreich eher unterrepräsentiert. Ich hoffe, ich verwechsle da jetzt nicht den Hersteller, aber ich glaube, es war Konica, bei denen die Einstiegskameras mit Blendenautomatik (nach Zeitvorwahl) ausgestattet waren.
Überhaupt war das mit den Einstiegskameras so eine Sache: In der 3.000 und sehr vereinzelt auch 2.000 Schilling-Klasse (ja, der Schilling...) angesiedelt, boten sie durchgehend eine nicht abschaltbare Zeitautomatik nach Blendenvorwahl, mit der Ausnahme dieses einen Herstellers eben. Manuell beeinflussen konnte man die Angelegenheit auf dieselbe Weise, wie bei den heutigen Digitalkameras: Mit einem Belichtungskorrekturschalter, meist -2 bis +2 Lichtwerte, und in der Regel auch mit einem Messwertspeicher.
Bei teureren Kameras gab es neben dieser einen Halbautomatik zusätzlich die Möglichkeit, beide Werte manuell einzustellen, und eine Vollautomatik. Die Belichtungsmessung erfolgte natürlich durchs Objektiv (das war damals zwar selbstverständlich, aber noch gar nicht so lange). War Ende der 70-er-Jahre noch mit CdS-Sensoren gemessen worden, waren es in den 80-ern schon die schnelleren und über einen weiteren Bereich arbeitenden Siliziumzellen. Auch die Messcharakteristik war bei den erschwinglichen Kameras ziemlich einheitlich, mittenbetont nämlich. Spotmessung gab es nur in astronomischen Preisklassen, und gleichförmige Integralmessung war schon weitgehend ausgestorben. Matrixmessung war natürlich noch nicht erfunden.
Blitz-TTL-Messung war anfangs überhaupt nicht, später in realistischen Preisklassen nicht vorhanden. Kennt noch jemand das Wort "Computerblitzgerät"? Waren das noch Zeiten, als Braun, Philips, Osram... Blitzgeräte herstellten!
Ja, und noch einen Kamerahersteller gab es, den ich trotz der abschweifenden technischen Schwärmerei nicht vergessen habe: Mamiya. Heute ein Hersteller von Profikameras im Mittelformat, hatte Mamiya in den 60-er-, 70-er- und eben auch Anfang der 80-er-Jahre kleine, aber sehr feine Kleinbild-SLR-Serien im Programm. Für mich haben diese eine ganz besondere Bedeutung, denn irgendwann, wahrscheinlich 1982, stand ich mit meinem Vater in einem Fotogeschäft und habe eine zum Geburtstag bekommen. Es war eine Mamiya ZE, das günstigste Modell, mit Mamiya Sekor E 1:2/50-Objektiv um 1.990 Schilling. Sie ist bis heute meine Lieblings- und meistverwendete Kamera.
Die ZE war, wie gesagt, das kleinste Modell der von 1980-1984 gebauten Z-Serie. Aus meinen technischen und historischen Schwärmereien lassen sich ihre Eigenschaften ziemlich genau ableiten: Nicht abschaltbare Halbautomatik, und zwar (da nicht Konica) Zeitautomatik nach Blendenvorwahl. Mittenbetonte Offenblend-TTL-Messung mit einer Siliziumfotodiode. Quartzgesteuerter Titanlamellenverschluss von Seiko. Messwertspeicher, Belichtungskorrektur von -2 bis +2 Lichtwerte.
Das von Mamiya angebotene Objektivprogramm war nicht sehr groß, was aber nicht schlimm war, weil ich mir eh keine Zusatzobjektive leisten konnte. Erst als im Zuge des Osawa-Konkurses Mamiya die Kleinbildlinie komplett aufgab, konnte ich als günstigen Restposten ein sehr hochwertiges 1:2.8/135mm-Objektiv erstehen, das bis heute mein bevorzugtes Portrait-Objektiv geblieben ist. Qualitativ genießen die Mamiya-Kleinbildobjektive durchgehend einen sehr guten Ruf.
Meine Mamiya ist zwischendurch auch einige Jahre im Kasten gelegen, während derer ich sporadischer und ohne eine recht klassische und damit recht große und schwere Spiegelreflex mit mir herumzuschleppen fotografieren wollte. Als ich sie dann wieder verwenden wollte, hätte mich fast der Schlag getroffen, weil der Aufzugshebel nicht mehr aufzog. Innerlich davon überzeugt und darauf vorbereitet, sie aufgeben zu müssen, habe ich ziemlich genau zwei Jahrzehnte nach ihrer Herstellung dennoch Mamiya kontaktiert. Mamiya hat immer noch Ersatzteile auf Lager, und die Reparatur dauerte nur wenige Tage, und jetzt ist sie wieder meine Lieblingskamera und soll das auch weiterhin bleiben.
Seinerzeit habe ich schon immer wieder ein bisschen damit gehadert, dass ich nicht 1.000 Schilling mehr investieren konnte, denn dann hätte ich mir die ZE-2 kaufen können, bei der man die Automatik auch abschalten hätte können. Andererseits ist das kein so großer Mehraufwand in der Herstellung, dass es den 50%-igen Preisaufschlag gerechtfertigt hätte... Heute ist dieses Bedauern längst nicht mehr da, denn seit es Mehrfeldmessung gibt, erscheint die völlig nachvollziehbare und deterministische und damit beherrschbare mittenbetonte Messung geradezu ideal.
Ein Gedankensplitter noch: Bis in die 70-er-Jahre waren Fotoapparate praktisch durchgehend aus Metall und hell gefärbt und nur in den Bereichen, an denen man sie hielt, be(kunst)ledert. Irgendwann wurde dann Schwarz als Gehäusefarbe modern, und dieses Modernwerden habe ich durchaus noch bewusst miterlebt. Lange Zeit gab es Kameras sowohl in heller als auch in schwarzer Farbe, wobei die schwarze Version vom Marketing oft als "Profi-Version" bezeichnet wurde und immer teurer war -teils erheblich teurer- als die helle Version. Die Mamiya ZEs waren (zumindest in Österreich) die ersten Kameras, die es nur in schwarz gab und auf deren Preis diese Schwärze keinen negativen Einfluss hatte (sie waren im Gegenteil sogar billiger als die Konkurrenz).
In der zweiten Hälfte der 80-er-Jahre setzte sich Schwarz dann durchgehend durch, und es gab keine oder kaum mehr helle Kameras. Es hat aber noch ein Weilchen gedauert, bis das Metall auch als Material immer weniger wurde. Gibt es heute noch irgendeine erschwingliche Kamera mit nennenswertem Metallanteil? Für die durch Kunststoff, Autofokus, integrierten Blitz, Menüführung und Batteriehunger gekennzeichneten Kameras der letzten zehn Jahre konnte ich mich bis heute nicht so recht erwärmen.
Naja, zumindest was die Farbe betrifft, ist heute wieder der gegenläufige Trend zu beobachten: Schwarz ist Allerweltsfarbe, und modern und aufkommend ist alles Helle, Silbrige (auch wenn es natürlich nur gefärbter Kunststoff ist). Lustig, wie die Zeiten sich ändern und die Dinge wiederkehren...
Ui, jetzt habe ich sehr viel unstrukturierte Erinnerungen preisgegeben. Hat jemand von euch diese Themen auch durchlebt? Gab es nicht noch weitere Hersteller?
Viele Grüße,
Christian (ebenso begeisterter wie schlechter Fotograf)